mini|Gedenkstätte Neuengamme beim Haupteingang mit angedeuteten ehemaligen Häftlingsbaracken und Appellplatz mini|Foto eines Graffito an der Gefängnismauer der JVA Vierlande Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme erinnert am Ort des ehemaligen KZ Neuengamme in Hamburg an die mehr als 100.000 Opfer des Nationalsozialismus, die dort zwischen 1938 und 1945 inhaftiert waren und von denen mindestens 42.900 starben.

Lage Die Gedenkstätte befindet sich südöstlich vom Zentrum von Hamburg-Bergedorf auf halbem Weg Richtung Zollenspieker in Hamburg-Neuengamme. Sie ist zu erreichen über die Autobahn A 25, Ausfahrt Hamburg-Curslack oder von der Bundesstraße 5 aus über den Curslacker Heerweg.Lageplan der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Neuengamme am Jean-Dolidier-Weg Der Eingang befindet sich am Jean-Dolidier-Weg 75 in der Nähe der Bushaltestelle "KZ-Gedenkstätte, Ausstellung".

Geschichte Nachnutzung des ehemaligen KZ Neuengamme Von 1948 bis 2006 wurden Gelände und Gebäude durch die Stadt Hamburg mit zwei Gefängnissen für den Strafvollzug genutzt. Am Rande entstanden 1965 ein Internationales Mahnmal und 1981 ein Ausstellungsgebäude. Nach der Schließung der Gefängnisse 2003 und 2006 wurde die KZ-Gedenkstätte als Einrichtung der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg unter der Adresse Jean-Dolidier-Weg 75 in Neuengamme eröffnet. Durch Senatsbeschluss vom August 2019 wurde die KZ-Gedenkstätte in die öffentlich-rechtliche „Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte“ überführt, die auch mehrere ehemalige Außenlager und weitere Gedenkorte im Hamburger Stadtgebiet umfasst.KZ-Gedenkstätte Neuengamme wird Stiftung. In: Hamburger Abendblatt, 21. August 2019, S. 14. Autorenkürzel mha.

Durch andere Nutzung, bewusste Vertuschung und teilweisen Abriss verdrängte die Öffentlichkeit das Konzentrationslager Neuengamme aus der Wahrnehmung.Fritz Bringmann, Hartmut Roder: Neuengamme. Verdrängt – Vergessen – Bewältigt? Die „zweite“ Geschichte des Konzentrationslagers Neuengamme 1945–1985. VSA-Verlag, Hamburg 1987, ISBN 3-87975-416-0. Bis in die 1970er Jahre, so hebt der Historiker Malte Thießen in seiner Studie zum Gedenken an Neuengamme hervor, reagierten sämtliche Regierungen der Stadt „auf jegliche Initiative zur Gedenkstättenarbeit in Neuengamme tendenziell ablehnend.“ Die langsame Entstehung der Gedenkstätte ist ein Spiegel für die späte Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, „der weite Weg“ zu einer KZ-Gedenkstätte „spiegelt daher politische Konjunkturen und mentalitätsgeschichtliche Wandlungen der Bundesrepublik“ wider.Malte Thießen: Eingebrannt ins Gedächtnis. Hamburgs Gedenken an Luftkrieg und Kriegsende 1943 bis 2005. Dölling und Galitz Verlag, München/Hamburg 2007, ISBN 978-3-937904-55-9, S. 12.

mini|JVA Vierlande auf dem ehemaligen KZ Gelände, vor dem Abriss 2006 Das KZ Neuengamme wurde am Kriegsende vor dem Eintreffen der alliierten Truppen der Briten zwischen dem 30. April und 2. Mai 1945 endgültig geräumt. Drei Jahre lang die britische Militärregierung den Ort als Internierungslager für mutmaßliche Kriegsverbrecher. Am 13. August 1948 wurde das Gelände der Stadt Hamburg zurückgegeben, die dort am 6. September 1948 ein Gefängnis eröffnete, die spätere Justizvollzugsanstalt Vierlande (JVA XII). Dabei wurden nahezu alle bestehenden Steingebäude weiter genutzt, so die ehemaligen Häftlingsblöcke 1 bis 4 und 21 bis 24 wie auch Teile des SS-Lagers und das Kommandantenhaus, die als Wohnungen für Gefängnisangestellte dienten.KZ-Gedenkstätte Neuengamme: Zeittafel. Webarchiv

Die zwischen diesen beiden Blöcken liegenden Holzbaracken riss man ab und ersetzte sie 1950 durch einen Neubau. Den ehemaligen Appellplatz baute man um. Ein Sportplatz wurde ergänzt.

