Medaillenspiegel (Endstand nach 48 Entscheidungen)Medal Table: 16th IAAF World Championships, abgerufen am 24. Februar 2021 Pl. Land G S B Su. Vollständiger Medaillenspiegel

Die 16. Leichtathletik-Weltmeisterschaften fanden vom 4. bis 13. August 2017 im London Stadium, dem ehemaligen Olympiastadion von London, statt.

Vergabe Der Weltverband IAAF vergab die Wettbewerbe am 11. November 2011 in Monaco. Nachdem London seine Bewerbung für die Weltmeisterschaften 2015 zurückzog und somit Peking Ausrichter wurde, erhielt die britische Hauptstadt bei der Wahl für die Austragung 2017 den Zuschlag. Gegen die Bewerbung aus Doha in Katar setzte die britische Hauptstadt sich mit 16:10 Stimmen durch. Barcelona war Anfang September 2011 aus dem Rennen ausgestiegen, da der spanische Staat keine finanziellen Garantien für die Veranstaltung geben wollte. mini|hochkant=1.9|

Stadion Die Weltmeisterschaften fanden im London Stadium im Londoner Stadtteil Stratford statt. Das für die Olympischen Spiele 2012 errichtete Stadion hat seit seinem Umbau nach den Olympischen Spielen eine Kapazität von 60.000 Plätzen. Seit 2016 ist das Stadion Austragungsort der Fußballspiele des Londoner Fußballklubs West Ham United.

Wettbewerbe Im Wettkampfprogramm gab es eine einzige Änderung: Für die Frauen wurde mit dem 50-km-Gehen eine zweite Gehstrecke mit in das Angebot genommen. So stand zum ersten Mal für Frauen und Männer dieselbe Anzahl von Disziplinen auf dem Programm. Die Wettbewerbe unterschieden sich nur unwesentlich: Die Hürden für die Frauen waren etwas niedriger als bei den Männern, die kurze Hürdenstrecke führte bei den Frauen über 100, bei den Männern über 110 Meter. Ansonsten unterschieden sich nur noch die Gewichte der Stoß- und Wurfgeräte sowie die Anzahl und einzelnen Disziplinen im Mehrkampf: die Männer hatten einen Zehn-, die Frauen einen Siebenkampf im Programm.

Organisation und Umfeld Übertragungsrechte Deutschland In Deutschland waren die Wettkämpfe im Programm von ARD und ZDF zu sehen. Beide Sender wechselten sich in der täglichen Berichterstattung und im abendlichen Hauptprogramm ab. Des Weiteren boten beide Sender aufgrund der Vielzahl der Disziplinen ein umfangreiches Live-Stream-Angebot auf den jeweiligen Internetportalen der Sender an. Dort wurden alle aus deutscher Sicht relevanten Wettkämpfe gezeigt, die nicht im Fernsehen zu sehen waren.

Österreich In Österreich wurden die Weltmeisterschaften vom ORF auf dem Sender ORF SPORT + übertragen. Auf dem Sportsender waren sämtliche Abend-Sessions sowie an Wochenenden auch die Morgen-Sessions zu sehen.

Schweiz Das Unternehmen SRF übertrug die Weltmeisterschaften in der Schweiz. Die TV-Übertragung aus London legte einen speziellen Fokus auf die Schweizer Athleten. Wie in Österreich zeigte das Unternehmen sämtliche Abend-Sessions sowie am Wochenende auch die Morgen-Sessions.

