Die Schlacht um die Visayas war ein Unternehmen im Rahmen der Rückeroberung der Philippinen während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. Die Landungen der US-Streitkräfte auf den Hauptinseln Cebu, Bohol, Negros, Panay und Samar begannen am 18. März 1945 und die Visayas-Inseln galten ab dem 30. Juli als erobert.

Hintergrund Die Visayas-Inseln, die seit 1898 unter US-Kontrolle lagen, waren direkt zu Beginn der japanischen Operationen im Pazifikraum Anfang 1942 von der Kaiserlich Japanischen Armee während der Schlacht um die Philippinen eingenommen und besetzt worden. Als die Joint Chiefs of Staff 1943, nach den ersten US-Kriegerfolgen die ersten Pläne zur Rückeroberung der Philippinen unter dem Codenamen Musketeer erarbeiten ließen, lag das Hauptaugenmerk auf den beiden großen Inseln Leyte und Luzon. Ein Angriff auf die Visayas wurde erst im Juli 1944 von den Joint Chiefs of Staff in Erwägung gezogen: auch General Douglas MacArthur, der von President Franklin D. Roosevelt persönlich zum Oberbefehlshaber der Operation Musketeer ernannt wurde, ersuchte den US-Stab, eine Rückeroberung der Visayas-Inseln zu planen. Da die sich dort in japanischer Hand befindlichen Flugfelder strategisch enorm wichtig für die späteren Operationen in Südostasien waren, wurde ein Angriff auf die Visayas-Inseln vorbereitet, und als Operation Musketeer:Victor gekennzeichnet. So sah der Plan vor die Landungen auf den Visayas unmittelbar nach der Landung auf der Hauptinsel der Philippinen Luzon zu beginnen. Die Operation Victor war in zwei Phasen unterteilt: Victor I und Victor II. Victor I sah vor ab dem Landungstag die Inseln Panay und Negros einzunehmen. Nachdem die sich dort befindenden Flugfelder für den Einsatz vorbereitet waren, sollten im Laufe der Operation Victor II die Inseln Cebu und Bohol gesichert werden. Dieser endgültige Plan wurde durch die Joint Chiefs of Staff Anfang Dezember 1944 zur Durchführung freigegeben.

Der Befehlshaber der beiden Victor-Operationen war General Robert L. Eichelberger, der unter dem Kommando von MacArthur stand.

Victor I

Eichelberger sollten für die Operation Victor I auf Panay und Negros etwa 12.000 Soldaten zur Verfügung stehen, die aus Teilen der 40. US-Infanteriedivision, einem Regiment der California National Guard und zwei Regimentern der 25. US-Infanteriedivision, die aus der Schlacht um Luzon abkommandiert wurden, bestanden.

