mini|Cyril Ramaphosa (2024)

Matamela Cyril Ramaphosa [] (* 17. November 1952 in Johannesburg, Transvaal) ist ein südafrikanischer Politiker (ANC), Gewerkschaftsführer und Unternehmer. Von Mai 2014 bis Februar 2018 war er Vizepräsident Südafrikas unter Jacob Zuma, seit Dezember 2017 ist er Vorsitzender des ANC. Seit Februar 2018 ist er Präsident der Republik Südafrika.

Leben Werdegang zur Zeit der Apartheid Ramaphosa wurde in Soweto als zweites von drei Kindern von Samuel, einem Polizisten, und Erdmuth Ramaphosa geboren. Seine Familie gehört zur Volksgruppe der Venda. Die Kindheit verlebte Ramaphosa zunächst im Johannesburger Stadtteil Western Native Township, später in Soweto. Er ging in Soweto zur Grundschule und in die weiterführende Sekano-Ntoane High School. Zum Ende seiner Schulzeit wurde er Internatsschüler, weil er 1970 an die Mphaphuli High School in Sibasa (im ehemaligen Homeland Venda) wechselte, wo Ramaphosa 1971 sein Matric erwarb.Shelagh Gastrow: Who’s Who in South African Politics. Ravan Press, Johannesburg 1986, 2. Aufl., S. 252–254.

1972 schrieb er sich an der University of the North (Turfloop), einer Hochschule für Schwarze, für ein Studium der Rechtswissenschaft mit dem Ziel B.Proc ein und trat der South African Students’ Organisation (SASO) bei, die zum Black Consciousness Movement (BCM) gehörte. Zwei Jahre später wurde er zum örtlichen Vorsitzenden der SASO und zum nationalen Chairman des Student Christian Movement (SCM) gewählt. Nach einer Solidaritätskundgebung für die Frelimo im Jahre 1974 wurde Ramaphosa elf Monate ohne Anklage nach dem Terrorism Act (section 6) im Pretoria Central Prison inhaftiert. Nach seiner Entlassung schloss er sich der BCM-Dachorganisation Black Peoples Convention (BPC) an, in der er verschiedene Funktionen ausübte. Nach dem Aufstand in Soweto wurde er erneut aufgrund desselben Gesetzes in Johannesburg in der Johannesburg Central Police Station (John Vorster Square) für sechs Monate in Vorbeugehaft genommen. Danach war er wieder als Jurist für Kanzleien tätig und setzte sein Studium an der University of South Africa fort, wo er 1981 einen Abschluss als Baccalaureus Procurationis, der in Südafrika zu einer Tätigkeit als Rechtsanwalt befähigt, machte. Im selben Jahr wurde er hauptamtlicher Rechtsberater des damaligen Dachverbands der südafrikanischen Gewerkschaften, Council of Unions of South Africa (CUSA).South African History Online: Cyril Matamela Ramaphosa. bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2017.

1982 gründete Ramaphosa die National Union of Mineworkers (NUM, deutsch etwa „Nationale Gewerkschaft der Bergarbeiter“) und wurde im Dezember deren erster Generalsekretär.SowetanLIVE: Interesting facts you may not know about Cyril Ramaphosa. Meldung vom 7. Februar 2018 auf www.sowetanlive.co.za (englisch) abgerufen am 14. April 2018. Diese Gewerkschaft vertrat zu diesem Zeitpunkt 6000 schwarze Bergarbeiter in acht Bergbaubetrieben. Um 1986 hatte sie bereits 115.000 Mitglieder. Er war 1985 an der Gründung des Congress of South African Trade Unions (COSATU), des neuen multiethnischen Gewerkschaftsdachverbands, beteiligt und gehörte zur Delegation, die sich 1986 mit Vertretern des ANC in Lusaka traf. Nach der Ausrufung des Ausnahmezustandes 1986 sowie Polizeirazzien in den Wohnungen und Büros der Widerstandsaktivisten musste er ins Ausland fliehen. Er reiste zusammen mit NUM-Präsident James Motlatsi nach Großbritannien, um sich dort mit Vertretern der britischen National Union of Mineworkers zu treffen.Shelagh Gastrow: Who’s Who in South African Politics, Number 5. Ravan Press, Johannesburg 1995, S. 257–259.

Im August 1987 entwickelte sich aus erfolglosen Lohnverhandlungen der NUM mit der Chamber of Mines ein Streik, der zu den größten in der Geschichte Südafrikas zählt. Es waren daran bis zu 340.000 Beschäftigte von 40 Gold- und Kohlebergwerken beteiligt. Der Streik verlief erfolglos. Im September 1987 entzogen ihm die Behörden seinen Reisepass, als er nach Großbritannien reisen wollte. Schon einen Monat später musste er doch gewährt werden, weil ihm als erster Person der Olof-Palme-Preis in Stockholm verliehen wurde.

