Die Messe in D-Dur ist das wahrscheinlich bedeutendste Werk der damals 34-jährigen Ethel Smyth; sie wird auch als „Das Meisterwerk“ Smyths bezeichnet.Skyblue Productions, 2009, zit. nach: Christopher St John: Longmans, Green, and Co., London / New York / Toronto 1959, S. 86.

Geschichte Sie wurde am 18. Januar 1893 in der Royal Albert Hall in London unter der Leitung von Sir Joseph Barnby uraufgeführt. Ausführende waren die Royal Choral Society mit dem Albert Hall Orchestra.Erik Dremel: „All there was in my heart“. Ethel Smyth, ihre Mass in D und ihre Freundschaft zu Pauline Trevelyan. In: Cornelia Bartsch, Rebecca Grotjahn, Melanie Unseld (Hrsg.): Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin: die Komponistin Ethel Smyth. Allitera, München 2010, ISBN 978-3-86906-068-2, S. 201–217, . Es ist das einzige geistliche Werk der Komponistin.Meinhard Saremba: Elgar, Britten & Co: eine Geschichte der britischen Musik in zwölf Portraits. M&T Verlag, Zürich/St. Gallen 1994, ISBN 3-7265-6029-7, S. 222. Die Komponistin schrieb dazu:

Trotz ihrer persönlich guten Kontakte zu namhaften Komponisten war es ihr nicht möglich, von ihnen Unterstützung zu erhalten. Sie suchte in ganz England nach einem Dirigenten für ihr Werk, doch die in der Tradition stehenden Männer, insbesondere Hubert Parry, Charles Villiers Stanford und Arthur Sullivan, betrachteten die Arbeiten und den Lebenswandel der Künstlerin wahrscheinlich geringschätzig. Hilfe kam von königlicher Seite: Ex-Kaiserin Eugénie, die Witwe Napoleons III., hielt sich in England im Exil auf und war bereit, die Messe mit der Herausgabe der Noten bei dem renommierten, 1811 von Vincent Novello gegründeten Verlag Novello Co. zu finanzieren. Auch erhielt Smyth die Möglichkeit, Königin Viktoria ein kleines Vorspiel zu geben. Sie selbst schreibt dazu:

Die Generalprobe in der riesigen, leeren Halle muss ein schreckliches Erlebnis gewesen sein. Rückblickend schrieb sie dazu:

Für die Aufführung bedurfte es 1000 Mitwirkender, die Menge der Zuhörer bei der Uraufführung war nicht minder imposant: Mehr als zwölftausend Zuhörer waren in der riesigen Festhalle zugegen und die Messe wurde sehr gut angenommen. Smyths persönlicher Gönner, George Bernard Shaw, war begeistert und auch The Times jubilierte:

Trotz ihres Ersterfolges wurde die Messe erst am 7. Februar 1924, also nach 31 Jahren, unter Adrian Boult in Birmingham wieder aufgeführt. Die Komponistin selbst hatte sich nach zufälligem Erinnern an das Werk um seine Wiederaufführung bemüht, stieß aber zunächst auf Widerstand seitens des Verlages. Für diese Wiederaufführung nahm Smyth einige Veränderungen vor, vor allem im Chor- und Orchestersatz. In den schnelleren Sätzen reduzierte sie zum Teil erheblich die Metronomzahl. Sowohl die selbstkritische Smyth als auch das Publikum waren von der zweiten Aufführung gleichermaßen begeistert. Shaw schrieb Smyth:

Das Werk Die Messe ist Smyths Freundin Lady Pauline Trevelyan (?–1897) gewidmet, die dem römisch-katholischen Glauben angehörte. Sie gehörte damit zu einer Minderheit im Vereinigten Königreich, die in verschiedenen Belangen bis zum Papists Act 1778 sogar deutlich benachteiligt und ausgegrenzt waren. Die Situation kann nach 1829 mit dem Catholic Relief Act als endgültig beendet angesehen werden, jedoch dürfte dieses Dilemma der Vorgeneration im ausgehenden 19. Jahrhundert noch im Bewusstsein vieler gesteckt haben. Mit der „Befreiung“ wurde innerkirchlich und vor allem liturgisch eine besondere Prägung ausgelöst. Die anglikanisch-katholische Kirche galt lange Zeit als „katholischer“ als die Römische Kirche, die Liturgie wurde vielfach in Latein abgehalten. Der Grund, warum Smyth den lateinischen Messtext vertonte, könnte jedoch auch ein anderer gewesen sein.