Tickets Der Vorverkauf für Eintrittskarten der Leichtathletikwettbewerbe im Stadion begann am 1. August 2016, ein Jahr vor der Eröffnung der Weltmeisterschaften. Die Preise der Eintrittskarten variierten je nach Kategorien im Stadion sowie der Finaldisziplinen der jeweiligen Sessions. Die Ticketpreise waren in die Kategorien A, B, C und D aufgeteilt, für die Kategorien C und D waren spezielle Tickets für Kinder erwerbbar. Kategorie Preis (£) Preis (€) Preis (Kinder) A 95–155 105–172 – B 75–125 83–138 C 60–80 66–88 9,58 £(10,63 €) D 35–45 38–49

Maskottchen mini|hochkant=1.7| Zur Bestimmung eines Maskottchens für die Weltmeisterschaften startete das lokale Organisationskomitee in Kooperation mit der BBC einen nationalen Wettbewerb, in welchem Kinder zwischen sechs und 15 Jahren ihr eigenes Maskottchen gestalten sollten. Aus über 4000 eingegangenen Vorschlägen wählte eine interne Jury, in welcher auch Jessica Ennis-Hill vertreten war, die 30 besten Vorschläge aus. Im April 2017 wurde Hero the Hedgehog (englisch Igel), gestaltet von einem neunjährigen Mädchen, als offizielles Maskottchen ausgewählt.

Norovirus Beeinträchtigungen der Veranstaltung Beeinträchtigt wurden die Wettbewerbe durch einen Norovirusausbruch bei vielen Mannschaften, demzufolge etliche Sportler zu Wettkämpfen nicht antraten oder ihre volle Leistung nicht abrufen konnten oder auch wegen der 48-Stunden-Quarantänevorschrift nicht starten durften.13 Verdachtsfälle auf Norovirus im deutschen Team, Leichtathletik-WM, auf: spiegel.de, vom 9. August 2017, abgerufen am 16. August 2017Norovirus bei Leichtathletik-WM: Gratulationen laut Warholm-Trainer untersagt, auf: eurosport.de, vom 10. August 2017, abgerufen am 16. August 2017Drei Fälle von Norovirus bei der WM in London, Leichtathletik-WM, In: Augsburger Allgemeine vom 10. August 2017, augsburger-allgemeine.de, abgerufen am 16. August 2017Remo Geisser: Das vermaledeite Norovirus, Leichtathletik-WM in London, In: Neue Zürcher Zeitung vom 9. August 2017, nzz.ch, abgerufen am 16. August 2017 So gab man beim deutschen Team Isolation und Quarantäne aus, im Hotel waren an allen Ecken Desinfektionsmittel griffbereit, das Essen wurde serviert, die Athleten und Betreuer mit Verhaltensmaßnahmen ausgerüstet, neu ankommende Athleten wurden in anderen Hotels untergebracht.Silke Bernhart: Eine WM wie keine andere, London 2017, auf: leichtathletik.de, vom 15. August 2017, abgerufen am 20. August 2017 Der Leitende Direktor Sport Idriss Gonschinska und sein Stab waren tagelang mit der Entwicklung immer neu anzupassender Verhaltensvorgaben, mit der Hotelsuche für die neu anreisenden Athleten und Trainer, der Koordination der zu verändernden Transfers zu den Trainings- und Wettkampfanlagen beschäftigt, und die Athleten mussten auch bis zur Anreise eigentlich nicht geplanter neuer Therapeuten zwischenzeitlich auf physiotherapeutische Maßnahmen weitestgehend verzichten. Welche Sportler erkrankten, wurde auf Grund der Verschwiegenheitspflicht nicht bekannt gegeben.

Kritik und Kontroversen zu Startverboten Auf Grund des Ausbruchs der hochansteckenden Noroviren gab es u. a. Kontroversen um die Startberechtigungen des botswanischen Sprinters Isaac Makwala, der sich für das Finale des 400-Meter-Laufs qualifiziert hatte, daran jedoch nicht teilnehmen durfte, da ihm der Leichtathletikweltverband IAAF auf Empfehlung der staatlichen Gesundheitsbehörde Public Health England den Zutritt zum Stadion verweigerte, da eine 48-stündige Quarantäne angeordnet war. In Folge dieser Quarantäne verpasste der Sprinter auch den Vorlauf über 200 Meter, sodass er zunächst nicht für das Finale qualifiziert war. Makwala sprach im Zusammenhang mit seiner Sperre von „Sabotage“."Ich glaube fast, das ist Sabotage", In: Süddeutsche Zeitung. 9. August 2017, sueddeutsche.de, abgerufen am 24. Februar 2021

