Die australische Cricket-Nationalmannschaft () vertritt Australien auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Sie ist Vollmitglied im International Cricket Council (ICC) und damit berechtigt Tests gegen andere Vollmitglieder auszutragen. Das Team wird vom Verband Cricket Australia (CA) geleitet, der 1905 als Australian Board of Control for International Cricket (ABCIC) gegründet wurde.

Australien bestritt im März 1877 gegen England den ersten Test in der Geschichte des internationalen Cricket. Ebenso bestritten beide Länder im Januar 1971 das erste One-Day International (ODI) und im Februar 2005 Australien sein erstes Twenty20 International (T20I) gegen Neuseeland. Im Test Cricket sind das wichtigste Ereignis die Serien gegen England, bei der um die bekannteste Trophäe im internationalen Cricket, The Ashes, gespielt wird. Der Mannschaft gelang es in der Vergangenheit, sechs Cricket World Cups (1987, 1999, 2003, 2007, 2015 und 2023), zwei Mal die Champions Trophy (2006 und 2009), ein Mal den T20 World Cup (2021) und ein Mal die World Test Championship (2021–2023) zu gewinnen. 25 ehemalige australische Spieler wurden in die ICC Cricket Hall of Fame aufgenommen.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Cricket mini|Cricketspiel auf dem Melbourne Cricket Ground am 1. Januar 1864 mini|Das Aborigines-Cricketteam der Englandtour 1868, Charles Lawrence in der Mitte Wie in anderen Teilen der Welt brachten britische Siedler das Cricketspiel nach Australien, wo es schnell Beliebtheit erlangte. Das erste überlieferte Cricketspiel auf australischem Boden wurde im Dezember 1803 in Sydney bestritten und nach einem Bericht in der Sydney Gazette vom 8. Januar 1804 hatte der Sport in der neuen Kolonie bereits Wurzeln geschlagen. Gegen 1826 wurden Cricket Clubs wie der Currency Cricket Club, der Military Cricket Club und der Australian Cricket Club gegründet. Diese frühen Spiele wurden im Hyde Park und Racecourse bestritten. Kurze Zeit später folgte die Gründung der ersten Cricket Clubs in Van Diemen’s Land (heute Tasmanien) wie 1832 in Hobart und 1843 in Launceston. 1838 entstand in Victoria mit dem Melbourne Cricket Club (MCC) wahrscheinlich Australiens exklusivster und einflussreichster Cricket Club. Clubs in den anderen Kolonien folgten 1839 in South Australia und Western Australia, und 1835 fand ein Spiel zwischen einer Mannschaft bestehend aus Arbeitnehmern und Mechanikern gegen Bauarbeiter des neuen Regierungsgebäudes in Perth statt.

Als im Februar 1851 Cricketspieler aus Victoria Tasmanien besuchten, begann das interkoloniale Cricket. Das Spiel wurde am 11. und 12. Februar in Launceston bestritten und Tasmanien gewann mit drei Wickets. Bis 1854 folgten drei weitere Spiele zwischen beiden Mannschaften, danach war jedoch die Überquerung der Bass-Straße für die Mannschaft Victorias immer weniger wichtig und der Fokus verschob sich auf die Nachbarkolonie New South Wales. Diese Spiele sorgten für ein großes Interesse, wie sich bei einer Zuschauermenge von 15.000 bei einem Spiel in Sydney im Januar 1853 zeigte. Cricket Boards wurden in weiteren Kolonien gegründet: 1857 in New South Wales, 1864 in Victoria und 1871 in South Australia.

1861/62 unternahm eine englische Mannschaft die erste private Tour nach Australien, finanziert vom Catering-Unternehmen Spiers & Pond. Die von H. H. Stephenson angeführte Mannschaft bestand vor allem aus Cricketspielern aus Surrey. Obwohl sie nicht völlig ausgewogen war, galt sie doch als ziemlich stark. Obschon die Mannschaften der örtlichen Bevölkerung meist unterlagen, sorgte die Tour dennoch für großes Interesse und war für die Cricketspieler und Organisatoren finanziell erfolgreich. Eine weitere Tour folgte 1863/64, angeführt von George Parr, und erwies sich als noch erfolgreicher.

