mini|Peiting von Osten mini|Peiting von Südosten mini|Peiting von Westen mit Hohem Peißenberg Peiting ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Umgeben von den Moränenhügeln Schlossberg, Kalvarienberg, Schnaidberg und Bühlach ist Peiting ein Ort, der sich trotz der Bevölkerungszunahme nach dem Zweiten Weltkrieg seinen bayerisch-dörflichen Charakter erhalten konnte. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sind außerhalb des Ortskerns in verschiedenen Weilern angesiedelt. Der Ortsname leitet sich vermutlich von dem Adelsgeschlecht der Peutinger ab, das sich wohl schon im 6. Jahrhundert im Ortsgebiet ansiedelte.Vgl. Das Geschlecht der Peutinger - Ministrale der Welfen. In: Karl Fliegauf: Chronik der Gemeinde Peiting. Band 1, Seite 159 ff. Geschichtlich bedeutungsvoll ist der Ort als Stammsitz der hier einst ansässigen Welfen.

Zur Gemeinde Peiting gehört auch die Siedlung Herzogsägmühle, eine Einrichtung der Diakonie.

Geographie Lage Peiting liegt in der Region Oberland östlich von Schongau nahe dem Ostufer des Lechs, an den das Gemeindegebiet aber nur südwestlich der Bundesstraße 17 auf unbesiedeltem Gebiet tatsächlich grenzt. Die Peitnach (in einigen Kartenwerken auch als Peitinger Mühlbach bezeichnet) durchfließt das Ortsgebiet in nördlicher Richtung und mündet auf dem Gemeindegebiet in der Nähe der Lechstaustufe 7 in den Lech.

Gemeindegliederung Gemeindeteile

Es gibt 40 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Im Gemeindegebiet gibt es die Gemarkungen Birkland und Peiting.

Dialekt Obwohl Peiting politisch zum Regierungsbezirk Oberbayern gehört, wird im Ort kein typisches (Mittel-)Bairisch gesprochen, sondern der Lechrainer Dialekt, der als Übergangsdialekt bairische und alemannische Sprachelemente verbindet und charakteristisch für das Gebiet unmittelbar östlich des Lechs ist.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|links|Joseph Friedrich Lentner: Peiting um 1840 mini|Wallfahrtskapelle Maria Egg mini|Pfarrkirche St. Michael mini| Gumpen„der Gumpen“ bzw. „der Peitinger Gumpen“ ist der Eigenname des Gewässers und sagt nicht aus, dass es sich um eine Gumpe handelt. an der Peitnach Funde erster Besiedlung am Ostufer des Lechs reichen in das dritte vorchristliche Jahrtausend zurück.Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Karl M. Lipp Verlag, München 2003, Band 1, Seite 238 Früheste Funde sind ein Steinbeil und Tonscherben.Markt Peiting. In: Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), Seite 65 bis 69 Es gibt bronzezeitliche Gräber auf dem Bühlachberg, auch Kelten und Römer hinterließen Spuren. Auf den „Neukirchwiesen“ war in der Römerzeit ein großer Gutshof mit vielen Nebengebäuden. Nach den Römern besiedelten die Alemannen das Gebiet.

Die erste urkundliche Erwähnung Peitings war 1055 als „neue“ Burg Peiting der hier ansässigen Welfen. Die Welfenburg befand sich auf einer Anhöhe im Flurbereich „Schneckenbichl“ nordwestlich des heute besiedelten Ortgebiets und war Mittelpunkt aller Handlungen der Lechrainer Welfen. Diese Welfen nahmen u. a. auch an Kreuzzügen teil und gründeten die Klöster Rottenbuch und Steingaden. Die Peitinger Welfenlinie starb 1191 aus.Peiting und Schongau (Altenstadt) unter den Welfen (1050–1200), Historischer Verein von und für Oberbayern, München 1920 Der letzte dieser Linie war Welf VI. Möglicherweise verursachte ein Erdbeben im Jahr 1348 den teilweisen Einsturz der Welfenburg.Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Karl M. Lipp Verlag, München 2003, Band 1, Seite 239 Im Jahre 1438 erhielt Peiting durch den bayerischen Herzog Ernst das Marktrecht. Die Stadt Schongau sah sich durch diese Herausstellung Peitings in „ihren Freiheiten beeinträchtigt“ und bat den Herzog, den Peitingern das Marktrecht wieder abzusprechen. Das Ersuchen wurde abgewiesen, und Herzog Albrecht bestätigte 1455 den Peitingern das Marktrecht erneut. 1490 wurde das Peitinger Marktgericht mit der Stadt Schongau vereinigt.Karl Fliegauf: Peitinger Heimatfreund, Bd. 1 Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1632 wurde die Welfenburg von den Schweden vollständig zerstört. Zur selben Zeit brach das „hitzige Fieber“ (vermutlich Flecktyphus) aus, an dem in Peiting im Jahre 1632 etwa 400 Menschen starben.Ortsgeschichte von Peiting, abgerufen am 29. Oktober 2009 Sowohl im Spanischen Erbfolgekrieg als auch im Österreichischen Erbfolgekrieg fielen feindliche Truppen über Peiting her, brandschatzten und plünderten es.