Der IAAF-Präsident Sebastian Coe stritt diese Vorwürfe ab. Nach Ablauf der 48-stündigen Quarantäne durfte Makwala den Vorlauf als Einzelstarter in einem eigens angesetzten 200-Meter-Lauf unter großem Beifall der Zuschauer nachholen und qualifizierte sich in 20,20 s für das Halbfinale.Nachzügler Makwala im Finale, sport1.de. 10. August 2017, abgerufen am 24. Februar 2021

Teilnehmende Nationen Insgesamt wurden 2034 Athleten (954 Frauen und 1080 Männer) aus 205 Nationen gemeldet, das waren rund 100 Teilnehmer mehr als zum selben Zeitpunkt vor den Weltmeisterschaften 2015 in Peking.

Russland wurde durch die IAAF aufgrund der dortigen verheerenden Dopingproblematik von der Teilnahme ausgeschlossen. Abgesehen davon durften einzelne Sportler, die sich nachweislich dem vorgeschriebenen Dopingkontrollsystem unterzogen hatten, unter neutraler Flagge an den Wettkämpfen teilnehmen.

Qualifikationsnormen Die Qualifikation für die 10.000 Meter, den Marathon, die Gehwettbewerbe, Staffeln und Mehrkämpfe waren in der Zeit vom 1. Januar 2016 bis zum 23. Juli 2017 zu erbringen. Für alle anderen Wettbewerbe reichte das Intervall vom 1. Oktober 2016 bis zum 23. Juli 2017. Disziplin Männer Frauen100 Meter 10,12 s 11,26 s200 Meter 20,44 s 23,10 s400 Meter 45,50 s 52,10 s800 Meter 1:45,90 min 2:01,00 min1500 Meter (Meile) 3:36,00 min (3:53,40 min) 4:07,50 min (4:26,70 min)5000 Meter 13:22,60 min 15:22,00 min10.000 Meter 27:45,00 min 32:15,00 minMarathon 2:19:00 h 2:45:00 h 100 Meter Hürden – 12,98 s110 Meter Hürden 13,48 s –400 Meter Hürden 49,35 s 56,10 s3000 Meter Hindernis 8:32,00 min 9:42,00 min20 km Gehen 1:24:00 h 1:36:00 h50 km Gehen 4:06:00 h –Hochsprung 2,30 m 1,94 mStabhochsprung 5,70 m 4,55 mWeitsprung 8,15 m 6,75 mDreisprung 16,80 m 14,10 mKugelstoßen 20,50 m 17,75 mDiskuswurf 65,00 m 61,20 mHammerwurf 76,00 m 71,00 mSpeerwurf 83,00 m 61,40 m Siebenkampf – 6200 PZehnkampf 8100 P –

