mini|Alkoholkonsum bei einer Feier alternativtext=Studie bewertete Alkohol als insgesamt schädlichste Droge|mini|hochkant=1.7|Tabelle aus der Studie Drug harms in the UK: a multicriteria decision analysis von 2010, die verschiedene Drogen (legal und illegal) basierend auf Aussagen von Experten für Drogenschäden einstuft. Diese Studie bewertete Alkohol als insgesamt schädlichste Droge und als einzige Droge, die für andere schädlicher ist als für die Benutzer. Nachfolgestudien mit dem gleichen Ergebnis für Alkohol erschienen 2015 und 2023.

Alkoholkonsum ist das Trinken von alkoholischen Getränken zu Genuss- oder Rauschzwecken.

Alkohol ist weltweit die am häufigsten gebrauchte und missbrauchte psychoaktive Substanz und hat zugleich eine beruhigende, euphorisierende und enthemmende Wirkung. Alkoholkonsum ändert die Stimmung und das Verhalten und wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO als giftige, psychoaktive, abhängig machende und krebserregende Substanz klassifiziert. Alkoholkonsum verursacht eine erhöhte Blutalkoholkonzentration. Starker Alkoholkonsum führt zunächst zu Trunkenheit, bei fortgesetztem Trinken zu einer Alkoholvergiftung bis hin zum Tod.

Aufgrund der cytotoxischen und neurotoxischen Wirkung der Substanz gilt Alkoholkonsum allgemein als gesundheitsschädlich, umso mehr, je größer die konsumierte Menge ist.Manfred V. Singer, Stephan Teyssen: Serie – Alkoholismus: Moderater Alkoholkonsum – Gesundheitsförderlich oder schädlich? Deutsches Ärzteblatt 2002; 99 (16), S. A-1103/B-916/C-858. Selbst ein bewusst vorsichtiger Konsum kann erhebliche Schädigungen bis hin zu Krebs, Leberzirrhose oder Gehirnschäden verursachen. Ethanol in Getränken wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als krebserzeugend eingestuft.Dirk Lachenmeier: . Conference presentation at the Deutscher Lebensmittelchemikertag 2007. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann abhängig machen (siehe Alkoholabhängigkeit). Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation starben im Jahr 2012 mehr als 3,3 Millionen Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums.

Der Alkoholkonsum ist tradierter Teil gesellschaftlicher Bräuche und Gepflogenheiten in vielen gesellschaftlichen Gruppen. In fast allen Regionen der Welt ist Alkoholkonsum mit Ritualen oder Zeremonien verbunden. Alkoholkonsum gehört häufig zur Festigung oder Knüpfung sozialer Kontakte im Umfeld von Familien-, Freundes- und Nachbarschaftsfeiern sowie sonstigen festlichen Anlässen oder ist Teil des Brauchtums.

Das Mindestalter, ab dem der Kauf und Konsum von Alkohol erlaubt ist, ist in den meisten Ländern gesetzlich geregelt, ebenso das Fahren unter Einfluss von Alkohol oder anderer psychoaktiver Substanzen.

Geschichte mini|hochkant=0.9|Bacchus (von Leonardo da Vinci)

Alkoholische Getränke wie z. B. Biere, später auch Weine, wurden schon in prähistorischer Zeit mit Hilfe von Wildhefen erzeugt. Meist hatten solche Getränke einen deutlich geringeren Alkoholgehalt als heute, da die Wildhefen ab einer bestimmten Alkoholkonzentration die Umwandlung von Zucker in Alkohol einstellen, weil sie sich ansonsten selbst vergiften würden. Schon die ältesten bekannten Schriften der Menschheit befassen sich mit dem Alkoholkonsum. Im Gilgamesch-Epos wird beschrieben, wie der Ur-Mensch Enkidu im Übergang von der Wildnis zur Zivilisation sieben Krüge Bier trinken muss, die ihn in Euphorie versetzen und gleichzeitig zum Mann machen.Manuel Dubach: Trunkenheit im Alten Testament: Begrifflichkeit – Zeugnisse – Wertung, Verlag Kohlhammer, 2009, ISBN 978-3-17-020765-3, S. 83. Etwa um das Jahr 1720 vor Christus legte der Codex Hammurapi die älteste überlieferte Bierschankordnung fest.David G. Mandelbaum: Alcohol and culture. In: Current Anthropology, 1965, S. 281–293. Schon in dieser Zeit wurde Alkohol bereits aufgrund seiner berauschenden Wirkung getrunken. So heißt es in einem ägyptischen Text über das Verhalten junger Männer:

Alkohol, etwa in Form von Bier, wurde bei den Ägyptern den Göttern geopfert und als Grabbeilage genutzt.Rudolf Cyperrek: Das andere Bier, Optimum-Verlag für Wirtschaftsschrifttum, 1975, S. 12. In der Antike wurde der Alkoholkonsum ein wesentliches Moment römischer und griechischer Kultur. Beide Kulturen bedachten ihn mit einer eigenen Gottheit, Bacchus in der römischen beziehungsweise Dionysos in der griechischen Kultur, den Göttern des Weins und des Rausches. Ebenso die Germanen: Sie sahen den Met, der zu den frühesten alkoholischen Getränken gehört, als Geschenk der Götter an.

Vermutlich wurde im Gebiet der heutigen Türkei um etwa 1000 n. Chr. die Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntweine entwickelt.J. Westermeyer: Cross-cultural studies on alcoholism. In: H. W. Goedde: Alcoholism: Biomedical and genetic aspects. Pergamon Press, New York, S. 305–311. Erst Paracelsus benutzte spirit vin, alcool vini oder alcohol vini im heutigen, engeren Sinn als Bezeichnung für „Weingeist“ oder „Essenz des Weines“. (PDF) Alkohol-Fibel; abgerufen am 16. November 2012. In Ostasien wurden schon früh Weine aus Litschi und Pflaumen hergestellt sowie der Sake, ein warm genossener Reiswein, dessen Herstellungsprozess dem des Bieres ähnelt.

Haferbier, Cervisa oder Cerevisia genannt, wurde im Mittelalter in Klöstern alltäglich konsumiert. Es wurde während des ganzen Tages, speziell um neun Uhr als Cerevisia nonalis zur Erinnerung an die Durstqualen von Christus in der neunten Stunde während der Kreuzigung, sowie während der Fastenzeit getrunken, da dies nicht als Fastenbrechen galt.Rudolf Cyperrek: Das andere Bier. Optimum-Verlag für Wirtschaftsschrifttum, 1975, S. 12. Als Höchsttageskonsum war eine Grenze von etwa fünf Litern pro Mönch vorgesehen. Ernst der Fromme beschränkte in einer Kellerordnung von 1648 den Konsum für gräfliche und adelige Frauenzimmer auf vier Maß Bier und des Abends zum Abschenken auf drei Maß Bier.Rudolf Cyperrek: Das andere Bier. Optimum-Verlag für Wirtschaftsschrifttum, 1975, S. 16.

Mitte des 18. Jahrhunderts vergrößerte sich mit der Entdeckung der Neuen Welt die landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Königreichs England um ein Vielfaches. Dies führte in der Folge zu sinkenden Getreidepreisen und einer damit verbundenen Verarmung der Unterschicht. Die Überproduktion an Getreide wurde zum Teil zur Herstellung von Gin genutzt, der in den Armenvierteln des Mutterlandes Abnehmer fand. Zeitweise kostete eine Kalorie Gin weniger als eine Kalorie Brot.Singer, Teyssen (Hrsg.): Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten. 2. Auflage. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-22552-8. In der Folge entwickelte sich durch den erhöhten Alkoholkonsum die Gin-Krise, welche die damalige Regierung erst durch eine Reihe von Gesetzen wie hohe Steuern auf Gin, Erschwerung des Handels und Ausgabe von Lizenzen für Händler beenden konnte. Aus dieser Zeit finden sich die ersten Schriften, die sich mit Alkoholabhängigkeit und deren Folgeerkrankungen beschäftigen. Ebenso wurde vor diesem Hintergrund Alkoholkonsum zum ersten Mal als Ursache für gesellschaftliche Probleme und Fehlentwicklungen verstanden.

Im deutschsprachigen Raum wurde Branntwein erst mit der Einführung der Kartoffel, die bessere Erträge lieferte als Getreide, aber weniger gut zu lagern und zu transportieren war, zu einem Massenprodukt. Christian Friedrich Germershausen (1725–1810) rät in seiner Hausmutter, einem Werk der aufklärerischen Hausväterliteratur, einem Knecht im Jahr etwas mehr als sieben Liter Schnaps auszuschenken. Dies geschah zur Erntezeit für die Schnitter zum Frühstück und noch einmal mittags. An Festtagen galt dies für das gesamte Gesinde. Überhaupt war der Alkoholkonsum in der Frühen Neuzeit weit verbreitet: Weil Trinkwasser selten keimfrei war, wurde regelhaft Bier oder Wein getrunken, deren Alkoholgehalt aber geringer war als heute. Selbst sechsjährigen Kindern gab man schon Bier.Evke Rulffes: Die Erfindung der Hausfrau. Geschichte einer Entwertung. HarperCollins, Hamburg 2021, ISBN 978-3-7499-0240-8, S. 140 f.

