mini|hochkant=1.5|Der Königsbau am Max-Joseph-Platz mini|hochkant=1.5|Luftbild der Residenz und des Hofgartens
Die Münchner Residenz ist ein Baudenkmal im Bezirk Altstadt-Lehel der bayerischen Landeshauptstadt München. Sie war von 1508 bis 1918 Sitz der Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. In vier Jahrhunderten wurde sie von den Architekten Friedrich Sustris, Joseph Effner, François de Cuvilliés d. Ä. und Leo von Klenze in den Stilen Renaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus von der kleinen Wehrburg zur monumentalen Vierflügelanlage ausgebaut. Sie besteht aus dem Festsaalbau an der Hofgartenstraße, dem Apothekenbau am Marstallplatz, dem Königsbau am Max-Joseph-Platz und dem Maximiliansbau an der Residenzstraße. Neben dem Cuvilliés-Theater und der Allerheiligen-Hofkirche gehören auch der Hofgarten und der Marstall zum Bauensemble, das im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach unter der Leitung von Otto Meitinger wiederaufgebaut wurde. Die Münchner Residenz ist mit mehr als 40.000 Quadratmetern Grundfläche das größte Stadtschloss Deutschlands und mit mehr als 150 Schauräumen eines der bedeutendsten Schlossmuseen Europas.Quellen: Amtlicher Führer, S. 13 ff. und Dehio München, S. 96 ff.
Geschichte und Architektur mini|Grundriss der Münchener Residenz Gotische Neuveste mini|Die Münchner Residenz mit Hofgarten und Resten der Neuveste von Michael Wening, nach 1700 Der Ort der Residenz wurde schon vor Jahrtausenden von Menschen benutzt. Im Jahr 2014 fanden Archäologen direkt unterhalb des Apothekenhofes der Residenz ein fast unversehrtes, spätbronzezeitliches Grab. 1336 ist erstmals ein Burgstall erwähnt, der im westlichen Bereich der späteren Residenz lag. 1363 wurde die Abtragung dieses Burgstalls in Auftrag gegeben. Im Januar dieses Jahres war mit dem Tode von Herzog Meinhard das Herzogtum Oberbayern an seinen Landshuter Onkel Stephan II. gefallen.
Im späten 14. Jahrhundert entstand in der Nordostecke der heutigen Residenz die Neuveste. Das in der Literatur oft genannte Jahr 1385 ist urkundlich nicht belegt. Es geht auf den Augsburger Chronisten Burkhard Zingg (1396–1474/75) zurück, der berichtete, dass Stephans Söhne, die Herzöge Johann II., Stephan III. und Friedrich, als Sühne für den gescheiterten Bürgeraufstand von 1385 von der Stadt die Erlaubnis erhalten hatten, „ein vest in die statt ze pawen und ein aigen tor … das sy aus und ein reitten“. Allerdings kann der Bau der Neuveste auch schon früher erfolgt sein. So berichtet der Prior Veit von Ebersberg in seiner bayerischen Chronik, dass der Bau der Neuveste die Unruhen erst ausgelöst habe. Möglicherweise stand auch die Abtragung des alten Burgstalls bereits im Zusammenhang mit der geplanten oder begonnenen Errichtung der Neuveste. Urkundlich erwähnt wurde die „newe veste“ erstmals am 7. März 1389. Die Neuveste war eine gotische Wasserburg, die von der Stadt her nur über eine befestigte Brücke zu erreichen war. Bezeichnenderweise lag der größte Turm, der Silberturm, nicht an der Außenseite, sondern verstärkte die Innenfront gegen die Stadt. Hier befand sich später der Staatsschatz. Nördlich des Silberturms, der auch als Bergfried diente, lag durch eine Wehrmauer getrennt an der Nordwestseite der Palas. Östlich schlossen sich im Norden des Innenhofes die Hofhalle und die Dürnitz an. Im Rahmen des Baus der Neuveste wurde Ende des 14. Jahrhunderts in der Nordostecke des zweiten Mauerrings auch das Neuvesttor errichtet. Die Neuveste wurde im Laufe der Jahrhunderte verändert und erweitert. Um 1470 wurden unter Herzog Johanns Urenkel Albrecht IV. (reg. 1465–1508) die Zwingermauern und der Torbau im Norden errichtet, 1460–1500 folgte der Bau von zwei Geschütztürmen. Noch 1466 hatte jedoch die Münchener Bürgerschaft die Kraft gehabt den Zugang von Herzog Siegmund und seines jüngeren Bruders Albrecht zur Burg zu begrenzen, wonach der erstere die Neuveste nur mit sechs, der andere mit vier Dienern betreten sollte. Albrecht drängte in der Folge das Bürgertum immer weiter zurück, seit Beginn der Neuzeit bestimmte dann der Hof die Geschicke der Stadt. 1470/71 war Albrechts Bruder Christoph der Starke in der Neuveste interniert.
