mini|hochkant=1.35|Ein Gartenraum im Hidcote Manor Garden, der Weiße Garten mit Formschnitt-Gehölzen mini|hochkant=1.35|Eine Sichtachse, der Long Walk mit einer Gartenlaube am nördlichen Ende
Der Hidcote Manor Garden ist eine englische Parkanlage im Arts&Crafts-Stil.nationaltrust.org: Hidcote is an Arts and Crafts Garden in the north Codswolds, a stone's throw from Stanford-upon-Avon. Er befindet sich in Hidcote Bartrim im Nordosten von Chipping Campden in der Grafschaft Gloucestershire. Die Anlage wurde ab 1907 von dem amerikanischen Privatier Lawrence Waterbury Johnston erstellt und gehört seit 1948 dem National Trust. Charakteristisch für die mehr als 40.000 Quadratmeter umfassende Anlage sind vor allem die Unterteilung in verschiedene Gartenräume, , die Sichtachsen, englisch Vistas, die kunstvoll geschnittenen Gehölze, sowie die roten Staudenbeete, englisch Red Borders. Der Hidcote Manor Garden war ein Vorbild für andere berühmte Anlagen dieser Art; beispielsweise enthalten der Entwurf und die Bepflanzung des Garden of the Sissinghurst Castle Gestaltungselemente des Hidcote Manor Gardens.Hidcote Manor Garden: GeschichteNational Gardens Scheme: Europäisches Gartennetzwerk:
Übersicht mini|hochkant=1.35|Plan des Hidcote Manor Garden: 1 Eingang, 2 Weißer Garten, 3 Long Walk, 4 Red Borders, 5 Fuchsiengarten, 6 Wasserbecken, 7 Theatre Lawn, 8 Stilt Garden, 9 Pillar Garden
Der Hidcote Manor Garden befindet sich auf einem 183 m hohen Plateau am nördlichen Rand der Cotswolds. Zur Grafschaft Gloucestershire gehörend und an der Grenze zur Grafschaft Warwickshire gelegen, befindet sich Hidcote ungefähr zwei Kilometer östlich von Mickleton, ungefähr sieben Kilometer nordöstlich von Chipping Campden und 16 Kilometer südlich von Stratford-upon-Avon. Der Garten von Hidcote ist in der National Heritage List for England in der höchsten Klasse Grade I eingetragen.Hidcote Manor in der National Heritage List bei Historic England, abgerufen am 4. April 2022. Nur wenige hundert Meter vom Hidcote Manor Garden entfernt liegt eine weitere bekannte Gartenanlage, die Kiftsgate Court Gardens.How to find us. Kiftsgate Court Gardens, abgerufen am 4. April 2022.
Geschichte
Die Entstehung des Gartens
Im Juli 1907 erwarb die aus den Vereinigten Staaten stammende Gertrude Winthrop das Anwesen von Hidcote als festen Wohnsitz für sich und ihren Sohn Lawrence Johnston nach Jahren des Pendelns zwischen den Vereinigten Staaten, Frankreich und England. Das Anwesen war mehr als einen Quadratkilometer groß. Außer dem Herrenhaus, das im 17. Jahrhundert erbaut worden war, befanden sich auf dem Grundstück noch mindestens sieben Cottages und eine Schmiede. In den Verkaufsunterlagen wurde das Herrenhaus als „sehr pittoresk“ beschrieben. Es bestand aus einer Eingangshalle, drei Wohnzimmern, acht Schlafzimmern, zwei kleineren Schlafzimmern und aus mehreren Büroräumen. Bei dem Haus gab es einige Rasenflächen, Sträucher, eine Libanon-Zeder und einen großen Küchengarten.Ethne Clarke: Hidcote: The Making of a Garden. S. 23Graham S. Pearson: Hidcote: The Garden and Lawrence Johnston. S. 12–14Fred Whitsey, Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 17
mini|links|Eine in Hidcote als Tunnel bezeichnete Lindenallee
Trotz des kalkhaltigen Bodens und des oft kräftigen Südwestwindes legte Lawrence Johnston in den folgenden Jahren den Grundstein für den heute bestehenden Garten, denn er beabsichtigte, einen besonderen Garten zu erschaffen. Inspiriert wurde er wahrscheinlich von Abbildungen in verschiedenen GartenbüchernEine Buchliste findet sich in Graham S. Pearson: Hidcote: The Garden and Lawrence Johnston. S. 11 und insbesondere vom Arts and Crafts Movement. In der Tradition dieser Bewegung stand das 1900 erschienene und viermal neu aufgelegte Buch The Art and Craft of Garden Making des Landschaftsarchitekten Thomas H. Mawson, das Johnston wohl genau kannte. Zu dieser Zeit gab es einige erfolgreiche Gartenarchitekten, der bekannteste unter ihnen war Edwin Lutyens, von dem sich Johnston jedoch nicht beraten ließ.Graham S. Pearson: Hidcote: The Garden and Lawrence Johnston. S. 8–11Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 17–18
Am Beginn der Gartenarbeiten stand das Planieren unebener Flächen. Danach ließ Johnston Hecken pflanzen, um den Garten in verschiedene Räume zu unterteilen, wodurch Sichtachsen entstanden. Er legte neue Wege an und setzte unzählige Pflanzen, ohne einen Plan angefertigt zu haben. Im Jahr 1914 wurde Johnstons Gartengestaltung durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Er war seit 1900 britischer Staatsbürger und diente als Major in FlandernThe Telegraph: Biographie von Lawrence JohnstonThe Wall Street Journal: Beschreibung des Hidcote Manor Garden.
