mini|hochkant=1.7|Beteiligte am Ersten Weltkrieg: Die Länder der Entente und Verbündeten sowie ihre Kolonien erscheinen in grün, die Mittelmächte in orange, neutrale Staaten in grau.J. I. Kettler: Kriegs-Weltkarte, 1917. (Digitalisierte Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin).
Beteiligte am Ersten Weltkrieg waren diejenigen Staaten, Gebiete und Volksgruppen, die sich direkt oder indirekt am Ersten Weltkrieg beteiligten oder von ihm betroffen waren.
Entente und verbündete Mächte mini|Konferenz von Vertretern der führenden Entente-Partner am 5. Februar 1915 in Paris (v. l. n. r. Pjotr Bark, Alexandre Ribot, David Lloyd George)
Die Entente bestand ursprünglich (bis 1914) nur aus Frankreich, Russland und Großbritannien. Im Kriegsverlauf stießen zahlreiche Staaten oder Nationalitätengruppen als Verbündete oder Assoziierte hinzu, Russland schied aus.
Andorra – kein militärisches Engagement; aufgrund Nichtunterzeichnung des Versailler Vertrags formeller Kriegszustand mit Deutschland bis 1939. Armenien – auf russischer Seite armenische Freiwilligenbataillone (einer der Vorwände für den Völkermord an den Armeniern); franko-armenisches Abkommen von 1916 führte zur Gründung der Armenischen Legion; 1918 unabhängig als Demokratische Republik Armenien. Aserbaidschan – gründete sich Ende Mai 1918; eine aserbaidschanische Delegation nahm an den Friedensverhandlungen 1919 in Paris teil. Belgien / Belgische Kolonien – Mutterland bis auf ein kleines Gebiet im Westen Flanderns durch Deutschland besetzt (siehe Generalgouvernement Belgien). Belgisch-Kongo (heute Demokratische Republik Kongo) – Kolonialtruppen kämpften in Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Rhodesien; Besetzung Ruanda-Urundis; kleines kongolesisches Korps an der Westfront. Brasilien – 45 deutsche und zwei österreichische Schiffe im Juni 1917 auf Druck der Entente von Brasilien beschlagnahmt.Arnold Kludas: Die Schiffe der deutschen Afrika-Linien 1880 bis 1945. Verlag Gerhard Stalling, 1975, ISBN 3-7979-1867-4, S. 122. Republik China (heute Volksrepublik China und Mongolei) – Kriegserklärung an Deutschland 1917; Ende der deutschen Post in China; kein militärisches Engagement, aber Entsendung von ca. 185.000 Arbeitskräften nach Großbritannien, Russland und Frankreich, die auch in Frontnähe (v. a. Westfront) z. B. zu Schanzarbeiten eingesetzt wurden. In Reaktion auf den Versailler Vertrag entstand die Bewegung des vierten Mai. Pachthäfen – von Großbritannien und Frankreich gepachtete Häfen bereits ab August 1914 im Kriegszustand; ohne Tsingtau, das erst von Deutschland gepachtet und dann von Japan verwaltet war. Costa Rica – kein militärisches Engagement; Präsident Granados nach Militärputsch von 1917 durch Deutschland anerkannt. Frankreich / Französische Kolonien. Französisch-Äquatorialafrika (heute Gabun, Kongo, Tschad, Zentralafrika) – Kolonialtruppen beteiligten sich an den Kämpfen in Kamerun. Französisch-Guayana. Französisch-Indochina (heute Laos, Kambodscha, Vietnam). Französisch-Nordafrika, galt teilweise als Mutterland (heute Algerien, Tunesien, Großteil Marokkos) – deutscher Angriff auf algerische Häfen im August 1914. Kolonialtruppen beteiligten sich an den Kämpfen in Nordfrankreich; algerische Aufstände gegen Mobilmachung.Jan C. Jansen, Jürgen Osterhammel: Dekolonisation – Das Ende der Imperien. C.H.Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65464-0, S. 29 f. Französisch-Polynesien – deutscher Angriff auf Tahiti im September 1914. Maupihaa war im August/September 1917 kurzzeitig durch die Besatzung der Seeadler „besetzt“, die dort Schiffbruch erlitt. Französisch-Westafrika (heute Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea, Mali, Mauretanien, Niger, Senegal) – Kolonialtruppen beteiligten sich an den Kämpfen in Nordfrankreich und Togo; vier Städte Senegals wurden zum Mutterland erklärt, womit die Wehrpflicht verbunden war.Imanuel Geiss: Geschichte griffbereit. Band 5: Staaten. Die nationale Dimension der Weltgeschichte. (=rororo-Handbuch 