Dominic Thiem (* 3. September 1993 in Wiener Neustadt) ist ein ehemaliger österreichischer Tennisspieler.

Er erreichte in der Weltrangliste Platz 3 und ist damit nach Thomas Muster und Jürgen Melzer der dritte Österreicher, dem der Sprung in die Top Ten gelang. Sein größter Erfolg war der Gewinn der US Open 2020 im Einzel. Er wurde der erste Österreicher, der dieses Turnier gewinnen konnte, und nach Musters French-Open-Sieg 1995 der zweite österreichische Grand-Slam-Sieger im Einzel.

Werdegang Jugendjahre Thiem stammt aus Lichtenwörth und begann im Alter von vier Jahren mit dem Tennisspielen. Von 2008 bis 2011 spielte er auf der ^ITF Junior Tour und konnte dort im Juli 2009 erstmals ein Turnier gewinnen. Mehrfach kam es bei den Junioren zum Duell mit seinem Landsmann Patrick Ofner, gegen den er insgesamt drei Finals gewinnen konnte, sich aber auch zweimal im Halbfinale geschlagen geben musste. Auch gegen den späteren Top-5-Spieler Daniil Medwedew gewann er auf Juniorenebene 2011 ein Match. In diesem Jahr gelang ihm mit dem Finaleinzug beim Juniorenwettbewerb der French Open, wo er im Endspiel dem US-Amerikaner Björn Fratangelo unterlag, sein bestes Ergebnis bei Junior-Grand-Slams. Zum Abschluss des Jahres gewann Thiem drei Juniorenturniere hintereinander, unter anderem den Orange Bowl gegen Ofner, und erreichte dort im Doppel ebenfalls das Finale. Insgesamt schaffte es Thiem Ende des Jahres bis auf Platz 2 der Junioren-Rangliste und konnte innerhalb von drei Jahren insgesamt elf Junioren-Turniere gewinnen.

Während dieser Zeit nahm er vereinzelt aber auch schon an Profiturnieren teil. Beim 2010 einmalig als Challenger ausgetragenen Turnier von Kitzbühel erhielt er eine Wildcard und konnte in drei Sätzen direkt sein erstes Profimatch gegen den damals auf Platz 252 liegenden Franzosen Alexandre Sidorenko gewinnen. Auch wenn er in der zweiten Runde ausschied, konnte er sich dadurch erstmals in der Herren-Weltrangliste platzieren. Er spielte danach einige Turniere auf der ITF Future Tour, wo er jedoch keine nennenswerten Erfolge erzielen konnte. 2011 erhielt er erneut eine Wildcard für das Turnier in Kitzbühel, das ab diesem Jahr wieder als ATP-250-Turnier ausgetragen wurde. Im Gegensatz zum Vorjahr unterlag er in der ersten Runde dem Spanier Daniel Gimeno Traver. Im September 2011 erhielt Thiem eine weitere Wildcard für die PTT Thailand Open in Bangkok, unterlag in der Auftaktrunde aber Jarkko Nieminen in drei Sätzen. Seine dritte Wildcard in derselben Saison erhielt er bei den Erste Bank Open in Wien. Dort gelang dem 18-jährigen Thiem sein erster Sieg auf der ATP Tour im Spiel gegen den 44-jährigen Thomas Muster, der ebenfalls per Wildcard im Hauptfeld stand. In der zweiten Runde unterlag er dem Belgier Steve Darcis mit 2:6 und 2:6. Thiem erreichte in der Türkei im November 2011 zudem erstmals ein Finale eines Future-Turniers und beendete das Jahr auf Platz 708 der Herren-Weltrangliste.

2012 bis 2013: Erste zwei Jahre im Profitennis In seinem ersten regulären Profijahr 2012 spielte Thiem weitestgehend auf der ITF Future Tour. Nachdem ihm in den ersten Monaten des Jahres noch keine größeren Erfolge gelungen waren, gewann er im Mai in Tschechien erstmals ein Future-Turnier. Für das ATP-Turnier in Kitzbühel erhielt er wie im Vorjahr eine Wildcard, unterlag in der ersten Runde aber Martin Kližan in drei Sätzen. Erstmals über die Qualifikation ins Hauptfeld eines Challenger-Turniers kam er im Oktober in Rennes, wo er bis ins Viertelfinale vorstieß. Für das ATP-Turnier in Wien erhielt er erneut eine Wildcard; dort musste er sich nach gewonnener erster Runde gegen Lukáš Lacko in der zweiten Runde Marinko Matosevic geschlagen geben. Zum Jahresende gewann Thiem in Marokko zwei weitere Future-Titel und beendete das Jahr auf Platz 309 der Weltrangliste.

