Ready Teddy ist ein Rock-’n’-Roll-Song, der von John Marascalco in Zusammenarbeit mit Bumps Blackwell für Little Richard geschrieben wurde. Er wurde erstmals im Juni 1956 auf Specialty Records veröffentlicht. Als Songstruktur dient der im Rock ’n’ Roll häufige zwölftaktige Blues; der Text ist eine Einladung zum Spaß am Feiern. Ready Teddy wurde durch viele zeitnahe Coverversionen schnell zu einem Standard des Rock ’n’ Roll, der auch von Musikern in Europa aufgegriffen wurde. Auch während des Rock-’n’-Roll-Revivals in den 1970er Jahren und in der Neo-Rockabilly-Szene seit den 1990er Jahren fand der Titel Interpreten. Der Song erreichte in Little Richards Originalversion Platz acht der Rhythm-and-Blues-Charts und als Crossover Platz 44 der Popcharts des Billboard-Magazins. Keine der mindestens 50 Coverversionen konnte dem Original in die Charts folgen.
Entstehung Nachdem der junge Songwriter John Marascalco aus Grenada, Mississippi, vergeblich versucht hatte, seine Komposition Rip It Up an Elvis Presley weiterzugeben, hörte er Little Richards zweite Single Long Tall Sally bei deren Radiodebüt. Der Moderator Gene Nobles brachte ihn exklusiv in der Samstagabendsendung „Randy’s Record Hi-Lights“ beim in Nashville ansässigen Sender WLAC, als Marascalco mit einigen Freunden am Yalobusha River die Autoradios spielen ließ. Hatte Little Richards Debütsingle Tutti Frutti Marascalco noch kalt gelassen, war er vom energiereichen Rock ’n’ Roll von Long Tall Sally begeistert und verkündete seinen Freunden, er werde für Little Richard einen Song schreiben. Am Folgetag skizzierte er während des Kirchgangs den Refrain. Mit seinem Freund Louis Breeland, der in Long Beach, Kalifornien, bei der Navy stationiert war, fuhr er nach Los Angeles, um der Plattenfirma Specialty Records den Titel für Little Richard anzubieten.
Während der fünftägigen Autofahrt im März 1956 vollendete er Ready Teddy. In der Geschäftsstelle von Specialty traf er zuerst Dorothy Rupe an, die Gattin des Labelbesitzers Art Rupe, die den Produzenten und A&R-Manager Bumps Blackwell aus dem angeschlossenen Aufnahmestudio rief. Marascalco, der weder eine Demoversion noch ein Begleitinstrument parat hatte, sang Blackwell den Song vor. Blackwell gefiel der Titel und er fragte nach weiteren verfügbaren Stücken. So intonierte Marascalco auch Rip It Up und der Produzent schickte ihn mit einigen Änderungsvorschlägen fort. Marascalco setzte sie am folgenden Tag am Strand um, schrieb die Neufassungen im Motel auf Schreibmaschine nieder und brachte sie am folgenden Montag erneut zu Specialty. Nach Absprache mit einem anwesenden Vertriebspartner entschied sich Blackwell, beide Titel mit Little Richard einzuspielen. Dabei erhoffte er sich eine doppelseitige Hit-Single, wenn er beide Songs als zwei Seiten einer Vinylsingle kombinieren würde. Zudem ließ Marascalco mit Rock ’n’ Roll Dance eine weitere Song-Skizze im Specialty-Büro zurück, die von Blackwell für Lloyd Price überarbeitet wurde.
Die erste Aufnahme der Songs erfolgte am 9. Mai 1956 in Cosimo Matassas J&M Studio in New Orleans, wo Little Richard bereits Tutti Frutti und Long Tall Sally eingespielt hatte. Es musizierte unter Blackwells Leitung die Studio Band mit Edgar Blanchard und Ernest McLean an den Gitarren, Frank Fields am Bass, Lee Allen am Tenorsaxophon, Alvin Tyler am Baritonsaxophon und Earl Palmer am Schlagzeug. Von Ready Teddy sind wenigstens fünf Takes erhalten, wahrscheinlich wurde Take 6 von Art Rupe für die Veröffentlichung auf Single gemastert.
Musikalischer Aufbau Wie im Rock ’n’ Roll häufig, basiert Little Richards Ready Teddy auf einem zwölftaktigen Bluesschema, dessen funktionalen Akkorde sich mit der Stufentheorie darstellen lassen. Dabei entspricht die erste Stufe der Tonika, die vierte Stufe der Subdominante und die fünfte Stufe der Dominante:
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Die vier beginnenden Takte auf der ersten Stufe dienen als Strophe, die Takte fünf bis zwölf als Refrain. Die dritte und vierte Strophe sind um weitere vier Takte Tonika erweitert. Die Liedabfolge beginnt mit den Strophen eins bis drei, worauf zwei aufeinanderfolgende Schemata das Saxophonsolo aufnehmen. Daraufhin werden die Strophen zwei und drei wiederholt. Mit der vierten Strophe kommt der Song zum Abschluss. Somit wird das Bluesschema achtmal wiederholt. Die Strophen werden als Stop-Times dargeboten, indem die Rhythmusgruppe und Holzsektion jeweils nur einzelne Schläge im Back- und Offbeat eines Taktes spielen und ansonsten schweigen, während der Sänger stakkatohaft und in reduzierter Melodieführung den Text „brüllt“. Spätere Coverversionen variierten den durch das Original vorgegebenen Ablauf.
