René Benko (eigentlich: Rene Benko;Zur Vornamensschreibweise Rene ohne Akut siehe die Eintragungen im Firmenbuch: Suche nach Rene Benko versus keine Treffer mit der Suche nach René Benko. In: Elektronische Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI), abgerufen am 16. Oktober 2025. * 20. Mai 1977 in Innsbruck) ist ein ehemaliger österreichischer Immobilieninvestor und Unternehmer, dessen Firmen zu den größten Insolvenzen der Geschichte Österreichs gehören. Die von ihm gegründete Signa Holding galt als Österreichs größtes Immobilien- und Handelsunternehmen. Sie beteiligte sich international an mehreren Immobilien und Unternehmen, darunter an den Tageszeitungen Kurier und Krone. Benkos Vermögen wurde 2019 auf fünf Milliarden US-Dollar (4,6 Mrd. Euro) geschätzt; er galt damit als einer der reichsten Österreicher – diese Einschätzungen beruhten jedoch auf überhöhten Immobilienbewertungen.
Die Signa Prime Selection soll laut Masseverwalter bereits 2014 rote Zahlen geschrieben haben und war in den Folgejahren zu einer „Loch-auf-Loch-zu-Politik“ gezwungen, weshalb parallel dazu, als Vorsorge für den Konkursfall, „Vermögensbunker der Benkos“ gegründet wurden.Signa Prime schon seit 2014 in roten Zahlen. In: ORF.at, 5. August 2025 Die Signa Holding musste Ende November 2023 ihre Zahlungsunfähigkeit eingestehen. Im März 2024 stellte auch René Benko selbst einen Antrag auf Insolvenz als Unternehmer, das zuständige Landesgericht machte daraus ein Konkursverfahren. Gegen ihn ermitteln derzeit Strafrechtsbehörden in Österreich, Deutschland, Liechtenstein und Italien wegen des Verdachts des schweren Betrugs, der Geldwäsche sowie mehrerer Insolvenzdelikte. Anfang Dezember 2024 stellte die Oberstaatsanwaltschaft von Trient wegen des Verdachts der Organisierten Kriminalität einen Europäischen Haftbefehl aus. Deloitte sowie die Masseverwalter von Signa Holding und Signa Prime erhoben den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Benko wurde im Jänner 2025 festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft. In seinem ersten Prozess wurde er rechtskräftig zu zweieinhalb Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt.
Herkunft und Ausbildung René Benko wurde als Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Erzieherin in Innsbruck geboren und besuchte zunächst das Reithmanngymnasium in Innsbruck und dann die dortige Handelsakademie (HAK). Er hat eine jüngere Schwester, Verena. Als Jugendlicher war er Kletterer, unter anderem nahm er als 14-Jähriger an der österreichischen Hallenkletter-Meisterschaft teil. Im Alter von 17 Jahren lernte er im Unternehmen eines befreundeten Baumeisters erstmals die Immobilienbranche näher kennen. Daraufhin verließ er die Schule, da er zu viele Fehlzeiten hatte, um zur Matura zugelassen zu werden. Laut der österreichischen Rechercheplattform Addendum durchlief Benko Mitte der 1990er Jahre die Schulungen des von Carsten Maschmeyer geführten deutschen Finanzdienstleisters AWD (heute Swiss Life Select).
Unternehmerischer Werdegang Anfangsjahre (bis 2006) mini|Front Kaufhaus Tyrol, Innsbruck (2010)
Zu Benkos ersten Projekten gehörte – laut Eigenangabe – ab 1995 der Ausbau von Dachböden zu Luxuswohnungen. 1997 erwarb er eine Kaufoption auf Anteile des Wellnesshotels Lanserhof bei Innsbruck, die er gewinnbringend an den Hotelier Christian Harisch verkaufte. 2001 erwarb er als Geschäftsführer das Medicent in Innsbruck mit seinem Geschäftspartner, dem Bauindustriellen Günther Schertler, eine Liegenschaft am Innrain, auf deren Areal unter dem Markennamen „Medicent“ ein Fachärztezentrum realisiert wurde.
