mini|Kollegiatstift in Bad Grönenbach Das 1479 von Ludwig von Rothenstein gestiftete Kollegiatstift befindet sich im oberschwäbischen Ort Bad Grönenbach im Landkreis Unterallgäu, Bayern. Das Kollegiatstift steht unter Denkmalschutz.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Eintragung D-7-78-144-19
Geschichte mini|hochkant|Wappen des Stifterehepaares Ludwig von Rothenstein und Jutta von Hürnheim Das Kollegiatstift wurde von Ludwig von Rothenstein († 1482) im Jahre 1479 gestiftet.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 152. In dieser Zeit wurde auch die sich in unmittelbarer Nähe befindliche Pfarrkirche St. Philipp und Jakob zur Stiftskirche umgewidmet. Das Kollegiatstift wurde für zwölf Kanoniker errichtet. Sie wählten aus ihren Reihen einen Stiftsdechanten.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 154. Die Zahl von zwölf Kanonikern wurde jedoch nach den Anfangsjahren so gut wie nie mehr erreicht. Im Jahr 1525 flüchteten die Stiftsherren nach Kempten in das Gasthaus „Zum weißen Hund“ vor den aufständischen Bauern. Das Gebäude hatte der Stiftsdekan Konradus Rottmayr bereits 1503 erworben. Das Stift behielt dieses Gebäude bis 1695.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 27. Das Stiftseinkommen wurde in der Stiftungsurkunde von Ludwig von Rothenstein festgelegt. Durch die Glaubensspaltung (römisch-katholisch und evangelisch-reformiert) in Grönenbach ab 1559 durch Philipp von Pappenheim wurden die Stiftseinnahmen zwischen den Konfessionen aufgeteilt.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 156, 157. Am 25. Februar 1572 brannte das Kollegiatstift ab und wurde in den anschließenden Jahren wieder errichtet.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 158. Um das Kollegiatstift auch nach der Reformation in Grönenbach bewahren zu können, erwirkte Alexander von Pappenheim 1602 ein Konservatorium von Kaiser Rudolph II.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 157. Im Jahre 1692 ging das als Lehen vergebene Kollegiatstift Grönenbach an den Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman zurück. Rupert von Bodman nahm das Kollegiatstift am 1. und 2. Januar 1692 feierlich und mit großem Gefolge in Besitz.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 168–172. Im Zuge der Säkularisation in Bayern 1803 wurde auch das Kollegiatstift am 14. Mai 1804 aufgehoben.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 181, 182 Das Stiftsgebäude wird heute als Pfarrhof der römisch-katholischen Gemeinde in Bad Grönenbach genutzt.
Stiftseid Der folgende Eid musste von allen Kanonikern bei ihrer Aufnahme in das Kollegiatstift geleistet werden:Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 193
Nach diesem Eid folgte die Intronisatio:
Allgäuer Erweckungsbewegung Das Kollegiatstift in Grönenbach kam durch den römisch-katholischen Pfarrer Martin Boos (* 1762; † 1825) zeitweise mit der Allgäuer Erweckungsbewegung in Kontakt, da Martin Boos in den Jahren von 1792 bis 1799 Kanoniker im Stift war.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 196–198
Vita communis nach Bartholomäus Holzhauser mini|Bartholomäus Holzhauser, zeitgenössisches Gemälde Seit dem Jahre 1681 lebten nahezu alle Kanoniker im Stift nach der Regel des Bartholomäus Holzhauser. Dies wird dadurch deutlich, dass im Namen nachstehender Kanoniker der Zusatz „Cleric. Saecul. in communi viventium sacerdos“ angefügt war.Joseph Sedelmayer; Historischer Verein zur gesamten Förderung der Heimatkunde des Allgäus (Hrsg.): Geschichte des Marktfleckens Grönenbach. Kempten 1910, S. 198
Jahr Name Ort1681Johannes Ulrich MollEllwangen1682Joh. OberlânderGundremmingen1684Petrus SteinherrOberstotzingen1690Karl Christoph MüllerBernbeuren1692Franz David MerspergerWallenstein1692Franz MechMonheim1693Joh. Michael SchmidGrimmelsthofen1704Joh. Philippus HaasDillingen1704Joh. Petrus MeznerKemnat, Pfalz
Baubeschreibung mini|Infotafel am Kollegiatstift in Bad Grönenbach Das Stiftsgebäude ist ein dreigeschossiger Satteldachbau. Auf der Westseite befindet sich ein Wappenstein des Stifterehepaares Ludwig von Rothenstein und Jutta von Hürnheim aus dem 15. Jahrhundert. Das Erdgeschoss besteht aus einer zweischiffigen Halle mit Kreuzgratgewölbe, welches mit runden Mittelpfeilern gestützt wird. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Holzdecke aus dem 16. Jahrhundert, das zweite Obergeschoss hat eine Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren befinden sich mehrere Gemälde aus der 1806 in Woringen abgebrochenen katholischen Kirche St. Martin.
Weblinks
Joseph Sedelmayer: Aftermystiker M. Boos. In: Geschichte des Marktfleckens Grönenbach, Kempten, 1910. S. 196–198.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Kollegiatstift Kollegiatstift Kollegiatstift Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1479