Der Ausdruck Gegensatz ist umgangs- wie fachsprachlich mehrdeutig.

Bedeutungen in der Umgangssprache UmgangssprachlichZur philosophischen Bedeutung der Umgangssprache vergleiche Ordinary Language Philosophie wird der Ausdruck allgemein für den Sachverhalt, dass etwas (eine Aussage, eine Kraft etc.) etwas anderem entgegengesetzt ist, oder für die Herbeiführung eines solchen Sachverhalts durch eine Handlung, die etwas anderem entgegensetzt oder -stellt (die Entgegensetzung, z. B. das Gegenvorbringen, die Antithese, der Widerstreit), für das, was einem anderen entgegensteht (das Entgegengesetzte; z. B. die Wärme ist ein Gegensatz zur Kälte; das Wahre ein Gegensatz zum Falschen); oder für das Verhältnis des Entgegenstehenden (das Gegensatzverhältnis, z. B. der Widerspruch, der Kontrast, das Gegenteil, die (In)Kompatibilität) verwendet.

Dies bezogen auf die Wirklichkeit (im engeren Sinn) (z. B. Klassengegensatz; übertragen: Feindschaft, Feindseligkeit) oder/und auf Aussagen (Behauptungen, Rechtspositionen, Meinungen) und davon abgeleitet auf Begriffe.

Rechtswissenschaft Der Ausdruck „Gegensatz“ ist wohl eine Lehnübersetzung des spätlateinischen Ausdrucks oppositioGegensatz. In: Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 5. Auflage. 2003, ISBN 3-411-05505-7. und bezeichnet ursprünglich nur das Gegenvorbringen im Rechtsstreit (der Gegensatz, der gegen den ersten Satz gesagt wird, vgl. Replik, Duplik).

Historie und Politik Der Ausdruck 'Gegensatz' beschreibt in der Geschichtswissenschaft das aufeinandertreffen verschiedener geopolitischer Interessen zwischen zwei oder mehr Staaten. Als Beispiel sei genannt der Habsburgisch-französische Gegensatz.

Philosophie Als philosophischer Fachbegriff hat der Ausdruck „Gegensatz“ auf Grund der (Hegelschen) Dialektik eine zentrale Bedeutung. Begriff und Einteilung hängen dabei stark von der Position zur Dialektik ab.

Eine Definition des Gegensatzes wird häufig vermieden und man geht stattdessen unvermittelt in Bedeutungsunterscheidungen über. Schwierigkeiten macht dabei die Zuordnung des Gegensatzes im Sinne der Dialektik des deutschen Idealismus (insbesondere im Sinne von Hegel) und des Dialektischen Materialismus.

So unterscheidet R. Eisler beim Gegensatz den Gegensatz im logischen Sinn (logischer Gegensatz) und den Gegensatz im realen Sinn (realer Gegensatz, Realgegensatz).Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 1904 (textlog.de).

Der Gegensatz im Sinne von Fichte und Hegel wird dabei als primär Realgegensatz angeführt.Ebenso Kuno Lorenz: Gegensatz. In: Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 3, 2008, ISBN 978-3-476-02102-1, wonach der dialektische Gegensatz der dazu gehörigen Begriffe ein abgeleiteter sei.

Da zumindest dem Selbstverständnis von Hegel nach der dialektische Gegensatz ein übergreifender logisch-realer ist, wird hier eine Dreiteilung vorgenommen.

Der (rein) logische Gegensatz Ein Gegensatz im Sinne der (klassischen) Logik (logischer Gegensatz) liegt vor, wenn sich Aussagen (Urteile, Sätze) – abgeleitet auch Begriffe –, einander ausschließen (ausschließlicher Gegensatz). Dabei wird hauptsächlich zwischen kontradiktorischem und konträrem Gegensatz unterschieden.

Nichtausschließliche Gegensätze sind Gegensätze, die weder kontradiktorisch noch konträr sind. Es sind Verknüpfungen, „die in gewisser Weise entgegengesetzt, tatsächlich aber vereinbar sind“. In der Umgangssprache werden sie durch Konjunktionen wie „(zwar …) aber“, „jedoch“, „obwohl“ gebildet. Bsp.: „Er ist klein, aber dick.“ Sie sind Gegensätze nicht im logischen, sondern nur im subjektiven, psychologischen oder scheinbaren Sinn.So Seiffert: Logik. 1973, S. 155.

