Die Feinblättrige Miere (Minuartia hybrida), auch Zarte Miere oder Schmalblättrige Miere genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Mieren (Minuartia) innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).

Beschreibung mini|Illustration aus Flora Batava, Volume 9 mini|Blüten und Kapselfrüchte Vegetative Merkmale Die Feinblättrige Miere wächst als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 3 bis 20 Zentimetern. Der von Grund an aufrechte und locker verzweigte Stängel ist kahl oder drüsig behaart und oft violett überlaufen.

Die Laubblätter sind gegenständig und etwas abstehend und entfernt am Stängel angeordnet. Die ziemlich steife Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 12 Millimetern pfriemlich-linealisch und kahl oder weich drüsig behaar und am Grund etwas bauchig-scheidig.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der verzweigte, gabelig-trugdoldige Blütenstand ist locker aufgebaut. Die Blütenstiele sind mit einer Länge von 5 bis 20 Millimeter doppelt bis fünfmal so lang wie der Kelch. Die Blüten sind endständig oder gabelständig.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf grünen, kahlen oder kurz behaarten Kelchblätter sind bei einer Länge von 3 bis 5 Millimetern linealisch oder lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende. Sie sind schmal hautrandig. Die fünf weißen Kronblätter sind etwa halb so lang wie die Kelchblätter und länglich-eiförmig.

Die Kapselfrucht ist gleich bis eineinhalbmal so lang wie der Kelch. Die Samen sind rot-braun, 0,4 bis 0,5 Millimeter breit und fein runzelig oder gekörnelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 46 oder 70.

Vorkommen Das submediterrane Verbreitungsgebiet der Feinblättrigen Miere reicht von Europa und Nordafrika bis Westasien. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt im nordmediterranen Flaumeichenwaldgebiet. Fundortangaben gibt es für: Vereinigtes Königreich, Belgien, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Frankreich inklusive Korsika, Portugal, Spanien inklusive der Balearen, Italien inklusive Sardinien sowie Sizilien, ehemalige Tschechoslowakei, Bulgarien, ehemaliges Jugoslawien, Rumänien, Albanien, Griechenland inklusive Kreta, Zypern, Algerien, Ägypten, Libyen, Marokko, Tunesien, Israel, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei, Iran, Irak, Armenien, Afghanistan, Pakistan, Aserbaidschan, Dagestan, Stawropol, Tadschikistan, östliches Usbekistan, Wolgograd, Ukraine und Krim. In Deutschland ist die Feinblättrige Miere meist selten; sie fehlt zum Beispiel im Norddeutschen Flachland.

In Mitteleuropa gedeiht die Feinblättrige Miere auf offenen, trocken-warmen und kalkhaltigen Lehm- oder Sand-böden in lückigen Trockenrasen, auch auf Mauern, auf Bahnhöfen und auf Äckern. Sie ist dort eine Verbands-Kennart des Alysso-Sedion albi-Verbands bei den Felsgrusgesellschaften. Sie kommt besonders in den tieferen und wärmeren Lagen vor und steigt in den Alpen beispielsweise nur bis in Höhenlagen von 1650 Meter auf. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

mini|Minuartia hybrida subsp. vaillantiana

Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung erfolgte 1778 unter dem Namen (Basionym) Arenaria hybrida durch Dominique Villars in Prospectus de l'Histoire des Plantes de Dauphiné., S. 48. Die Neukombination zu Minuartia hybrida wurde 1936 durch Boris Konstantinowitsch Schischkin in Botanicheskii institut, Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau/Leningrad, Volume VI: Centrospermae., S. 488 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Minuartia hybrida sind: Minuartia tenuifolia nom. illeg. non , Minuartia tenuifolia subsp. hybrida , Sabulina hybrida und Sabulina tenuifolia subsp. hybrida

Je nach Autor gibt es einige Unterarten (Auswahl): Minuartia hybrida subsp. hybrida Minuartia hybrida subsp. turcica : Sie kommt in Griechenland, in der Türkei, auf der Krim und im Gebiet von Syrien und Libanon vor. Minuartia hybrida subsp. vaillantiana (Syn.: Arenaria tenuifolia var. vaillantiana ): Sie kommt in Spanien, in Deutschland und in der Türkei vor. Diese Unterart ist kahl und die beiden seitlichen Nerven der Kelchblätter verlaufen bogenförmig. Der Name der Unterart ehrt den französischen Botaniker Sébastien Vaillant (1669–1722).

Quellen Literatur Geoffrey Halliday: Minuartia L. In: Hans-Christian Friedrich: Minuartia hybrida. In:

Einzelnachweise Dominique Villars: Prospectus de l'Histoire des Plantes de Dauphiné. Imprimérie royale, Grenoble 1778, S. 48. eingescannt. Hans-Christian Friedrich: Minuartia hybrida. In: Boris Konstantinowitsch Schischkin: Minuartia. In: Vladimir Leontyevich Komarov, B. K. Shishkin (Hrsg.): Flora of the U.S.S.R. Volume VI: Centrospermae. Israel Program for Scientific Translations/Smithsonian Institution and the National Science Foundation, Jerusalem/Washington, D.C. 1970, S. 375 (engl., übersetzt von N. Landau) . Russisches, hier nomenklatorisch relevantes Original: Botanicheskii institut, Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau/Leningrad 1936, S. 488 (DJVU-Datei). Karol Marhold, 2011: Caryophyllaceae.: Datenblatt Minuartia hybrida In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks

Datenblatt bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 2009. Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Feinblattrige Miere