Als 1868 Aborigines die erste australische Mannschaft zusammenstellten und eine Englandtour unternahmen, begann für Australien das internationale Cricket. Die Mannschaft wurde von Charles Lawrence angeführt, einem Spieler von Stephensons 1861er-Mannschaft, der nach Australien ausgewandert war; sie bestand überwiegend aus Spielern aus Harrow und Edenhope im Wimmera-Gebiet West-Victorias. Die Mannschaft verfügte über herausragende Spieler wie Johnny Mullagh und gewann 14 der 47 Spiele, spielte 19 Mal unentschieden und verlor 14 Mal. Neben dem Cricket tat sich die Mannschaft vor, während und nach den Spielen auch in athletischen Disziplinen wie Bumerang- und Speerwerfen hervor. Der hohe Arbeitsdruck und die widrigen Wetterumstände forderten jedoch ihren Tribut, als King Cole während der Tour an Tuberkulose starb.

Die ersten Tests mini|Die australische Cricket-Mannschaft der Englandtour 1878 mini|Die 1882 in The Sporting Times abgedruckte „Todesanzeige“ In den Saisons 1873/74 und 1876/77 erfolgten weitere Touren englischer Mannschaften (unter anderem mit dem damals wohl bekanntesten Cricketspieler W. G. Grace) nach Australien. Die Internationale Cricket-Saison 1876/77 blieb vor allem für ein Spiel zwischen einer Mannschaft bestehend aus Spielern aus New South Wales und Victoria gegen die besuchende englische Mannschaft am 15.–19. März 1877 im Melbourne Cricket Ground in Erinnerung. Das Spiel, das im Nachhinein als erster Test anerkannt wurde, gewann die australische Mannschaft mit 45 Runs. Charles Bannerman erzielte mit 165 Runs das erste Century. Das Resultat dieses Spiels wird sowohl in England als auch in Australien der Qualität des Crickets in Australien zugeschrieben. Die große Entfernung zwischen beiden Nationen erschwerte das Test Cricket, das damals nur zwischen England und Australien ausgetragen wurde, denn gegenseitige Touren per Schiff nahmen mehrere Monate in Anspruch. Wegen der großen Schwierigkeiten der damals langen Touren galt der „ausgeruhte“ Gastgeber in der Regel als Favorit. Trotz Australiens im Vergleich zu England kleinerer Bevölkerung war die Mannschaft wettbewerbsfähig und verfügte ebenso über herausragende Spieler. Die meisten Cricketspieler stammten damals vor allem aus New South Wales oder Victoria, die einzige Ausnahme war der vielseitige All-rounder George Giffen aus South Australia.

Höhepunkt der frühen australischen Cricketgeschichte war der Test 1882 in England im Londoner Oval, den Australien überraschenderweise mit sieben Runs gewann, womit die gegenseitige Heimdominanz ein Ende fand. In dem Spiel erzielte Frederick Spofforth sieben Wickets für 44 Runs im vierten Innings und sicherte den australischen Sieg ab, da er der englischen Mannschaft das Erreichen der Vorgabe von 85 Runs verwehrte. Nach dem Spiel veröffentlichte The Sporting Times eine ironische „Todesanzeige“ auf das englische Cricket. Aus diesem Zeitungsscherz entstanden die berühmten Ashes, der Länderwettbewerb zwischen Australien und England im Test-Cricket um eine Urne als Trophäe. Seitdem ist dieser Wettstreit einer der traditionsreichsten im internationalen Sport. Die „Todesanzeige“ lautete folgendermaßen:

Die ‘Golden Age of Cricket’ mini|links|„Sprung für einen direkten Boundary“, George Beldam, ca. 1905 – vermutlich eines der bekanntesten Fotos in der Cricketgeschichte mini|Die australische Mannschaft 1896 mini|Der dritte Test zwischen Australien und England im Adelaide Oval, 1902 Die Zeit zwischen der Saison 1890 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wird oft als die „Golden Age of Cricket“ (die „Goldene Zeit des Crickets“) bezeichnet. Neben England, das auch weiterhin der Hauptkonkurrent der Australier blieb, kamen ab Ende des 19. Jahrhunderts Neuseeland und Südafrika als Mitstreiter hinzu. Die Ashes-Serien konnten weitestgehend ausgeglichen gestaltet werden und vor allem der Batter Victor Trumper war Star des australischen Teams. Am 15. Juni 1909 gründete der australische Verband zusammen mit England und Südafrika im Londoner Lord’s Cricket Ground die Imperial Cricket Conference (heute International Cricket Council, ICC).

