Sokolica () ist ein Dorf im Norden der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es liegt im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein (Ostpr.)) und gehört zur Gmina Bartoszyce (Landgemeinde Bartenstein).
Geographische Lage und Verkehrsanbindung Das Kirchdorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 14 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Bartoszyce (Bartenstein) und neun Kilometer südsüdwestlich von Sępopol (Schippenbeil).
Geschichte Im Jahr 1785 wird Falkenau als ein königliches Bauerndorf mit einer Kirche und 32 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 44 (Google Books).
Die Gemeinde Falkenau – bis 1927 im Landkreis Friedland gelegen – wurde am 4. Mai 1930 namensgebender Ort des bisherigen Amtsbezirks Wöterkeim, der damals in „Amtsbezirk Falkenau“ umbenannt wurdeRolf Jehke: Amtsbezirk Wöterkeim/Falkenau. Wöterkeim und Falkenau blieben bis 1945 die beiden einzigen zu diesem Amtsbezirk gehörenden Gemeinden. Im Jahre 1910 lebten in Falkenau 383 Einwohner, 1933 waren es 553, 1939 dann 552.
Falkenau gehörte bis 1945 zum Landkreis Bartenstein (Ostpr.) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen im Deutschen Reich.
Nach Besetzung durch die Rote Armee im Frühjahr 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Falkenau von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Der Ortsname Falkenau wurde nun zu „Sokolica“ polonisiert. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Das Dorf war bis 1954 Sitz einer eigenen Gemeinde (Gmina) und ist heute Schulzenamt innerhalb der Landgemeinde Bartoszyce im gleichnamigen Powiat der Woiwodschaft Ermland-Masuren (1975–1998 Woiwodschaft Allenstein).
Kirche
mini|Pfarrkirche Kirchengebäude Bei der Pfarrkirche in SokolicaSokolica - Falkenau im Ostpreußenportal handelt es sich um eine gut erhaltene Ordenskirche aus den Jahren 1350 bis 1360. Der Turmoberbau stammt aus der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert, die Vorhalle im Süden wurde im 15. Jahrhundert angebaut. Im Kircheninnern befinden sich Reste eines Altars aus der Zeit von 1420 bis 1430, überdeckt wird es von einer flachen Holzdecke. Bei Renovierungsarbeiten entdeckte man 1896 Wandmalereien aus der Zeit um 1500.
Zwischen 1525 und 1945 war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Das Gebäude wurde dann zugunsten der katholischen Kirche enteignet. Es trägt heute den Namen Kościół Święty Anny (St.-Annen-Kirche).
Kirchengemeinde Falkenau war bereits in vorreformatorischer Zeit ein Kirch- und Pfarrdorf. Die Reformation hielt hier bereits sehr früh Einzug. Zwischen 1525 und 1533 war Falkenau mit Groß Schwansfeld (heute polnisch: Łabędnik) verbunden, danach amtierten hier bis 1945 eigene evangelische Geistliche. Anfangs zur Inspektion Rastenburg (Kętrzyn) zugehörig, wurde Falkenau ein Kirchspiel innerhalb des Kirchenkreises Friedland (heute russisch: Prawdinsk), danach im Kirchenkreis Bartenstein (Bartoszyce) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung sank die Zahl der Falkenauer evangelischen Deutschen gegen Null. In Sokolica siedelten sich überwiegend katholische Polen an, denen nun die Dorfkirche zu ihrem Gotteshaus wurde. 1962 wurde in Sokolica eine Pfarrei errichtet, zu der der Śmiardowo (Schmirdtkeim) ein Filialort wurde. Die Pfarrei Sokolica gehört zum Dekanat Sępopol (Schippenbeil) innerhalb des Erzbistums Ermland der Katholischen Kirche in Polen.
In Sokolica lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zur Kirchengemeinde in Bartoszyce, die ihrerseits eine Filialkirche von Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Falkenau gehörten vor 1945 die Orte, korrigierender Abgleich mit: Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 456: Falkenau (polnisch Sokolica) Grudshöfchen (Gruda) Maxkeim (Maszewy) Rosenort (Różyna).
Pfarrer (1533 bis 1945) Als evangelische Geistliche amtierten in Falkenau 23 Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 36 bis 37Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 273–274 (Google Books). NN., bis 1538 Esticampianks, 1545 NN., bis 1556 NN., bis 1558 Michael Harenius, 1579, 1599 Johann Kluge, 1615–1618 Georg Schwartz, 1623, 1632 Georg Kleibitz Georg Bliesner, 1655–1670 Matthias Jacobi, 1670–1696 Christian Heinrich Gebuhr, 1697–1735 Laurentius Bödner, 1735–1771 Abraham Simon Roscius, 1766–1780 Gerhard Gottfried Vogler, 1781–1786 Johann Daniel Schmidt, 1787–1792 Johann Friedrich Worm, 1792–1793 Abraham Becker, 1794–1836, anlässlich des 50-jährigen Amtsjubiläums als Lehrer und Prediger am 28. Oktober 1832 Verleihung des Roten Adlerordens 4. KlassePreußische Provinzialblätter, Band 14, Königsberg 1835, S. 350 (Google Books). Wilhelm Frank, ab 1837 Magnus Großjohann, 1859–1867 Carl Ludwig Milau, 1867–1889Großjohann und Milau (1820–1900) waren Angehörige des Corps Masovia. Johannes Adolf V. Hübner, 1889–1922 Ferdinand Todtenhaupt, ab 1923 Richard Daudert, bis 1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen aus der Zeit vor 1945 haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Berlin, 3. Auflage 1992, S. 39: Taufen: 1670 bis 1850 Trauungen: 1670 bis 1849 (ohne 1679 bis 1699) Beerdigungen: 1671 bis 1849.
Verkehr Über das Straßennetz ist der Ort über eine Nebenstraße zu erreichen, die Sępopol (Schippenbeil) und Wiatrowiec (Wöterkeim) mit Łabędnik (Groß Schwansfeld) an der polnischen Woiwodschaftsstraße 592 (ehemalige deutsche Reichsstraße 135) verbindet.
Literatur Falkenau, Dorf, Kreis Friedland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Falkenau (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 78–80 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 87–88 (Google Books).
Weblinks Amtsbezirk Falkenau (Territorial.de)
Einzelnachweise
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