Medaillenspiegel (Endstand nach 44 Entscheidungen) Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 6 5 1 12 2 5 4 7 16 3 5 3 8 16 4 4 5 3 12 5 4 1 2 7 6 3 4 1 7 7 3 1 2 6 8 2 5 3 10 9 2 2 3 7 10 2 1 - 3 Vollständiger Medaillenspiegel

Die 23. Leichtathletik-Europameisterschaften wurden vom 6. bis 10. Juli 2016 im Amsterdamer Olympiastadion von 1928 ausgetragen. Erstmals fanden damit die Leichtathletik-Europameisterschaften in den Niederlanden statt. Am 4. November 2011 erhielt die Hauptstadt Amsterdam den Zuschlag gegenüber den Mitbewerbern Istanbul (Türkei) und Split (Kroatien). Das Budget der fünftägigen Veranstaltung soll neunzehn Millionen Euro betragen haben.EK atletiek in 2016 in Amsterdam, nos.nl 4. November 2011 (niederländisch), abgerufen am 25. März 2023

Es waren die zweiten Europameisterschaften, die im Jahr von Olympischen Spielen wenige Wochen vor diesen Spielen mit reduziertem Programm – ohne die Gehwettbewerbe sowie einem Halbmarathon anstelle des Marathons – mit nur 44 statt 47 Disziplinen ausgetragen wurden.

Die Qualifikationswettbewerbe im Diskus- und Speerwurf fanden auf dem Museumplein statt.

Teilnehmer und Mitwirkende Am 22. Juni 2016 wurden 104 Sportler, 51 Männer und 53 Frauen, vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nominiert,, Aufgebot für Amsterdam, leichtathletik.de 22. Juni 2016, abgerufen am 18. März 2023 worauf Sabrina Mockenhaupt verletzungsbedingt einen Tag später ihre Absage bekannt gab., Vorstufe Ermüdungsbruch, leichtathletik.de 23. Juni 2016, abgerufen am 18. März 2023 Verletzungsbedingt mussten auch Manuel Stöckert und Robert Polkowski zurückziehen. Aus Deutschland wurden schließlich 101 Teilnehmer entsandt. Kurzfristig musste schließlich noch Raphael Holzdeppe von einem Start absehen.Pamela Ruprecht, Raphael Holzdeppe sagt EM-Start ab, leichtathletik.de 4. Juli 2016, abgerufen am 18. März 2023 Es war das größte DLV-Team bei Europameisterschaften seit 18 Jahren mit einem Durchschnittsalter von ca. 25 Jahren.Jan-Henner Reitze, Thomas Röhler freut sich auf Quali im Park, leichtathletik.de 5. Juli 2016, abgerufen am 18. März 2023

Die Schweiz entsandte 48 Athleten, unter anderem mit dem amtierenden 400-Meter-Hürden-Europameister Kariem Hussein. Polen schickte sein bislang größtes – 73-köpfiges – Team mit den Titelverteidigern Anita Włodarczyk (Hammerwurf) und Adam Kszczot (800-Meter-Lauf). Großbritannien nominierte 98 Sportler, unter denen sich 6 Titelverteidiger befanden.

Russische Leichtathleten und ihr Status Nachdem der Leichtathletikweltverband IAAF (heute World Athletics) seine im Herbst 2015 ausgesprochene Sperre von Mitgliedern des russischen Nationalverbandes wegen systematischen Dopings Mitte Juni 2016 auf unbegrenzte Zeit verlängert hatte, blieb diesen die Teilnahme an den Europameisterschaften verwehrt. Russische Sportlerinnen und Sportler hatten zu den erfolgreichsten bei diesen Veranstaltungen gezählt, bei den vorangegangenen Europameisterschaften hatten sie im Medaillenspiegel Platz vier belegt. Von dem Bann ausgenommen blieben Athleten, die sich vorschriftsmäßig Dopingkontrollen unterzogen hatten. Ihnen wurde die Möglichkeit eingeräumt, eine persönliche Startgenehmigung zu beantragen.EM fast ohne russische Leichtathleten. In: Süddeutsche Zeitung 12. Juli 2016, sueddeutsche.de, abgerufen am 18. März 2023 Einzige russische Teilnehmerin, die über diesen Weg hier starten konnte, war die Mittelstreckenläuferin Julia Stepanowa, die sich als Whistleblowerin an der Aufdeckung der skandalösen Zustände innerhalb ihres Verbandes aktiv beteiligt hatte.Kronzeugin Julia Stepanowa erhält EM-Startrecht. In: Süddeutsche Zeitung 1. Juli 2016, sueddeutsche.de, abgerufen am 18. März 2023 Stepanowa trat nicht unter der russischen Flagge, sondern unter der des europäischen Leichtathletikverbandes im 800-Meter-Lauf an, blieb dabei aber erfolglos.Christoph Zöpf, Julia Stepanowa: Die Überläuferin. In: OÖN, 8. Juli 2016, nachrichten.at, abgerufen am 25. März 2023

