Stockhausen ist ein Ortsteil der Ortsgemeinde Windhagen im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz mit über 600 Einwohnern.

Geographie Stockhausen liegt auf der Asbacher Hochfläche im nordwestlichen Westerwald auf Höhenlagen zwischen 265 und und grenzt direkt an den sich nach Westen erstreckenden Aegidienberger Wald an. Dort steigt das Gelände zum Dachsberg () an, nach Osten fällt es zum Stockhausener Bach und dessen ortsnah entspringenden Zufluss Forthbach an. Stockhausen hat keinen klassischen Ortskern, sondern erstreckt sich entlang der Dorfstraße. Zu den nächstgelegenen Ortschaften gehören nordöstlich das 1,5 Kilometer entfernte Germscheid sowie das 1,5 Kilometer nordwestlich gelegene Wülscheid.

Geschichte Urkundlich in Erscheinung trat Stockhausen 1418 als ein Dienstmannsgut des kurkölnischen Amtes Altenwied. Der Hof war vermutlich durch die ursprünglich aus Dassel stammenden Junker von Stockhausen gegründet und als Motte ausgebaut worden. Er fiel um 1550 in den Besitz der „von Neustadt, genannt Munt“, 1600 wurde er ein Rittersitz der Grafen von Nesselrode.Heinrich Neu, Hans Weigert: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuwied. Schwann, Düsseldorf 1940, S. 393–394 (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 16, Abt. II).Ernst-Dieter Meyer: Der Rittersitz Stockhausen. In: Windhagen – Ein Heimatbuch. Economica Verlag, Bonn 1994, S. 51–56 1660 verzeichnete Stockhausen als Teil der Honschaft Windhagen im gleichnamigen Kirchspiel bei einer Inventur im Amt Altenwied zehn Häuser.August Welker: Inventur im Amt Altenwied anno 1660. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied, 1977, S. 101–103.

In preußischer Zeit (ab 1815) blieb Stockhausen ein Teil der Honschaft, später Gemeinde Windhagen, seit 1823 im Verwaltungsbezirk der Bürgermeisterei Asbach. Im Rahmen von Volkszählungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Stockhausen zunächst als Weiler, 1843 war es als Dorf verzeichnet und umfasste 35 Wohn- sowie 25 Wirtschaftsgebäude.A. A. Mützell: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des Preußischen Staats. 4. Band. Verlag K. A. Kümmel, Halle 1823, S. 386; Der Rittersitz der Grafen von Nesselrode war 1830 aufgegeben worden, blieb jedoch als Gebäude erhalten.

1907 erhielt Stockhausen eine Telegraphenhilfsstelle und 1931 eine eigene Poststelle der Klasse II im Bezirk des Postamts Asbach.Theo Winterscheid: Aus der Geschichte der Post im Windhagener Raum. In: Windhagen – Ein Heimatbuch. Economica Verlag, Bonn 1994, S. 116–119. Zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde 1932 an der Stockhausener Straße ein Ehrenmal errichtet.Karl-Heinz Prangenberg: Das Gefallenendenkmal in Stockhausen. In: Heimatblatt Altenwied, 2008/2009, S. 65–71. Ende der 1930er Jahre entstand nördlich von Stockhausen das Lager Süd-West des damaligen Einsatz(flug)hafens Eudenbach auf der Mußer Heide (auch Musser Heide). Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg niedergelegt. 1959 wurde die Poststelle Stockhausen dem Postamt Linz zugeordnet und 1980 als Spätfolge der kommunalen Neugliederung in eine Annahmepoststelle umgewandelt.

Die mundartliche Bezeichnung des Ortes lautet „Stockes“.Helmut Wolff: Der Windhagener Dialekt. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 196.

+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1816Der Regierungs-Bezirk Coblenz nach seiner Lage, Begränzung, Größe, Bevölkerung und Eintheilung  … Pauli, Coblenz 1817; S. 89; dilibri.de 148 1828Friedrich von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Nicolaische Buchhandlung, Berlin / Stettin 1830, S. 693; . 196 1843Topographisch-statistische Übersicht des Regierungs-Bezirks Coblenz. Hölscher, Coblenz 1843, S. 66; dilibri.de 190 1885 191 1987Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile () [siehe unter „Verzeichnisse und Adressarien“, Kennziffer A1132E] 515

Wiesplätzchen Zum Hof und späteren Rittersitz Stockhausen gehörte auch die heutige Wüstung Wiesplätzchen, auf halbem Weg zwischen Stockhausen und Germscheid gelegen. Eine früh erwähnte Hofstelle dieses Ortes war das Blietzgenhöffgen. Nach einer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde Wiesplätzchen wiederaufgebaut und zählte 1660 bei der Inventur im Amt Altenwied drei Häuser. Über diesen Umfang wuchs der Ort nie hinaus. Die jährliche Pacht des Hofes betrug 11 Malter Hafer. Die Schreibweise des Ortsnamens entwickelte sich über Weisplätzgen (1729), Wiespletzgen (1765), Wiesenplaetz (1803–1820) und Wiesplätzgen (19. Jahrhundert) zu Wiesplätzchen.

1829 bestanden in Wiesplätzchen noch zwei (von ursprünglich drei) Wohnhäusern, eines war zuvor einem Feuer zum Opfer gefallen. Bei der Volkszählung 1843 war Wiesplätzchen als Hof verzeichnet und umfasste ein Wohn- und zwei Wirtschaftsgebäude mit acht Einwohnern. 1905 war die Einwohnerzahl auf fünf gesunken. Nachdem im Herbst 1929 das damals letzte Wohnhaus niederbrannte, wurde Wiesplätzchen zur Wüstung.Anton Stockhausen: Untergegangene Siedlungen und Höfe. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 62–64.

Sehenswürdigkeiten

Eine wesentliche Sehenswürdigkeit von Stockhausen ist die neugotische Marienkapelle, ein von 1884 bis 1886 errichteter Backsteinsaalbau. Als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz steht auch ein Fachwerkhaus des ehemaligen Hofs der Grafen von Nesselrode, das im Kern vor 1700 errichtet wurde. In der Weiherstraße befindet sich ein geschütztes Wegekreuz aus dem Jahre 1876, an der Ringstraße steht eine als Naturdenkmal ausgewiesene Eiche.

Weblinks Gudrun Fünter: Die Stockhausener Straße in Stockhausen. SWR Hierzuland, 12. November 2019

Einzelnachweise

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