Der Nordalpenweg (Österreichischer Weitwanderweg 01) wurde am 22. Juni 1975 als erster österreichischer Ost-West-Weitwanderweg eröffnet. Er erstreckt sich vom Neusiedler See und Wien über die nördlichen Kalkalpen bis nach Bregenz am Bodensee und misst rund 1000 Kilometer. Er führt durch die sieben österreichische Bundesländer Burgenland, Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, Tirol sowie Vorarlberg und bis in knapp 3000 Meter Höhe.
Allgemeines Der Weg ist im zugehörigen Führer des Alpenvereins in 61 Tagestouren eingeteilt, wobei die Teilung manchmal mit Vorsicht zu genießen ist: Sie legt zum Beispiel Wert auf Übernachtung in Alpenvereinshütten, auch wenn die Etappen dadurch sehr ungleich lang sind. In der Regel ist die Etappeneinteilung des Führers auf geübte Bergwanderer ausgelegt, wobei aber bei fast allen Etappen die Möglichkeit einer geplanten Teilung bzw. eines vorzeitigen Abbruchs besteht, da Schutzhütten oder Gasthöfe am Weg liegen. Bei 92 Kontrollstellen kann man – so gewünscht – Stempel einholen, wobei man bei Durchschreitung von 15 Etappen ein Wanderabzeichen in Bronze, bei der Hälfte des Weges eines in Silber, und bei Begehung des Gesamtweges das Wanderabzeichen in Gold erhält. Der Nordalpenweg 01 ist Teilstück des Europäischen Fernwanderweges E4 alpin, von Admont bis zum Riemannhaus sowie zwischen Lamsenjochhütte und Wolfratshauser Hütte begleitet ihn die Via Alpina und durch Tirol auch der Adlerweg.
Die zum Teil ausgesetzten Wege erfordern im gesamten Wegverlauf zwischen Schneeberg (Niederösterreich) und dem Hohen Freschen (Vorarlberg) immer wieder Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und sind teilweise nur bei sicheren Wetterbedingungen zu empfehlen. Bei Vereisung können Steigeisen, Pickel und Kletterseil notwendig sein, obwohl die Wegführung an sich keine technischen Hilfsmittel erfordert. Alpine Ausrüstung wie festes Schuhwerk, Biwaksack und ausreichend Wasservorräte (in den Kalkalpen sind Quellen oft rar) sind unbedingt anzuraten. Außerdem ist zu empfehlen, zumindest die Schlüsseletappen in Begleitung anzutreten. Der Großteil der Etappen ist am besten zwischen Juni und Oktober zu begehen, wobei viele Schutzhütten im hochalpinen Bereich nur Juli, August und September geöffnet sind. Geplantes Biwakieren bzw. Zelten im alpinen Ödland ist im Rahmen der (regional unterschiedlichen) rechtlichen Regelungen zwar stellenweise denkbar, die notwendige Ausrüstung stellt allerdings auf anspruchsvollen Hochgebirgsetappen eine nicht zu unterschätzende Zusatzlast dar, was unbedingt mitbedacht werden sollte.
Die Einteilung der folgenden Teilstrecken, deren Kilometerangaben und Gehzeiten sind dem Führer von Wurst, Rachoy und Messeritsch (1978) entnommen.
Vom Neusiedlersee oder vom Wienerwald zur Rax mini|Blick vom Raxplateau zum Schneeberg
Von Ostösterreich ausgehend gibt es zwei Alternativrouten, die auf der Raxalpe zusammenführen. Die Burgenlandroute beginnt in Rust am Neusiedler See (123 m) und führt über das Rosaliengebirge (748 m) und den Semmering (985 m) bis zur Raxalpe (2007 m). Es handelt sich hierbei durchgehend um einfache Flachland- und Mittelgebirgswanderungen.
Die Wiener Route beginnt in Perchtoldsdorf bei Wien (265 m) und führt durch den Wienerwald über den Peilstein (718 m), die Hohe Mandling (969 m), die Dürre Wand (1155 m) und über den steilen Fadensteig und die Fischerhütte (2049 m) auf den Schneeberg (2075 m), den höchsten Berg Niederösterreichs. Außer bei Vereisung ist der Abstieg über die romantische Weichtalklamm zu empfehlen. Im hochalpinen Schneeberg/Rax-Massiv sind bereits Trittsicherheit und Schwindelfreiheit von Vorteil, insbesondere beim Aufstieg über den Wachthüttelkamm auf die Rax, der nach dem Abstieg vom Schneeberg im Höllental anschließt.
Beide Routen sind etwa 140 Kilometer lang und erfordern vier bis fünf Tage Gehzeit.
