Hexen bis aufs Blut gequält, auch bekannt unter dem internationalen Titel Mark of the Devil, ist ein 1969 in Österreich gedrehter und international besetzter deutscher Horror-, Trash- und Exploitationfilm um Hexenjagden in Mitteleuropa zur Barockzeit. Die Hauptrollen übernahmen Herbert Lom und Udo Kier. Regie führten Adrian Hoven (etwa zu zwei Dritteln) und Michael Armstrong (etwa ein Drittel), der dennoch die alleinige Namensnennung erhielt. Aufgrund zahlreicher sadistischer Folterszenen und der Tatsache, dass der Film viele Jahre lang in diversen Ländern auf dem Index stand (und zum Teil noch steht), hat er sich in Exploitation-Fankreisen zum Kultfilm entwickelt. Seine Uraufführung erlebte er am 19. Februar 1970. Der Film Hexen – geschändet und zu Tode gequält aus dem Jahr 1973 ist keine Fortsetzung von Hexen bis aufs Blut gequält, sondern wurde nur im Ausland als Mark of the Devil 2 beworben, um ihn besser verkaufen zu können.
Handlung Ein Dorf in Österreich, kurz nach 1700. Die Hexenjagden in Kontinentaleuropa treiben auf ihren Höhepunkt zu. Schon die ersten Filmszenen zeigen das gesamte Ausmaß der Barbarei. Nonnen werden am Wegesrand überfallen und geschändet, vermeintlichen Sündern mal die Finger abgehackt, mal werden sie geteert und gefedert. Zur allgemeinen Volksbelustigung findet die eine oder andere Hexenverbrennung auf dem Marktplatz statt. Albino, der ebenso skrupellose wie lüsterne und grausame Folterer und Hexenjäger, verrichtet sein Handwerk mit sadistischer Freude. Er missbraucht regelmäßig Frauen und bezichtigt diese der Hexerei, sollten sie ihm nicht willig sein.
Eines Tages nähert er sich der Gastwirtin Vanessa und will in ihr Dekolleté fassen, woraufhin sie ihn ins Gesicht schlägt und ihn mit einem Messer verletzt. Als sie hinauslaufen will, macht Albino seine Drohung wahr und bezichtigt sie lautstark der Teufelsanbetung und beginnt, sie vor den Augen der Gäste mit einer Nadel zu foltern. Plötzlich geht die Wirtshaustür auf, und es erscheint ein junger Mann, Christian de Meron, der bereits am Vortag Albino zurechtwies, in Begleitung eines Advokaten und eines Henkers und stellt den Hexenjäger aufgrund seiner barbarischen und rechtswidrigen Methoden zur Rede. Christian begleitet seinen soeben im Schloss eingetroffenen Herrn Lord Cumberland, der in Zukunft die Hexenprozesse überwachen werde, und soll von ihm das blutige Handwerk der Hexenjagd und der Folter erlernen. Während Christian Vanessa aus den Fängen Albinos vorläufig befreien kann und sie zum Schutz in die nahegelegene Burg einlädt, prügelt der Henker Wilkens mit einer Peitsche voller Freude auf Albino ein. Christian verbringt auf der Burg Zeit mit Vanessa und die beiden verlieben sich ineinander. Sie haben jedoch unterschiedliche Ansichten über die Hexenverfolgung an sich. Vanessa glaubt nicht an die Existenz eines Teufels und hält die Hexenverfolgung für falsch, zudem zweifelt sie daran, dass Christian mit seinem sanftmütigen und guten Charakter zu solchen Gräueltaten fähig sei. Dieser erwidert in fester ideologischer Überzeugung, dass solche Maßnahmen notwendig seien, um Gottes Feinde zu vernichten.
Lord Cumberland, der als Hexenjäger überall im Land Teufelswerk vermutet, verbreitet seit seiner Ankunft im Dorf Angst und Schrecken. Obwohl er eloquenter, frommer und bürokratischer auftritt als der wilde und mordlustige Albino, fällt er ebenso ungerechte Urteile über die vermeintlichen Hexen und veranlasst die Folter mehrerer Unschuldiger. Cumberland hält Gericht im Schloss und fertigt die der Hexerei oder der Teufelsanbetung Beschuldigten im Eiltempo ab. Das tagtägliche, blutige Handwerk überlässt er dem Folterspezialisten Wilkens. Als Vanessa, die in der Zwischenzeit von Albino erneut überfallen und ausgepeitscht wurde, vor den Richter kommt, fehlt ihre Anklageschrift. In einer Verhandlungsunterbrechung erklärt Christian seinem Herrn, dass die Anklagepunkte gefälscht seien. Doch Cumberland hält per se alle angeklagten Frauen für Hexen – ohne Ausnahme. So wird Vanessa eingesperrt und muss ihre Zeit in einer Zelle aussitzen, bis die – tatsächlich nonexistenten – Papiere aufgetrieben sind.