1476 wurde die Neuveste nach endgültiger Aussöhnung des Herzogs mit der Bürgerschaft in die bis dahin offene Flanke der Stadtbefestigung mit einbezogen. Neuer Wohnraum wurde unter Albrecht noch nicht geschaffen. Mit der Zeit verlor die Burg allmählich ihren fortifikatorischen Charakter, der durch das verstärkte Aufkommen von Kanonen, welche die Mauern durchschlagen konnten, hinfällig geworden war. Als herzoglichen Sitz löste die Neuveste den Alten Hof allerdings erst unter Albrechts Sohn Wilhelm IV. ab. Um 1620 erfolgte dann der Abbruch aller Gebäude an der Westseite, 1750 wurden Gebäudeteile nach einem Brand notdürftig instand gesetzt, bevor erst nach 1800 die letzten Reste abgebrochen wurden. Noch heute befinden sich jedoch unter dem Apothekenhof der Münchner Residenz die Kellergewölbe und Grundmauern der ehemaligen Burg. Ihre Position ist durch rote Steine im Pflaster des Hofes markiert. Die Mauern des südwestlichen Eckturms aus der Zeit um 1500 und die Gewölbe mit den Rundpfeilern im Ballsaalkeller im Süden der ehemaligen Burg sind die letzten erhaltenen Reste der Neuveste und der älteste Teil der heutigen Residenz.
Renaissanceschloss Anfänge der heutigen Residenz mini|Das Antiquarium, der größte Renaissance-Saal nördlich der Alpen
Als Herzog Wilhelm IV. (reg. 1508–1550) um 1518 den Wohnsitz der Wittelsbacher vom Alten Hof, der seither als Behördensitz diente, in die Neuveste verlegte, begann die Geschichte der Residenz als neuzeitlicher Palast.Lutteroth 2024, Bauphase 5. Ab Mitte der 1520er Jahre wurde an der Stelle des heutigen Marstallplatzes ein aufwändiger erster Hofgarten angelegt. Vielleicht wurde dort für einen Gartenpavillon ab 1528 ein 16-teiliger Historienzyklus geschaffen, zu dem Albrecht Altdorfers Alexanderschlacht gehört. Wilhelm ließ spätestens zwischen 1530 und 1540 an der Südostecke der Burg den genannten Rundstubenbau ausbauen. 1530 besuchte Kaiser Karl V. die Residenz. 1545 befand sich die streitbare Schwester des Herzogs Sabina von Bayern in der Neuveste wochenlang unter Arrest.
Herzog Albrecht V. (reg. 1550–1579) ließ von Wilhelm Egckl neben einem südlich der Georgskapelle an der Ostseite der Neuveste gelegenen Festsaal (St. Georgssaal), auch eine Kunstkammer im Marstallgebäude (heutiges Landesamt für Denkmalpflege) einrichten, in der viele Münchner Sammlungen ihren Ursprung haben.
Da in diesem nördlich des Alten Hofs gelegenen Bau nicht genügend Platz für die umfangreiche Skulpturensammlung war, entstand zwischen 1568 und 1571 durch Simon Zwitzel und Jacopo Strada das Antiquarium.Dirk Jacob Jansen: Jacopo Strada and Cultural Patronage at The Imperial Court. The Antique as Innovation. Leiden 2019. Zum Antiquarium dort: S. 383–429. Sabine Heym: Das Antiquarium der Residenz München. München 2007. Dorothea Diemer, Peter Diemer: Das Antiquarium Herzog Albrechts V. von Bayern. Schicksale einer fürstlichen Antikensammlung der Spätrenaissance. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte. Band 58/1, 1995, S. 55–104. Das neue Gebäude musste außerhalb der Burganlage errichtet werden, da in der Neuveste dafür kein Platz war. Dadurch gab es der Residenz eine neue Entwicklungsrichtung vor. Das Antiquarium, das gesamte Erdgeschoss des Gebäudes einnehmend, ist der größte Renaissancesaal nördlich der Alpen. Im oberen Stockwerk des neuen Gebäudes wurde die Hofbibliothek untergebracht, die den Kern der späteren Bayerischen Staatsbibliothek bildete.Faltlhauser, S. 17–29.