2001 gründete Benko gemeinsam mit dem Kfz-Händler Karl Kovarik († 2012 im Alter von ca. 64 Jahren) die Immofina Holding.Gewinn, Nr. TOP-Gewinn-1a, Ressort: TOP Geld / TGE TOP Geld, S. 38 vom 15. Jänner 2002, eingelesen am 3. Mai 2019. Kovarik, der sich mit 26 Millionen Euro beteiligte, hatte sein Kapital 1987 erworben, als er die von Leopold Stroh geerbten 134 „Stroh“-Tankstellen für kolportierte 300 Millionen Euro an die OMV verkaufte. In nächsten Schritten wurden erfolgreich weitere Fachärztehäuser in Österreich eröffnet. 2004 erwarb die Immofina das Kaufhaus Tyrol, das bis 2010 neu errichtet wurde. Die Planung führte David Chipperfield durch. Im Kaufhaus Tyrol befindet sich bis heute das Innsbrucker Büro der Signa Holding. Im Oktober 2004 warb Benko um Anleger für den ersten geschlossenen Immobilienfonds „Signa:01 Property Fund“ der Immofina-Gruppe. Neben weiteren Fonds plante er die Gründung einer Bank für Immobilieninvestments nach Vorbild der Constantia Privatbank.Format Nr. 45/04 vom 5. November 2004, Ressort: business, Mut & eine Portion Glück. S. 44, eingelesen am 3. Mai 2019. Im Jahr 2005 wurde der Unternehmensbeirat gegründet, der die Strategie des Unternehmens mitgestaltete, und 2006 die Immofina Holding GmbH in Signa Holding GmbH umbenannt.
Immobilieninvestments in Deutschland (2006 bis 2012) mini|Kaufhaus Oberpollinger, München (2017)
Im Jahr 2007 erfolgte der Ankauf von 16 Immobilien in Innenstadtlagen aus dem Portfolio der BAWAG P.S.K. Zeitlich erfolgte dieser Eigentümerwechsel kurz nach dem BAWAG-Verkauf. Im Jahr 2008 erwarb Signa Holding die ehemalige Zentrale der Länderbank beziehungsweise Bank Austria Am Hof, heute Hotel Park Hyatt Vienna. 2009 beteiligte sich der griechische Reeder George Economou; er beendete sein Engagement im Jahr 2015.
Hauptgesellschafter der Signa-Holding ist die Familie Benko Privatstiftung mit einem beherrschenden Anteil von 85 Prozent. Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, hält zehn Prozent und Torsten Toeller fünf Prozent der Anteile seit 2017. Im Jahr 2010 kam das Gebäude der Deutschen Börse in Eschborn zum Portfolio der Signa Holding hinzu. Im Jahr 2011 folgte ein Abschluss mit dem Kaufhaus Oberpollinger in München. Im selben Jahr folgte der Kauf des ehemaligen Hotels Schlössle in Oberlech mit 500.000 Euro für das Vorkaufsrecht an die Gemeinde. Auf dem Grundstück entstand anschließend das Luxushotel Chalet N.
Medienberichten zufolge gründete der israelische Diamantenhändler Beny Steinmetz 2012 mit der Signa Prime Selection ein Joint Venture und ermöglichte somit im Dezember 2012 für rund 1,1 Milliarden Euro den Kauf des Berliner KaDeWe und 16 weiterer Karstadt-Immobilien von dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen.. In: Wirtschaftsblatt. 24. November 2011, abgerufen am 16. September 2013. Laut Bundeskartellamt wurde die Übernahme am 21. Dezember 2012 zu je 50 Prozent von Signa und der Beny Steinmetz Group beantragt. 2015 trennten sich René Benko und das israelische Unternehmen wieder durch eine Aufteilung des Portfolios.
Letztinstanzliche Verurteilung wegen Korruption (2014) Am 2. November 2012 wurden René Benko und sein Steuerberater Michael Passer am Landesgericht Wien wegen „versuchter verbotener Intervention“ (Schmiergeld) zu einer bedingten Freiheitsstrafe von je zwölf Monaten verurteilt. Die Richterin stellte fest, dass Passer 2009 im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader kontaktiert und ihm 150.000 Euro angeboten habe, um ein in Italien anhängiges Gerichtsverfahren zu Benkos Gunsten zu beeinflussen.
Das Urteil wurde am 13. August 2013 vom Oberlandesgericht und nach Einreichung einer Nichtigkeitsbeschwerde am 11. August 2014 vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Der daraus resultierende Eintrag wurde einige Jahre nach der Verurteilung aus dem Strafregister gelöscht.