Sicherung von Panay

Bereits am 5. März 1945 bombardierten F6F Hellcat und F4U Corsair Jagdflugzeuge der Task Force 58 sowie B-25 Mitchell Bomber, die von Flugplätzen in China aus starteten, die japanischen Verteidigungsanlagen an der Küste der Insel Panay. Am 17. März 1945 führte die Task Force 38 den letzten vorgesehenen Luftangriff auf die japanischen Stützpunkte. Diese Angriffe erfüllten zum einen den Zweck, japanische Boden- und Lufteinheiten auf Panay auszuschalten sowie die Landung vorzubereiten, und unterbrachen die Kommunikation der 8.000 Mann starken japanischen Garnison. Etwa 3.000 Verteidiger zogen sich in die Stadt Iloilo City zurück, während die restlichen Truppen Stellung bei einer Verteidigungslinie am Panay River bezogen. Landgestützte amerikanische Kampfflugzeuge flogen unterdessen von Basen auf der Insel Leyte Einsätze gegen weitere Ziele auf Panay. Zudem wurden etliche japanische Luftwaffenstützpunkte auf den Visayas-Inseln weitgehend neutralisiert. Besonders auf Negros konnten mehr als 150 japanische Kampfflugzeuge und Bomber, die meisten von ihnen noch auf den Flugfeldern stehend, zerstört oder beschädigt werden. mini|Truppen des 185. Regiments greifen mit Panzerunterstützung japanische Positionen auf Panay an. Das war die Situation, als am Morgen des 18. März der Kommunikationsstützpunkt auf Negros eine Warnung vor einer unmittelbar bevorstehenden feindlichen Landung an der Küste Panays durchgab. Abgefangene amerikanische Funksprüche deuteten auf eine Konzentration von Kriegsschiffen und Transportern hin, die von Leyte und Mindoro ablegten. Zudem beobachtete ein Aufklärungsflugzeug eine große Anzahl von Amtracks auf den Decks der Transporter, was darauf hindeutete, dass diese Einheiten für eine Invasion bereitstanden. Wenige Stunden später gab eine andere Maschine die Sichtung einer großen Flotte etwa 22 Meilen vor Panay bekannt, die aus 12 Transportern, zwei Kreuzern und sechs Zerstörern bestand und von vier Geleitträgern begleitet wurde. Am Nachmittag des 18. März ankerten die Einsatzschiffe mit den Landungseinheiten der 40. Infanteriedivision, die unter dem Kommando von Major Gen. Rapp Brush stand, etwa neun Kilometer vor den westlichen Stränden Panays. Gegen 11:00 Uhr bestiegen die Soldaten die Landungsboote, die Kurs auf die vorgesehenen Landungspunkte nahmen. Um 11:30 Uhr eröffneten die beiden leichten Kreuzer für 30 Minuten das Feuer auf die Strände. Unterdessen näherten sich US-Zerstörer der Küste, um auf ausgesuchte Ziele weiter im Innenland zu feuern. Mehrere Seeminen wurden von Minensuchern entfernt, während Kampfflugzeuge der Geleitträger die wenigen noch intakten japanischen Kampfflugzeuge auf den Flugfeldern bombardierten. Da eine japanische Gegenwehr im Landungsraum nicht erwartet wurde, konnten die weiter vorgesehenen Flugeinsätze abgesagt werden. mini|Karte der US-Operationen in den südlichen Philippinen Als die erste Welle den Strand erreichte, eröffneten die mit schweren Maschinengewehren bestückten Amtracks das Feuer auf den Strand, doch bis auf wenige isolierte Schüsse, die aus einigen noch intakten Stellungen abgefeuert wurden, kam von japanischer Seite keine Gegenwehr. Die Bunker konnten von den Begleitzerstörern schnell ausgemacht und ausgeschaltet werden, so dass es auf amerikanischer Seite nur einen Toten und einige Verwundete bei den Landungstruppen gab. Innerhalb kurzer Zeit waren drei Bataillone der 40. Division an Land sowie einige Einheiten der California National Guard. Diese Truppen sicherten den Brückenkopf auf dem Strand nach allen Himmelsrichtungen.

Als um 13:30 Uhr General Eichelberger an Land ging und sich die Lage erläutern ließ, änderte er die Landungspläne der Gesamtoperation. Er beschloss, den schwachen Widerstand der Japaner auszunutzen, um Panay so schnell wie möglich zu sichern. Deswegen setzte er als Prioritätsziel der Operation Victor I die Einnahme von Iloilo City. Die Japaner auf Panay würden, nach dem Fall der Hauptstadt der Insel, in die Berge flüchten, wo sie von philippinischen Guerillas und amerikanischen Truppen aufgerieben werden konnten. Da das Hinterland am Landungsstrand nr. 1 das schnellste Vorrücken erlaubte, wurde eine Lastwagenkolonne für die Nachschubgüter von den anderen Landungspunkten organisiert, die über zwei Tage die gelagerten Güter zum Landungsstrand nr. 1 transportierte. Der Führungsstab unter General Eichelberger beschloss zunächst die für den dritten Operationstag vorgesehenen Versorgungsgüter für die Landungsstrände sofort auszuschiffen. Während der Erweiterung des Brückenkopfes am 18. März waren kleinere Einheiten der 40. Division schon weit in Richtung Iloilo City vorgerückt, ohne auf japanischen Widerstand zu stoßen. Erst in der folgenden Nacht, als die Einheiten lagerten, griff eine kleinere Gruppe Japaner die rechte Flanke an. Die dort postierten US-Soldaten wurden alle getötet. Am folgenden Tag schlossen sich den US-Truppen etwa 23.000 Guerillakämpfer unter Col. Macario Peralta an.

Der japanische Befehlshaber auf den Visayas, General Suzuki, beschloss aufgrund der aussichtslosen Verteidigungslage auf Panay, sich mit seinen Haupttruppen auf die Insel Negros zurückzuziehen, um dort eine starke Verteidigung aufzubauen.