Ramaphosa hatte sich wiederholt in politischen Fragen des Johannesburger Township Soweto engagiert. In diesem Zusammenhang traf er sich mit dem Bürgermeister von Soweto, um mit ihm über die Krise der seit 1984 in zahlreichen Townshipsiedlungen des Vaal Triangle praktizierten Mietboykotts zu diskutieren.Shelagh Gastrow: Who’s Who in South African Politics, Number 3. Ravan Press, Johannesburg 1990, S. 291.SAIRR: Race Relations Survey 1986, Part 1. Johannesburg 1987, S. 372–373. Zu dieser Zeit hatte er beträchtlichen Einfluss auf viele größere Aktionen des Mass Democratic Movement, einschließlich der Proteste gegen einen Entwurf zur Änderung eines Arbeitsgesetzes (Labour Relations Amendment Bill).

Ramaphosa griff mit dem Ziel der Abschaffung inakzeptabler Beschäftigungsverhältnisse in der von schärfsten Apartheidverhältnissen geprägten Bergbauindustrie Südafrikas zu harten Mitteln eines Gewerkschaftsführers. International rief er die Staatengemeinschaft zum Boykott des Kohleimports aus Südafrika auf. 1989 erschien in diesem Zusammenhang ein Brief von ihm in der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant, worin er das künftige Kabinett (Kabinett Lubbers III) der Niederlande zu einer solchen Politik aufforderte. Der damalige Präsident der Chamber of Mines of South Africa, Kennedy Maxwell, griff ihn deswegen scharf an und konterte mit einer Analyse des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup, wonach 88 Prozent von 2192 interviewten Südafrikanern, darunter Bergarbeiter, gegen eine solche Maßnahme eingestellt wären. Andere COSATU-Mitgliedsgewerkschaften unterstützten die international geführte Desinvestment-Kampagne, es entstand in ihrem Kreis ein Entwurf für einen code of conduct bezüglich künftiger Aktivitäten ausländischer Investoren im südafrikanischen Arbeitsmarkt.SAIRR: Race Relations Survey 1989/90. Johannesburg 1990, S. 345–346.

Im Januar 1990 traf er sich in Lusaka mit südafrikanischen Exilpolitikern und wurde zum Vorsitzenden der Kommission, die die Freilassung von Nelson Mandela (National Reception Committee) vorbereitete, ernannt. Zudem wurde er Mitglied des internationalen Komitees. Im Juli 1991 wurde er auf der nationalen ANC-Konferenz in Durban zum Generalsekretär der Organisation gewählt.South African History Online: ANC National Conference 1991–2013. auf www.sahistory.org.za (englisch). 1992 nahm er am Marsch auf Bisho teil, bei dem 29 Menschen durch Truppen des Homelands Ciskei getötet und über 200 verletzt wurden.

Nach dem Ende der Apartheid mini|Ramaphosa wird von Chiles Präsidentin Michelle Bachelet begrüßt (2014) 1994, nach dem Ende der Apartheid, wurde Ramaphosa zum Vorsitzenden der Verfassunggebenden Versammlung gewählt. Er legte das Amt zusammen mit dem des Generalsekretärs des ANC 1996 nieder, nachdem ihn Thabo Mbeki als designierter Nachfolger des Präsidenten Nelson Mandela abgelöst hatte.Cyril Ramaphosa resigns. sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 7. November 2016. Fortan war er als Unternehmer, Aufsichtsrat und Manager tätig, unter anderem für Lonmin (ab Juli 2010),Lonmin (LMI.L) insider: Cyril Ramaphosa abgerufen am 1. September 2012., abgerufen am 1. September 2012. SABMiller,SSABMiller: Ramaphosa to depart board. iol.co.za, 2013 (englisch), abgerufen am 5. April 2018. FirstRand und die Standard Bank. (englisch). Er zog sich nach seinem Wiedereintritt in die Politik von diesen Unternehmenspositionen zurück, zumeist in den Jahren 2013 und 2014.