Das Jahr 2013 begann für Thiem nicht nach Wunsch. Probleme mit den Weisheitszähnen zwangen ihn zu einer ungewollten Pause und er verpasste so auch das Davis-Cup-Match zwischen Österreich und Kasachstan. Erst Mitte März kehrte Thiem zurück und erreichte prompt das Finale eines Future-Turniers in Kroatien, in der Woche darauf gewann er dort sein erstes Future-Turnier in diesem Jahr. Nach gescheiterten Versuchen in den Qualifikationen für die ATP-Turniere in Casablanca und Bukarest wurde Thiem Anfang Juni von einer Darmentzündung erneut außer Gefecht gesetzt. Mitte Juli feierte er sein Comeback bei einem Future-Turnier in Italien, bei dem er bis ins Finale vorstieß. Die Wildcard beim ATP-Turnier in Kitzbühel brachte ihn nach Siegen über Andrei Kusnezow und Jürgen Melzer bis ins Viertelfinale, wo er schließlich Albert Montañés unterlag. Sein ITF-Turniersieg in Este und der Finaleinzug beim Challenger-Turnier in Como brachten Thiem Anfang September schließlich erstmals unter die 200 besten Tennisspieler der Welt. Am 21. September gewann er im marokkanischen Kenitra seinen ersten Titel bei einem ATP-Challenger-Turnier. In Wien, wo er erneut mit einer Wildcard ausgestattet wurde, erreichte er das Viertelfinale und unterlag in drei Sätzen Jo-Wilfried Tsonga. Zum Jahresende gewann er in Casablanca seinen zweiten Challenger-Titel und verbesserte sich damit auf Platz 122 der Weltrangliste.

2014 bis 2015: Etablierung und Durchbruch auf der ATP Tour Gleich zu Beginn des Jahres erreichte Thiem bei den Australian Open als Qualifikant die zweite Runde. Im Februar gelang ihm dann der erstmalige Einzug in die Top 100 der Tennisweltrangliste. Bei seinen ersten ATP-Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami schaffte er den Sprung in die dritte bzw. zweite Runde. Wenig später kam Thiem zu seinem erstmaligen Einsatz im Davis Cup gegen die Slowakei, bei dem er sowohl sein Einzel- als auch sein Doppelmatch verlor. Beim ATP-Sandplatzturnier in Madrid erreichte er als Qualifikant die dritte Runde, wobei er unter anderem den an dritter Position gesetzten Stan Wawrinka besiegte. Beim Turnier in Kitzbühel erreichte er unter anderem durch Siege gegen die beiden Vorjahresfinalisten Marcel Granollers und Juan Mónaco sein erstes World-Tour-Finale, verlor dieses jedoch gegen David Goffin in drei Sätzen. Bei den US Open erreichte Thiem nach Siegen über Lukáš Lacko und die gesetzten Ernests Gulbis und Feliciano López erstmals das Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Nach vielen Rückschlägen am Anfang des Jahres 2015 und auch durch Verletzungen verlor er einige Ränge in der ATP-Weltrangliste. Am 23. Mai 2015 gelang ihm erstmals ein Triumph auf internationaler Ebene. Beim Turnier in Nizza gewann er gegen Leonardo Mayer seinen ersten Titel auf der ATP Tour und erreichte dadurch in der Weltrangliste mit Rang 31 seine bis dahin beste Platzierung. Nach über einem Jahr Pause kam Thiem wieder im Davis Cup zum Einsatz. Beim Duell mit den Niederlanden in Kitzbühel unterlag er sowohl Thiemo de Bakker als auch dem zweifachen Kitzbühel-Sieger Robin Haase. Am 26. Juli 2015 gelang ihm sein zweiter Erfolg auf der World Tour. Er gewann das Finale in Umag gegen João Sousa und war dadurch erstmals unter den 25 Besten der Weltrangliste zu finden. Am 2. August 2015 gewann er in Gstaad seinen dritten Titel, nachdem er David Goffin im Finale mit 7:5 und 6:2 besiegt hatte.

2016: Erster ATP-500-Titel und Top-10-Aufstieg Mit einem Sieg im Halbfinale gegen den topgesetzten Rafael Nadal schaffte es Thiem in Buenos Aires ins Finale gegen Nicolás Almagro, den er knapp mit 7:6 (7:2), 3:6, 7:6 (7:4) besiegte. Damit platzierte er sich erstmals unter den Top 15 der Weltrangliste. Kurz darauf gewann er in Acapulco nach einem Dreisatz-Finalsieg über Bernard Tomic seinen ersten Titel der Kategorie ATP Tour 500.