Inhalt Ready Teddy ist einer aus einer langen Reihe von sich reimenden Song-Titeln aus Little Richards Repertoire wie Tutti Frutti, Heeby-Jeebies oder Good Golly Miss Molly. Marascalco, der sein Songwriting von den ihn umgebenden Alltagsszenen inspiriert weiß, erklärte den Titel mit dem Synonym „hot to trot“ (deutsch: heiß, scharf), einem Slangausdruck aus den Südstaaten. Thematisch umfasst der Text eine Einladung an jedermann, Spaß zu haben, und steht damit in der Tradition des Bill-Haley-Songs Rock Around the Clock. Auch Roy Browns Good Rocking Tonight, Shirley and Lees Let the Good Times Roll und Fats Dominos I’m Ready haben mit Ready Teddy die herausgebrüllte Bereitschaft des Vortragenden gemein, die Nacht durchfeiern zu wollen. Stuart Colman bescheinigt dem Autor John Marascalco großes Talent, da die verwendeten Motive der Jugendkultur aus einem völlig anderen sozialen Milieu zu stammen scheinen, wo „Wendungen wie ‚flattop cats‘ (deutsch: Typen mit Bürstenhaarschnitt) und ‚dungaree dolls‘ (deutsch: Mädchen in Latzhosen) Antithesen zu einer Welt bilden, in der der Fassonschnitt und Perlen-Twinsets die Norm waren.“ Insbesondere der Vers „The music really sends me; I dig the crazy style.“ (deutsch: Diese Musik treibt mich richtig an, auf diesen irren Stil fahre ich total ab.) erkläre, worum es bei der neuen Musikrichtung Rock ’n’ Roll im Wesentlichen gehe.
Veröffentlichungen Erst am 31. Mai 1956 ließ Venice Music, der Musikverlag des Labelchefs Art Rupe, den Titel in der Library of Congress registrieren; gerade rechtzeitig vor der Veröffentlichung am 1. Juni zusammen mit Rip It Up als zwei Doppel-A-Seiten auf Specialty 579. Für beide Titel ließ sich der Produzent sein Arrangement mit Autorenrechten würdigen, so dass seitdem Marascalco und Blackwell als Co-Autoren auf Veröffentlichungen zu finden sind. Die Single kam sowohl als 10-Zoll-Schellacksingle als auch auf 7-Zoll-Vinyl heraus. Die Lizenz für Großbritannien, Deutschland, Italien, Brasilien, Japan und Neuseeland hatte London Records inne. In Belgien erschien die Single auf Ronnex Records, in den Niederlanden auf Artone Records und in Kanada auf Regency Records. Die Erstveröffentlichungen außerhalb der Vereinigten Staaten zog sich allerdings bis 1959 hin. Bei Specialty Records erschienen als EP ausschließlich die 6-scheibige Reihe Here’s Little Richard, auf deren zweiten Ausgabe Specialty EP-401 im März 1957 Ready Teddy neben Slippin’ and Slidin’, Oh Why? und Baby präsentiert wurde. Zugleich fand der Titel Eingang in die Trackliste des ersten gleichbetitelten Albums Here’s Little Richard unter der Nummer Specialty 100 beziehungsweise 2100.
Ready Teddy hielt Einzug in Little Richards Live-Programm und wurde über die Jahre regelmäßig gespielt. Einige der Konzerte wurden auch für Live-Alben aufgenommen. Am 17. Januar 1966 gab der Sänger sein Standard-Repertoire im Domino Club in Atlanta, Georgia zum Besten, das im Januar 1967 auf dem Album Little Richard Sings His Greatest Hits – Recorded Live auf Modern Records erschien. Ready Teddy ist dabei kaum 40 Sekunden lang. Die Aufnahme wurde zudem nachbearbeitet und weitgehend ohne Publikumsgeräusch zusammen mit Tutti Frutti und Do You Feel It – Part 1 auf Single herausgegeben. Ein ähnliches Programm kam am 30. August 1976 für S. J. Productions im Jack Clement Studio zur Aufnahme. Die Liner Notes des Albums Little Richard Live! auf K-tel Records behaupten ebenso wie der Titel der Platte eine Live-Session. 1992 nahm Little Richard zum letzten Mal ein komplettes Album auf. Es bestand aus früheren Hits und war eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Gitarristen Masayoshi Takanaka. Unter dem entsprechenden Titel Little Richard Meets Masayoshi Takanaka kam die Platte auf EMI Music Japan unter der Nummer TOCT 6619 heraus und enthielt als siebten Track Ready Teddy.
