mini|Grafrath von Südwesten

Grafrath ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck sowie der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath.

Geographie Lage Die Gemeinde erstreckt sich auf beiden Seiten der Amper rund zehn Kilometer südwestlich von Fürstenfeldbruck und 30 Kilometer westlich von München.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Unteralting (Pfarrdorf) Grafrath (Kirchdorf) Höfen (Kirchdorf) Mauern (Dorf) Wildenroth (Dorf)

Schutzgebiete Toteisloch Wolfsgrube (Geotop-Nummer 179R001) Amperschlucht zwischen Grafrath und Schöngeising (Geotop-Nummer 179R002) Toteiskessel Wildenroth (Geotop-Nummer 179R003) Endmoräne bei Mauern (Geotop-Nummer 179R06) Glaziogene Landschaft südöstlich Wildenroth (Geotop-Nummer 179R007)

Geschichte Gemeindefusion Die Gemeinde entstand am 1. Juli 1972 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Unteralting und Wildenroth. Zu Unteralting gehörten die Weiler Mauern und Grafrath, zu Wildenroth der Gemeindeteil Höfen. Ursprünglich sollte auch das Dorf Kottgeisering dabei sein, lehnte aber einen Zusammenschluss ab und blieb so innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath eine selbständige Gemeinde. Die Gemeinderäte von Unteralting und Wildenroth hingegen sprachen sich in getrennten Sitzungen einstimmig für eine Fusion unter dem Namen Grafrath aus.

Gemeindeteile Unteralting

Unteralting geht zurück auf die Bajuwarensiedlung Alamuntinga (Alting). Ihre Anfänge lagen wohl ursprünglich auf der nördlichen Seite der Amper im Bereich der im Jahr 804 in einer Freisinger Traditionsurkunde zum ersten Mal erwähnten Marienkirche zu Höfen, die heute noch die Pfarrkirche von Unteralting ist. In Zusammenhang mit der Klostergründung des Grafen Rath/Rasso dürfte das Dorf Alting auf die Südseite der Amper verlegt worden sein. Damit lag es auf dem Gebiet der späteren Grafschaft Andechs und auch nicht mehr im Bereich des Bistums Freising, sondern des Bistums Augsburg. Deshalb baute Graf Rath oder die späteren Grafen von Andechs für das Dorf eine eigene Kirche, die sie ihrem besonderen Patron St. Mauritius widmeten. Nach dem Untergang der Andechser fiel der Ort mit der Mauritiuskirche an die Herren von Seefeld. Staatlich war Unteralting ab dieser Zeit mit den anderen Dörfern der Herrschaft Seefeld dem Landgericht Pähl/Weilheim zugeordnet, ab 1803 dem Landgericht Starnberg, dem es nach Auflösung der Adelsherrschaften 1848 ganz eingegliedert wurde. 1862 jedoch kam Unteralting zum neu errichteten Bezirksamt Bruck. Kirchlich wurde Unteralting schon im Jahr 1477 wieder in das Bistum Freising gezogen und die Marienkirche in Höfen als Pfarrkirche bestimmt (in den Bistumsurkunden bezeichnet als „Pfarrei der seligen Jungfrau Maria zu Höfen, auch Kottalting genannt“). Da die St. Mauritiuskirche Eigen- bzw. Patronatskirche der Herren von Seefeld war, blieb sie als solche erhalten. Nach Auflösung der Herrschaft Seefeld wurde sie vom Erzbistum München und Freising als Filialkirche der Pfarrei Höfen/Unteralting übernommen.Ernst Meßmer: Graf Rath und sein Hof in Wörth. Thalhofen 2011, S. 37–43 und S. 140–152.

Mauern mini|Kapelle St. Georg in Mauern

Das Dorf Mauern mit der kleinen St.-Georgs-Kapelle liegt etwa zwei Kilometer südöstlich von Unteralting. Es gehörte wie Unteralting zur Herrschaft Seefeld. Hauptsächlicher Grundherr war bis zur Säkularisation das Kloster Fürstenfeld, dem auch die Kapelle direkt unterstand. Nach der Säkularisation kauften die Bürger von Mauern die Kapelle dem Staat ab, so dass sie heute im Besitz der Nachfolgegemeinde Grafrath ist. Bei der Gemeindebildung 1818 wurde Mauern als Weiler der Gemeinde Unteralting zugeordnet. Die Ähnlichkeit des Ortsnamens (älteste Form „Muron“) mit dem lateinischen „muri“ hat zur Vermutung Anlass gegeben, es handle sich um eine Römersiedlung. Dafür gibt es zwar keine archäologischen Befunde, auf Grund der Lage zwischen den Römerorten Schöngeising und Walchstadt ist dies aber nicht auszuschließen. Die gelegentlich vertretene Ableitung des Ortsnamens von „Moor“ ist von der Lage und von der Sprachgeschichte her unwahrscheinlich.

