Die griechisch-römische Zeit im Alten Ägypten begann mit der Machtübernahme durch Alexander den Großen 332 v. Chr. und endete wahlweise mit dem Tod (395 n. Chr.) des Kaisers Theodosius I. oder mit dem Ende der römischen Herrschaft im 7. Jahrhundert n. Chr. Nach dem Tod Alexanders (323 v. Chr.) übernahm dessen General Ptolemaios I. die Herrschaft über Ägypten und begründete die hellenistische Ptolemäer-Dynastie. Nach dem Tod der letzten ptolemäischen Königin Kleopatra VII. 30 v. Chr. wurde Ägypten als Aegyptus römische Provinz. Der letzte römische Kaiser, dessen Aufenthalt in Ägypten sicher belegt ist, war Maximinus Daia († 313 n. Chr.). Nach der faktischen Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 fiel Ägypten an Ostrom und blieb eine der wichtigsten und reichsten Gegenden des Imperiums. Die anschließende Zeit, die mitunter als eigene Epoche gezählt wird (oströmisch-byzantinische Phase), endete 642 mit der Eroberung durch die islamischen Araber.
Die Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen Nachdem Alexander der Große bei Issos (333 v. Chr.) den persischen König Dareios III. besiegt hatte, zog er nach Tyros, um diese Stadt nach sechs Monaten Belagerung zu erobern.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 56f.; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 9: Hölbl gibt 7 Monate Belagerungszeit an. Danach wandte er sich nach Süden, eroberte nach zweimonatiger Belagerung Gaza und zog dann nach Ägypten weiter, nahm Pelusion kampflos ein und rückte in Richtung Heliopolis und Memphis vor.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 57f. Die ägyptische Bevölkerung empfing die Makedonen überall freundlich, da sie wahrscheinlich dachte, dass lediglich die verhassten Perser vertrieben, nicht aber dass die Makedonen an deren Stelle treten würden. Der persische Satrap Mazakes übergab vor Memphis, mit 8000 Talenten und dem Inventar der königlichen Residenz, die Herrschaft über Ägypten an Alexander (332 v. Chr.).W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 58.
Kurze Zeit später ließ sich Alexander von den Hohepriestern des Ptah in Memphis nach ägyptischem Ritus zum Pharao krönen und nahm den „Vornamen“ „der Geliebte des Re, der Erwählte des Amun“ an. Er wollte das Land als Pharao regieren und nicht als Fremdherrscher, wie der Perserkönig Kambyses II. Seine ägypterfreundliche Gesinnung brachte er auch durch ein „prächtiges Opfer“ für Apis, den heiligen Stier von Memphis, zum Ausdruck, ebenfalls um sich von Kambyses, der gegen Apis gefrevelt haben soll, und von den Persern insgesamt abzuheben.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 58f.; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 9, 11.
Anschließend ließ Alexander für seine Soldaten, wohl auch als Siegesfeier, einen gymnischen und einen musischen agón ausrichten, zu dem die bekanntesten Sportler und Künstler Griechenlands nach Memphis eingeladen worden waren. Nach den Feierlichkeiten nahm er auch die anderen Teile Ägyptens in Besitz.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 59; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 9.
Die Gründung der Hafenstadt Alexandria im westlichen Nildelta „zu Beginn des Jahres 331 v. Chr.“W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 65. erinnert noch heute an seinen Feldzug. „Der König entwarf eigenhändig eine Planskizze und legte fest, wo die agora anzulegen sei, wo die Straßen verlaufen sollten, wieviele Tempel für welche Götter […] zu erbauen seien und wo die (80 stádia lange) Stadtmauer errichtet werden sollte.“W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 63; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 10. Er hatte Alexandria als griechische Stadt mit demokratischem Zuschnitt konzipiert.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 65–67: […] eine Organisation der Bürgerschaft in fünf phylaí, 60 démoi und 720 phrátai. Neben den griechischen Bürgern wohnten in der Stadt […] auch griechische Nicht-Bürger (Vgl. Anmerkung 40). Doch nicht nur dies geschah auf Alexanders Veranlassung, sondern auch der Wiederaufbau und die Restauration der von den Persern zerstörten Tempel wurde von ihm beauftragt.
Die Einwohner Alexandrias richteten wahrscheinlich noch zu Lebzeiten des Königs einen Kult des Gründer-Heros (ἥρως κτίστης héros ktístes), ja des Gründer-Gottes (θέος κτίστης théos ktístes) ein.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 69.
Diadochenkriege Da Alexander der Große mit seinem Heer relativ schnell aus Ägypten abzog, setzte er wie die Perser einen Verwalter (Satrap) ein. Der Bankier Kleomenes war der erste, dem dieses Amt übertragen wurde.
mini|hochkant|Kopf des Ptolemaios (nur das Gesicht und der Ansatz des Stirnhaares sind antik, Louvre Ma 849)
Als Alexander der Große am 10. Juni 323 v. Chr. in Babylon starb, stellte sich die Frage der Nachfolge. Bereits vor seinem Tod hatte er seinen Siegelring an Perdikkas übergeben und ihm damit „gewisse ordnende Funktionen“ „in der Zeit unmittelbar nach dem Tod des Königs“ übertragen.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 81; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 12. Einige Fraktionen sprachen sich für ein vereintes Reich unter einem Statthalter als Vormund für die unmündigen Erben aus (Perdikkas), andere, wie Ptolemaios, dafür, die führenden Mitstreiter des Verstorbenen in ein Gremium zu berufen, in dem alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden sollten.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 82; – ähnlich G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 13: nach Hölbl lautete der Vorschlag des Ptolemaios „das Reich in lose verbundene Satrapien-Staaten zu zerteilen“ und er bezeichnet es als „historisch sehr weitsichtig“.
