mini|Unterstützer der ausgerufenen Republik Kabylei bei einer Demonstration in Paris

Die Bewegung für die Selbstbestimmung der Kabylei ( Timanit i Tmurt n Iqbayliyen, , kurz MAK) ist eine algerische Organisation, die 2001 von Ferhat Mehenni gegründet wurde. Sie sieht sich als gewaltlose Bewegung zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Kabylei in Algerien.

Ziele Die 2001 gegründete Organisation setzt sich für die Rechte der Minderheit der Kabylen ein, die ein Teil der indigenen nordafrikanischen Berberbevölkerung sind. Die Bewegung zeigte sich frustriert von den Maßnahmen der Regierung, diese Minderheit, die als Muttersprache kabylisch spricht und sich auch kulturell unterscheidet, in die arabischsprachige Mehrheitsgesellschaft zu assimilieren.

Das Ziel der Bewegung ist die Unabhängigkeit der Kabylei, was nach Mehenni der erste Schritt hin zur Errichtung eines föderalistischen algerischen Staates sein könne. Mehenni gründete 2010 eine „vorläufige Exilregierung“ in Frankreich mit neun Ministern, zwei von ihnen Frauen., Herald de Paris vom 3. Juni 2010

Am 14. Dezember 2025 erklärte Mehenni dann während einer privaten Zeremonie in Paris die Unabhängigkeit von Algerien, rief eine „föderale, säkulare und demokratische Republik Kabylei“ aus und wurde als Präsident der neuen Republik präsentiert.

Die Unabhängigkeitserklärung wird weder von Algerien noch von einem anderen Staat anerkannt und wird weithin als rein symbolischer Akt betrachtet. In der Kabylei selbst fanden einige Gegendemonstrationen statt die Unabhängigkeitsbestrebungen zurückwiesen und die Einheit Algeriens befürworteten. Nach Ansicht der Historikerin Karima Dirèche repräsentiere die MAK nur „eine winzige Minderheit“ der Kabylen sowohl in Algerien als auch in der Diaspora und werde auch von Oppositionsparteien wie der Front Sozialistischer Kräfte (FFS), die in der Kabylei stark vertreten ist, als „sektiererisch und separatistisch“ abgelehnt.« La revendication politique portée par le MAK reste ultra-minoritaire en Kabylie » Le Monde. 19 Dezember 2025>

Geschichte Hintergrund mini|Zusammenstöße zwischen Demonstrierenden und algerischen Sicherheitskräften während Protesten im Zusammenhang mit dem Schwarzen Frühling, Algier 2001 Während der französischen Kolonialherrschaft war die Kabylei ein Zentrum des antikolonialen Widerstands; nach der algerischen Unabhängigkeit 1962 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen kabylischen Aktivisten und der Zentralregierung jedoch rasch. 1963 führten kabylische Guerillas unter Hocine Aït Ahmed einen Aufstand für regionale Autonomie an, der vom algerischen Militär niedergeschlagen wurde. Der neue algerische Staat verfolgte eine Politik der Arabisierung, die die Berbersprachen marginalisierte. Kabylischer kultureller und politischer Protest setzte sich bis ins späte 20. Jahrhundert fort und mündete wiederholt in Unruhen. Die Unruhen des Jahres 2001 („Schwarzer Frühling“) – ausgelöst durch den Tod eines jungen Kabylen in Gendarmerie-Gewahrsam – führten zu Massenprotesten und Zusammenstößen, bei denen Sicherheitskräfte über hundert Menschen töteten.