In dieser „goldenen Ära“ des australischen Test-Crickets gewann die Mannschaft unter ihren Kapitänen Joe Darling, Monty Noble und Clem Hill acht der zehn Tests. Nach allgemeiner Ansicht begann die goldene Ära Australiens mit der englischen Australientour 1897/98 und hielt bis zur südafrikanischen Australientour 1910/11 an. Vor allem Australiens herausragende Batter, All-rounder und Bowler trugen dazu bei, dass es zur führenden Cricketnation der Zeit wurde.

Trumper gilt als einer der ersten Sporthelden Australiens, als der beste Batter vor Donald Bradman und als einer der beliebtesten Spieler Australiens. Er spielte in 49 Tests, ein neuer Rekord, und erzielte 3.163 Runs (ein weiterer Rekord) mit einer Net Run Rate von 39.04. Nach seinem frühen Tod mit 37 Jahren infolge Nierenversagens wurde in Australien Staatstrauer ausgerufen. Der Wisden Cricketers’ Almanack bezeichnete in seiner Todesmeldung Trumper als besten Batter Australiens: Of all the great Australian batsmen Victor Trumper was by general consent the best and most brilliant. („Von allen großen australischen Batsmen war Victor Trumper mit Abstand der beste und brillanteste.“)

Die letzten Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren geprägt vom Konflikt zwischen den Spielern, allen voran Clem Hill, Victor Trumper und Frank Laver, und dem Australian Cricket Board unter Peter McAlister, der versuchte, mehr Kontrolle über die Touren der Spieler zu erlangen. Dies führte zum Rückzug von sechs führenden Spielern (die sogenannten „Big Six“) während des Triangular Tournament 1912 in England, woraufhin Australiens Aufstellung als die einer B-Mannschaft galt. Dies war die letzte Serie vor Kriegsausbruch und Australien sollte für die folgenden acht Jahre kein internationales Cricket mehr spielen. Tibby Cotter starb während des Krieges in Palästina.

Zwischen den Weltkriegen Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurden in der Saison 1920/21 die internationalen Touren wieder aufgenommen. Das von Johnny Douglas angeführte englische Team besuchte Australien, verlor jedoch alle fünf Tests (ein Whitewash) der Ashes-Tour gegen Australien unter Kapitän Warwick Armstrong. Spieler aus der Zeit vor dem Krieg hatten einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Mannschaft, aber auch neue Spieler, sowie die sogenannten „twin destroyers“ („Zwillingszerstörer“) Jack Gregory und Ted McDonald trugen ihren Teil zum Erfolg der Mannschaft bei. Die australische Mannschaft konnte ihren Erfolg während ihrer Englandtour 1921 fortsetzen und gewann drei der fünf Tests (dies sollte zugleich Warwick Armstrongs letzte Testserie als aktiver Spieler sein). Damit gelang es Australien, in den Ashes die Oberhoheit zu erlangen. In den drei Serien zwischen 1920 und 1925 verlor es von den 15 gespielten Tests nur einen gegen die englische Mannschaft. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre ließ der Erfolg jedoch nach und Australien verlor 1928/29 erstmals wieder eine Tour seit 1911/12.

Die Ära Bradman mini|Die australische Mannschaft auf ihrer Englandtour 1930 mini|Bill Woodfull weicht einem gefährlichen Bodyline-Ball von Harold Larwood beim vierten Test der Bodyline Series 1933 aus Die australische Englandtour 1930 läutete eine neue Erfolgsserie für die Australier ein. Die von Bill Woodfull angeführte Mannschaft – the unbowlable („der unbowlbare“) – bestand aus bekannten Spielern wie Bill Ponsford, Stan McCabe, Clarrie Grimmett, sowie das junge Pair Archie Jackson und Donald Bradman. Bradman entwickelte sich zum herausragenden Batter der Serie und erzielte rekordverdächtige 974 Runs, einschließlich eines Century, zweier Doppel-Centuries und eines Dreifach-Century, 334 Runs in Leeds, einschließlich 309 Runs an einem Tag. Jackson starb drei Jahre später im Alter von 23 an Tuberkulose, nachdem er in acht Tests gespielt hatte. Die Mannschaft galt allgemein als unbesiegbar und Australien gewann neun seiner folgenden zehn Tests.