Kritik am Einsatz eingebürgerter Athleten durch die Türkei Heftige Kritik gab es an der Zusammensetzung des türkischen Kaders. Die Türkei setzte sieben frühere Kenianer, zwei ehemalige Jamaikaner und einen Ex-Kubaner ein, meist erst vor kurzer Zeit mit türkischer Staatsbürgerschaft ausgestattet. Die betreffenden Sportler lebten und trainierten in der Regel nicht einmal in der Türkei. Diesen eingebürgerten Läufern verdankte die Türkei alle vier Goldmedaillen, vier der fünf Silbermedaillen und damit den vierten Rang im Medaillenspiegel. So gab es kritische und verärgerte Stellungnahmen aus mehreren Verbänden – auch vom europäischen Verband, der EAA, Änderungen im Regelwerk des Weltleichtathletikverband World Athletics (damals: IAAF) wurden angestrebt.Leichtathleten sind empört über türkische EM-Erfolge. In: Focus, focus.de 12. Juli 2016, abgerufen am 25. März 2023

Doping Über die Problematik mit Russland und der Frage des Startrechts für russische Athleten hinaus gab es auch bei diesen Europameisterschaften wieder sieben Fälle, in denen Sportler wegen Verstoßes gegen die Antidopingbestimmungen disqualifiziert wurden: Kevin Moore (Malta), 100 Meter, im Vorlauf disqualifiziert und damit ausgeschieden – Er wurde positiv auf unerlaubte Substanzen getestet. Der Test erfolgte mittels einer am 11. Juni 2016 entnommenen Probe. Der Sprinter erhielt eine vierjährige Sperre bis zum 24. September 2020. Seine Resultate, die er ab dem 11. Juni 2016 erzielt hatte, wurden annulliert.Moore handed four-year ban. In: Times Malta 22. Juni 2017 (englisch), timesofmalta.com, abgerufen am 25. März 2023 Gábor Pásztor (Ungarn), 200 Meter, im Vorlauf ausgeschieden – Er wurde nach seinem Rennen bei diesen Europameisterschaften am 7. Juli positiv auf unerlaubte Substanzen getestet und erhielt eine vierjährige Sperre bis zum 7. Juni 2020. Sein Resultat von diesen Europameisterschaften wurde annulliert.IAAF confirms lengthly sanctions issued to athletes, sportsintegrityinitiative.com, 28. Februar 2017 (englisch), abgerufen am 18. März 2023Gabor Pasztor, dopingsanctions.com (englisch), abgerufen am 18. März 2023 Jamel Chatbi (Italien), 5000 Meter, zunächst Elfter/3000 Meter Hindernis, zunächst Fünfter – Er wurde bei einer Trainingskontrolle während der Olympischen Spiele 2016 positiv auf das verbotene Mittel Clenbuterol getestet. Nach 2009 war es bereits Chatbis zweiter positiver Test.Jamel Chatbi, fidal.it (italienisch), abgerufen am 18. März 2023 Der neuerliche Befund führte zunächst zu einer Sperre für zwei Jahre und acht Monate bis April 2019, die wegen des bereits zweiten Vergehens von der italienischen Antidopingagentur NADO italia bis August 2024 verlängert wurde.Atletica, Doping: Chatbi, altri 5 anni di squalifica. In: Napoli Magazine 28. Juli 2017 (italienisch), napolimagazine.com, abgerufen am 18. März 2023 Hakan Duvar (Türkei), 3000 Meter Hindernis, zunächst Zwölfter – Ihm wurden Abweichungen in seinem Biologischen Pass nachgewiesen, die zu einer vierjährigen Sperre und unter anderem der Streichung des Resultats bei diesen Europameisterschaften führten. Die Sperre begann am 26. Dezember 2016 und endete am 25. Dezember 2020.Hakan Duvar (M), dopingsanctions.com, (englisch), abgerufen am 18. März 2023 Andrei Toader (Rumänien), Kugelstoßen, zunächst Sechster – Seine Dopingprobe vom 10. Mai 2016 enthielt das verbotene Mittel Testosteron und war damit positiv. Dem Athleten wurden seine seitdem erzielten Resultate aberkannt, darunter sein Ergebnis von diesen Europameisterschaften. Außerdem wurde eine vierjährige Sperre vom 10. Mai 2016 bis 9. Mai 2020 gegen ihn verhängt.Andrei Toader (M), dopingsanctions.com (englisch), abgerufen am 18. März 2023Bydgoszcz shot put silver medal Andrei Toader tested positive to testosterone, trackarena.com 24. Juli 2016 (englisch), abgerufen am 18. März 2023 Olessja Powch (Ukraine), 100 Meter, im Halbfinale ausgeschieden/4-mal 100 Meter, Rang vier – Bei ihr ergab ein Dopingtest vom 15. Juni 2016 eine deutlich zu hohe Testosteron-Konzentration. Sie erhielt eine vierjährige Sperre vom 15. Juni 2016 bis 14. Juni 2020, alle ihre seit der positiven Dopingprobe erzielten Resultate wurden annulliert.Olesya Povh (W), dopingsanctions.com (englisch), abgerufen am 18. März 2023Ukrainian sprinters fail in bid to get drugs bans overturned at CAS, insidethegames.biz 29. März 2019 (englisch), abgerufen am 18. März 2023 Olha Semljak (Ukraine), 400 Meter, im Halbfinale ausgeschieden/4-mal 400 Meter, Rang sechs – Bei einem Dopingtest vom 5. Juli 2016 wurde eine deutlich zu hohe Testosteron-Konzentration festgestellt. Da ihr bereits vorher einmal ein Dopingbetrug nachgewiesen worden war, erhielt sie eine Sperre von nicht vier, sondern acht Jahren vom 5. Juli 2016 bis 4. Juli 2024, alle ihre seit der positiven Dopingprobe erzielten Resultate wurden annulliert.Olha Zemlyak (W), dopingsanctions.com (englisch), abgerufen am 18. März 2023