Die Erweiterung des Gartens
Nach dem Ende des Kriegs kehrte Lawrence Johnston nach Hidcote zurück. Er restaurierte den Garten, der vier Jahre lang nicht gepflegt worden war, und erweiterte ihn. Im Jahr 1922 stellte Johnston seinen ersten Obergärtner, Frank Adams, ein. Adams setzte, zusammen mit den anderen Gärtnern, die Visionen Johnstons um. In den 1920er Jahren waren bis zu zwölf Gärtner gleichzeitig für Johnston tätig.Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 18–19
Es wird angenommen, dass sich Johnston in dieser Zeit intensiv mit dem Werk von Gertrude Jekyll auseinandersetzte. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Wirkung verschiedener Farben im Garten, wobei sie sich besonders für einfarbige Staudenbeete interessierte. Ihre Überlegungen veröffentlichte sie in mehreren Büchern und Artikeln für die Zeitschriften Country Life und The Garden. Johnston war Mitglied der Royal Horticultural Society und der exklusiven Garden Society, und sein Obergärtner besuchte alljährlich für mehrere Tage die Chelsea Flower Show.Rory Stuart: Gardens of the World. S. 212–217Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 19 und 83 Auch der Architekt Thomas Mawson soll die Gestaltung des Gartens beeinflusst haben, besonders in seiner Anfangsphase.Tony Lord, Best Borders. London 1994, 46
mini|Der Garten von Blickling Hall
Johnston ließ sich von der Amateurgärtnerin Norah Lindsay beraten, die bei der Kombination von verschiedenen Pflanzen besonders auf den Farbeffekt und auf die Wirkung der Blätter achtete, und die unter anderem einen Teil des Gartens von Blickling Hall, das heute ebenfalls dem National Trust gehört, gestaltet hatte. Ihr Herrenhaus mit Garten befand sich in Sutton Courtenay in der Grafschaft Oxfordshire, nicht weit entfernt von Hidcote, war aber meist vermietet. In Johnstons unmittelbarer Nachbarschaft entwarf Heather Muir den Garten von Kiftsgate Court. Sie befasste sich eingehend mit der Farbgestaltung und tauschte mit Johnston viele Pflanzen und Ideen aus. Inspirieren ließ sich Johnston ebenso vom Garten von Snowshill Manor, der von Charles Wade gestaltet wurde. Dieser Garten wird heute, gemeinsam mit dem Manor House, vom National Trust verwaltet.Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 20Kiftsgate Court Gardens: Snowshill Manor and Garden
Mehr und mehr interessierte sich Johnston für seltene Pflanzen, beispielsweise solche, die Pflanzensammler von ihren Expeditionen in den Fernen Osten mitbrachten. Johnston besuchte einige Male die Royal Botanic Gardens in Kew, er schuf in einem Teil seines Gartens passende Bedingungen für Alpenpflanzen, und er kultivierte unzählige Pflanzen in Töpfen. Weiters unterhielt er Beziehungen mit dem Royal Botanic Garden Edinburgh, von dem er ungefähr siebenhundert Pflanzen erhielt.Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 22–24
Johnston beteiligte sich an einigen Pflanzenexpeditionen. Die Expedition von 1927 durch Südafrika erwies sich als wenig erfolgreich. Drei Jahre später unternahm Johnston gemeinsam mit George Forrest, der für den Royal Botanic Garden Edinburgh tätig war, eine Reise durch den Westen Chinas. Von dieser Reise brachte er drei für den europäischen Kontinent neuartige Pflanzen mit, zwei Mahonien, Mahonia lomariifolia, eine Pflanze, die oft mit Johnston assoziiert wird, und Mahonia siamensis, sowie eine Jasminum-Art, Jasminum polyanthum.Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 24–25