Gründung des MAK und der Exilregierung

Im Juni 2001, inmitten der Unruhen des Schwarzen Frühlings, gründeten Ferhat Mehenni und andere Aktivisten die Bewegung für die Autonomie der Kabylei (Mouvement pour l’Autonomie de la Kabylie, MAK),, die zunächst für regionale Autonomie innerhalb Algeriens eintrat, aber ab 2013 die Unabhängigkeit der Kabylei forderte und sich in Bewegung für die Selbstbestimmung der Kabylei (Mouvement pour l’Autodétermination de la Kabylie) umbenannte.Direction des recherches, Commission de l'immigration et du statut de réfugié du Canada, Ottawa: Réponses aux demandes d'information

Am 1. Juni 2010 kündigte Ferhat Mehenni die Gründung einer kabylischen Exilregierung (Anavad) mit Sitz in Paris an und ernannte sich zum Präsidenten. Die Exilregierung versuchte, die kabylische Sache zu internationalisieren und Grundlagen für eine mögliche Unabhängigkeit zu schaffen. 2017 erlangte Kabylei (vertreten durch MAK–Anavad) die Mitgliedschaft in der Unrepresented Nations and Peoples Organization (UNPO).

mini|rechts|Kabylische Unabhängigkeitsaktivisten während der Nuit debout-Bewegung, vor der Proklamation 2025 Algerische Behörden lehnen kabylische Selbstbestimmungsbestrebungen ab und verfolgten Aktivisten wiederholt strafrechtlich. Im Mai 2021 wurden MAK und die Exilregierung von Algerien als terroristische Organisationen eingestuft. Ferhat Mehenni, der in Frankreich im Exil lebt, wird in Algerien wegen terrorismusbezogener Vorwürfe gesucht.

In den 2010er- und frühen 2020er-Jahren warb MAK–Anavad international um Unterstützung und bekräftigte das Recht der Kabylei auf Selbstbestimmung. 2020 begann die Exilregierung, symbolische kabylische Reisepässe und Ausweise an Mitglieder der Diaspora auszugeben. Am 14. Juni 2020 wurde zudem die Kabylische Nationalversammlung (Imni Aqvayli) als Legislativorgan im Exil eingerichtet; es wurde eine vorläufige Verfassungscharta mit säkularem und demokratischem Zuschnitt ausgearbeitet.

Unabhängigkeitserklärung

Im September 2024 veröffentlichte eine Gruppe britischer Juristen ein Rechtsgutachten, das den Kabylen ein Selbstbestimmungsrecht nach internationalem Recht zusprach. Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen kündigte das MAK eine einseitige Unabhängigkeitserklärung an. Eine erste symbolische Proklamation fand am 20. April 2024 in New York statt.

Am 14. Dezember 2025 versammelten sich die MAK-Führung sowie mehrere hundert Unterstützer und internationale Gäste in einem privaten Saal nahe dem Triumphbogen in Paris, um die Unabhängigkeit der Kabylei auszurufen. Die ursprünglich geplante öffentliche Veranstaltung war von französischen Behörden untersagt worden, weshalb die Organisatoren auf einen geschlossenen Veranstaltungsort auswichen. Ferhat Mehenni erklärte Kabylei zu einem souveränen Staat. Das Gemeinwesen wurde als „Föderale Republik Kabylei“ beschrieben; Mehenni wurde als Übergangspräsident bezeichnet. Nach Berichten nahmen Vertreter verschiedener Unabhängigkeitsbewegungen und einzelne ausländische Gäste teil. Die Erklärung blieb symbolisch und hatte keine unmittelbare praktische Wirkung in der Kabylei. Lediglich die private israelische Denkfabrik Jerusalem Institute for Strategy and Security (JISS) empfahl Israel, aus strategischen Gründen die Unabhängigkeit der Kabylei anzuerkennen. Die deutsche Bundesregierung hatte schon 2011 geäußert, die Bewegung zeige „separatistische Tendenzen“, werde von Algerien nicht anerkannt und spiele „in der algerischen politischen Landschaft aktuell keine signifikante Rolle“.Drucksache 17/7242 (PDF; 95 kB), Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von Abgeordneten und Fraktion DIE LINKE zur Menschenrechtssituation in der Kabylei

Weblinks "Die andere Intifada" (PDF; 36 kB) Boston-Globe-Bericht über die Bewegung für die Autonomie der Kabylei "Autonomie in der Kabylei: Brechen eines tabus" Allgemeine Diskussion über die autonomistische Bewegung in der Kabylei von Professor Salem Chaker.

Einzelnachweise

Kategorie:Politik (Algerien) Kategorie:Sezessionistische Organisation Kategorie:Organisation (Algerien) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2001 Kategorie:Kabylei