Die Lehre von den logischen Gegensätzen ist in der klassischen Logik beheimatet. Sie kann auch in der modernen Logik reformuliert werden.

Der Gegensatz von Aussagen und Begriffen Ein Gegensatz wird in der Logik primär von Aussagen ausgesagt (in der Scholastik: oppositio enunciatorum). Bei Begriffen (Prädikaten, Prädikatoren) gilt EntsprechendesKuno Lorenz: Gegensatz. In: Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 3, 2008, ISBN 978-3-476-02102-1, (Scholastik: oppositio terminorum). In der modernen Logik wird die Kontradiktion auch von Aussagenmengen ausgesagt.

Gegensätzliche Begriffe sind Begriffe, deren Anwendung auf ein und denselben Gegenstand zu einem Gegensatz der jeweiligen Aussagen führt.

Die Einteilungen des logischen Gegensatzes Der logische Gegensatz wird zumeist grundeingeteilt in kontradiktorischer Gegensatz und konträrer Gegensatz.

Daneben wird auch eine Dreiteilung genannt in: kontradiktorischer Gegensatz, konträrer Gegensatz und subkonträrer Gegensatz.Brandt: Philosophie. 2001, ISBN 3-15-018137-2, S. 44 (bezogen auf Sätze).

Auch werden als „Gegensatz-Grundformen“ angeführt kontradiktorisch (kalt – nicht kalt) konträr (kalt – warm) privativ (sehend – blind) relativ (Vater – Sohn) polar (Mann – Frau)Gegensatz. In: Schischkoff: Philosophisches Wörterbuch. 22. Auflage. 1991, ISBN 3-520-01322-3.

Der kontradiktorische, konträre, subkonträre und subalterne Gegensatz (logisches Quadrat) Der kontradiktorische Gegensatz (auch: Kontradiktion, Widerspruch) ist der logische Gegensatz, der besteht, wenn eine Aussage die Negation der anderen ist (bzw. ein Begriff die Negation des anderen ist).

Der kontradiktorische Gegensatz der klassischen Logik entspricht der Kontravalenz (fwwf) der modernen Aussagenlogik.Seiffert: Logik. 1973, S. 153 f.

Beispiel für kontradiktorische Aussagen: „Jeder Baum hat Wurzeln.“ – „Nicht jeder Baum hat Wurzeln.“

Beispiele für kontradiktorische Begriffe: „Sein“ – „Nichtsein“ bzw. „Nichts“ „weiß“ – „nicht-weiß“ „Möglichkeit“ – „Unmöglichkeit“

Ein konträrer Gegensatz liegt vor, wenn – unter Umständen nur innerhalb eines bestimmten Bezugssystems – nicht beides zugleich der Fall (wahr) sein kann, jedoch beides nicht der Fall (falsch) sein kann.

Beispiele für konträre Aussagen: „Alle Schwäne sind weiß“ – „Kein Schwan ist weiß“.konträr. In: Hügli, Lübcke: Philosophielexikon. 1991, ISBN 3-634-22405-3. „Jeder Baum hat Wurzeln.“ – „Kein Baum hat Wurzeln.“

Beispiele für konträre Begriffe: „Sein“ – „Anders-Sein“ „weiß“ – „schwarz“ „Kreis“ – „Quadrat“ „Maximum“ – „Minimum“

Die traditionelle Lehre des logischen Gegensatzes beruht auf der klassischen Logik, die durch das Zweiwertigkeitsprinzip und durch die Geltung des Satzes vom ausgeschlossenen Widerspruch gekennzeichnet ist. Demzufolge, wenn zwei derartige Begriffe Eigenschaften widerspiegeln, die einem Objekt unmöglich zugleich und in derselben Hinsicht zukommen bzw. zwei derartige Aussagen nicht zugleich wahr sein können, liegen hier kontradiktorische Gegensätze vor.