Ab 1560 wurde weiter nördlich auf der Fläche der heutigen Staatskanzlei ein weiterer Garten angelegt. In seiner Nordost-Ecke wurde 1565/67 ein Lusthaus mit einem Zyklus von Deckengemälden zum Thema des Silbernen Zeitalters erbaut (nur einzelne Deckengemälde erhalten).Bauer-Wild; Volk-Knüttel 1989, S. 33–48 (Anna Bauer-Wild) 1560/70 folgte der Bau eines Ballhauses an der Südwest-Ecke der Neuveste, dessen genannter Keller erhalten aber im Allgemeinen unzugänglich ist.
1580/1581 ließ Herzog Wilhelm V. (reg. 1579–1597) an der Residenzgasse den Witwenstock für Herzogin Anna erbauen. Zwischen 1581 und 1586 entstand dann die kunsthistorisch hoch bedeutende Gartenanlage des manieristischen Grottenhofs mit dem Perseusbrunnen, Friedrich Sustris war der Architekt. Er erhielt seinen Namen nach der an der westlichen Antiquariumsfassade angelegten Brunnen- und Muschelwand.Susan Maxwell: The court art of Friedrich Sustris. Patronage in late Renaissance Bavaria. Ashgate, Farnham u. a. 2011. Die zehn Höfe der Residenz, Verwaltung der Residenz München Im Zuge der fortlaufenden baulichen Entwicklung entstanden beginnend mit dem Grottenhof die insgesamt zehn Innenhöfe, wobei besonders dem Brunnenhof und dem Kaiserhof als Schauplätze höfischer Empfänge, Feste und Zeremonien hohe Bedeutung zukam.
Maximilianische Residenz und Kaiserhof mini|Michael Wening, Kupferstich der Maximilianischen Residenz (um 1700) mini|Der Brunnenhof mit dem Wittelsbacherbrunnen mini|Der Kaisersaal (1985 rekonstruiert) mini|Die Hofkapelle
Unter Herzog Maximilian I. (reg. 1597–1651), dem späteren Kurfürsten, entstand ab 1599/1600 bis etwa 1607 an der Westseite des Antiquariums die nach ihm benannte Maximilianische Residenz.Knüttel 1967. – Jan Lutteroth: Die Münchner Residenz als kommentierte 3D-Rekonstruktion. Eine Analyse der räumlichen und funktionalen Entwicklung im Gefüge der Stadt zwischen 1467 und 1614. München 2024. Hier: Kapitel 7.1 Bauphase 7a (1594–1611). Man spricht stilistisch von der Epoche des Manierismus oder der Spätrenaissance im Übergang zum Frühbarock.
Maximilian ging dabei von seinem bereits 1590 bis 1594 an der Residenzstraße eingerichteten Erbprinzenbau aus.Karl Busch: Das Erbprinzenhaus der Münchener Residenz. Der wiedergefundene Schlüsselbau zur Bautätigkeit Maximillians I. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte (1933), S. 399–404. Der zweigeschossige Bau besaß links und rechts der dreiteiligen Durchfahrt zum Kapellenhof je drei Fensterachsen. Im rückwärtigen Bereich wurde 1594 eine Kapelle ausgestattet.
Nachdem Maximilian zuerst in die Wohnung seines Vaters in der Neuveste gezogen war, wurde ab dem Jahr 1600 der ältere Erbprinzenbau weitgehend abgebrochen und südlich des Kapellenhofes bis zum Antiquarium hin ein zweigeschossiger Bereich umgebaut und neu errichtet, der die beiden Wohnungen des Herzogs und seiner Gemahlin aufnehmen sollte.Brigitte Knüttel: Zur Geschichte der Münchner Residenz 1600–1616 (I), in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. Band 18, 1967, S. 187–210. – Lutteroth 2024, Kapitel 7.1 Bauphase 7a (1594–1611). Die Hauptzugänge erfolgten über den Kapellenhof, der anstelle einer Gasse (Jägergassl) baulich gefasst wurde. Am östlichen Ende des Kapellenhofs wurde der Brunnenhof auf einer regelmäßigen Grundrissfigur angelegt, der zuvor als Freifläche für Turniere gedient hatte. Der Architekt war wahrscheinlich ab 1600 der örtliche Hofkünstler Hans Krumpper, der die Entwürfe für die Bauten und große Teile der Dekoration vorgab.Jan-Eric Lutteroth, Peter Heinrich Jahn, Ulrike Seeger, Stephan Hoppe: Venedig in München. Der vergessene Architekt der Münchener Residenz: Hans Krumpper. In: Blog Hofkultur (2021) Zugang. Die ehemals reiche Ausstattung an Deckengemälden schuf Peter Candid mit seiner Werkstatt.Brigitte Volk-Knüttel: Peter Candid. Berlin 2010. Die Namen von weiteren Künstlern wie Heinrich Schön sind bekannt.