Pjatigorsk () ist eine Stadt in Russland mit 143.000 Einwohnern (Stand: 2025) in der Region Stawropol und Verwaltungszentrum des Föderationskreises Nordkaukasus. Sie liegt etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel an den Süd- und Südwesthängen des Berges Maschuk am Ufer des Flusses Podkumok.
Geschichte mini|links|Blick auf die Stadt von der Maschuk-Spitze Die heißen Quellen dieser Gegend waren bereits vor Jahrhunderten bekannt. 1780 wurde in der Nähe des heutigen Pjatigorsk die kleine Festung Konstantinogorsk angelegt, neben der sich allmählich eine Ortschaft bildete, die den Namen Gorjatschewodsk (wörtlich „Ort der heißen Wässer“) erhielt. 1803 wurden die Thermalquellen durch einen besonderen Erlass zur Kurgegend erklärt, und es begann der Bau von Kurorten, die bei der russischen Aristokratie beliebt wurden. 1830 wurde Gorjatschewodsk in Pjatigorsk (wörtlich „Stadt der fünf Berge“) umbenannt, und zwar nach dem fünfgipfeligen Berg Beschtau, dessen Name in der (westtürkischen) karatschai-balkarischen Sprache Fünf Berge bedeutet.
Heute hat Pjatigorsk große Verwaltungs- und Wohnbauten, Hotels und Kureinrichtungen, es gibt dort ein Forschungsinstitut für Balneologie, wo die Kurmittel studiert und die wirksamsten Methoden ihrer Nutzung erarbeitet werden. Zusammen mit Jessentuki, Kislowodsk und Schelesnowodsk gehört Pjatigorsk zu den vier nordkaukasischen Mineralwasser-Kurorten (auch als Kawminwody („Kaukasische Mineralwässer“) bekannt; nicht dazu gehört jedoch – trotz des Namens – Mineralnyje Wody, wo es gar keine Mineralwasserquellen gibt). Die Umgebung und viele Sehenswürdigkeiten der Stadt erinnern an den Dichter Michail Lermontow, der Pjatigorsk mehrmals besuchte und dort am 27. Juli 1841 in einem Duell ums Leben kam. Die Gedenkstätte, die sich teilweise in dem Haus befindet, wo der Dichter die letzten Monate seines Lebens verbrachte, vermittelt einen Einblick in das Leben und Schaffen Lermontows, der in Russland zu den beliebtesten Dichtern gehört.
Während des Zweiten Weltkriegs war Pjatigorsk zeitweise von der Wehrmacht besetzt. Das Einsatzkommando 12 der Einsatzgruppe D hatte 1942 in der Stadt seinen Sitz.Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten - Materialienband. Berlin 2006. S. 66 Zahlreiche jüdische Einwohner der Stadt wurden ermordet.The Jewish Foundation for the Righteous: Russia // Kira Belkova Am 11. Januar 1943 wurde die Stadt von der Roten Armee befreit.
Am 17. Februar 1963 wurde das Kino „Kosmos“ eröffnet. Es war das erste Großleinwand-Kino im Nordkaukasus.
Im Jahr 1978 wurde das heutige Bahnhofsgebäude erbaut.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde im Jahr 1994 in Pjatigorsk und anderen Städten der Region eine Sonderwirtschaftszone errichtet.
Am 28. April 1997 ereignete sich in Pjatigorsk ein Terroranschlag, bei dem in der Wartehalle des Bahnhofs eine Bombe gezündet wurde. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, 17 wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich tschetschenische Separatisten.
Am 19. Januar 2010 wurde Pjatigorsk in den neu gegründeten Föderationskreis Nordkaukasus eingegliedert.
Pjatigorsk war die erste russische Stadt, in der im September 2013 das von Peter Gabriel ins Leben gerufene WOMAD-Festival stattfand.Jens Uthoff: Auf dem Broadway von Pjatigorsk, in: taz, 28./29. September 2013, S. 23.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 18.440 1939 63.162 1959 69.617 1970 93.085 1979 109.901 1989 129.499 2002 140.559 2010 142.511 2017 145.836 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Ethnische Zusammensetzung Die Mehrheitsbevölkerung in Pjatigorsk stellt die Ethnie der Russen. Es gibt allerdings eine traditionell große armenische Minderheit.
Nach der Volkszählung von 2010 leben folgende Ethnien in Pjatigorsk:
Russen 72,0 % Armenier 13,4 % Aserbaidschaner 3,1 % Ukrainer 1,8 % Kabardiner 1,2 % Sonstige 8,6 %
Verkehr Über die Fernstraße R217 Kawkas ist die Stadt an das russische Fernstraßennetz angebunden. Die Spurweite der pjatigorsker Straßenbahn ist wie die Spurweite der Straßenbahn in Kaliningrad () eine der seltenen Meterspuren in Russland.
Söhne und Töchter der Stadt
Alexander Bernardazzi (1831–1907), Architekt Michail Schdanko (1855–1921), Hydrograph Wjatscheslaw Bulytschow (1872–1959), Chorleiter und Komponist Michail Bobrussow (1878–1955), Architekt Joseph Trumpeldor (1880–1920), Zionist Alexis Pantchoulidzew (1888–1968), niederländischer Dressurreiter Nikolai Sarudin (1899–1937), Dichter und Schriftsteller Antonina Prichotko (1906–1995), Physikerin Irina Kalinina (1936–1991), Filmregisseurin und Filmproduzentin Pavel Singer (* 1962), Pianist und Komponist Alexandra Leonowa (* 1964), Basketballspielerin Anna Omarowa (* 1981), Kugelstoßerin Wladimir Panow (* 1981), Jockey Wiktorija Ussatschenko (* 1982), Boxerin Marina Orlowa (* 1986), Schauspielerin, Sängerin und Dichterin Dawid Awanessjan (* 1988), Boxer Anastassija Ukolowa (* 1994), Schauspielerin Elina Araratowna Awanessjan (* 2002), Tennisspielerin
Städtepartnerschaften Pjatigorsk listet folgende Partnerstädte auf: , Ungarn, seit 2012Гости из венгерского Хевиза поздравляют город-побратим с 238-летием, pyatigorsk.org, 8. September 2018 (russisch) , Deutschland, seit 1992 , Vereinigte Staaten, seit 1989
Wissenswertes
Der am 18. April 1972 entdeckte Asteroid des äußeren Hauptgürtels (2192) Pyatigoriya wurde nach der Stadt benannt.
Weblinks
Offizielle Website (russisch) Inoffizielle Website (russisch) Pjatigorsk auf mojgorod.ru (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Region Stawropol Kategorie:Kurort in Russland Kategorie:Michail Jurjewitsch Lermontow Kategorie:Hauptort einer Verwaltungseinheit Kategorie:Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Gemeindegründung 1780