mini|Das Bürgerbüro Stadtentwicklung in der Braunstraße 28

Das Büro für Beteiligungskultur und Stadtentwicklung (bbs),Impressum auf der Seite des Vereins zuvor Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V., ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Bürgerbeteiligung und nachhaltiger Stadtentwicklung in Hannover. Die Organisation hat ihren Sitz in der Braunstraße 28 in der Calenberger Neustadt. Er wird von der Stadt Hannover institutionell gefördert.

Geschichte Hannover hat eine seit den 1970er Jahren gewachsene Kultur der Bürgerbeteiligung, bei der Stadtplanung und Stadtentwicklung öffentlich diskutiert und durch Anwaltsplanung die Bürger unterstützt werden.Verena Renziehausen: Das Immobilienmanagement der Stadt Hannover. Eine Analyse der Entscheidungswege in Politik und Verwaltung am Beispiel des „Wohnprojekts Südstadtschule Hannover“. Münster 2014, S. 75 f. Nach dem knappen Bürgervotum für die Expo 2000 in HannoverDrei Fragen an Dezernent Frank Bsirske: Gutes Beispiel Hannover, in: Das ÖTV-Magazin August/September 1998, S. 11 beschloss der Rat der Stadt im Februar 1995 „das Zusammenführen aller relevanten Akteure in gemeinsame Beratung und die umfassende Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger“ durch eine unabhängige Anlaufstelle, die „Zugang zu allen Planungen der der Stadtverwaltung erhält und den Vorschlägen der Bürgerinnen und Bürger Gehör verschafft“. Noch im selben Jahr wurde der Verein Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e.V. gegründet und nahm seine Arbeit auf. Gründungsmitglieder waren Sid Auffarth, Petra Metsch und Klaus Selle.

Das Bürgerbüro sollte einen öffentlichen Stadt-Dialog fördern, Einzelpersonen, Initiativen und Verbände beraten und sich eigenständig mit Projekten und Problemen der Stadtentwicklung auseinandersetzen. Ein Beirat aus Planung und Verwaltung, Politik und Wissenschaft begleitet die Arbeit des Büros beratend.Verena Schäffer-Veenstra: Urban Governance und nachhaltige Quartiere: Ein Beitrag zur Förderung einer dauerhaft nachhaltigen Stadtentwicklung. Diss. Univ. Lausanne 2013, Lausanne 2014, S. 241 Das Bürgerbüro Stadtentwicklung ist eine von der Stadt finanzierte, aber organisatorisch selbständige Einrichtung.Hanno Ehrbeck: Der Beitrag kommunaler Stadtplanung zur Steuerung der Bodennutzung: eine empirische Untersuchung zu Aufgaben und Arbeitsformen der Stadtplanung im Themenfeld Wohnen. Diss. Techn. Hochschule Aachen 2006, online, S. 132

Neben der kritischen Begleitung der Expo verfolgte das Bürgerbüro stetig Fragen der Stadtentwicklung und der Bürgerbeteiligung. An der Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit wurde das Bürgerbüro zum Impulsgeber der Förderung einer Bürgerorientierten Kommune und des Bürgerschaftlichen Engagements.Heidi Sinning: 10 Jahre Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover – Reflexion und Ausblick, inhaltlicher und geschichtlicher Abriss zum 10-jährigen Bestehen des bbbs vom November 2006; bei der Fachhochschule Erfurt

Die Stadt finanzierte das Bürgerbüro zunächst als zeitlich befristetes Experiment, doch zeigte sich ein hoher Bedarf und rege Konsultationen. Durch seine Arbeit hat sich das Bürgerbüro als intermediäre Instanz im Dialog zur Stadtentwicklung und in der Förderung der Beteiligungskultur fest etabliert.

Ein wichtiger Aktivitätsbereich des Bürgerbüros ist die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in den Stadtteilen, um die Stadt Hannover für junge Menschen und Familien attraktiv zu halten und der Abwanderung in das Umland gegenzusteuern. So liegt ein Fokus beim Thema Baugemeinschaften und nachbarschaftliches Wohnen. Die Unterstützung neuer urbaner Wohnformen über genossenschaftliche Modelle hinaus wird durch Beratungen, regelmäßige Veranstaltungen, Projektpräsentationen und Veröffentlichungen geleistet. Auch bei der Revitalisierung von Brachflächen und der Umgestaltung und Aufwertung öffentlicher Räume unterstützt und begleitet das Bürgerbüro bei der Ideenfindung, Planung und Umsetzung.