Sportliche Leistungen Das Leistungsniveau bei diesen Europameisterschaften muss vor allem auch angesichts der nur in wenigen Wochen folgenden Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hoch eingeschätzt werden. Der Jahreshöhepunkt, auf den die Athleten hinarbeiten, liegt natürlich vielmehr bei diesen Spielen als bei den kontinentalen Meisterschaften, die als eine allerdings wichtige Zwischenstation zu werten sind.

Folgende Rekorde wurden neu aufgestellt: drei Meisterschaftsrekorde in drei Disziplinen: 1:02:03 h – Tadesse Abraham (Schweiz), Halbmarathon 1:10:19 h – Sara Moreira (Portugal), Halbmarathon 4,81 m – Ekaterini Stefanidi (Griechenland), Stabhochsprung eine Weltjahresbestleistung: 3:25,05 min – Großbritannien (Emily Diamond, Anyika Onuora, Eilidh Doyle, Seren Bundy-Davies), 4-mal 400 Meter, Finale sieben Europajahresbestleistungen in sieben Disziplinen: 3:01,10 min – Belgien (Julien Watrin, Jonathan Borlée, Dylan Borlée, Kevin Borlée), 4-mal 400 Meter, Finale 17,20 m – Max Heß (Deutschland), Dreisprung, Finale 21,31 m – David Storl (Deutschland), Kugelstoßen, Finale 31:12,86 min – Yasemin Can (Türkei), 10.000 Meter 12,62 s – Cindy Roleder (Deutschland), 100 Meter Hürden, Finale 9:18,85 min – Gesa Felicitas Krause (Deutschland), 3000 Meter Hindernis, Finale 20,17 m – Christina Schwanitz (Deutschland), Kugelstoßen, Finale ein egalisierter Landesrekord sowie zwanzig verbesserte Landesrekorde in insgesamt elf Disziplinen

In der Medaillenwertung lag Polen mit sechs EM-Titeln sowie sechs weiteren Medaillen vorn. Deutschland und Großbritannien folgten mit je fünf Titeln, Deutschland hatte außerdem vier Silber- und sieben Bronzemedaillen auf dem Konto, die Briten kamen auf drei Silber- und acht Bronzemedaillen. Dahinter lagen die Türkei und die Niederlande mit je vier Europameistern. Spanien und Portugal hatten am Ende jeweils drei Europameister in ihren Reihen. Frankreich, Italien und Belgien kamen auf jeweils zwei Goldmedaillen. Das bei früheren Europameisterschaften erfolgsgewohnte Russland tauchte wegen seines Ausschlusses wie oben bereits beschrieben in dieser Wertung nicht auf.

Bei den einzelnen Sportlern sind besonders folgende Leistungen zu nennen. Zwei Athletinnen errangen je zwei Goldmedaillen bei diesen Meisterschaften: Yasemin Can (Türkei) – 5000 Meter, 10.000 Meter Dafne Schippers (Niederlande) – 100 Meter und 4-mal 100 Meter Folgende Europameister von 2016 hatten bereits vorher EM-Titel gewonnen: Sandra Perković (Kroatien) – Diskuswurf, vierter Titel in Folge David Storl (Deutschland) – Kugelstoßen, dritter Titel in Folge Ruth Beitia (Spanien) – Hochsprung, dritter Titel in Folge Anita Włodarczyk (Polen) – Hammerwurf, dritter Titel in Folge Adam Kszczot (Polen) – 800 Meter, zweiter Titel in Folge Martyn Rooney (Großbritannien) – 400 Meter, Wiederholung seines Erfolgs von 2014 Mahiedine Mekhissi-Benabbad (Frankreich) – 3000 Meter Hindernis, 2014 Sieger über 1500 Meter Greg Rutherford (Großbritannien) – Weitsprung, Wiederholung seines Erfolgs von 2014