Philippos Arrhidaios (Philipp III.), der regierungsunfähige Halbbruder Alexanders, und der erwartete SohnW. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 83ff.; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 13: Roxane gebar einen Sohn der Alexander (IV.) genannt und zum Mitkönig ausgerufen wurde der Roxane wurden zu Königen gewählt, für die Perdikkas das Sorgerecht übertragen wurde.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 83ff.; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 13. Philippos Arrhidaios wurde 317 v. Chr. vergiftet. Nach ihm wird auf den Königslisten Alexander IV. bis 305 v. Chr. geführt, obwohl dieser schon 310 v. Chr. zusammen mit seiner Mutter Roxane durch Kassander ermordet worden war, der beide bereits seit längerer Zeit als Geiseln hielt.
Die Entscheidung über die Satrapienverteilung unter den Generälen Alexanders konnte Perdikkas nicht allein treffen. Er musste sich mit den makedonischen Vornehmen beraten. In der „Reichsordnung von Babylon“ wurden 323 v. Chr. die Satrapien den einzelnen Generälen übertragen, wobei Ptolemaios als Satrap für Ägypten bestimmt wurde.W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit, 332–30 v. Chr. München 2001, S. 86ff.; Huß führt dort die gesamten Satrapien mit den ernannten Satrapen auf; – G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 13f.: nennt nur die „wichtigsten“ Satrapen.
„Den entscheidenden Impuls für die Auseinandersetzungen der folgenden Jahre [die Diadochenkriege] lieferte die Spannung zwischen der Idee der Erhaltung des zentral beherrschten Großreiches und dem Bestreben einiger Diadochen, den eigenen Bereich völlig selbständig zu regieren und womöglich territorial auszuweiten.“G. Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Darmstadt 1994, S. 14.
Die Ptolemäer
mini|links|350px|Mächtekonstellation zur Zeit der Herrschaft der Ptolemäer um 300 v. Chr.
Der Satrap Ptolemaios, ein ehemaliger hoher Militär Alexanders, bemächtigte sich des Leichnams Alexanders und verbrachte ihn zum Heiligtum nach Siwa, um ihn dort beisetzen zu lassen. Da die Fertigstellung des Grabmals aber zu lange dauerte, bestattete Ptolemaios Alexander in einer Gruft in Alexandria.
Perdikkas, der Träger von Alexanders Siegelring und Reichsregent, rückte mit einer großen Streitmacht nach Ägypten vor. Ptolemaios konnte ihn aber 320 v. Chr. bei Memphis zurückschlagen. Perdikkas wurde daraufhin von seinen eigenen Offizieren umgebracht. Mit seinen beiden Verbündeten Lysimachos und Kassander zog Ptolemaios kurz darauf gegen Antigonos I. Monophthalmos, den Nachfolger des Perdikkas, in den Krieg. Er konnte gemeinsam mit Seleukos bei Gaza 312 v. Chr. das Heer des Sohnes des Antigonos, Demetrios Poliorketes, besiegen und wurde in einem Friedensvertrag als ägyptischer Satrap bestätigt.
Ptolemaios I. regierte ab 305 v. Chr. mit dem Beinamen Soter („der Retter“). Als er von den Machenschaften seines Vorgängers Kleomenes erfuhr, der Tempel ausplündern ließ und den Armeesold nicht auszahlte, ließ er ihn verhaften und zum Tode verurteilen.
Der unter Ptolemaios I. begonnene Bau der berühmten Bibliothek von Alexandria sowie der Bau des Leuchtturms, der eins der sieben Weltwunder war, wurden unter Ptolemaios II. vollendet.
Die größte Ausdehnung unter den Ptolemäern hatte Ägypten unter Ptolemaios III. Euergetes, der von 246 bis 221 v. Chr. regierte.
Nach dem gewaltsamen Tod von Ptolemaios IV. Philopator, wurde sein minderjähriger Sohn Ptolemaios V. Epiphanes sein Nachfolger. Diese innere Machtschwäche bezahlte Ägypten mit dem Verlust von Syrien und Stützpunkten in Kleinasien.
mini|Kleopatra VII., Caesar und ihr Sohn Caesarion an der Rückwand des Tempels von Dendera
Die inneren Kämpfe unter der Verwandtschaft der Ptolemäer um die Macht in Ägypten zogen sich durch alle folgenden Generationen. Kleopatra VII. war die letzte Ptolemäerin auf dem Pharaonenthron. Auch sie blieb von den inneren Fehden nicht verschont. Als sie die Regierungsgeschäfte als Siebzehnjährige 51 v. Chr. von ihrem Vater Ptolemaios XII. Neos Dionysos übernahm, tat sie dies unter der Bedingung, ihren jüngeren Bruder Ptolemaios XIII. zum Mann nehmen zu müssen.