2001 gründete er die Shanduka Group (Shanduka ist aus dem Tshivenda und bedeutet Wandel), an deren Spitze er als Vorsitzender (executive chairman) tätig war.Meister der Verwandlung in FAZ vom 4. Februar 2014, S. 14. Diese Holding investiert in börsennotierten und nicht-notierten Unternehmen. Daneben gibt es eine Stiftung, die Shanduka Foundation. Ramaphosa verließ das Unternehmen 2014.Ramaphosa withdraws from Shenduka Group. Mail & Guardian vom 27. Mai 2014 (englisch), abgerufen am 19. Dezember 2017.

2012 wirkte er als Vorsitzender der Berufungsinstanz der Disziplinarberufungskommission des ANC, die den Parteiausschluss von Julius Malema bestätigte.Malema, ANC take it to the wire. In: Independent online vom 10. März 2012, abgerufen am 10. März 2012 (englisch). Im August 2012 stand er im Zentrum eines Schriftwechsels zwischen dem Lonmin-Management, dem er damals noch angehörte, und der Regierung, in dem er harte Maßnahmen gegen die Streikenden von Marikana forderte – einen Tag später erschoss die Polizei 34 Streikende.Ramaphosa under fire at Marikana. In: Cape Times vom 24. Oktober 2012 (englisch), abgerufen am 21. Dezember 2012. Am 18. Dezember 2012 wurde er anstelle Kgalema Motlanthes zum ANC-Vizepräsidenten gewählt.Zuma weiterhin ANC-Vorsitzender. In: faz-net, abgerufen am 18. Dezember 2012. Im Mai 2014 wurde er anstelle Motlanthes auch Vizepräsident Südafrikas im Kabinett von Jacob Zuma. Unter anderem wirkt er ab 2014 als Vermittler zwischen Regierung und Opposition in Lesotho (siehe auch: Staatskrise in Lesotho 2014).

Am 18. Dezember 2017 wurde Ramaphosa gegen Nkosazana Dlamini-Zuma, eine Ex-Ehefrau von Präsident Jacob Zuma, auf dem Parteitag in Soweto zum Vorsitzenden des ANC gewählt; Ramaphosa erhielt 2440 Stimmen (51,9 Prozent), Dlamini-Zuma 2261. Er löste Jacob Zuma ab, der nicht wieder für das Amt kandidierte.

Präsident der Republik Südafrika

Erste Amtszeit mini|Ramaphosa und Putin bei der Unterzeichnung von Vereinbarungen zu einer strategischen Partnerschaft zwischen Südafrika und der Russischen Föderation (BRICS Summit 2018) mini|hochkant=0.7|Präsident Ramaphosa mit einem südafrikanischen Wikipediaautor (2018) Am 13. Februar 2018 forderte das Exekutivkomitee des ANC unter Führung von Ramaphosa ultimativ den Rücktritt des Präsidenten Jacob Zuma, dem Korruption vorgeworfen wird. Einen Tag später kündigte die ANC-Parlamentsfraktion an, Zuma durch einen Misstrauensantrag abwählen zu wollen; am Abend des gleichen Tages trat Zuma mit sofortiger Wirkung zurück.

Mit diesem Rücktritt wurde Ramaphosa zunächst amtierender Präsident. Am 15. Februar 2018 wurde er dann zum Präsidenten gewählt; er war der einzige der Nationalversammlung vorgeschlagene Kandidat. Am 27. Februar 2018 wurde sein erstes Kabinett vereidigt. Nachdem der ANC bei den Wahlen Anfang Mai 2019 seine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung verteidigt hatte, wurde Ramaphosa am 22. Mai 2019 erneut ohne Gegenkandidaten zum Präsidenten gewählt.6th parliament: Ramaphosa elected as president. iol.co.za vom 22. Mai 2019 (englisch), abgerufen am 22. Mai 2019.

Im Verlaufe des in Johannesburg abgehaltenen Spitzentreffens der BRICS-Staaten im Juli 2018 kam es zwischen Südafrika und Russland zu bilateralen Vereinbarungen durch die Präsidenten Ramaphosa und Putin. Die vom ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma initiierte umfassende Kooperation beider Staaten auf dem Nuklearsektor wurde von Ramaphosa als zu teuer eingeschätzt und wieder zurückgenommen. Er brachte dabei zum Ausdruck, dass es von Südafrika nicht vorgesehen ist, künftig größere Investitionen in Projekten der Nukleartechnologie zu tätigen. Stattdessen soll sich die bilaterale Zusammenarbeit beider Staaten auf wirtschaftliche Zusammenarbeit in anderer Weise und auf die Korruptionsbekämpfung erstrecken.James Macharia, Elaine Hardcastle: Russia's Putin raises nuclear deal at Ramaphosa meeting during BRICS. Meldung von Reuters vom 30. Juli 2018 auf www.reuters.com (englisch).