Grafrath

Bevor sich 1972 die Gemeinden Wildenroth und Unteralting unter dem Namen „Grafrath“ zusammenschlossen, trug zunächst nur die Örtlichkeit um die Kirche St. Rasso mit dem Grab des als heilig verehrten Grafen Rath den Namen „St. Grafrath“ (erste urkundliche Bezeugung dieses Ortsnamens in einer Seefelder Güterbeschreibung von 1393). Ursprünglich hieß die Örtlichkeit Wörth, da es sich bei diesem Bereich zur Zeit der ersten Besiedlung wohl noch um eine wirkliche Insel zwischen zwei Flussarmen der Amper handelte. Hier errichtete ein Graf (Comes) Rath, später Rasso genannt, der in der Karolingerzeit im Ammersee-Ampergebiet königlicher Amtsträger war, ein Kloster und eine Kirche, die er als Grablege für sich bestimmte. Als die Andechser Grafen das Kloster nach Dießen verlegten, ließen sie Wörth/Grafrath 1132 von Papst Innozenz II. dem neuen Kloster einverleiben. Zu ihm gehörte es, bis es in der Säkularisation an den Staat fiel.

Als nach Auflösung der Herrschaft Seefeld auch das benachbarte Unteralting ganz der staatlichen Verwaltung unterstellt wurde, kam der ehemalige Bereich des Wörth als Weiler „Grafrath“ (ohne das vorangestellte „St.“) zu Unteralting. Wegen der Bekanntheit der Wallfahrtskirche nahm die aus den Dörfern Wildenroth und Unteralting neu gebildete Gemeinde den Namen des vormaligen Weilers an. Die namengebende Kirche wird aber immer am Rande der Gemeinde liegen, da die von Graf Rath auf die damalige Insel erbaute Kirche immer noch auf einer Art Landzunge im Ampermoos liegt.Ernst Meßmer: Graf Rath und sein Hof in Wörth. Thalhofen 2011, S. 18–23. Es ist bekannt, dass Moore bereits in vorchristlicher Zeit häufig „kultische Orte“ waren, so dass sich vielleicht von daher die Wahl des Ortes für die Klostergründung durch Graf Rath und die Entstehung der früher weit bekannten Wallfahrt nach Grafrath erklärt.Walter Irlinger, Toni Drexler, Rolf Marquardt (Hrsg.): Landkreis Fürstenfeldbruck – Archäologie zwischen Ammersee und Dachauer Moos. Stuttgart 2007, S. 42ff.

Ab Ende der 1860er-Jahre wurde die Bahnstrecke München–Buchloe projektiert, deren Trasse nördlich von Wildenroth und „St. Grafrath“ festgelegt wurde. Der dort errichtete, zusammen mit der Bahnstrecke am 1. Mai 1873 eröffnete Bahnhof erhielt den Namen „Grafrath“.

Von 1880 bis 1939 verkehrte auf der Amper zwischen Stegen am Ammersee und Grafrath eine regelmäßige Dampfschiffverbindung. Ausflügler aus München fuhren mit der Bahn nach Grafrath und gingen etwa 1,5 km vom Bahnhof bis zur Anlegestelle. Dort bestiegen sie dann das Boot nach Stegen, wo die Möglichkeit bestand, auf die Ammersee-Dampfschiffe umzusteigen. Das Schiff Maria Therese eröffnete am 10. Mai 1880 die Schifffahrtslinie. Der Volksmund nannte es „die Mooskuh“, weil der Signalton dem schrecklich klingenden Ruf der Rohrdommel glich, und weil die Strecke durch das Ampermoos führt. Im Anschluss gingen die Ausflügler meist noch in das Restaurant Dampfschiff in der Nähe der Anlegestelle. auf der Website des Restaurants Dampfschiff Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Pasing–Herrsching musste diese Schifffahrt eingestellt werden. Der Fahrgastrückgang und die hohen Kosten für die Schiffbarhaltung des Flusses machten den Betrieb unwirtschaftlich.

