Grabowo [] (deutsch Grabowen, 1938–1945 Arnswald) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und gehört zur Landgemeinde Gołdap (Goldap) im Powiat Gołdapski (Kreis Goldap).
Geographische Lage und Verkehrsanbindung Grabowo liegt westlich der Seesker Höhen (polnisch: Wzgórza Szeskie) an der Woiwodschaftsstraße 650 (ehemalige deutsche Reichsstraße 136), die von Gołdap (Goldap) (10 km) über Węgorzewo (Angerburg) (44 km) nach Barciany (Barten) (70 km) führt. Im Ort endet eine aus Pogorzel (Hegelingen, bis 1906 Pogorzellen) (11 km) bzw. Czerwony Dwór (Rothebude) (12 km) kommende Nebenstraße.
Geschichte Die früher Grabowen genannte Landgemeinde wurde am 18. März 1874 namensgebender Ort eines neu errichteten Amtsbezirks.Rolf Jehke: Amtsbezirk Grabowen/Arnswald Er gehörte zum Landkreis Goldap im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.
Im Jahre 1910 zählte Grabowen 450 Einwohner, 1933 waren es 478 und 1939 noch 466. mini|300px|Zeichnung des Gasthauses Urmoneit in Grabowen im Wiederaufbauprogramm Ostpreußens 1916/17 von Architekt Hans J. Philipp in Goldap
Am 3. Juni 1938 (mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli 1938) wurde Grabowen in „Arnswald“ umbenannt.
Infolge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort 1945 mit dem südlichen Ostpreußen zu Polen und erhielt die Bezeichnung „Grabowo“. Zwischen 1946 und 1954 sowie 1973 und 1976 war Grabowo Sitz einer Gmina. Heute ist Grabowo ein Ortsteil der Gmina Gołdap im Powiat Gołdapski in der Woiwodschaft Ermland-Masuren (von 1946 bis 1965 und 1973 bis 1975 Woiwodschaft Białystok, von 1975 bis 1998 Woiwodschaft Suwałki).
Amtsbezirk Grabowen/Arnswald Im Jahre 1874 bildeten neun Landgemeinden den Amtsbezirk Grabowen: Name (bis 1938) Name (1938–1945) Polnischer Name Flösten Bornberg (Ostpr.) Włosty Grabowen Arnswald Grabowo Groß Rosinsko Großfreiendorf Rożyńsk Wielki Juckneitschen Steinhagen (Ostpr.) Juchnajcie Klein Rosinsko Bergershof Rożyńsk Mały Marczinowen ab 1934:Martinsdorf Marcinowo Ossöwen Ossau Osowo Reutersdorf Reutersdorf Marcinowska Wólka Sokollen Hainholz (Ostpr.) Sokoły Am 25. Juli 1939 wurde der Amtsbezirk Grabowen in „Amtsbezirk Arnswald“ umbenannt. Bis 1945 waren alle neuen „Ursprungs“-Gemeinden – wenn auch mit veränderten Namen – in den Amtsbezirk eingegliedert.
Verkehr Von 1899 bis 1945 war Grabowen Bahnstation an der Reichsbahnstrecke von Goldap nach Angerburg, die von der Polnischen Staatsbahn nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in Betrieb genommen wurde.
Religionen Kirchengebäude Der erste Kirchenbau in Grabowen entstand im Jahre 1588 und wurde aus Feldsteinen und Ziegeln errichtet. Das Gotteshaus hatte ein Satteldach, und der Turm wurde 1695 errichtet. Im Jahre 1732 erfolgte der Bau des Kanzelaltars.
1914/15 entstanden große Zerstörungen an der Ausstattung der Kirche aufgrund von Vandalismus russischer Soldaten. 1928 endeten umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten, bei denen 1925 eine neue Orgel eingebaut wurde.
Die Beschädigungen des Kirchengebäudes durch Kriegseinwirkung 1944/45 waren geringfügig. 1960 wurde die Kirche instand gesetzt.
357 Jahre lang war die Grabower Kirche ein evangelisches Gotteshaus. 1945 wurde sie zugunsten der katholischen Kirche enteignet, die ihr den Namen Kościół MB Różańcowej gab.