Über das steirische Hochplateau zum Erzberg mini|Höhepunkt der Etappe: das Hochschwabmassiv
Am Karl-Ludwig-Haus (1804 m) auf der Rax vereinigen sich die Wege sodann und führen über den versicherten Gamsecksteig auf den Schneealpenstock (1903 m) mit dem Schneealpenhaus (1788 m). Der Normalweg führt in einem weiten Bogen weiter über das Hinteralmhaus (1446 m). Wenn dieses geschlossen ist, sollte man besser direkt vom Schneealpenhaus nach Neuberg (756 m) ins Mürztal absteigen.
Auf der anderen Talseite besteigt man nun wieder einfacher die Hohe Veitsch (1981 m) und gelangt über den Seebergsattel (1254 m) ins mächtige Hochschwabmassiv (2277 m). Dieses hat bereits äußerst hochalpinen Charakter. Die Route birgt zwar kaum technische Herausforderungen, bei schlechten Bedingungen kann man trotzdem in Schwierigkeiten geraten. Vom Seebergsattel geht es über die Voisthaler Hütte (1654 m) und das Schiestlhaus (2153 m) auf den Hochschwabgipfel. Von diesem steigt man über ausgedehnte Almen und die Sonnschienhütte (1523 m) nach Eisenerz (769 m) ab.
Die Etappenlänge beträgt rund 140 Kilometer, die erforderliche Gehzeit sechs Tage.
Durch die Gesäuseberge nach Spital am Pyhrn mini|Die Mödlinger Hütte vor der Kulisse des Admonter Reichensteins
Von Eisenerz geht es wieder über flacheres Gelände nach Radmer an der Stube (729 m). Beim Aufstieg in die Gesäuseberge ist wiederum Trittsicherheit gefragt, da eine sehr steile Schuttrinne auf den Lugauer (2206 m) bewältigt werden muss. Danach geht es wieder gemütlicher über einmalige Alm- und Felslandschaften zur Hesshütte (1699 m). Der folgende Abstieg nach Johnsbach (763 m) ermöglicht Unerschrockenen einen Besuch des dortigen Bergsteigerfriedhofes.
Die weitere Route über die Mödlinger Hütte (1521 m) und die Klinke-Hütte (1486 m) führt nach Admont im Gesäuse (641 m), wo sich im dortigen Barockstift die größte Klosterbibliothek der Welt befindet. Von der Klinke-Hütte nach Admont kann auch eine Nebenroute über die sogenannte Riffel (2106 m) gewählt werden, wobei hier unbedingt Schwindelfreiheit erforderlich ist. Die Route ist bei Nässe gefährlich. Der Abstieg nach Admont ist hier allerdings sehr steil und lang. Über einen nun wieder flacheren Sattel beim Pyhrgasgatterl (1308 m) mit dem Rohrauerhaus gelangt man einfach nach Spital am Pyhrn (647 m).
Die Gesamtdistanz beträgt circa 100 Kilometer und erfordert vier Tage Gehzeit.
Durch das Tote Gebirge zum Hallstätter See mini|Das Plateau des Toten Gebirges
Weiter geht es zur Talstation der Wurzeralmbahn (807 m). Der folgende Aufstieg durch das Skigebiet auf das Warscheneck (2389 m) ist durch die menschlichen Eingriffe erst im obersten Bereich schön, weshalb eine Auffahrt mit der Standseilbahn oder auch eine Alternativroute durchaus empfohlen werden kann. Vom Warscheneck steigt man über die Zellerhütte (1575 m) nach Vorderstoder und dann Hinterstoder (585 m) ab. Es folgt der Aufstieg auf den Hauptstock des Toten Gebirges. Über das Prielschutzhaus (1420 m) gibt es die Möglichkeit, eine Alternativroute über den Großen Priel (2515 m) zu unternehmen, den höchsten Gipfel der Gegend. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, insbesondere bei einem zu querenden, ganzjährigen Schneefeld, das den kümmerlichen Rest eines Gletschers bedeckt. Ansonsten geht man einfacher über den Temelbergsattel (2082 m) zur Pühringerhütte (1638 m) am Elmsee; ein Ort von ungewöhnlicher landschaftlicher Schönheit, wahrscheinlich der beeindruckendste Ort des bisherigen Weges. „Einfach“ bedeutet im Toten Gebirge, dass die Wegführung zwar keine technischen Schwierigkeiten aufweist, jedoch sind die Wege sehr lange und bei Nebel riskant, da die Gefahr besteht, in eine der zahlreichen Dolinen zu stürzen. Außerdem herrscht Wassermangel, weshalb man bereits in Hinterstoder Wasservorräte mitnehmen sollte. Weiter geht es wieder sehr schön über das Albert-Appel-Haus (1638 m) zur Loserhütte (1497 m). Über die Blaa-Alm (894 m) besteigt man die Hänge des Sandling (1717 m) und gelangt schließlich nach Bad Goisern am Hallstätter See (500 m).
Die zurückzulegende Entfernung beträgt rund 120 km und ist in etwa fünf Tagen Gehzeit bewältigbar.