„Amicale Internationale de Neuengamme“

mini|hochkant|Internationales Mahnmal Parallel dazu gründete sich am 6. Juni 1948 die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e. V. (AGN), die sich dem Andenken an die Verfolgten des NS-Regimes verpflichtete und für die Errichtung eines Gedenkortes eintrat. Sie ist Bestandteil des internationalen Überlebendenverbandes Amicale Internationale KZ Neuengamme (AIN). Nach Protesten der ebenfalls in der „Amicale“ organisierten ehemaligen französischen Häftlinge und der aufkeimenden öffentlichen Diskussion, versuchte die Stadt Hamburg durch Errichtung einer kleinen Gedenkstätte im Oktober 1953 alle Parteien zufriedenzustellen. Am Rande des Geländes, im Bereich der ehemaligen Lagergärtnerei, wurde eine Platte mit der Aufschrift Für die Opfer 1939–1945 angebracht, die später durch eine steinerne ersetzt wurde. Am 3. April 1954 entnahmen auf Initiative des Landesverbands Hamburg der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN) ehemalige Häftlinge bei einer Feierstunde neben dem Mahnmal Erde des ehemaligen KZ, füllten sie in eine Urne und überbrachten sie mit einer kleinen Delegation zur Befreiungsfeier der Häftlinge des ehemaligen KZ Buchenwald bei Weimar.Heinz Koch, Udo Wohlfeld: Das deutsche Buchenwaldkomitee. Die Periode von 1945 bis 1958 (= Schriftenreihe der Geschichtswerkstatt Weimar-Apolda. Heft 7). Geschichtswerkstatt Weimar, Weimar 2010, ISBN 3-935275-14-5, S. 72. Ab 1958 forderten die Überlebendenverbände von den Hamburger Behörden die Einrichtung einer Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers.

Entwicklung zur Gedenkstätte Am 7. November 1965 fand im hinteren Teil der ehemaligen Gärtnerei die Einweihung des Mahnmals mit einer Stele, der Skulptur Der sterbende Häftling der französischen Bildhauerin und Überlebenden des Holocaust Françoise Salmon und einer Gedenkmauer mit Nationentafeln statt. Anstelle der ehemaligen Gärtnerei legte man Äcker an, die Gebäude am Nordrand des Geländes trug man ab, an ihrer Stelle entstanden Ein- und Mehrfamilienhäuser.KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Zeittafel, abgerufen am 4. August 2016. 1970 errichtete die Stadt ein weiteres Gefängnis auf dem Gelände, gelegen zwischen den ehemaligen Tongruben des Klinkerwerks und den Gebäuden für Dienstwohnungen der Justiz. Die neue Anstalt wurde bis Mitte der 1980er Jahre als Jugendstrafanstalt, anschließend als geschlossene Anstalt im Erwachsenenvollzug (JVA IX) genutzt. Der Protest der Überlebendenverbände gegen diesen Ausbau war zunächst gering. Doch mit der Gründung der Initiative Dokumentationsstätte Neuengamme 1979 nahmen die Forderungen, das ehemalige KZ in eine Dokumentations- und Gedenkstätte umzuwidmen, realisierbare Formen an.

mini|Dokumentenhaus Einen Anfang machte der Bau eines Dokumentenhauses, das nach einem Entwurf des Architekten Walter Bunsmann in Zusammenarbeit mit Paul-Gerhard Scharf auf dem Gelände der ehemaligen Lagergärtnerei entstand und das am 18. Oktober 1981 eingeweiht wurde. 1995 wurde es mit der Eröffnung neuer Ausstellungen in anderen Gebäuden, als Haus des Gedenkens umgestaltet. Ein Internationales Jugendworkcamp legte 1982 einen Rundweg um das Gelände an. Mitte der 1980er Jahre beschloss die Stadt Hamburg den Abriss des Klinkerwerkes, dieser wurde durch die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit und zunehmende Proteste verhindert. 1984 wurden die Reste der KZ-Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Am 17. Juli 1989 beschloss der Hamburger Senat, die Strafvollzugsanstalten in andere Stadtteile zu verlagern. Es folgten weitere Beschlüsse zur Entwicklung einer KZ-Gedenkstätte. Im Jahr 2003 schloss das erste Gefängnis, ab August 2003 erfolgte der Abriss aller Nachkriegsbauten auf dem Gelände und dessen Neugestaltung. Die zweite Justizvollzugsanstalt auf dem Gelände der ehemaligen Tongruben wurde im Februar 2006 in die Justizvollzugsanstalt Billwerder verlegt.