Das brutale Foltern im Ort geht weiter, bald trifft es auch den jungen Adligen Baron Daume und Deirdre von Bergenstein, die ein uneheliches Kind geboren hat. Sie bezichtigt den Erzbischof der Vergewaltigung, aber für Cumberland ist das Kind eine Frucht des Teufels – die Anschuldigung interpretiert er als Blasphemie und Beweis für ihre Teufelsanbetung. Im Folterkeller wird Deirdre auf die Streckbank gespannt, ihre Fußsohlen werden mit glühenden Eisen gebrandmarkt. Unter unerträglichen Schmerzen gibt sie alle möglichen Dinge zu, nur nicht die, die ihr zur Last gelegt wurden. Halb tot geschlagen, zerrt man ihren malträtierten Körper erneut vor Cumberland. Doch sie bleibt weiterhin tapfer und standhaft und ist nicht bereit, sich dem Terror zu beugen. Cumberland ist außer sich und befiehlt, sie zurück in den Folterkeller zu bringen. Schließlich wird dem geschundenen Mädchen vor den Augen Cumberlands und seines angewiderten Adlatus Christian mit einer Zange die Zunge aus dem Mund gerissen. Mehr und mehr kommen Christian Zweifel an der Richtigkeit des Tuns seines Lehrmeisters angesichts der ungeheuren Brutalität, mit der Cumberland vorgeht. Inzwischen findet die Schändung von Deirdres Körper ihr schreckliches Ende. Aus dem Mund blutend, wird sie mittels eines Holzgerüsts über einen lodernden Scheiterhaufen gespannt und mit Seilen allmählich abgesenkt, bis ihr Körper in den Flammen verbrennt. Währenddessen bietet Cumberland dem Baron Daume an, sich von allen Sünden reinzuwaschen und somit sein Leben zu retten, indem er seine weltlichen Besitztümer der Kirche überschreibt. Der Adelige lehnt dies mit harschen Worten und Gesten ab und wird zunehmend weiter gefoltert.
Es eskaliert ein Streit zwischen Cumberland und Albino, als Albino dem Lord ins Gesicht sagt, dass dieser sich nur deswegen an den Folterungen der Frauen ergötze, weil er impotent sei. Daraufhin erwürgt Cumberland ihn in einem Anfall von überbordendem Zorn. Christian beobachtet dies, zieht sich in seine Kammer zurück und bricht in Tränen aus. Die Übergriffe nehmen immer groteskere Formen an. Ein umherziehender Marionettenspieler wird mitsamt seiner Frau und Kinder verhaftet, weil seine Puppen „sprechen“ und die anwesenden Inquisitoren und Folterer sich von seinem Kindertheater verspottet fühlen. Obwohl Cumberland seine Handlanger für die Verhaftung der auch seiner Auffassung nach offensichtlich Unschuldigen rügt, fordert er eine Anklage der Hexerei an, anstatt den Fehler öffentlich einzugestehen. Christian äußert nun direkt seinen Unmut gegenüber des Handelns seines Mentors, zweifelt an, dass dies Gottes Wille sei, und ermahnt ihn: sollte er nämlich Unrecht haben und die von ihm Gefolterten und Getöteten unschuldig sein, wären diese Märtyrer, und dann müsse sich Cumberland selbst vor Gott für seine Taten verantworten. Während der Puppenspieler der Wasserfolter ausgesetzt wird, vergewaltigt Cumberland dessen Frau. Baron Daume wird zusammengeschlagen und muss sich mit nacktem Hinterteil auf einen mit Eisendornen gespickten Stuhl setzen. Christian befreit Vanessa und bringt sie aus dem Schloss; als Christian später im Alleingang auch Baron Daume befreien will, werden beide von Cumberland erwischt und in den Kerker gesperrt.
Vanessa stachelt die Dorfbewohner auf, sich gegen die Willkür und die Brutalitäten der Hexenjäger aufzulehnen. Mit Mistgabeln, Sensen, Dreschflegeln und Stangen bewaffnet, stürmen sie das Schloss, in dem die meisten Folterungen begangen werden. Während im Vorhof Soldaten und Bauern aufeinander einprügeln, verrichtet Henker Wilkens nur wenig abseits weiterhin sein Werk. Er enthauptet Baron Daume und ist kurz davor, die von Cumberland vergewaltigte Frau des Marionettenspielers ebenfalls zu enthaupten, als die Meute ihn erreicht und niedermetzelt. Christian, mit einer Kette an der Festungsmauer befestigt, wird befreit, ebenso alle anderen Gefangenen, nur die zwei Kinder des Marionettenspielers bleiben im geöffneten Verlies zurück, wo ihre Mutter sie wenig später findet.