Ab dem Jahr 2010 wurde die städtische Förderung im Rahmen eines Sparkurses beträchtlich reduziert.Marcel Schwarzenberger: , Hannoversche Allgemeine, 20. Januar 2011 Nach einem Generationenwechsel im Verein wird die Einrichtung seit 2016 wieder voll gefördert.Conrad von Meding: , Hannoversche Allgemeine, 10. August 2016

Mit seiner teilinstitutionalisierten Struktur sorgt das Bürgerbüro für eine Etablierung der Bürgerbeteiligung in Hannover und „gilt mit regelmäßig gut organisierten und wertvollen Impulsen und Aktionen“ „als zentraler Akteur“ einer nachhaltigen Stadtentwicklung.Antoniya Hauerwaas und Ursula Weisenfeld: Schlüsselfiguren, Innovationen und Mechanismen des Wandels. In: Sacha Kagan, Volker Kirchberg, Ursula Weisenfeld (Hrsg.): Stadt als Möglichkeitsraum: Experimentierfelder einer urbanen Nachhaltigkeit. transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4585-9, S. 68, 78

Aktivitäten Information: Bei Diskussionsveranstaltungen, StadtRadTouren und Exkursionen, in Publikationen, im Netz informiert das Bürgerbüro über aktuelle Themenbereiche der Stadtentwicklung und Möglichkeiten der Partizipation. Es organisiert und moderiert Diskurse zur Stadtentwicklung und agiert als neutraler Akteur zur Sicherung von Qualität in Stadtentwicklungsdiskursen.

Beratung: Das Bürgerbüro berät Bürger, Initiativen und Verbände, die sich mit Fragen der Stadtentwicklung beschäftigen, und unterstützt sie bei der Konzeptentwicklung. Im Dialog mit Politik und Verwaltung werden Standards für Beteiligung definiert, um Prozessqualitäten zu sichern und die Kultur der Partizipation weiterzuentwickeln.

Qualifizierung: Akteure der Stadtgesellschaft werden in der Fortbildungsreihe „Werkstatt Bürgerbeteiligung“ qualifiziert. Fachleute und Bürger können sich auf hohem Niveau weiterbilden und miteinander ins Gespräch kommen. Themen sind u. a. Bürgerbeteiligung in Bezirksräten, Effizient arbeiten in Gruppen, Wie funktioniert die Stadt, E-Partizipation uvm.

Vernetzung: Der Verein versteht sich als Berater und Multiplikator, um das Know-how über angemessene und wirksame Partizipationsprozesse zu verbreiten. Er ist ein Ort für die Begegnung von aktiven Professionellen und Laien, an dem vernetzt und Kontakte vermittelt werden.Dietmar Scholich: Stärkung und Weiterentwicklung der lokalen Demokratie: Das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover – ein Porträt, in: Forum Wohnen und Stadtentwicklung. Zeitschrift des vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., Jahrgang 2017, Heft 4, S. 220–222

Projekte

ZUKUNFTinnenSTADT Das Projekt ZUKUNFTinnenSTADT stellt die Frage, wie die City ein attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum für alle Menschen in Hannoveraner bleiben oder werden kann. Dazu beleuchtet das Bürgerbüro Stadtentwicklung gemeinsam mit der Volkshochschule Hanover in Veranstaltungen unterschiedliche Facetten der Innenstadt, startet mit der Initiative „Politik zum Anfassen e.V.“ eine Beteiligungs-App und besucht mit Aktionen Hannovers Stadtteile., Website Bürgerbüro Stadtentwicklung

StadtRadTouren Bei Fahrradtouren in und um Hannover werden historische wie auch aktuelle ökologische und soziale Aspekte der Stadtentwicklung thematisiert. Die Themen knüpfen an die Tradition der „historisch-ökologischen Radtouren“ an, die seit 1990/91 von Sid Auffarth und Matthias Muncke durchgeführt wurden. Die vielfältigen Informationen und Diskussionen vor Ort sollen zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Stadt anregen und das Interesse für Beteiligung an aktuellen Planungen wecken. Die Radtouren fanden in den Sommermonaten unter der Leitung von Bauhistoriker Sid Auffarth statt.StadtRadTouren, Website Bürgerbüro Stadtentwicklung Da Sid Auffarth die StadtRadTouren eingestellt hat, ließ das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover seine letzten Touren aufzeichnen und veröffentlichte sie als Audioguide unter dem Namen Audio.Stadtradtouren. Insgesamt wurden mehr als 110 Stationen online zur Verfügung gestellt.Conrad von Meding: Hannover hat jetzt Audio-Stadtradtouren, Hannoversche Allgemeine, 2. Juni 2018