Wettkampfplan MmorgensAabendsQQualifikationVVorlauf½HalbfinaleFFinale

+ Männer Datum → Fr4. Sa5. So6. Mo7. Di8. Mi9. Do10. Fr11. Sa12. So13. Wettkampf ↓A MA M A M A M A M A M A M A M A M A 100 m Q V ½ F 200 m V ½ F 400 m V ½ F 800 m V ½ F 1500 m V ½ F 5000 m V F 10.000 m F Marathon F 110 m Hürden V ½ F 400 m Hürden V ½ F 3000 m Hindernis V F 4 × 100 m V F 4 × 400 m V F 20 km Gehen F 50 km Gehen F Hochsprung Q F Stabhochsprung Q F Weitsprung Q F Dreisprung Q F Kugelstoßen Q F Diskuswurf Q F Hammerwurf Q F Speerwurf Q F Zehnkampf F+ Frauen Datum → Fr4. Sa5. So6. Mo7. Di8. Mi9. Do10. Fr11. Sa12. So13. Wettkampf ↓ A M A M A M A M A M A M A M A M A M A 100 m V ½ F 200 m V ½ F 400 m V ½ F 800 m V ½ F 1500 m V ½ F 5000 m V F 10.000 m F Marathon F 100 m Hürden V ½ F 400 m Hürden V ½ F 3000 m Hindernis V F 4 × 100 m V F 4 × 400 m V F 20 km Gehen F 50 km Gehen F Hochsprung Q F Stabhochsprung Q F Weitsprung Q F Dreisprung Q F Kugelstoßen Q F Diskuswurf Q F Hammerwurf Q F Speerwurf Q F Siebenkampf F

Sportliche Leistungen Rekorde und Bestleistungen Die Ergebnisse dieser WM lagen auf einem insgesamt hohen Niveau. Ein Weltrekord wurde aufgestellt: 50-km-Gehen, Frauen – Inês Henriques, Portugal: 4:05:56 h. Diese Disziplin stand bei den Frauen erstmals auf dem Programm. Darüber hinaus gab es zwei Weltmeisterschaftsrekorde: 50-km-Gehen, Männer – Yohann Diniz, Frankreich: 3:33:12 h 3000-Meter-Hindernislauf, Frauen – Emma Coburn, USA: 9:02,58 min (Finale) Es waren sieben weitere neue Kontinentalrekorde zu verzeichnen: 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer, Europarekord – Großbritannien: 37,47 s 100-Meter-Lauf, Frauen Südamerikarekord – Rosângela Santos, Brasilien: 10,91 s (Vorrunde) 20-km-Gehen, Frauen Südamerikarekord – Erica De Sena, Brasilien: 1:26:59 h 50-km-Gehen, Frauen, Asienrekord – Yin Hang, Volksrepublik China: 4:08:58 h 50-km-Gehen, Frauen Amerikarekord – Kathleen Burnett, USA: 4:21:51 h Diskuswurf, Ozeanienrekord – Dani Stevens, Australien: 69,64 m (Finale) Speerwurf, Asienrekord – Lü Huihui, Volksrepublik China: 67,59 m (Vorrunde) Außerdem wurden 33 weitere nationale Rekorde aufgestellt – siehe Resultate der einzelnen Disziplinen.

Medaillenwertung In der Medaillenwertung holten sich die Vereinigten Staaten ihre Vormachtstellung zurück, nachdem vor zwei Jahren erstmals Kenia ganz vorn gelegen hatte. Mit zehn Weltmeistern hatte die USA diesmal doppelt so viele Titelträger zu Buche stehen wie die zweitplatzierte Nation Kenia. Dahinter folgten mit je drei Weltmeistern Südafrika – sechs Medaillen in der Summe – und Frankreich – insgesamt fünf Medaillen. Vier Länder hatten am Ende jeweils zwei Weltmeister in ihren Reihen: Volksrepublik China – insgesamt sieben Medaillen, Großbritannien – insgesamt sechs Medaillen, Äthiopien – insgesamt fünf Medaillen – und Polen – insgesamt acht Medaillen. Das bei früheren Weltmeisterschaften erfolgsgewohnte Russland tauchte in dieser Wertung nicht auf, weil das Land abgesehen von einzelnen Sportlern, die sich nachweislich dem vorgeschriebenen Dopingkontrollsystem unterzogen hatten, durch die IAAF aufgrund der dortigen verheerenden Dopingproblematik von der Teilnahme ausgeschlossen wurde.

Erfolgreichste Sportler Diesmal gab es nur drei Athleten, die mehr als eine Goldmedaille errangen. Tori Bowie, USA – 2-mal Gold (100 Meter/4 × 100 Meter)