Durch Dachstein- und Tennengebirge ins Salzachtal mini|Das Massiv des Dachsteins
Hier teilt sich der Weg in eine einfachere Variante und die hochalpine Route über das Dachsteinplateau. Letztere ist schwierig und nur bei guten Bedingungen und Trittsicherheit zu empfehlen. Auf ersterer geht man über die Theodor-Körner-Hütte (1466 m) und die Hofpürglhütte (1705 m) nach Lungötz im Lammertal (1828 m). Danach folgt eine einfachere Almenwanderung den Fuß des Tennengebirges entlang über die Söldenhütte (1526 m) nach Werfen (548 m) im Salzachtal.
Die hochalpine Variante führt von Bad Goisern am Ufer des Hallstätter Sees nach Hallstatt (511 m), einem berühmten Fundort von Fundstücken der älteren Eisenzeit und idyllischem Ort. Hier beginnt der Aufstieg ins Dachsteinmassiv, wobei es bis zur Simonyhütte (2206 m) noch einfach dahin geht. Der einfachste Weg über die Hoßwandscharte (2197 m) und die Adamekhütte (2196 m) zur Hofpürglhütte (1705 m) ist auch schon anspruchsvoll und setzt gute Bedingungen voraus. Der ursprüngliche Hauptweg führt über Hallstätter Gletscher, Steinerscharte und Gosauer Gletscher zur Adamekhütte, alternativ kann man vom Hallstätter Gletscher auch den Hohen Dachstein (2995 m) besteigen, wobei für die beiden letzten Varianten Gletscherausrüstung und ebensolche Erfahrung notwendig sind. Von der Hofpürgelhütte führt der Weg nach Lungötz, wo sich die beiden Varianten vereinen.
Die Länge dieses Abschnitts beträgt etwa 100 Kilometer die in vier bis fünf Tagen Gehzeit zu bewältigen ist.
Zum Hochkönig und über das Steinerne Meer zur Saalach mini|Der Hochkönig von Süden aus gesehen
Ab Werfen gibt es wieder eine Normalvariante, die jedermann zuzutrauen ist, und eine hochalpine Variante über den Hochkönigstock. Dieser ist bei Nebel äußerst gefährlich und sollte nur bei guten Bedingungen bestiegen werden. Von Werfen (548 m) erreicht man in 2400 Höhenmeter Aufstieg über die Ostpreußenhütte (1628 m) – wo eine Möglichkeit besteht, den anstrengenden Aufstieg zu teilen –, das Franz-Eduard-Matras-Haus auf dem Gipfel des Hochkönigs (2941 m). Hier wird der höchstgelegene Punkt an der offiziellen Route dieses Fernwanderwegs erreicht.
Der folgende Übergang ins Steinerne Meer zum Riemannhaus (2177 m) ist mit kurzen Gletscherquerungen, bei denen keine Gefahr von Gletscherspalten besteht, unversicherten leichten Kletterstellen und zehn bis zwölf Stunden Gehzeit über das Wildalmkirchl-Biwak (2457 m), das nach etwa zwei Drittel des Weges erreicht wird, ohne sonstige Schutzhütten am Weg, eine der Schlüsseletappen des gesamten Fernwanderwegs 01.
Die Hauptvariante führt hingegen von Werfen über die Erichhütte (1546 m) nach Maria Alm (802 m), von wo wiederum zum Riemannhaus aufgestiegen werden muss. Weiter geht es auf einfacheren Wegen über das Ingolstädter Haus (2119 m) nach Lofer (626 m) im Saalachtal.
Die Distanz dieser Etappe beträgt rund 90 Kilometer und erfordert vier Tage Gehzeit.
Durch Loferer Berge und Kaisergebirge nach Kufstein mini|Die Loferer Steinberge vom Birnhorn aus gesehen
Die folgenden Etappen bis Kufstein bereiten keinerlei technische Schwierigkeiten und sind auch bei mäßigen Bedingungen problemlos zu gehen. Von Lofer erreicht man über die Loferer Alm (1348 m) das Schigebiet Steinplatte (1360 m) und geht weiter zum Straubinger Haus (1598 m).
Von Lofer zur Steinplatte gibt es auch eine schwierige und längere Variante durch die Loferer Steinberge über die Schmidt-Zabierow-Hütte (1966 m) und das Waidringer Nieder (2372 m), die ausgesetzt ist und ungesicherte Kletterstellen aufweist.
Nach dem Abstieg vom Straubinger Haus nach Erpfendorf (634 m) führt der Weiterweg über die Prostalm (1180 m) nach Griesenau (719 m). Hier steigt man ins Kaisergebirge ein und erreicht nach einiger Zeit das Stripsenjochhaus (1580 m), wobei die Gipfel des Wilden Kaisers ausgelassen werden. Durch das idyllische Kaisertal gelangt man alsbald nach Kufstein am Inn (504 m).