Die amerikanischen Einheiten, die immer noch von mehr als 4.000 japanischen Verteidigern im Innern Panays ausgingen, gerieten am 19. März in heftige Regenfälle, die das Vorrücken auf den schmalen Pfaden im Dschungel noch weiter erschwerten. Besonders die Geschütze und die Lastwagen, die in die vorderen Linien gebracht werden sollten, versanken immer wieder im tiefen Morast des Flusses Panay, so dass der Zeitplan durcheinandergeriet. General Eichelberger beschloss daher, die Truppen zu sammeln und einen Vorstoß gegen Iloilo City vorzunehmen. Da sich auch am Folgetag das Wetter nicht änderte, kam zunächst auch ein Versorgungsflug aus der Luft nicht in Frage. Trotz dieser ungeplanten Rückschläge rückte die Hauptstreitmacht hinter den vorausmarschierenden Patrouillen weiter in Richtung der japanischen Stellungen in Iloilo vor. Die Stadt wurde am 21. März erreicht. Nachdem bekannte und vermutete japanische Stellungen am Stadtrand mittels Artillerie beschossen wurden, hielt der Vormarsch etwa 900 m vor der Stadtgrenze an. Hier kam es zu einem kurzen Scharmützel mit japanischen Soldaten, die sich gut verschanzt hatten, doch nachdem den Amerikanern der Durchbruch gelungen war, wurden sie von einer Anhöhe unter Feuer genommen. Die japanische Stellung konnte schnell erkundet und mit Mörserfeuer und Granaten ausgeschaltet werden.

Währenddessen musste die Truppenversorgung von der Küste aus per Handkarren organisiert werden, da weiterhin schlechtes Wetter ein Befahren der Pfade mit Fahrzeugen unmöglich machte. Auch an eine Versorgung aus der Luft war weiterhin nicht zu denken. Trotz dieser desaströsen Nachschublage und ohne unterstützende Artillerie in den ersten Reihen entschied sich Eichelberger, den Befehl zum weiteren Vorrücken auszugeben. Dies lag nicht zuletzt daran, dass ihn Informationen erreicht hatten, die von einem Abrücken der Japaner in der Stadt sprachen. Am Morgen des 22. März besetzte die Hauptstreitmacht der Amerikaner die Stadt, die am 25. endgültig gesichert war. Auf Panay waren etwa 5.000 Japaner gestorben, 1.800 davon in Iloilo City. Etwa 200 ergaben sich.

Sicherung von Negros Am 24. März 1945 begann die Task Force 58 den vorgesehenen Angriff auf Negros. Diese Luftangriffe erreichten nochmals alle beabsichtigten Ziele, weil die letzten japanischen Flugzeuge auf Negros ausgeschaltet wurden und die Verteidigungsanlagen der Strände zum großen Teil zerstört wurden. Ab dem 22. März jedoch griffen landgestützte amerikanische Kampfflugzeuge die wichtigsten Ziele auf der Insel an, vor allem Brücken, Depots oder Flugabwehrpositionen, und auch Langstreckenbomber aus China bombardierten die Insel, speziell die Stadt Bacolod City. Zudem wurden etliche japanische Kanonenbatterien auf Negros zerstört.Samuel E. Morison: The Liberation of the Philippines: Luzon, Mindanao, the Visayas 1944–1945, 2001, S. 231

Aufklärer der Japaner beobachteten auch diesmal eine große Anzahl feindlicher Schiffe, die Kurs auf die Insel genommen hatten, viele taktische Funksprüche austauschten, und aus 20 Transportern, drei Kreuzern und neun Zerstörern bestand und von vier Geleitträgern begleitet wurde. Diese Flotte transportierte etwa 5.000 amerikanische Soldaten der 40. Division. Der Küstenabschnitt Pulupandan, im Nordwesten von Negros, auf dem sie an Land gehen sollten, war von den Planern in zwei Landeabschnitte eingeteilt worden: N-Beach 1 und 2. Auch bei dieser Operation wurde keine ernsthafte japanische Gegenwehr erwartet, doch um einen feindlichen Konterangriff zu verhindern, wurde am 27. März ein verstärktes Platoon des 185. Infanterieregiments unter Leutnant Aaron H. Hanson durch einen isolierten Amtrack an Land gelassen. Diese Soldaten überquerten die feindlichen Linien, deren Truppen durch die Luftangriffe versprengt worden waren, zeichneten eine detaillierte Landkarte vom nördlichen Abschnitt von Negros, und gelangten an die Stahlbrücke über den Bago River, die den einzigen Weg darstellte, diesen Fluss zu überqueren. Die amerikanischen Soldaten sicherten die Brücke innerhalb weniger Minuten, töteten die japanischen Wächter und verminten die Struktur, um, im Falle einer Rückeroberung durch die Japaner, die ganze Brücke zu sprengen.Samuel E. Morison: The Liberation of the Philippines: Luzon, Mindanao, the Visayas 1944–1945, 2001, S. 232 mini|Erbeutete japanische Arisaka-Gewehre auf Negros, April 1945