Der Mann mit dem Fagott ist ein zweiteiliger Fernsehfilm aus dem Jahr 2011. Premiere hatte der Film am 18. September 2011 im Casino Velden, am 29. und 30. September 2011 erfolgte die Erstausstrahlung (zwei Teile) bei ORF und ARD. bei Graf Film.com. Abgerufen am 26. Mai 2013. Der Film basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Bestseller von Udo Jürgens und Michaela Moritz aus dem Jahr 2004. Udo Jürgens wurde mit diesem Film zum 77. Geburtstag geehrt. Die Verfilmung erstreckt sich über einen Zeitraum von 1891 bis 2010 und schildert die Geschichte von drei Generationen. Der erste Abschnitt erzählt von Heinrich Bockelmann, dem Großvater Udos, der in Moskau zum Bankier des russischen Zaren aufsteigt, im Ersten Weltkrieg verhaftet und eingesperrt wird, seine Familie und sich jedoch retten kann. Der zweite Abschnitt behandelt Udos Vater Rudolf Bockelmann, Bürgermeister in Österreich, der zum Gefangenen zwischen der Nazi-Ideologie und seinen eigenen Werten wird. Der Kreis schließt sich mit dem Leben des Sohnes Udo Jürgens, dessen Entwicklung und Karriere der Film nachvollzieht, indem er aufzeigt, wie es dazu kam, dass Udo Jürgens zu einem der bedeutendsten Unterhaltungsmusiker im deutschen Sprachraum wurde.
Handlung Nach einem Konzert teilt Alex, Udo Jürgens Tourmanager, ihm mit, dass jemand aus Moskau für ihn angerufen habe wegen einer Bronzestatue „Der Mann mit dem Fagott“. Udo ist berührt und meint, der Mann mit dem Fagott sei vor vielen Jahren für seinen Großvater der Anlass gewesen, nach Russland auszuwandern. Seine Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit:
Heinrich und Anna Bockelmann (Großeltern von Udo Jürgens) Als der 20-jährige Heinrich Bockelmann 1891 den Bremer Weihnachtsmarkt besucht, berührt ihn ein Straßenmusiker, der mit seinem Fagott das Lied Kalinka spielt, so sehr, dass er den Entschluss fasst, sein Leben grundlegend zu ändern und nach Russland zu gehen. 20 Jahre später hat er eine angesehene Privatbank in Moskau, der sogar Zar Nikolaus II. einen Großteil seines Vermögens anvertraut hat. Seine Frau schenkt ihm kurz vor Kriegsbeginn die Bronzestatue eines Fagottspielers, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Straßenmusikanten aufweist.
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, vertritt Bockelmann die Meinung, ein hungerndes Volk werde sich irgendwann erheben und dann würde die Oberschicht hinweggefegt werden. Als im August 1914 die Rechte der Deutschen in Moskau stark beschnitten werden, sind auch Bockelmann und seine Bank davon betroffen. Nachdem Deutschland Russland den Krieg erklärt hat, beschließt der Bankier, mit seiner Familie das Land zu verlassen. Als die Familie sich auf dem Moskauer Bahnhof befindet, verwehrt man ihnen die Ausreise. Durch Bestechung gelingt es Heinrich Bockelmann, zumindest für seine Familie eine Ausreise nach Schweden zu erreichen. Er verspricht seiner Frau, die ohne ihn nicht fahren möchte, bald nachzukommen. Sie habe die Aufgabe, die Kinder in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf wird er verhaftet.
Die Zustände in den Etappengefängnissen, in denen die Inhaftierten untergebracht werden, sind katastrophal. Als Heinrich Bockelmann seinen Freund Baron von Thalen in einem der Gefängnisse in Sibirien wiedertrifft, tut das beiden Männern gut. Nach vielen Monaten teilt man Bockelmann dann endlich mit, dass er eingesperrt sei, weil man ihn der Spionage verdächtige, worauf die Todesstrafe stehe. Als er dem Baron davon erzählt, meint dieser, sie müssten „hier raus“, bevor es zu spät sei, denn egal, wer den Krieg gewinne, man werde sie in jedem Fall töten. Von Thalen deutet gegenüber dem Freund aber auch an, dass er nicht mehr daran glaube, dass er selbst seine Familie noch einmal wiedersehe.
Bockelmann soll auf Befehl des Lagerkommandanten in Moskau Gelder aus seinem (Bockelmanns) Privatvermögen an das bankrotte Gefängnis überweisen, das man in den Auffanglagern dringend brauche. Würde er versuchen zu fliehen, wäre er ein toter Mann. Als er in seine Zelle zurückkommt, findet er seinen Freund Baron von Thalen tot vor. Tränen laufen ihm über die Wange, als er ihn in die Arme nimmt. Heinrich erhält einen Passierschein nach Moskau, wo das Unglaubliche geschieht: Er trifft den Mann mit dem Fagott wieder. Das Erlebnis beflügelt ihn so sehr, dass er die Flucht nach Schweden wagen will.