Drei Wochen nach einer Finalniederlage gegen Philipp Kohlschreiber in München konnte Thiem in Nizza gegen Alexander Zverev erstmals einen Titel verteidigen. Bei den French Open feierte er seinen bis dahin größten Erfolg, indem er sich bis ins Halbfinale vorkämpfte, wo er sich dem Weltranglistenersten und späteren Turniersieger Novak Đoković in drei Sätzen geschlagen geben musste. Damit schaffte Thiem mit Rang sieben erstmals den Sprung unter die Top Ten der Weltrangliste. Beim folgenden Turnier in Stuttgart konnte er seinen Lauf fortsetzen. Im Semifinale besiegte er „Rasenkönig“ Roger Federer in drei Sätzen. Nach dem Match bezeichnete Thiem den Sieg als „glücklichsten Moment seines bisherigen Tennisjahres“. Im Finale feierte er gegen Philipp Kohlschreiber einen Dreisatzerfolg und gewann damit als erster Österreicher überhaupt einen Titel auf Rasen. In Wimbledon verlor er in der zweiten Runde gegen Jiří Veselý in drei Sätzen, alle Sätze gingen im Tiebreak verloren und Thiem bezeichnete diesen Umstand als „eine Niederlage im Elfmeterschießen“.

Im September erreichte er in Metz sein insgesamt sechstes Saisonfinale, verlor dort aber gegen Lucas Pouille. Am Ende der Saison qualifizierte er sich erstmals für die ATP World Tour Finals, schied aber nach einem Sieg gegen Gaël Monfils und zwei Niederlagen gegen Novak Đoković sowie Milos Raonic bereits in der Gruppenphase aus.

2017: Erneuter ATP-500-Titel und mehrere Finalteilnahmen 2017 erreichte Thiem zu Beginn bei den Australian Open erstmals das Achtelfinale. Wie im Vorjahr schied er in vier Sätzen gegen David Goffin aus. Die danach beginnende Sandplatzsaison startete für den Österreicher äußerst erfolgreich: Im Februar gewann er zunächst in Rio de Janeiro mit einem Zweisatzsieg gegen Pablo Carreño Busta seinen achten Karrieretitel. Ende April stand er dann im Finale von Barcelona, bei den darauf folgenden Masters in Madrid und Rom im Finale bzw. Halbfinale. In den Endspielen von Barcelona und Madrid unterlag er jeweils Rafael Nadal in zwei Sätzen, in Rom fügte er ihm im Viertelfinale mit 6:4, 6:3 dessen einzige Niederlage auf Sand in diesem Jahr zu. Das Halbfinale verlor Thiem dort mit 1:6, 0:6 dann aber in weniger als einer Stunde deutlich gegen Novak Đoković. Durch diese erfolgreichen Turniere egalisierte er Mitte Mai mit Rang sieben sein bisheriges Karrierehoch aus dem Vorjahr in der Weltrangliste.

Bei den French Open erreichte Thiem – nachdem er im Viertelfinale diesmal Đoković geschlagen hatte – zum zweiten Mal in Folge ein Grand-Slam-Halbfinale, scheiterte dort aber erneut am späteren Turniersieger Rafael Nadal. In Wimbledon erreichte er erstmals das Achtelfinale, das er in fünf Sätzen gegen Tomáš Berdych verlor. Bei den US Open zog er zum dritten Mal nach 2014 und 2016 ins Achtelfinale ein, das er ebenfalls in fünf Sätzen gegen Juan Martín del Potro verlor. Somit gehörte er in diesem Jahr bei allen vier Grand-Slam-Turnieren zu den besten 16 Spielern und qualifizierte sich wie im Vorjahr am Jahresende für die ATP Finals. Mit einem Sieg gegen Pablo Carreño Busta und zwei Niederlagen gegen den späteren Sieger Grigor Dimitrow sowie David Goffin kam er jedoch erneut nicht über die Vorrunde hinaus.

2018: Erstes Grand-Slam-Finale bei den French Open Bei den Australian Open zu Beginn des Jahres zog Thiem wie im Vorjahr ins Achtelfinale ein, wo er in fünf Sätzen Tennys Sandgren unterlag. Wie in den beiden Jahren zuvor konnte er mit dem Turniersieg in Buenos Aires – dem zweiten Titel dort nach 2016 – auch in der Saison 2018 seinen ersten Titel der Saison bereits im Februar gewinnen. Er blieb im gesamten Turnier ohne Satzverlust und entschied das Finale mit 6:2, 6:4 gegen Aljaž Bedene für sich. Es folgten einige Viertelfinal-Niederlagen bei den ATP-500-Turnieren in Rio de Janeiro, Acapulco und Barcelona sowie eine deutliche Niederlage im Viertelfinale des Masters in Monte-Carlo gegen den späteren Turniersieger Rafael Nadal mit 0:6, 2:6. Besser lief es für Thiem Anfang Mai beim Masters in Madrid, wo er im Viertelfinale gegen den Vorjahressieger Nadal mit 7:5, 6:3 gewann und sich erst im Finale Alexander Zverev mit 4:6, 4:6 geschlagen geben musste. Beim Masters von Rom eine Woche später schied er jedoch bereits in der ersten Runde gegen Fabio Fognini aus.