Coverversionen Ready Teddy wurde seit seiner Erstveröffentlichung mindestens 50-mal gecovert.
Zeitnah nahmen sich einige namhafte Rock-’n’-Roll-Kollegen Little Richards Chartnummer an. 1956 – Elvis Presley auf RCA 45-7906 und auf dem Album Elvis, RCA LPM 1382 1958 – Buddy Holly auf dem Album Buddy Holly, Coral CRL 57210 1958 – Carl Perkins auf dem Album Whole Lotta Shakin’, Columbia CL-1234 1959 – Gene Vincent auf dem Album Sounds Like Gene Vincent, Capitol T 1207
Nicht alle frühen Aufnahmen kamen zur Veröffentlichung, sondern sind viel später im Zuge musik-archivarischer Arbeiten herausgekommen. 1956 – Roy Orbison, erschien 2002 1956 – Bob Dylan (Fragment) 1958 – Bob Luman, erschien 1997 auf dem Live-Album Town Hall Party 1958-61, Country Routes RFD15 1959 – Rockin’ R’s, erschien 1988 auf dem Album Crazy Baby, Norton-205 1959 – Johnny Hallyday, erschien 1993 1960 – David Box and the Ravens, erschien 2002 1960 – Bailey’s Nervous Kats, erschien 2000 auf dem Album Get Nervous, Ace CD 756 1965 – The Searchers, erschien 2004 auf dem Album BBC Sessions, Castle Music Ltd.
In Europa wurde zuerst die skandinavische Rock-’n’-Roll-Szene auf den Song aufmerksam. 1958 – Finn and His Rock Ramblers auf der EP Sonora SEP 129 1958 – Per Granberg mit dem Sigurd Jansens Orkester auf Philips 353 126 PF 1964 – The Danish Sharks auf dem Album Ready, Steady, Go! with The Danish Sharks, Triola TDL 209 1964 – Jerry Williams auf Sonet T 7612
Auch die britische Merseybeat-Szene adaptierte den Standard schnell. 1959 – Cliff Richard and the Drifters auf der EP Cliff 2, Columbia SEG 7910 1961 – Tony Sheridan auf dem Album My Bonnie, Polydor 46 612 in Mono und Polydor 237 112 in Stereo 1963 – The Tornados auf der EP Tornado Rock, Decca DFE 8533 1964 – Sounds Incorporated auf dem Album Sounds Incorporated, Columbia 33SX 1659 1965 – The Swinging Blue Jeans
Anfang der 1960er Jahre war der Titel in Frankreich angekommen. 1961 – Vince Taylor auf der EP Barclay 70424 1963 – Eddy Mitchell auf dem Album Eddy in London 1964 – Johnny Hallyday in einer französischsprachigen Version unter dem Titel Belle auf der EP Les rocks les plus terribles: vol. 1, Philips 1969 – Brian Burd and the Black Sabbath auf dem Album Rock Story Vol. 1, Disques Vogue CLVLX 358
In Spanien wurde Ready Teddy bereits in den späten 1950ern aufgenommen. 1959 – Los Estudiantes auf Philips 428 230
1965 versuchte sich die deutsche Beat-Szene am Stück. 1965 – German Blue Flames auf dem Album German Blue Flames, Ariola 72256 IT
In Australien wurde der Titel durch Johnny O’Keefe aufgegriffen. 1964 – Johnny O’Keefe auf dem Album The J.O’K. Sound – Songs With Soul, Songs With Beat, Leedon LL 31292
Auch lateinamerikanische Ausgaben sind bekannt. 1961 – Pat Henry auf Odeon Chile 3179 1977 – Raul Seixas auf dem Album Raul Rock Seixas, Philips Records
Das in den 1970er Jahren einsetzende Rock-’n’-Roll-Revival griff den Song erneut auf. 1970 – Phil Ochs als Teil des Presley-Medleys auf dem Livealbum Gunfight at Carnegie Hall, A&M Records 1972 – Adriano Celentano auf dem Album I mali del secolo 1972 – Per ‚Elvis‘ Granberg & The New Jordal Swingers auf dem Album Rock ’n’ Roll Forever, Fontana 6426 038 1973 – James Montgomery Band auf dem Album First Time Out, Capricorn Records CP 0120 1973 – Big Wheelie & The Hubcaps als Teil des Little Richard Medleys, Scepter Records 12385 1974 – Teddy Palmer’s Rumble Band auf dem Album Teddy Bear, Polydor 2908 016