Kirchengemeinde Eine Pfarrei wurde in Grabowen im Jahre 1589 errichtet. Damals gehörte sie zur Inspektion Angerburg (heute polnisch: Węgorzewo). Zuletzt war Grabowen in den Kirchenkreis Goldap (Gołdap) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.
Bis 1910 wurden in Grabowen Gottesdienste in deutscher und polnischer Sprache gefeiert. 1944 umfasste das Kirchspiel 38 Orte mit etwa 4.600 Gemeindegliedern.
Heute besteht in Grabowo eine katholische Pfarrei, die dem Dekanat Gołdap (Goldap) im Bistum Ełk (Lyck) der Katholischen Kirche in Polen zugeordnet ist. Hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Kirchengemeinde Gołdap, die eine Filialgemeinde von Suwałki (Suwalken) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Grabowen (Arnswald) gehörten vor 1945 insgesamt 40 Orte, Ortschaften und WohnplätzeWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 479 (Ein * kennzeichnet einen Schulort):
Deutscher Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Deutscher Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name *(Alt) Bodschwingken (Alt) Herandstal Boćwinka *Kallnischken Kunzmannsrode Kalniszki *Altenbude Siedlisko *Kamionken Eichicht Kamionki Blandau Kettenberg Okrasin Borreck, Forst Klein Duneyken Klein Duneiken Dunajek Mały Duneyken, Forst Duneiken, Forst Dunajek Klein Jesziorken Kleinschöntal Jeziorki Małe Eichenort Dąbie Kowalken Beierswalde Kowalki *Flösten Bornberg Włosty Lewkabude Brettmannswalde Lewkowo Friedrichswalde Cicholaski Löbental Gerehlischken Gerwalde Gieraliszki *Marczinowen Martinsdorf Marcinowo *Glasau Głażejewo Naujehnen Neuengrund Nowiny *Glowken Thomasfelde Główka Neu Bodschwingken Neu Herandstal Nowa Boćwinka Grabowen Arnswald Grabowo *Nossuten Nasuty *Groß Duneyken 1928–38: Duneyken1938–45: Duneiken Dunajek Olschöwen Ellerholz Olszewo *Groß Jesziorken ab 1930: Schöntal Jeziorki Wielkie *Rothebude Czerwony Dwór *Groß Rosinsko Großfreiendorf Rożyńsk Wielki *Rudzien Rodenstein (Ostpr.) Rudzie Gustavshöh Głażejewko Sokollen Hainholz (Ostpr.) Sokoły Herzogsthal Gieraliszki,später: Moskorzyn Theerofen, Forst Koniszki Hohenbrück Skup Waldkater Leśny Zakątek Jakobien Wiersbianken Lichtenhain Wierzbianki Juckneitschen ab 1935:Steinhagen (Ostpr.) Juchnajcie Ziegenberg
Pfarrer (bis 1945) Zwischen 1589 und 1945 amtierten 18 evangelische Geistliche in GrabowenFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 45: Adam Dolivianus, 1589–1590 Adam Rosteck, 1590–1625 Michael Pipstockius, ab 1625 Albrecht Piascovius, bis 1700 Johann Piascovius, 1700–1702 Johann Drigalski, 1706–1710 Andreas Ocronglowius, 1710–1752 Friedrich Gizicki, 1752–1784 Paul Salomo Gregorowius, 1784–1786 Michael Karl Stern, 1786–1827 Ernst August Stern, 1827–1838 Carl Adam Rohmann, 1838–1850 Johann Franz Ferdinand Thiesen, 1851–1873 Gustav Adolf Majewski, 1873–1879 Moritz Adolf Otterski, 1879–1901 Emil Theodor Carl Vierhuff, 1901–1929 Johann Samuel Bartholomäus Kurt Ehmer, 1929–1937 Bruno Koller, 1938–1945
Kirchenbücher Zahlreiche Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Grabowen haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage, Berlin 1992, S. 47–48 Taufen: 1761 bis 1915 Trauungen: 1833 bis 1928 Beerdigungen: 1776 bis 1928 Konfirmationen: 1915 bis 1937 Kommunikanten: 1917 bis 1941
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Gołdap