6239), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-16239-3. Französische Somaliküste (heute Dschibuti). Madagaskar – stellte etwa 40.000 Freiwillige für das französische Militär. Weitere französische Kolonien (heute teilweise Französische Überseegebiete). Griechenland – die griechische „Bewegung der Nationalen Verteidigung“ erklärt den Mittelmächten am 24. November 1916 den Krieg, das Königreich am 29. Juni 1917. Großbritannien / Britisches Weltreich. Australischer Bund – britisches Dominion. Erster Schuss zwischen dem Britischen Empire und Deutschland fiel in Sydney, als ein deutsches Schiff zu flüchten versuchte.Peter Englund: Schönheit und Schrecken. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2013, ISBN 978-3-499-62623-4, S. 641, Endnote 24. Erste Militäraktionen: Besetzung Deutsch-Neuguineas 1914 und Schlacht von Gallipoli 1915 (seit Letzterer Gedenktag ANZAC Day). Der Krieg stärkte die australische Zentralregierung (einer der Gründe für die Sezessionsbestrebungen Westaustraliens). Territorium Papua (heute südlicher Teil Papua-Neuguineas) – de facto australische Kolonie; Besetzung des nördlich angrenzenden Kaiser-Wilhelms-Landes durch australische Truppen 1914. Kanada – britisches Dominion. 600.000 Mann unter Waffen, starke Beteiligung an der Westfront durch die Canadian Expeditionary Force, innere Unruhen infolge der Wehrpflichtkrise von 1917. Neufundland – britisches Dominion. Praktisch vollständige Vernichtung des Kontingents am 1. Juli 1916 (Gedenktag). Neuseeland – britisches Dominion. Erste Militäraktionen: Besetzung Deutsch-Samoas 1914 und Schlacht von Gallipoli 1915 (seit Letzterem Gedenktag ANZAC Day). Südafrikanische Union – im Gegensatz zu den anderen Dominions eigenständige Kriegserklärung; prodeutscher Buren-Aufstand (Maritz-Rebellion) 1914; Walvis Bay kurzzeitig von Deutsch-Südwestafrika besetzt; etwa 25.000 schwarze Arbeiter befanden sich als Teil des South African Native Labour Corps in Frankreich.Jürgen Zimmerer: Zerplatzte Hoffnungen. In: ZEIT Geschichte, Ausg. 1, 2019, S. 66. Irland – Großbritannien schloss seinerzeit Irland mit ein, die „Home Rule Bill“ vom Mai 1914 wurde aufgrund des Kriegsausbruchs nicht umgesetzt. Etwa 70 Prozent der irisch-republikanischen Irish Volunteers und die loyalistische Ulster Volunteer Force traten in die britische Armee ein. – Der Osteraufstand 1916 kann nicht als Parteinahme für die Mittelmächte verstanden werden. Ein deutscher Interventionsversuch scheiterte und ein unterstützender Angriff auf Ostengland hatte keine erkennbare Auswirkung auf Irland. Britische Kolonien und Protektorate. Sultanat Ägypten – Angriffe des Osmanischen Reiches auf den Sueskanal abgewehrt; kleiner deutscher Angriff auf den Hafen von Sollum; Vorstoß der Ägyptischen Expeditionsstreitkräfte des britischen Empires nach Palästina. Anglo-Ägyptischer Sudan (heute Sudan und Südsudan) – Kondominium Großbritanniens und Ägyptens, de facto aber britische Kolonie; Eingliederung Darfurs nach gescheiterter, pro-osmanischer Erhebung des Fur-Sultanats unter Ali Dinar infolge der Anglo-ägyptischen Darfurexpedition von 1916.Darfur 1916 (englisch) Basutoland (heute Lesotho) – Kriegsteilnahme von ca. 3.000 Einwohnern. Bermuda – Angehörige der Bermudagarnison waren im Ausland, vor allem an der Westfront, eingesetzt. Betschuanaland (heute Botswana) – teilweise Aufmarschgebiet im Krieg gegen Deutsch-Südwestafrika. Britisch-Ceylon (heute Sri Lanka). Britisch-Indien (heute Indien, Bangladesch, Teile von Burma und Pakistan) – unter britischer Kolonialherrschaft bzw. Oberhoheit (siehe Fürstenstaaten); Truppen der Britisch-Indischen Armee in Frankreich, Nahost und Ostafrika; Angriff der Emden auf Madras. Britisch-Ostafrika (heute größtenteils Kenia) – stellte zahlreiche Soldaten und Träger in den Feldzügen gegen Deutsch-Ostafrika. Sultanat Sansibar – An der Seite Großbritanniens trat Sansibar am 5. August 1914 gegen das Deutsche Reich und am 20. August gegen Österreich-Ungarn in den Krieg