Während Lord Cumberland sich inmitten der Revolte im letzten Moment mit einem beherzten Sprung aus einem Burgfenster retten und in einer bereitstehenden Kutsche fliehen kann, wird Christian von einem der Gefolgsleute Albinos gegenüber des aufgebrachten Pöbels als Hexenjäger identifiziert. Man schleppt Christian durch den Wald auf eine Wiese, wo er mit spitzen Dornen zu Tode gefoltert wird. Seine Schreie hallen durch den Wald, wo Vanessa ihn hört. Sie eilt zu ihm, doch sie kommt zu spät und kann nur noch seinen Tod betrauern.
Synchronisation +RolleDarstellerSynchronsprecherLord Cumberland, der InquisitorHerbert LomHerbert Lomneue Szene: Willi RöbkeChristian de Meron, sein LehrlingUdo KierNorbert LangerVanessa, die WirtinOlivera VučoRenate DanzJeff Wilkens, der Folterer und HenkerHerbert FuxBaron DaumeMichael MaienWolfgang DraegerJohanna, seine FrauIngeborg SchönerAlmut Eggertder AdvokatJohannes BuzalskiHans Walter ClasenAlbino, der HexenjägerReggie NalderGerd Martienzen
Produktionsnotizen Der große Erfolg von Der Hexenjäger (1968) setzte in Mitteleuropa kurzzeitig eine kleine Hexenfilmwelle in Gang. Nahezu zeitgleich entstanden Adrian Hovens Film und der von der deutschen Terra-Filmkunst Berlin mit spanischen und italienischen Partnern gedrehte Streifen Der Hexentöter von Blackmoor des spanischen Trash- und Horrorfilmregisseurs Jess Franco mit Christopher Lee in der Titelrolle. Das Wettrennen um die frühere Uraufführung gewann letztgenannter Film, der (in Italien) genau zwei Wochen vor Hexen bis aufs Blut gequält debütierte.
Der noch sehr junge britische Regisseur Michael Armstrong (* 1944) hatte unmittelbar vor dieser Inszenierung mit Gänsehaut im Juli 1969 seine erste Horrorfilmregie vorgelegt und erhielt daraufhin von Hoven den Zuschlag für die Regie des Hexenfilms. Gemeinsam mit dem Produzenten Adrian Hoven (beide unter Pseudonym) verfassten sie das Drehbuch. Armstrongs Unzuverlässigkeit und sein Drogenkonsum sollen dazu geführt haben, dass Hoven nach etwa einem Drittel der Dreharbeiten selbst die Regie übernommen hat. Er verzichtete jedoch auf seine namentliche Nennung als Regisseur. Hoven schrieb sich die kleine Rolle des Puppenspielers auf den Leib.
Gedreht wurde Hexen bis aufs Blut gequält an mehreren Orten in Österreich (Bundesländer Salzburg und Niederösterreich): Schloss Moosham, Mauterndorf und Krems.
Der soeben zu nationalem Ruhm gekommene Schlagersänger Michael Holm (Mendocino) erhielt von Hoven den Auftrag, die Filmmusik zu komponieren. Der erfahrene Filmarchitekt Max Mellin zeichnete für die Bauten (Folterkeller, barocke Schlossinterieurs, Wirtsstube) verantwortlich, Barbara Grupp für die vielfältigen historischen Kostüme. Es war der Beginn ihrer über 50-jährigen Karriere.
Die jugoslawische (serbische) Schauspielerin Olivera Katarina, die sich hier Olivera Vučo nannte, hielt sich gerade in Österreich auf, als sie für die weibliche Hauptrolle verpflichtet wurde. Bald darauf kehrte sie nach Jugoslawien zurück und setzte dort ihre Filmkarriere fort.
Der sein Leben lang auf skurrile Typen, Kleinschurken und Gewalttäter abonnierte Salzburger Schauspieler Herbert Fux hat die einzig komische Szene im gesamten Film: Nachdem der Marionettenspieler verhaftet und der Wasserfolter ausgesetzt wurde, schiebt Fux in der Rolle des Folterknechtes Wilkens vor dem Kerker Wache und versucht mit seinem besten (und wohl einzigen) Freund, einem Kaninchen, Puppentheater zu spielen. Er bindet kleine Schnüre an dessen vier Füßchen sowie an die beiden Ohren und zieht daran wie an einer Marionette (und wundert sich, dass das nicht klappt, da das Kaninchen unwillig herumzappelt).