Bei seiner genehmigten Reise nach Moskau trifft Bockelmann den Sozialisten Kropotkin wieder, der ihn seinerzeit auf dem Moskauer Bahnhof verraten hatte, ihm aber jetzt anbietet, ihm zur Flucht zu verhelfen. Nach kurzem Zögern begibt sich Bockelmann in seine Hände. Bevor er seine Flucht antritt, übergibt er Nastasja, einer Vertrauten aus seiner Moskauer Zeit, einen Brief an seine Familie. Sie solle ihn erst zwei Wochen nach seiner Flucht abschicken. Wenn er es schaffe, und das werde er, werde er ihn rechtzeitig abfangen. Mit Hilfe Kropotkins und der ihn unterstützenden Helfer gelingt es Heinrich Bockelmann, nach Finnland zu gelangen. Von dort aus macht er sich auf nach Saltsjöbaden in Schweden, wohin seine Familie geflüchtet ist. Endlich erreicht er das Haus, in dem seine Familie jetzt lebt, und sieht vom Tor aus seine Söhne Erwin, Rudi und Werner. Dann tritt seine Frau Anna mit dem kleinen Johnny auf dem Arm aus der Tür.
Rudi und Käthe Bockelmann (Eltern von Udo) Im Sommer 1944 leben Rudi und Käthe Bockelmann mit ihren Söhnen John, Udo und Manfred in Kärnten, wo Rudolf Bockelmann Bürgermeister der Gemeinde Ottmanach ist. Die Familie passt sich den herrschenden Verhältnissen an, so gut es eben geht. Bei einer Übung der Hitlerjugend, der auch Udo angehört, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall. Ein blutjunger Rottenführer lässt Udo vortreten, schreit ihn unkontrolliert an und gibt ihm dann völlig grundlos eine so brutale Ohrfeige, dass der Junge betäubt ins Gras sinkt und die weiter schreiende Stimme nur noch gedämpft und undeutlich wahrnimmt. Einer der Jungen hilft Udo auf, Blut rinnt ihm aus Ohr und Nase. Der Arzt bestätigt Udos Eltern, dass das keine Ohrfeige, sondern ein sehr brutaler Schlag gewesen sei. Udos Trommelfell sei zerfetzt, sodass er sein vollständiges Gehör nie wieder zurückerhalten werde. Udos Vater Rudi meint immer noch, Udo müsse doch etwas getan haben, dass es zu einer solchen Tätlichkeit gekommen sei.
Heinrich Bockelmann, der die Familie seines Sohnes besucht, wollte mit diesem Pack, wie er die Nazis nennt, nie etwas zu tun haben. Er lebt seit seiner Trennung von seiner Frau Anna allein in Meran. Zu seinem Sohn Rudi meint er, wenn er geahnt hätte, was aus Deutschland einmal wird, wäre er vielleicht nie zurückgekommen, und fügt nachdenklich hinzu, dass dann vielleicht auch zwischen ihm und seiner Frau Anna alles anders gekommen wäre. Rudi wirft er vor, er habe sich mit dem Teufel eingelassen. Hätte er wirklich auf seine innere Stimme gehört, hätte er sich nicht von dem Strom mitreißen lassen. Seinem Enkel Udo gibt der alte Mann noch mit auf den Weg, er müsse geradeaus gehen, seinen eigenen Weg, dann bekomme er am Ende auch das, was er wirklich wolle.
Als sich im Januar 1945 die Lage weiter zuspitzt und die Front immer näherkommt, begibt sich Rudi Bockelmann mit seiner Familie in die Lüneburger Heide, wo Rudis Mutter Anna lebt. Zuvor übergibt Bockelmann dem russischen Zwangsarbeiter Aljoscha die Kiste mit der Bronzestatue „Der Mann mit dem Fagott“ zur Aufbewahrung. Als Bockelmann seine Familie auf Gut Barendorf gut aufgehoben weiß, geht er zurück nach Ottmanach, da er als Bürgermeister die Verantwortung für den Ort trage. Käthe Bockelmann muss ihren Mann schweren Herzens gehen lassen.
