Jan Köthe (* 6. Dezember 1965 in Bonn) ist ein deutscher Edelstahlbildhauer, Aktions- und Installationskünstler.

Leben und Werk Köthe wuchs in Dortmund als Sohn einer Kunstlehrerin auf. Er studierte von 1993 bis 1999 unter anderem bei Horst Linn, Margareta Hesse und Jürgen Zänker in der Fachrichtung Objektdesign mit dem Schwerpunkt Kunst an der Fachhochschule Dortmund.

Köthe beschäftigte sich früh mit der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen und Metallexperimenten. 1993, noch vor dem Studium, erhielt er für einen Stuhl aus Stahl eine Design-Prämierung durch Casa München. Im Rahmen eines Studienprojektes bei Horst Linn führte er erstmals eine Aktion zur Stahlverformung aus. Dabei erhielt eine geschweißte und mit Blei gefüllte Pyramidenplastik durch den freien Fall aus 12 Metern Höhe eine zufällig veränderte Grundform. Während der Studienzeit erwarb Köthe eine 30-Tonnen-Hydraulikpresse, die er fortan für seine Plastiken und Skulpturen aus Edelstahl einsetzte. Die besondere Technik der feinfühlig gesteuerten Kaltumformung war Grundlage einer neuen Herangehensweise. Sie erlaubt eine intuitive Veränderung einfacher Industrieprodukte zu dreidimensionalen Objekten mit dynamischer Ästhetik. In der Folge entstanden eine Vielzahl freistehender Plastiken und Skulpturen, deren starre Materialität mit der organischen Formgebung kontrastiert. Überwiegend erhalten die Werke konkrete Aussagen, die einen soziokulturellen Hintergrund verdeutlichen.

2001 entstand das ToleranzKreuz aus Edelstahl, das heute vor dem Arent-Rupe-Haus der Evangelischen Kirchengemeinde in Dortmund-Brackel steht. Die abstrakte Darstellung einer Person mit offenen Armen appelliert zur Toleranz gegenüber allen friedlichen Kulturen und Religionen anlässlich der islamistisch begründeten Anschläge des 11. Septembers 2001 in New York"Kreuz-Mensch als kulturelles Symbol" In: Westfälische Rundschau, 30. November 2001..

Ein Beispiel für die vornehmlich ästhetisch beeinflussten Arbeiten ist die Hommage an Christo und Jeanne-Claude, entstanden 2005. In diesem Werk verarbeitet der Künstler seine Eindrücke der Reichstags-Verhüllung, speziell der Verschnürung und Faltung der Stoffe. Der Edelstahl erhält das zur Haptik des Materials überraschende Erscheinungsbild eines fließenden Textils.

Mit der Aktion der KulturQuadrate sucht Köthe immer wieder den Kontakt zum öffentlichen Raum, in dem er Passanten in das Werk einbezieht. Er fordert sie dazu auf, ein bestimmtes Themen-Wort in ihrer Landessprache auf eine Leinwand zu schreiben. Durch die Auseinandersetzung mit den bereits vorhandenen Schriftzügen werden die Teilnehmer angeregt, über den Stellenwert des Wortes in anderen Kulturen nachzudenken. KulturQuadrat Himmel im Rahmen des Tages der Bahnhofsmission am 23. April 2005 in Dortmund.

Durch zahlreiche Ausstellungen und Ankäufe machte sich Köthe zunächst im nordrhein-westfälischen Raum einen Namen. 2002 nahm er als Gastkünstler an der Documenta 11 in Kassel teil. Dabei entstand vor dem Museum Fridericianum das KulturQuadrat „Toleranz“, welches dem Jahrestag der Anschläge in New York am 11. September 2001 gewidmet istKirstin Dieckerhoff: Ein Zeichen der Toleranz gegen den Terror. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung, 12. September 2002. 2007 erhielt Köthe einen international ausgeschriebenen Kunstpreis der Galerie Art-Isotope in Dortmundhttps://www.art-isotope.de/art-spanner/page5/page5.html Preisträger ART-spanner, Galerie Art-Isotope, Dortmund 2007. Aufgerufen am 16. November 2011.. 16 Jahre nach der ersten öffentlichen Einzelausstellung im Dortmunder Atelier 1995 beendete er seine Tätigkeit in Dortmund mit der Ausstellung „ENDE“. Diese zeigte erstmals seine Installation „Emoticon Icon“ zum Thema Waffen und GewaltverherrlichungTilman Abegg: In: Ruhr Nachrichten, 14. April 2011. Aufgerufen am 24. November 2011.Kai-Uwe Brinkmann: Spannende Objekte In: Ruhr Nachrichten, 16. Oktober 2007. Mit Genehmigung des Innenministeriums NRW und des Landeskriminalamtes erwarb Köthe dafür konfiszierte Schusswaffen, die er unter Aufsicht eines Sicherheitsbeamten selbst mit einem minimalen Eingriff durch seine Presse entschärfte und in der Installation einsetzte.