Während jedoch von zwei kontradiktorischen Sätzen immer der eine wahr und der andere falsch sein muss, wobei der eine aus dem anderen durch logische Negation formal ableitbar ist, können zwei konträre Sätze auch zusammen falsch sein: der eine ist aus dem anderen nicht logisch ableitbar.Anders wohl Kuno Lorenz: Gegensatz. In: Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 3, 2008, ISBN 978-3-476-02102-1. .

Als subkonträren Gegensatz bezeichnet man in der klassischen Logik den logischen Gegensatz zwischen Aussagen, die nicht beide falsch, wohl aber zugleich wahr sein können,Strobach: Einführung in die Logik. 2005, S. 62. die Falschheit der einen daher die Wahrheit der anderen impliziert.Tatievskaya: Aussagenlogik. 2003, S. 72.

Die Disjunktion der modernen Logik entspricht dem subkonträren Gegensatz der klassischen Logik.Menne: Logik. 6. Auflage. 2001, S. 36.

Der subalterne Gegensatz (Subalternation) „besagt, dass die Wahrheit einer allgemeinen Aussage eine partikuläre auch wahr macht. Ist eine partikuläre falsch, dann ist eine allgemeine falsch. Aus der Falschheit der allgemeinen folgt nicht die Falschheit der partikulären, aus der Wahrheit der partikulären nicht die Wahrheit der allgemeinen Aussage.“Tatievskaya: Aussagenlogik. 2003, S. 71.

Die Beziehungen des kontradiktorischen, konträren, subkonträren und subalternen Gegensatzes lassen sich im logischen Quadrat veranschaulichen.

Der privative, relative oder polare Gegensatz Der privative, relative oder polare Gegensatz ist je eine Variante des konträren Gegensatzes (siehe auch: Antonym).

Ein privativer Gegensatz ist ein konträrer Gegensatz, der auf der Beseitigung von etwas beruht.

Beispiel: sehend – blind

Ein relativer Gegensatz ist ein konträrer Gegensatz auf Grund einer Beziehung.

Beispiel: Vater – Sohn

Ein polarer Gegensatz (auch: polar-konträrer Gegensatz) liegt vor, „wenn die Begriffe als die beiden (relativen) Enden einer Skala aufgefasst werden können, die also auf eine Vergleichung, eine zweistellige Beziehung also, zurückgeht“.

Beispiel: weiß – schwarz

Der logisch-reale Gegensatz in der Dialektik Allgemeines Reale Gegensätze sind nichts Starres, Unbewegliches, sondern unterliegen wie alle Erscheinungen der objektiven Realität dem Werden und Vergehen (dynamische Gegensätze). Sie entwickeln sich aus Unterschieden, sind der Unterschied auf der höchsten Stufe seiner Entwicklung.

Andererseits können reale Gegensätze sich auch über wesentliche Unterschiede in unwesentliche Unterschiede verwandeln und unter Umständen ganz zu existieren aufhören. Die Dynamik realer Gegensätze findet ihren Ausdruck auch darin, dass beide Gegensätze (Pole) aufeinander einwirken, miteinander in Wechselwirkung stehen. In dieser aktiven Wechselwirkung können sich die Gegensätze gegenseitig durchdringen, können ineinander übergehen und in bestimmter Hinsicht identisch werden (z. B. als extensionale Wirkung extremer Strömungen).

Das Prinzip von der Identität und der gegensätzlichen Durchdringung der Gegensätze bildet eines der wichtigsten Prinzipien in der idealistischen und materialistischen Dialektik. Der dialektische reale Gegensatz unterscheidet sich sowohl vom kontradiktorischen als auch vom konträren.

Während diese in der Realität nicht existieren, sondern nur als Widerspiegelungen der objektiven Gegebenheiten erscheinen, bestehen dialektische Gegensätze objektiv real. Sätze, die einen kontradiktorischen oder konträren Gegensatz zum Ausdruck bringen, können nicht zusammen wahr sein, während zwei Sätze, die einen dialektischen realen Gegensatz widerspiegeln beide wahr sein müssen. Beispiel:

„Ein Elementarteilchen besitzt Wellencharakter.“ – „Ein Elementarteilchen besitzt Korpuskelcharakter.“Gegensatz. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 11. Auflage. Leipzig 1975.

Der dialektische Gegensatz bei Hegel