ein. Daraufhin griff der deutsche Kreuzer Königsberg am 20. September 1914 einen im Hafen von Sansibar liegenden britischen Kreuzer an und versenkte ihn. Uganda – stellte zahlreiche Soldaten und Träger in den Feldzügen gegen Deutsch-Ostafrika. Britisch-Somaliland (heute faktisch autonomes Somaliland) – unabhängige Staatsstruktur der Derwisch-Bewegung unter Mohammed Abdullah Hassan im Hinterland. Britisches Territorium im Indischen Ozean (heute nur noch der Chagos-Archipel) – Die Mannschaft der Emden wurde noch im Oktober 1914 in Diego Garcia freundlich empfangen, da der Krieg noch nicht bekannt war. Falklandinseln – ein Landungsversuch des deutschen Ostasiengeschwaders führte zum Seegefecht bei den Falklandinseln. Goldküste (heute Ghana) – Ausgangspunkt für den britischen Einmarsch in die deutsche Nachbarkolonie Togo. Jamaika – Verhängung des Kriegsrechts 1914; Kriegsteilnahme von ca. 10.000 jamaikanischen Soldaten. Katar – Neutralitätspolitik bis zum Abzug der osmanischen Garnison 1915; britisches Protektorat ab 1916.Kim Dudek, Steling Yates: Katar, in: Wolfgang Gieler (Hg.): Handbuch Außenpolitik Nahost. Lit, Berlin 2015, ISBN 978-3-643-12782-2, S. 156. Kuwait – Aufmarschgebiet zur britischen Eroberung Mesopotamiens. Malta – stellte der Entente Häfen und Werften als militärische Basen zur Verfügung und diente als Lazarettstation. Nigeria – Vereinzelter Grenzkrieg und Aufmarschgebiet gegenüber der deutschen Kolonie Kamerun. Nordrhodesien (heute Sambia) – letzter Rückzugsort der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Nyasaland (heute Malawi) – stellte zahlreiche Soldaten und Träger in den Feldzügen gegen Deutsch-Ostafrika. Straits Settlements (heute größtenteils Malaysia) – Angriffe der Emden auf den Hafen von Penang und die Kokosinseln. Britisch-Zypern (heute Republik Zypern bzw. Nordzypern) – de jure teilsouverän nach britisch-osmanischem Vertrag von 1878, de facto britische Annexion im November 1914; bis heute britische Basen. Weitere britische Kolonien und Protektorate (heute teilweise Britische Überseegebiete). Guatemala – kein militärisches Engagement. Haiti – 1915 bis 1934 von den Vereinigten Staaten von Amerika besetzt. Auf Druck der USA Kriegserklärung Haitis an Deutschland im Juli 1918. Kein militärisches Engagement, aber Enteignung ansässiger Deutscher. Hedschas (heute Teil Saudi-Arabiens) – Arabische Revolte gegen das Osmanische Reich (1916–1918); siehe auch Saudischer Staat. Honduras – kein militärisches Engagement. Italien / Italienische Kolonien. Eritrea. Libyen (damals Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan) – Kolonien Italiens, teilweise durch pro-osmanischen Senussi-Orden unter deutscher Hilfe kontrolliert. Italienisch-Somaliland (heute Teil Somalias). – unabhängige Staatsstruktur der Derwisch-Bewegung unter Mohammed Abdullah Hassan im Hinterland. Italienische Ägäis-Inseln (heute Teil Griechenlands). Japan / Japanische Kolonien – Belagerung von Tsingtau und kampflose Besetzung deutscher Inseln Mikronesiens 1914. Korea (heute Nordkorea und Südkorea). Taiwan. Kuba – kein militärisches Engagement. Starker wirtschaftlicher Aufschwung durch Zuckerexporte an die Entente. Liberia – Angriffe deutscher U-Boote auf Monrovia.Björn Opfer-Klinger: Der Krieg an der Peripherie – Mittelasien und Nordafrika. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 16-17/2014, S. 24–31. Kein eigenes militärisches Engagement. Luxemburg – kein militärisches Engagement. Montenegro – von 1916 bis 1918 durch Österreich-Ungarn besetzt. Nepal – erklärte bereits am 3. August 1914 dem Britischen Weltreich seine Unterstützung und stellte bis Kriegsende insgesamt 55.000 Gurkha-Soldaten der Armee Britisch-Indiens zur Verfügung.Madan Kumar Bhattarai: Diplomatic history of Nepal, 1901–1929. A critical appraisal of Nepal-British India relations. New Delhi 1990, ISBN 81-85304-11-4, S. 33. Eine offizielle Kriegserklärung erfolgte jedoch nicht. Nicaragua – kein militärisches Engagement. Panama – kein militärisches Engagement.