Wildenroth

Die Amper bildete im Mittelalter die Grenze zwischen dem Herrschaftsbereich der Andechser südlich des Flusses und dem der Wittelsbacher nördlich des Flusses. Die Andechser beherrschten den Übergang über die Amper vor dem Amperdurchbruch beim heutigen Ampersteg (Die Amperbrücke bei der St. Rassokirche, über die heute die Bundesstraße 471 führt, wurde erst 1893 gebaut). In Konkurrenz zu den Andechsern „rodeten“ die Wittelsbacher Anfang des 13. Jahrhunderts etwas flussabwärts die bis dahin bestehende „Wildnis“ und errichteten einen eigenen Amperübergang. Zum Schutz des Übergangs ließen sie auf der Anhöhe eine stattliche, durch Wälle und Gräben gesicherte Burg erbauen, deren Reste heute noch als Burgstall Wildenroth sichtbar sind. Zum ersten Mal bezeichnet sich 1260 ein Ministeriale des Bayernherzogs in einer Benediktbeuerner Urkunde nach diesem Ort als Konrad von Wildenroth. Da nach dem Ende der Andechser auch das Gebiet südlich der Amper an die Wittelsbacher fiel, hatte die Burg keine strategische Bedeutung mehr. So schenkte Herzog Ludwig IV., der spätere Kaiser Ludwig der Bayer, im Jahr 1322 die Burg und die inzwischen im Tal entstandene Siedlung Wildenroth dem Kloster Fürstenfeld. Die Burg wurde geschleift, nur die Nikolauskapelle ließ man stehen, weshalb die Anhöhe die Bezeichnung Kapplberg erhielt. Die Überreste der verfallenen Kapelle wurden 1778 ins Tal befördert und mit ihnen in der Dorfmitte von Wildenroth auf der Amperinsel eine neue Nikolauskapelle errichtet.Walter Irlinger, Toni Drexler, Rolf Marquardt (Hrsg.): Landkreis Fürstenfeldbruck – Archäologie zwischen Ammersee und Dachauer Moos. Stuttgart 2007, S. 184–187.

Höfen

Der Gemeindeteil Höfen mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und dem Friedhof von Grafrath liegt auf halber Höhe am nördlichen Hochufer der Amper. Die Anhöhe ist Teil des Moränenwalls, den der Ammerseegletscher während der letzten Eiszeit durch Geröll und Geschiebelehm im ganzen Gemeindegebiet von Grafrath aufgehäuft hat. Höfen markiert den Punkt, wo das Schmelzwasser des Ammerseegletschers den Moränenwall durchbrach und sich im Lauf der Zeit immer weiter eintiefte. So entstand ein enges Durchbruchtal (Ampertal/Amperschlucht), das unterhalb von Höfen beginnt. Im Bereich von Höfen entstand wohl gleichzeitig mit der Bajuwarensiedlung Geisering (Kysalheringa) die Siedlung Alting (Alamuntinga).

In Zusammenhang mit der Christianisierung wurde in Höfen eine gemeinsame Kirche für Alting und Geisering erbaut. Nach Verlegung des Ortes Alting auf die Südseite der Amper, verödete der Ort, übrig blieb allein die Kirche. Auch als sie 1477 wieder Pfarrkirche von Unteralting und von Kottgeisering (bis 1867) wurde, stand sie bis in die Neuzeit einsam an diesem Ort.Ernst Meßmer: Graf Rath und sein Hof in Wörth. Thalhofen 2011, S. 146–152. Erst kurz vor 1900 begann mit der Villa „Amperschlösschen“ wieder die Wohnbebauung von Höfen.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2976 auf 3854 um 878 Einwohner bzw. um 29,5 %.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Markus Kennerknecht. Er wurde in einer Stichwahl am 30. März 2014 zum Nachfolger von Hartwig Hagenguth gewählt und am 15. März 2020 bei zwei Mitbewerbern mit 74,18 % der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Gemeinderat

+ Die Sitzverteilung im Gemeinderat. Jahr CSU/BV SPD Grüne GE BfG DAG FLG gesamt Wahlbeteiligung 2020 5 1 4 3 2 0 1 16 67,8 % 2014 4 2 2 3 3 0 2 16 64,5 % 2008 5 1 2 4 4 0 0 16 71,9 % 2002 6 2 1 3 3 1 0 16 69,9 % BV = Bürgervereinigung     GE = Grafrather Einigkeit     BfG = Bürger für Grafrath     DAG = Dorfgemeinschaft Ampertal, GrafrathFLG = Frauenliste für Grafrath

Wappen

Gemeindepartnerschaften : Polgárdi : Petrifeld : Lyons-la-Forêt

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Wallfahrtskirche St. Rasso

mini|Kirche St. Rasso (Ansicht von Süden) Die Wallfahrtskirche zum hl. Rasso besitzt eine in ihrer Art einzigartige Stiftungsurkunde: das frühmittelalterliche Stiftergrab im Zentrum der Kirche und die 1468 daraus entnommenen Gebeine des Kirchenstifters auf dem Hochaltar der Kirche. Der heutige barocke Kirchenbau wurde 1688 bis 1695 neu errichtet. Bauherr war das Chorherrenstift Dießen, zu dem St. Grafrath seit 1132 gehörte, Baumeister war der bekannte Vorarlberger Michael Thumb und nach seinem Tod 1690 sein Bauführer Michael Natter. Vorgabe beim Neubau war, dass das Grab des Grafen Rath/Rasso wie in der Vorgängerkirche das Zentrum des Raumes bilden musste, obwohl bereits geplant war, die Gebeine in der neuen Kirche auf den Hochaltar zu erheben.