Seit 2011 lebt und arbeitet der Künstler in Berlin. Als erste öffentliche Aktion vor Ort führte er am 11. September 2011 die KulturQuadrat-Aktion „11. September“ vor der amerikanischen Botschaft und dem Brandenburger Tor durch.

Werke und Aktionen (Auswahl) 1996: Aktionskunst KulturQuadrat „1qm Würde(Voll)“, Innenstadt Dortmund 2000: „Kommunikation“, Route der Industriekultur – Gut Schede, Wetter/Ruhr 2002: „Aufwärts“, Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung, HerdeckeThilo Wagner: Edelstahlskulptur blitz im Sonnenlicht In: Westfälische Rundschau, 14. September 2002.Elisabeth Semme: Stahlobjekt weist Weg zur Kultur In: Westfalenpost, 14. September 2002. 2002: KulturQuadrat „Toleranz“, zur Documenta 11 am 11. September, vor dem Museum Fridericianum, Kassel 2003: „Toleranz Kreuz-Mensch“, ev. Kirche Dortmund-Brackel, Dortmund 2004: „Klangobjekt Männlich“, Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke 2006: „Entelechie V“, Städtische Galerie Dortmund, Torhaus Rombergpark, Kunstankauf Sammlung Stadt Dortmund 2007: „Cut Circle“, Kunstankauf Sammlung Stadt Dortmund 2008: „Hommage an Christo und Jeanne-Claude IX“, Dortmunder Bibliothek für Kunst, Ankauf Artothek Dortmund Auswahl von ausleihbaren Exponaten in der Artothek mit Abbildung der Skulptur 2010: „Hommage an Christo und Jeanne-Claude XI“, Kunstankauf Sammlung Stadt Dortmund

Ausstellungen (Auswahl) 2002: 17. IFC – Weltschmiedekongress Euroforge, Sonderausstellung, Köln 2004: Nam June Paik-Award, Gast des Künstlers Lucien Samaha (New York), Phoenixhalle Dortmund 2005: Atelierausstellung – 10 Jahre Jan Köthe, Verformung in Objekt und Photographie, 10 Jahre Christo + Jeanne-Claude, Verhüllter Reichstag, Hommage und Dokumentation, Dortmund 2006: Mixed Media II, Galerie König, Münster 2008: Galerie Art-Isotope, Preisträgerausstellung 2007, Dortmund 2009: 2. Skulpturen-Salon, Münster 2010: Ruhr 2010, Starke Orte, Herne 2010: Museum Ostwall, Orange, Dortmund 2010: Städtische Galerie Dortmund, Torhaus Rombergpark, Kunstankauf Sammlung Stadt Dortmund 2011: Atelierausstellung „ENDE – Jan Köthe in Dortmund 1995-2011“

Auszeichnungen 1993: Design-Prämierung, Casa, München 2002: Förderpreis Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke 2004: Förderpreis Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke 2007: 2. Preisträger Internationaler Kunstpreis, Galerie ART-Isotope, Dortmund 2015: Preisträger Revierkunst, Museum am Ostwall, Dortmund

Literatur Klimt, Andreas: Kürschners Handbuch der Bildenden Künstler 2007. Verlag Walter de Gruyter, Berlin. ISBN 978-3-598-24737-8

Medien Silke Hempel: Jan Köthe – Ein Künstlerportrait In: WDR-Fs. Blickpunkt NRW, 14. Januar 2002 Christian Busse: Karneval ist Kultur – Die Karikaturplastik In: WDR 5, Scala – Aktuelles aus der Kultur, Radiobeitr. mit Steven Sloane, 23. Februar 2004

Weblinks offizielle Website des Künstlers KulturDatenbank: Jan Köthe

Einzelnachweise

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