mini|Song Gaozong Song Gaozong (, * 12. Juni 1107 in Bianliang (heute Kaifeng, Henan); † 9. November 1187 in Lin'an (heute Hangzhou, Zhejiang)), persönlicher Name Zhao Gou (), Hofname Deji (), war der zehnte Kaiser der chinesischen Song-Dynastie, und der erste der Südlichen Song-Dynastie. mini|links|Kalligrafie des Qijue-Gedichtes Qijue Tian Shan shi in Grasschrift von Zhao Gou auf einem runden Seidenfächer (John B. Elliott Collection des Metropolitan Museum of Art) Leben Gaozong war der neunte Sohn des Kaisers Huizong sowie ein jüngerer Halbbruder des Kaisers Qinzong. Nach der Invasion der Jurchen, die 1115 die Jin-Dynastie gegründet hatten, im nördlichen China wurden Huizong und Qinzong bei der Einnahme der Song-Hauptstadt Kaifeng (Januar 1127) gefangen genommen. Gaozong floh mit zahlreichen Getreuen in den Süden und ließ sich zum neuen Kaiser ausrufen. Er musste nach dem Verlust Nordchinas die Reichsregierung konsolidieren, Beamte rekrutieren und u. a. durch Aufnahme marodierender Räuberbanden als reguläre Soldaten eine neue Armee aufstellen. Im Anschluss an die Eroberung Kaifengs stießen Reiterscharen der Jurchen bis zum Jangtsekiang und Nord-Zhejiang vor, wo ein Teil der Kaiserfamilie Zuflucht gesucht hatte. Sie verheerten in dieser Gegend viele Städte und eroberten 1129 Nanjing und Hangzhou, zogen sich aber 1130 nordwärts zurück. Noch längere Zeit blieb die militärische Lage unübersichtlich; es kam zu einer Reihe unzusammenhängender Gefechte, bei denen die beiden Kriegsparteien abwechselnd Siege feiern konnten, dann wieder Niederlagen einstecken mussten.Herbert Franke, Rolf Trau-zettel: Das Chinesische Kaiserreich, 1993, S. 207 und S. 213; Jacques Gernet: Die chinesische Welt, 1988, S. 305 und 608.
Qin Hui gewann die Gunst Kaiser Gaozongs, wurde 1131 Kanzler des südlichen Songreichs und vertrat gegenüber der Jin-Dynastie eine Friedenspolitik. 1132 wählte Gaozong Hangzhou zu seiner Residenz und 1138 zur provisorischen Hauptstadt seines Reichs, doch behielt Hangzhou in der Folge dauerhaft diesen Status. Die Stadt bot hinreichenden Schutz vor den Reitertruppen der Jurchen. Beim Abwehrkampf gegen die Jin zeichnete sich vor allem der populäre Heerführer Yue Fei aus, der energisch für die Rückeroberung Nordchinas eintrat. Anfangs hatte er das Vertrauen Gaozongs und wurde 1134 zum Militärgouverneur ernannt. Song-Armeen führten 1134 eine Gegenoffensive in den von den Jurchen okkupierten Regionen durch. Unter dem Einfluss des machtvollen Kanzlers Qin Hui entschied sich Gaozong indessen für eine Beschwichtigungspolitik gegenüber den Jin. Neben finanzpolitischen Erwägungen spielte für den Kaiser hierbei wohl auch die Befürchtung eine Rolle, dass eine starke Militarisierung des Reichs den Feldherren eine schwer kontrollierbare Machtfülle verleihen würde.Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich, 1993, S. 213 f.; Jacques Gernet: Die chinesische Welt, 1988, S. 609.
1138 schloss Kaiser Gaozong einen ersten Frieden mit dem Jin-Reich. Um die Verhandlungen für ein bald danach in greifbare Nähe gerücktes dauerhafteres Abkommen mit den Jurchen nicht zu gefährden, wurden die für die Fortsetzung des Kriegs eintretenden Kommandeure, so auch Yue Fei, zurückgerufen. Yue Fei wurde 1141 Hochverrat vorgeworfen, daraufhin inhaftiert und im Gefängnis umgebracht. 1142 unterzeichnete Gaozong einen für die Song unvorteilhaften Friedensvertrag mit den Jin. Darin wurde der Huai-Fluss als Grenze zwischen den beiden Reichen bestimmt und ein von den Song jährlich zu entrichtender Tribut von 250.000 Unzen Silber und 250.000 Rollen Seide festgeschrieben. Im Gegenzug erreichte Gaozong von den Jin u. a. die Zusage der Rückführung des Sargs seines 1135 in der Mandschurei verstorbenen Vaters Huizong.Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich, 1993, S. 214; Jacques Gernet: Die chinesische Welt, 1988, S. 305 und 609.
Die Regierungszeit von Gaozong unterteilt sich in die Regierungsperioden Jianyan () von 1127 bis 1130 und Shaoxing () von 1131 bis 1162.Christine Moll-Murata: Die chinesische Regionalbeschreibung. Entwicklung und Funktion einer Quellengattung, dargestellt am Beispiel der Präfekturbeschreibungen von Hangzhou (= Veröffentlichungen des Ostasien-Instituts der Ruhr-Universität Bochum. Bd. 47). Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04442-X, S. 139, (Zugleich: Bochum, Universität, Dissertation, 1998). Er dankte im Jahr 1162 ab und starb 1187 im Alter von 80 Jahren.
Literatur Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich. (= Fischer Weltgeschichte, Band 19). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993 (Originalausgabe 1968), ISBN 3-596-60019-7, S. 207 und 213 f. Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988 (französische Originalausgabe Paris 1972), ISBN 3-518-38005-2, S. 305.
Weblinks
Zhao Gou - Emperor Gaozong of the Song Dynasty - Englisch Zhao Gou: Qijue Tian Shan shi - Chinesisch Gaozong - Englisch in Encyclopædia Britannica
Einzelnachweise
Gaozong Kategorie:Mann Kategorie:Chinese Kategorie:Geboren 1107 Kategorie:Gestorben 1187 Kategorie:Autor Kategorie:Song-Dynastie Kategorie:Literatur (12. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Chinesisch) Kategorie:Chinesische Kalligrafie Kategorie:Herrscher (12. Jahrhundert)