Kritiker mutmaßten, in dem Werk komme die tiefe Liebe zwischen den beiden Frauen zum Ausdruck. Dieser naheliegende Aspekt wird von der Forschung inzwischen etwas differenzierter gesehen: Obwohl in den westlichen Ländern in der Dekade, in der das Werk uraufgeführt wurde, praktisch keine anderen Werke dieser Gattung komponiert wurden, wird die Intention von der Cäcilien-Bewegung ausgegangen sein, die seit 1860 und dann verstärkt in den 1870er Jahren Fuß fasste. Zu jener Zeit wurden kirchliche Messen – wenn überhaupt – für kleine Besetzung geschrieben. Hier handelt es sich aber eindeutig um ein Orchesterwerk für anspruchsvolle Musiker und Solisten. Es steht damit in der Tradition von Beethovens gleichfalls in D-Dur gesetzter Missa solemnis. Beachtenswert ist weiterhin, dass der seinerzeit wohl bedeutendste britische Komponist und Musiklobbyist Charles Villiers Stanford im Jahr der Uraufführung der Smyth’schen D-Dur-Messe gleichfalls begann, eine Messe zu schreiben; eine Inspiration darf vorausgesetzt werden.

Die Messe ist nach dem Ordinarium aufgebaut, hat jedoch eine abweichende Reihenfolge, indem das Gloria erst als letzter Satz erklingt: Die sechs Sätze lauten Kyrie, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und Gloria.Programmheft zu einem Konzert am 6. November 2011 in der Hildegard-Kirche in St. Ingbert Für Ethel Smyth war das Gloria in den Messen das prächtigste Stück generell. Während ihres München-Aufenthaltes und ihrer Bekanntschaft mit Pauline Trevelyan besuchte sie besonders gerne die Münchner Kirchen und kath. Gottesdienste. Für Ethel Smyths Geschmack musste deshalb das Gloria als krönender Abschluss an den Schluss.Ethel Smyth: Impressions that remained. 1. Auflage. 1946, S. 432 ff.

Besetzung Solisten: Sopran, Alt, Tenor, Bass. Gemischter Chor SATB (auch geteilt: SSAATTBB). Orchester: 2 Flöten, 2 Oboen (auch Englischhorn), 2 Klarinetten, 2 Fagotte, Kontrafagott, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagzeug (Kleine Trommel, Becken), Orgel, Streicher.

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 65 Minuten.

Literatur Robert Marion Daniel: Ethel Smyth's Mass in D : a performance-study guide. Dissertation, University of North Carolina at Greensboro, 1994, uncg.edu (PDF; 6,0 MB). Michael Kube: Mass in D. In: Hans Gebhard (Hrsg.): Harenberg Chormusikführer. Harenberg, Dortmund 1999, ISBN 3-611-00817-6, S. 831. Almut Runge-Wolf: Mass in D/Messe in D-Dur. In: Silke Leopold, Ullrich Scheideler (Hrsg.): Oratorienführer. Metzler/Bärenreiter, Stuttgart/Kassel 2000, ISBN 3-476-00977-7 (Metzler) / ISBN 3-7618-2012-7 (Bärenreiter), S. 677–678. Ethel Smyth: Mass in D for soli, chorus, and orchestra [Klavierauszug]. Novello, Ewer and Co., London 1893, .

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Messe (Musik) Kategorie:Werk von Ethel Smyth Kategorie:Chorwerk aus dem 19. Jahrhundert Kategorie:Musik 1893