Die Gedenkstätte besteht seit 2005 als Ausstellungs-, Begegnungs- und Studienzentrum. Seit 2007 können dafür alle Flächen des ehemaligen Lagers genutzt werden. Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist seit Juni 2019 Oliver von Wrochem.Neue Organisationsstruktur in der Gedenkstättenarbe auf https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de Sein Vorgänger war Detlef Garbe, der 30 Jahre dieses Amt ausübte. Erster Leiter der KZ-Gedenkstätte war von 1980 bis 1988 Ludwig Eiber.

Die neue Gedenkstätte wurde zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus im Mai 2005 eingeweiht. Auf dem historischen Gelände von 55 Hektar bestehen 15 Originalbauten. Nach zwischenzeitlichem Umzug der Ausstellung vom Haus des Gedenkens in die ehemaligen Walther-Werke entstand nach Abriss der JVA ein Museumskomplex im ehemaligen Häftlingsblock 21 bis 24. In dem ehemaligen Häftlingsbock 1 bis 4 wurde ein Studienzentrum eingerichtet. Das einst zwischen beiden Blöcken liegende Barackenlager wird nachvollziehbar angedeutet, die Schuttmassen des abgerissenen Gebäudes der Justizvollzugsanstalt wurden in Drahtkörben als Markierung für die Lage der abgerissenen KZ-Gebäude einbezogen. Im Zuge der Neugestaltung wurden die Fundamente des Appellplatzes freigelegt, es ist der einzige Bestandteil der Gedenkstätte, der rekonstruiert wurde. Auf dem gesamten Gelände sind Rundwege sowie Hinweisschilder mit Erklärungen und historischen Fotos angebracht.

Orientierung im Gelände

Die Gedenkstätte befindet sich auf dem 55 Hektar großen historischen Gelände. Sie umfasst unter anderem eine Hauptausstellung in einem ehemaligen Häftlingsblock sowie ein Studienzentrum in einem weiteren ehemaligen Häftlingsblock, mehrere Gebäude, Gebäudereste, Fundamente und Rekonstruktionen ehemaliger Lagereinrichtungen, ehemalige Produktionsstätten, insbesondere das Klinkerwerk und die ehemaligen Walther-Werke, ein Hafenbecken und einen Stichkanal zur Doven Elbe, verschiedene Mahnmale und Denkmalgruppen sowie ein Haus des Gedenkens. Erschlossen wird das gut ein Kilometer lange und etwa 400 Meter tiefe Gelände durch ein Wegenetz, das in verschiedenen Rundwegen begangen werden kann.

Nördlicher und südlicher Teil mini|Konzentrationslager Neuengamme, Klinkerwerk mini|KZ-Neuengamme, Blick auf den Eingang (hinten) Appellplatz (rechts) und Block H1 (hinten rechts) und Reste der Häftlingsbaracken (Rechts vorne)

Im nördlichen Teil befinden sich die Reste der Jugendvollzugsanstalt Neuengamme, die Gleistrassen, das Klinkerwerk und die Internationale Gedenkstätte mit Gedenkhain.

Im südlichen Teil befinden sich das ehemalige SS-Lager, das ehemalige Häftlingslager mit Appellplatz, die Fundamente des ehemaligen Arrestbunkers (Lagergefängnis), die ehemaligen Walther-Werke und die Gedenkplatte am Standort des 1947 abgerissenen Krematoriums.

Rundwege Drei kommentierte Rundwege zwischen 1,5 und 4,5 Kilometern führen an verschiedenen ehemaligen Lagergebäuden, wieder sichtbar gemachten Fundamenten sowie einigen Mahnmalen und Erinnerungssteinen vorbei. Texttafeln erklären die jeweiligen Hintergründe. Neben weiteren sind dies die Fundamente der Lagergärtnerei, das Klinkerwerk, Tongruben mit einer Lore, der Stichkanal zur Doven Elbe und das zugehörige Hafenbecken mit einer Transportschute, das Kommandantenhaus, die SS-Hauptwache und der Wachturm, das Fundament des ehemaligen Arrestbunkers, eine Gedenkplatte an der Stelle des 1947 abgerissenen Krematoriums, ein historischer Reichsbahnwaggon mit rekonstruierter Gleisanlage beim ehemaligen Lagerbahnhof. Die Rundwege mit Stationen sind auch mit einem ausleihbaren Audioguide, mit Hilfe von Audiotouren und einer kostenfreien App ("Neuengamme" App) erschlossen.

Eingang Jean-Dolidier-Weg 75 mini|hochkant|Hamburg, KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Wachturm an der ehemaligen SS-Hauptwache mini|hochkant|Blaue Informationstafel ehemaliges Konzentrationslager Neuengamme

Der Haupt-Eingang zum Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme befindet sich in der Nähe der Bushaltestelle „KZ-Gedenkstätte, Ausstellung“. Ein Service-Point bietet erste Informationen und einen Büchershop.https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/service/praktische-tipps/

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