Das Labour-Force-Konzept (LFK, , deutsch ‚Arbeitskräftekonzept‘, auch Arbeitskräfteerhebung) ist ein von der ILO entwickeltes Konzept zur statistischen Erfassung der Erwerbsbevölkerung. Es dient dazu, die Daten der verschiedenen Nationalstaaten zu Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit weltweit besser vergleichbar zu machen.

Grundlagen Das Labour-Force-Konzept klassifiziert die Gesamtheit aller in Privathaushalten lebenden Personen von mindestens 15 Jahren, die [zivilen] Erwerbspersonen, nach Unterklassen.Statistisches Bundesamt DeutschlandGabler Wirtschaftslexikon Es berücksichtigt nicht die Gesamtbevölkerung eines Staats, Anstaltshaushalte (insb. Kasernen, Haftanstalten, Klöster u. ä.) bleiben außer Betracht. Daher weichen ILO-Statistiken von anderen Erwerbsstatistiken (etwa der Versicherungsträger, die natürlich auch Anstaltswohnhafte versichern, oder nach Berufs- und Wirtschaftsklassifikationen wie ISCO und ISIC/NACE), was die Zahl der Erwerbspersonen betrifft, voneinander ab.Statistik Austria: Metainformationen (Definitionen, Erläuterungen, Methoden, Qualität) zur Arbeitskräfteerhebung 2003. Standard-Dokumentation, März 2003, 1. Zusammenfassung, wichtige Hinweise, S. 3 ff. (pdf, statistik.at).

Das Labour-Force-Konzept stellt folgende Klassifikation auf: Erwerbspersonen – Erwerbstätige und Arbeitslose (tätige oder mögliche Arbeitskräfte) Erwerbstätige – einem Erwerbsberuf nachgehende, einschließlich der im Krankenstand befindlichen Abhängige/Unselbständige – Arbeitnehmer Selbständige – Unternehmer/Arbeitgeber im Gewerbe in freien Berufen in der Landwirtschaft Mithelfende Familienangehörige – ohne Bezahlung mitarbeitende Haushaltsangehörige Erwerbslose/Arbeitslose Nichterwerbspersonen – z. B. Schulpflichtige, Arbeitsunfähige, NEET

Nationales Nationale Werte nach LFK Die Zahlen der ILO zu den Staaten zeigen gewisse Abweichungen in der Berechnungsgrundlage, hauptsächlich, weil die Altersgrenzen nicht in jedem Land einheitlich gehandhabt werden. Da die Altersgrenzen nicht exakt definiert sind, finden sich 15 wie auch 16 Jahre als Untergrenze und als Obergrenze 64, manchmal auch 74 oder andere Werte.vergl. die Fußnote 1 bei den jeweiligen Staaten in ILO LABORSTA Internet: Unemployment → Main statistics (annual) → 3A Unemployment, general level.

Europa Nach der Usance der Eurostat entstehen Abweichungen zu den Zahlen der ILO: Im LFK werden Militärdienst- und Militärersatzdienstleistende zu den Nichterwerbspersonen gerechnet, nach Eurostat sind sie gänzlich ausgeschlossen, sie sind in keiner der Hauptgruppen (Erwerbstätige, Arbeitslose, Nicht-Erwerbspersonen) enthalten, auch nicht in der Gesamtzahl der Wohnbevölkerung.Statistik Austria: Metainformationen. S. 9. Altersgrenze ist prinzipiell 15–74 Jahre.Harmonisierte Arbeitslosenquote - Insgesamt % (saisonbereinigt), eurostat

Daher weichen europäische und ILO-Zahlen der Arbeitslosigkeit um einig Zehntelprozentpunkte voneinander ab, je nach Staat. Es gibt jeweils drei Zahlen, nationale, europäische und internationale.

Deutschland Gemäß den Empfehlungen der OECD wird das Labour-Force-Konzept seit 1957 auch in der deutschen amtlichen Statistik angewandt.

Österreich Österreich rechnet erst seit dem EU-Beitritt nach dem internationalen Modus, um die Daten an EUROSTAT weiterzugeben.

Hauptunterschied ist, dass in den Berechnungen des Arbeitsmarktservice (AMS) die Arbeitslosigkeit auf die Zahl der Unselbständigen bezogen wird (also ohne Selbstständige, Mithelfende und Nicht-Erwerbspersonen). Hauptunterschied im nationalen Erwerbskonzept des Mikrozensus ist, die Zivil- und Präsenzdiener zu den Erwerbstätigen gezählt werden (bei Auswertungen nach der Arbeitszeit jedoch nicht berücksichtigt sind), was bei Eurostat wie bei der ILO anders gehandhabt wird. Daher weichen Angaben nach nationalem und internationalem Modus enorm voneinander ab, die nationale Berechnung gibt grob doppelt so hohe Zahlen.

Insbesondere wirken sich die Unterschiede aber bei den Ländern und Kleinregionen aus, weil urban-industrieller und ländlicher Raum anders beurteilt werden. Die folgende Tabelle zeigt, dass – nach nationaler Berechnung sortiert – die Arbeitslosenquoten nach internationalem Modus nicht konform sortiert sind, und dass Wien bei zweiterem mit Abstand die Hauptlast der Arbeitslosigkeit trägt: Dort differieren nationale und internationale Werte am wenigsten.

Literatur Office for Official Publications of the European Communities: The European Union labour force survey. Methods and definitions – 2001. Luxembourg 2003, ISBN 92-894-5432-6.

Weblinks LABORSTA, Datenbank der ILO The European Union Labour Force Survey, circa.europa.eu

Einzelnachweise

Kategorie:Amtliche Statistik Kategorie:Arbeitsmarkt Kategorie:Internationale Arbeitsorganisation