Zurück in Ottmanach, muss Rudi Bockelmann sich vor der Gestapo verantworten. Man wirft ihm vor, er habe seine Gemeinde verlassen und sei mit der Familie desertiert. Damit sei er ein Volksverräter. Der vernehmende Beamte lässt ihn auch gleich wissen, dass man ihn aufhängen werde. Außerdem habe man Bücher bei ihm gefunden, entartete Bücher: Franz Kafka, Erich Kästner und Thomas Mann. Bockelmann meint, er habe diese Bücher seit seiner Kindheit in seiner Bibliothek, aber schon lange nicht mehr gelesen. Auch dass er russisch spreche, wird ihm vorgehalten. Auf Bockelmanns Erwiderung, er sei in Moskau aufgewachsen, keift der Beamte: „Eine Kommunistensau sind Sie also auch noch.“ Bockelmann wird in eine Gefängniszelle geworfen, wo er auf einen Arzt trifft, der zum Tode verurteilt worden ist, weil er einen Deserteur ärztlich versorgt hatte. Als Bockelmann in einer seiner Vernehmungen äußert, es müsse schlimm um Deutschland stehen, wenn man auf die Aussage eines Dreizehnjährigen angewiesen sei, weil der Beamte etwas vom Volkssturm faselt im Zusammenhang mit Rudis Söhnen, wird er brutal angegangen. Während einer Vernehmung erfährt Bockelmann nebenbei, dass sein Vater Heinrich vorgestern verstorben sei. Zu weiteren Auskünften ist man nicht bereit.
Als Rudi Bockelmann im Mai 1945 zum Verhör gerufen wird, sitzt er einem völlig verwandelten Beamten gegenüber, der ihn mit den Worten empfängt, sie seien ja schließlich keine Unmenschen und er solle sich daran erinnern, wenn er eines Tages danach gefragt werde. Während Käthe Bockelmann sich zur Zeit der Befreiung durch die Amerikaner in einem Luftschutzkeller befindet, findet Rudi Bockelmann sein ehemaliges Dienstzimmer leer vor, von den Nazis keine Spur mehr. Bevor sie sich davongemacht haben, haben sie noch versucht, Beweismaterial zu verbrennen, wovon Papierreste zeugen. Bockelmann laufen Tränen über die Wangen.
16 Monate später ist die Familie Bockelmann wieder vereint. Glücklich hört Rudi Bockelmann Udo zu, der für seinen Vater eine eigene Komposition auf dem Klavier spielt.
Udo Bockelmann alias Udo Jürgens Udos in der Erdölindustrie erfolgreicher Onkel Erwin gibt ein Gartenfest in seinem Hamburger Anwesen an der Elbchaussee. Als sein Blick auf seinen Neffen Udo fällt, der am Klavier sitzt, will er von seinem Bruder Rudi wissen, wie lange er sich die Untätigkeit seines Sohnes Udo noch ansehen wolle. In einer wenig später gehaltenen Ansprache auf seinen Bruder meint Rudi Bockelmann, Erwin sei der wahre Nachfolger ihres wunderbaren Vaters Heinrich.
In Salzburg arbeitet Udo als Barmusiker. Dort begegnet er der jungen Schauspielerin Gitta, die schluchzend meint, dass es nicht um Talent gehe, um das, was man könne, sondern darum, mit wem man könne. Mit ihr und seinen Musikerfreunden feiert Udo im Jazzclub Studio 15 in seinen 21. Geburtstag hinein. Gitta arrangiert bei der aufspielenden Freddie-Brocksieper-Band einen Auftritt für Udo. Udo ist sprachlos, umso mehr als ihn die Band auch für die nächste Nummer haben will. Tosender Beifall ist sein Lohn. Aus Gitta und Udo wird ein Paar.
Als Udo später das Geschenk seines Vaters auspackt, ist es die goldene Uhr, die schon seinem Großvater gehörte.
In der Folgezeit versucht Udo musikalisch weiterzukommen. Er schickt Aufnahmen an die Plattenfirma Polydor. Zu Gitta meint er, vielleicht wäre es das Beste, wenn er nach Amerika ginge – Frank Sinatra, Oscar Peterson, Duke Ellington, Count Basie, alle großen von ihm verehrten Musiker kämen von dort. Gitta erzählt ihm von einem Angebot, das sie vom Theater an der Wien bekommen habe. Udo rät ihr sofort es anzunehmen. Er beschließt außerdem, ab jetzt unter dem Künstlernamen „Udo Jürgens“ aufzutreten. Der Postbote bringt eine Zusage der Firma Polydor. Als Udo in München eine Platte aufnehmen soll, gefällt ihm das, was er singen soll, allerdings überhaupt nicht: „Der Mondschein von Portofino“.
Im Sommer 1957 reist Udo dann mit seinem Freund Klaus nach New Jersey in die USA. Er lernt den Studenten Junius aus Harlem kennen, der ihn einlädt, ihn dort zu besuchen. Zusammen gehen sie in einen Jazzclub, wo Udo von einem Farbigen angesprochen wird, der ihn fragt, welche Art Musik er mache. Udo wird sogleich um eine Kostprobe gebeten, er setzt sich ans Klavier und singt dazu. Außer einem Kuss von einer jungen dunkelhaarigen Frau erntet der Sänger auch viel Beifall für seinen Vortrag.