HannoverMachen HannoverMachen war eine Crowdfunding-Plattform für gemeinwohlorientierte Bürgerprojekte in Hannover. Unterstützt wurden Projekte, die die Wohn- und Lebenswelt verbessern und einen gemeinsamen Nutzen stiften. Auf der Plattform hannovermachen.de konnten Projekte präsentiert werden und um Unterstützung werben. Unterstützt werden konnte mit Geld und mit anderen Ressourcen wie Kompetenzen, Beratung, Material, Räumen oder dem eigenen Netzwerk in Hannover. Das Projekt sollte das Gemeinwesen stärken und dazu beitragen, Lösungen für urbane Aufgabenstellungen durch bürgerschaftliches Engagement zu erschließen.HannoverMachen. Deine Stadt. Dein Projekt. Website Bürgerbüro Stadtentwicklung

Werkstatt Bürgerbeteiligung Werkstatt Bürgerbeteiligung ist eine Veranstaltungsreihe des Vereins, um Methoden der Beteiligung und Praxisbeispiele vorzustellen sowie Raum für Austausch und Diskussionen zu geben. Mit Teilnehmern aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung ist eine besondere Qualität der Diskussion, des Austausches und der Vernetzung möglich.Werkstatt Bürgerbeteiligung, Website Bürgerbüro Stadtentwicklung

Stadtentwicklung von unten Stadtentwicklung von unten ist eine Veranstaltungsreihe des bbs, in der die Rolle der Bürger in der Stadtentwicklung beleuchtet, deren Engagement gefördert und gestärkt sowie die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliche Initiativen in der Stadtentwicklung verbessert werden. Dabei werden Vorhaben präsentiert, die nicht durch Verwaltungshandeln oder Ratsbeschlüsse, sondern durch bürgerschaftliches Engagement möglich wurden. Entstanden ist die Reihe im Jahr 2015, im Rahmen des evaluatorischen Begleitprozess für den Stadtentwicklungsdialog „Mein Hannover 2030“.Stadtentwicklung von unten, Veranstaltungs-Flyer Januar bis Juni 2015, Website Bürgerbüro Stadtentwicklung

Wohnprojekte In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt des bbs in der Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen. Vor dem Hintergrund angespannter Wohnungsmärkte ging es in der öffentlichen Debatte der 1990er Jahre vorrangig um die Zahl der Wohnungen, die neu erstellt wurden bzw. erstellt werden sollten. In einer Vielzahl von Diskussions- und Informationsveranstaltungen, Exkursionen, Werkstätten und Veröffentlichungen setzte das bbs bei der Bearbeitung des Themas Wohnen Akzente und befasste sich intensiv und außenwirksam mit der Sicherung preiswerten Wohnraums unter sozialen, ökologischen und Beteiligungsaspekten.

In Zusammenarbeit mit dem Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover wurden verschiedene Wohnprojekte in Hannover verwirklicht, darunter im Stadtteil Linden-Mitte: Baugemeinschaft Küchengartenstraße: Unter dem Motto Gemeinschaftlich Wohnen „Mitten in Linden“ entstand auf Initiative der Architekten Herwig Krause und Uwe Bade ein 5 ½ - geschossiges Wohnhaus mit 18 Eigentumswohnungen Genossenschaftsprojekt W12: Am Rande des Gilde-Carrés hatten sich 15 Parteien vorab die Ostland Wohnungsgenossenschaft eG als Bauträger gesucht für den dann entstandenen Neubau eines viergeschossigen Mietwohnhauses, in dem die Mieter zukünftig drohender sozialen Isolation im Alter entgegenwirken wollten. in Limmer: Wohnprojekt T5, Tegtmeyerstraße 7 a–d: Unter dem Motto Mehrgenerationen unter einem Dach wurde ein Altbau von 1901 innerhalb eines Jahres unter Eigenbeteiligung der neuen Eigentümer im Niedrigenergiehausstandard saniert. Entstanden sind so 4 Wohneinheiten nebst neu angelegtem Garten für 6 Erwachsene und 5 Kinder

in der Oststadt: Im Baugemeinschaftsprojekt Sedanstraße schufen acht Familien mit dem Architekten Helmut Rentrop auf einer über Jahre lediglich als Parkplatz genutzten Baulücke zwei Mehrfamilienhäuser, die 2006 für den niedersächsischen Staatspreis für Architektur nominiert wurden.

Publikationen Das Bürgerbüro Stadtentwicklung veröffentlichte zahlreiche Broschüren und Bücher, die in der Fachliteratur vielfach rezipiert wurden.