In den 1930er Jahren erlebte der Garten von Hidcote seine erste Glanzzeit. Die Zeitschrift Country Life veröffentlichte 1930 zwei reich bebilderte Artikel über den Garten. Drei Jahre später stellte der berühmte Gartenarchitekt Russell Page den Garten in einer Radiosendung vor. Der Inhalt dieser Sendung wurde anschließend in der Zeitschrift The Listener veröffentlicht. In diesen Jahren wurde der Garten für Besucher geöffnet, wobei die Öffnungszeiten jedoch sehr eingeschränkt waren und Fremde den Garten nicht besichtigen durften.Tony Lord: Best Borders. S. 46Fred Whitsey und Tony Lord: The Garden at Hidcote. S. 27
Die Übernahme des Gartens durch den National Trust
Im Jahr 1948 beschloss Lawrence Johnston, den langfristigen Erhalt von Hidcote Manor Garden durch eine Übergabe des Gartens an den National Trust zu sichern. Es war der erste Garten, der durch den National Trust betreut wurde. Der Garten von Hidcote wurde zunächst von Graham Thomas geprägt, dem Gartenberater des National Trusts, der von 1955 bis 1980 die Verantwortung für den Garten trug. Von 1959 bis 1978 wurde Harry Burrows als Obergärtner beschäftigt. Während dieser Zeit wurden auch Pflanzen eingesetzt, die Lawrence Johnston nicht verwendet hatte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschäftigt man sich vermehrt damit, den Originalzustand des Gartens zu rekonstruieren. In Archiven wurde nach frühen Aufzeichnungen und Bildern des Gartens gesucht. Nachbarn stellten dem National Trust Bilder zur Verfügung. Auch im Garten selbst wurden Nachforschungen angestellt, beispielsweise wurden Wege wieder freigelegt. Die zehnjährige Restaurierungsphase wurde im Jahr 2011 beendet.Tony Lord: Best Borders. S. 46–47BBC: Beschreibung des Hidcote Manor GardenThe Telegraph: Beschreibung des Hidcote Manor Garden
Obergärtner Außer Johnston waren auch eine Anzahl von Gärtnern an der Entwicklung des Gartens beteiligt, vor und nach der Übernahme durch den National Trust. 1922–1939 Frank Adams Walter Bennet 1959–1978 Harry BurrowsTony Lord: Best Borders. London 1994, 46 Paul Nicholls in den 1990er Jahren.Tony Lord: Best Borders. London 1994, 45 Beschreibung
Die Unterteilung in Gartenräume
Das grundlegende Gestaltungselement des Gartens von Hidcote ist die Unterteilung in Gartenräume, . Es wird angenommen, dass sich Lawrence Johnston an italienischen Renaissancegärten des 16. Jahrhunderts orientierte. Um den Garten zu unterteilen, pflanzte Johnston Hecken aus Eiben, Buchen, Buchs, Stechpalmen und Hainbuchen. Zusätzlich gibt es auch einige Mauern. Insgesamt ließ Johnson einundzwanzig verschiedene Gartenräume anlegen, von denen jeder ein anderes Thema hatte. Das Konzept der vielen kleinen Gärten innerhalb eines großen Gartens spiegelte die Suche nach einem eigenen englischen Stil wider, bei der er sich beispielsweise auch auf die formalen Gärten des jakobinischen Stils besann. Während der 1890er Jahre behandelten John Dando Seddings Gardencraft, Old and New und Reginald Blomfields The Formal Garden die Gestaltung formaler Gärten. In deren Tradition steht auch der Hidcote Garden, der aus regelmäßig angeordneten und oftmals miteinander verbundenen Räumen besteht. Ein Besucher des Gartens hat keinen freien Ausblick auf die den Garten umgebende Landschaft, dies wird nur durch die eigens angelegten Sichtachsen möglich.Penelope Hobhouse: Garden Style. Frances Lincoln, London 2002, S. 15–16
Die Sichtachsen mini|hochkant|Eine Sichtachse zwischen zwei Gartenräumen