Peiting wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbstständige politische Gemeinde, die zum Landgericht Schongau gehörte.

20. Jahrhundert Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde ein Kohlebergwerk in Peiting errichtet. Nach 1945 kamen 1500 Heimatvertriebene als Flüchtlinge nach Peiting. Im Jahre 1957 hatte das Kohlenbergwerk Peiting mit 882 Bergleuten und 47 Angestellten seinen höchsten Belegschaftsstand.Paul Zerle: 135 Jahre Kohlenbergwerk Peissenberg 1837–1972, Seite 36 1958 erhielt das damals größte Dorf Oberbayerns erneut das formelle Marktrecht. 1968 wurde das Bergwerk geschlossen. Es folgte eine kurze wirtschaftliche Krise. Schnell siedelten sich neue Betriebe an.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1976 wurde im Rahmen der Gebietsreform die Gemeinde Birkland eingegliedert.

Einwohnerstatistik Zwischen 1988 und 2019 wuchs der Markt von 10.316 auf 11.425 um 1.109 Einwohner bzw. um 10,8 %. mini|400px|Einwohnerentwicklung von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Jahr Einwohner 1840 1.727 1900 2.361 1939 5.495 1961 8.385 1970 9.664 1987 10.319 1991 10.814 Jahr Einwohner 1995 11.382 2000 11.834 2005 11.924 2010 11.848 2015 11.334 2018 11.439 2019 11.425

Konfessionsstatistik Bei der Volkszählung 2011 gaben 67,5 % der Einwohner an, römisch-katholisch zu sein, 12,0 % evangelisch und 20,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011: Markt Peiting Religion, abgerufen am 14. Juli 2020 Die Zahl der Protestanten und vor allem die der Katholiken ist seitdem gesunken.Bürgerversammlung Markt Peiting ZAHLEN - FAKTEN - INFORMATIONEN 2019, abgerufen am 14. Juli 2020 Ende 2024 waren von den Einwohnern 53 % Mitglied der katholischen Kirche, 10 % der evangelischen und 37 % hatten entweder eine andere oder keine Religionszugehörigkeit.Markt Peiting ZAHLEN - FAKTEN - INFORMATIONEN 2024, abgerufen am 23. September 2025

Politik Gemeinderat und Bürgermeister

+ Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 2002 Partei / Liste Wahl 2020Ergebnis der Kommunalwahl 2020, abgerufen am 8. Juni 2020 Wahl 2014Ergebnis der Kommunalwahl 2014, abgerufen am 18. März 2014Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8 Wahl 2008Kommunalwahl Peiting 2008: Gemeinderat, abgerufen am 22. Oktober 2010 Wahl 2002Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 3. März 2011 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze SPD 21,2 5 40,4 10 46,4 11 40,7 10 CSU 26,2 6 28,9 7 36,5 9 43,3 11 Bürgervereinigung Peiting 22, 8 6 23,6 5 17,1 4 12,9 3 Bündnis 90/Die Grünen 11,9 3 7,1 2 − − − − Unabhängige Peitinger (UP) 13,8 3 – – – – − − ödp 4,1 1 – – – – − − Deutsche Partei − − − − − − 3,1 − Gesamt 100 24 100 24 100 24 100 24 Wahlbeteiligung 65,0 % 57,9 % 65,6 % 62,3 %

Bürgermeister war seit 1996 Michael Asam (SPD). Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er mit 81,1 % der gültigen Stimmen zum wiederholten Mal im Amt bestätigt.

Ihm folgte 2020 Peter Ostenrieder (CSU), der in der Stichwahl am 29. März 2020 mit 56,1 % der gültigen Stimmen gewählt wurde. Seine Mitbewerberin Annette Luckner (SPD) erhielt 43,9 % der Stimmen.