Während sich der Alkoholkonsum Mitte des 19. Jahrhunderts wieder verringerte, begann mit der Industrialisierung wiederum eine Zeit, in der billiger Alkohol für verarmte Bevölkerungsschichten zugänglich war. Die industrielle Produktion und die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende massive Vermarktung von alkoholischen Getränken führten zu einem großen Überangebot. So wurden Frauen und Jugendliche zu neuen Zielgruppen der Nachfrage- und Absatzförderung. Alkoholbedingte Schäden zählen inzwischen zu den Zivilisationskrankheiten.

Rückgang des Alkoholkonsums in jüngerer Zeit Von den 1980er bis in die 2010er Jahre ging der Alkoholkonsum in Deutschland deutlich zurück. + Verbrauch je Einwohner im Alter ab 15 Jahren in Deutschland an Reinalkohol in Liter1970198019902000201020122014201620182019202014,415,113,412,010,711,010,610,610,710,210,0 Quelle: DHS: Alkohol

Rückläufiger Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen Stark ausgeprägt ist dieser rückläufige Trend auch bei Jugendlichen von 16 bis 25 Jahren. Tranken in den 1970er Jahren noch deutlich über der Hälfte der unter 18-Jährigen regelmäßig Alkohol (also mindestens einmal in der Woche), so sind dies heute nicht einmal mehr ein Viertel. Bei den volljährigen Jugendlichen bis 25 Jahre sank die Zahl von zwei Dritteln auf unter ein Drittel. Noch deutlicher ist dies bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren, hier trinken nur 3 % regelmäßig Alkohol, früher waren dies 10–15 %. + Verbreitung des regelmäßigen Alkoholkonsums nach Altersgruppen (in Prozent)197319761979198219861989199319972001200420052007200820102011201220142015201620182019202112- bis 15-Jährige - -12,710,515,27,86,36,88,710,48,09,86,45,85,64,34,72,63,29,89,08,716- und 17-Jährige59,456,850,639,144,642,139,228,336,343,739,542,836,025,930,831,926,224,122,618- bis 25-Jährige67,170,065,958,655,054,250,744,939,843,640,5 -37,134,539,838,435,533,630,73432,332,0 Quelle: BZgA: Alkoholsurvey 2016, Tabelle 13, BZgA-Forschungsbericht / Mai 2019, BZgA-Forschungsbericht / Juni 2022 Folglich kommt die Studie „Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland“ der BZgA zu dem Schluss, dass „immer mehr 12- bis 15-Jährige auf Alkohol verzichten. Außerdem sind in dieser Altersgruppe auch die riskanteren Formen des Alkoholkonsums rückläufig. […] Seit 2011 verzichten auch die 16- und 17-jährigen Jugendlichen immer häufiger auf Alkohol.“

Auch in den Jahren nach 2018 ist der Alkoholkonsum bei den 12- bis 17-Jährigen bzw. 18- bis 25-Jährigen weiter zurückgegangen.

Soziale und kulturelle Aspekte

Alkoholkonsum erfolgt als Alkoholgenuss zur Erholung und Entspannung, dem Verdrängen unangenehmer Erinnerungen oder der Steigerung des Wohlbefindens. In dieser Funktion wurde der Alkoholkonsum auch vielfach literarisch gewürdigt, etwa von Friedrich Schiller:

Seit jeher war Alkoholkonsum ein Teil von festlichen Aktivitäten wie den antiken Saturnalien und den Bacchanalien, dem Kölner Karneval, dem Karneval in Rio oder Mardi Gras in New Orleans, privaten Feiern oder Jubiläen. Die Art des konsumierten alkoholischen Getränks wird oft durch den Anlass geprägt, wobei es große kulturelle Unterschiede gibt. Champagner wird im europäischen Raum oft mit einer besonderen Feier verbunden, Wein wird zum Essen getrunken und Bier als geeignetes Getränk für informelle, entspannungsorientierte Gelegenheiten angesehen.H. Klein, D. J. Pittman: Social occasions and the perceived appropriateness of consuming different alcoholic beverages. In: Journal of studies on alcohol. Band 51, Nummer 1, Januar 1990, , S. 59–67, PMID 2299851.