Engagements im Handel (2014 bis 2018) Benko zog sich offiziell am 18. Juni 2013 aus der operativen Führung der Signa Holding GmbH zurück und übernahm den Vorsitz des Beirates der Signa-Gruppe. 2013 erfolgte die Gründung der neuen Unternehmenssparte Signa Retail. Durch den Erwerb der Karstadt-Warenhauskette, weiterer Online- beziehungsweise Multi-Channel-Retailer und Kaufangebote für Galeria Kaufhof ist Benkos Signa Holding nicht mehr nur im Bereich des Immobilieninvestments tätig, sondern auch im Handelssektor.
mini|Parkapartments am Belvedere in der Bauphase, Wien (2018)
Im Jahr 2014 wurden einige Immobilienprojekte in Österreich fertiggestellt. Dazu zählten das Goldene Quartier und die Parkapartments am Belvedere in der Nähe des Wiener Hauptbahnhofs. 2015 startete die Unternehmenssparte Signa Retail über die Eataly Distribution Deutschland GmbH ein Joint Venture mit der italienischen Eataly, dem größten Vertreiber von italienischen Konsumgütern weltweit. Im Jahr 2016 wurde die Genehmigung für das Einkaufszentrum Waltherpark durch eine Volksbefragung in Bozen erteilt. Im selben Jahr wurden die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wegen des Bestechungsverdachts über 500.000 Euro an die Gemeinde Lech aufgrund einer Weisung der Oberstaatsanwaltschaft Wien eingestellt. mini|Die Villa in Igls, auf dem Gelände des ehemaligen Schlosshotels 2016 kaufte Benko für 9,25 Millionen Euro das Anwesen Schlosshotel Igls bei Innsbruck samt dem 5000 m² großen Park.Benkos gepfändete Luxusvilla: Steuerskandal oder gewöhnlicher Vorgang? In: Der Standard, 2. Jänner 2024. Das ursprüngliche Hotel wurde abgerissen und in den darauffolgenden Jahren eine Villa im Südstaatenstil errichtet, wo Benko samt Familie hauptwohnsitzgemeldet war. Die Südstaatenvilla durfte zwar gebaut werden, allerdings mussten Schlossmauer und -wald wegen des Ortsbildschutzes bestehen bleiben. Am 4. Mai 2016 wurde die Schlosshotel Igls Betriebs GmbH & Co KG mit dem Zweck „Betrieb, Erwerb, Verwaltung, Entwicklung, Vermietung und Nutzung und sonstige Verwertung von Liegenschaften, liegenschaftsähnlichen Rechten und Gebäuden“ im Firmenbuch eingetragen. Gesellschafter war die Laura Privatstiftung, Kommanditist war ebenfalls die Laura Privatstiftung und Komplementär ist die Laura Harmonia GmbH. Die Laura Harmonia ist in der Maria-Theresien-Straße 31 in Innsbruck beheimatet. Sie gehört zu 100 % der Laura Privatstiftung.Igler Villa wird Wahlkampfthema, Signa im Bundestag. In: Meinbezirk.at, 4. Jänner 2024. Ende 2023 pfändete die Republik Österreich Benkos Privatvilla. Die Schlosshotel Igls GmbH, der das Anwesen gehört, soll seit 2016 mehr als zwölf Millionen Euro Umsatzsteuer nicht bezahlt haben. Ein Signa-Sprecher nannte die Berichterstattung „falsch und irreführend“.
Das Jahr 2017 war besonders durch Erweiterungen im Onlinehandel, wie die komplette Übernahme von Probikeshop über Internetstores und 70 Prozent der Anteile von Hood.de durch die Karstadt-Mutter Signa, geprägt. Am 29. Dezember wurde der von Benko für 60 Millionen Euro erworbene Kika-Leiner-Flagshipstore in der Wiener Mariahilfer Straße 10–18 auf die Laura Daphne GmbH übertragen, eine Tochtergesellschaft der Laura Privatstiftung, deren Stifter wiederum René Benko und dessen Mutter Ingeborg Benko sind.
Im Juni 2018 kaufte die Signa Holding für 600 Millionen Euro von Bruno Steinhoff über die südafrikanische Steinhoff International Holdings die Möbelketten Kika und Leiner mit etwa 6500 Mitarbeitern. Am 11. September 2018 wurde die Fusion von Karstadt und Kaufhof offiziell bestätigt. Benko schuf damit einen sogenannten „Warenhausriesen“, wobei künftig an der Signa Retail 49,99 Prozent dem kanadischen Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) gehören und 50,01 Prozent der Signa-Holding. Wiener Zeitung am 11. September 2018, abgerufen am 3. März 2019. In: Trend. 28–29/2018. Nach dieser Fusion wurde Benko in den Kreis der „Menschen des Jahres 2018“ der deutschen Tageszeitung Handelsblatt aufgenommen. Roland Berger, seit 2013 Mitglied im Signa-Beirat und Aktionär der Signa Prime, verfasste den Beitrag dazu im Handelsblatt.