Gemeindefinanzen Im Jahr 2017 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 13.189.000 €, davon waren 5.226.000 € Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen

Gemeindepartnerschaft Calvi dell’Umbria, Gemeinde in Italien

Wirtschaft und Infrastruktur Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1998 insgesamt 3674. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 14 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 135 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3488 ha. Davon waren 185 ha Ackerfläche und 3293 ha Dauergrünfläche.

Öffentliche Einrichtungen Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2015): Kindergärten: 388 Kindergartenplätze Volksschulen: drei mit 45 Lehrern und 897 Schülern Peitinger Wellenfreibad mit Volleyballplatz und Spielplatz

Verkehr Peiting ist Knotenpunkt dreier Bundesstraßen. Die B 472 verläuft von Irschenberg über Bad Tölz nach Marktoberdorf in Ost-West-Richtung. Die B 17 verläuft von Augsburg nach Füssen in Nord-Süd-Richtung. Die B 23 ist die schnellste Verbindung von Peiting nach Garmisch-Partenkirchen und weiter zum Grenzübergang nach Scharnitz in Tirol. Bis Anfang der 1990er Jahre litten die Anwohner unter Stau und Verkehrslärm, heute jedoch kann der Ortskern auf der gut ausgebauten Umgehungsstraße umfahren werden.

Es gibt zwei Bahnstationen in Peiting an der Bahnstrecke Schongau–Peißenberg: den Bahnhof Peiting Ost, sowie den Haltepunkt Peiting Nord Auf dieser Strecke verkehren im Stundentakt Dieseltriebwagen der Bayerischen Regiobahn. Zu Bergbauzeiten hatte das Bergwerk einen eigenen Gleisanschluss, der nach Beendigung des Abbaus bis 2005 durch andere Firmen weiter genutzt wurde. Außerdem gab es bis in die 1950er Jahre ab Peiting Ost eine Schmalspurbahn zum Torfwerk im Schwarzlaichmoor.

Etwa 4 km südlich von Peiting liegt das Ultraleichtfluggelände Peiting.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Museum im Klösterle Villa Rustica Peiting

Bauwerke Die Windkraftanlage auf dem Bühlach wurde trotz vieler Proteste errichtet und wird von einer privaten Investorengemeinschaft betrieben.

Sonstiges Kohleflöz am Bühlach (eines der „schönsten Geotope Bayerns“)

Persönlichkeiten Ehrenbürger Georg Braun (1850–1931), Pfarrer (1893–1923 in Peiting) und königlicher Distriktsschulinspektor Michael Zieglmeier (1874–1959), OberbergdirektorEhrenbürger. in: Max Biller: Hohenpeißenberger Heimatlexikon, 1998, Seite 178 f. Karl Fliegauf, Altbürgermeister und Ortschronist; im Amt von 1954 bis 1978 Michael Dacher (1933–1994), ExtrembergsteigerNorbert Herler: Reiß mer’n nieder: Michl Dacher – der erste Deutsche auf dem K2. 2009, ISBN 978-3-00-027813-6, abgerufen am 10. November 2019.

Söhne und Töchter der Gemeinde Placidus Braun (1756–1829), Kirchenhistoriker Martin Erhard (1918–2017), Gewerkschafter und Politiker Karl Werner (1956–2007), Entomologe Hubert Filser (1959–2012), römisch-katholischer Theologe und Dogmatiker Christine Echtler-Schleich (* 1963), Skibergsteigerin Volker Hess (* 1962), Mediziner Martin Hille (* 1964), Historiker Josef Holzmann (* 1964), Radrennfahrer Martin Echtler (* 1969), Bergsteiger und Alpinsportler Markus Gleich (* 1987), Eishockeyspieler

Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten Gordon Sherwood (1929–2013), US-amerikanischer Komponist, verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Herzogsägmühle Günther Neureuther (* 1955), zweifacher olympischer Medaillengewinner im Judo; wohnt in PeitingWeilheimer Tagblatt, 7. Juli 2011, Seite 1 Lokalteil

Sonstiges Katholische Landjugend Peiting Judoabteilung Eishockeyverein EC im TSV Peiting Fußballverein FA Peiting Fischereiverein Peiting Das Moor bei Peiting ist Fundort der ca. 1000 Jahre alten Frau von Peiting, auch „Rosalinde“ genannt. Anbindung an zahlreiche kartografierte Radwanderwege, z. B. den König-Ludwig-Radweg Die Männer des Kegelvereins SKV Blau-Weiß Peiting spielten 2002–2019 in der Kegel-Bundesliga (Classic) im Wertungssystem „120 Wurf“, dabei 2009–2015 in der 1. Liga.

Literatur Karl Fliegauf: Chronik der Gemeinde Peiting in fünf Bänden