miniatur|hochkant=0.9|Wappen derer von den Brincken Brincken, auch Brinken, ist ein ursprünglich aus Westfalen stammendes Adelsgeschlecht, das sich im 15. Jahrhundert in Kurland besitzlich machte und mehrere Landräte stellte.
Ein gleichnamiges, später auch wappengleiches Geschlecht aus dem Bistum Verden wurde im 16. Jahrhundert in Braunschweig sesshaft. Ein agnatischer Zusammenhang – männliche Abstammungslinie – mit den Kurländern ist jedoch nicht erwiesen.Vgl. Lit.: Theodor Schön: Ein angeblicher Zweig der kurländischen Geschlechts von den Brincken im Herzogtum Braunschweig und Königreich Preussen In: Jahrbuch für Genealogie, Heraldik und Sphragistik. Mitau 1909/10, S. 91–99. Diese Familie wird dem Briefadel zugerechnet, deren Häuser nach 1400 nobilitiert wurden, und so im 20. Jahrhundert entsprechend mit der Stammreihe im B-Gotha publiziert.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Gotha 1932 (Stammreihe), siehe: FamilySearch (Kostenfrei).Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil B (Briefadel). Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. 1936–1940 (Fortsetzungen) → (Braunschweig). Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
Die Familie ist von dem ebenfalls aus Westfalen stammenden Adelsgeschlecht derer von dem Brinck aufgrund unterschiedlicher Wappen zu unterscheiden.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon. Band 1, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 311 f. Dieser westfälische Zweig des Geschlechts, welcher zuletzt auch in Lippe ansässig war, hat mit Arthur von dem Brinck († 1826) seinen Ausgang gefunden. Der kurländische und andere Zweige der Familie bestehen bis heute fort.
Geschichte Kurland Wie die überwiegende Mehrheit der alten baltischen Adelsgeschlechter führt sich auch die seit dem 14. Jahrhundert in Alt-Livland ansässige und seit Mitte des 15. Jahrhunderts mit großen Ländereien in Kurland belehnte Familie von den Brincken auf ein gleichnamiges Adelsgeschlecht aus Westfalen zurück.Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser B (Briefadel), Band V, C. A. Starke, Limburg a. d. Lahn 1971, S. 67 ff.; vgl. Der Adel der russischen Ostseeprovinzen (Estland, Kurland, Livland, Oesel). J. Siebmacher’s Wappenbuch. Band 25, Reprint, Neustadt a. d. Aisch 1980, S. 131. Eine erste Erwähnung der Familie von den Brincken in Westfalen erfolgte 1130 mit Conrad de Brincken, wobei damals und in den nächsten Jahrhunderten die Schreibweise des Namens variierte: de Brinck, von dem Brincke, von den Brincken. Die Westfälische Familie die später auch in der Grafschaft Lippe und in Hessen ansässig wurde, erlosch 1826 mit Arthur Freiherr von dem Brinck.Anton Fahne: Geschichte der westphälischen Geschlechter. Köln 1858, S. 77.; vgl. Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 1: A–K, Berlin 1855, S. 106. Eine durchgängige genealogische Verbindung zu den ursprünglich in Westfalen ansässigen Brincken konnte bisher nicht erbracht werden. Dabei wirft das von den kurländischen Brincken geführte Wappen der drei silbernen Rosen auf blauen Schild das größte Problem auf, denn die meisten westfälischen Häuser führten unterschiedliche ‚sprechende‘ Wappen (Brinck heißt Hügel oder Anhöhe): mit drei blauen Bergen auf silbernen Schild (Stammhaus bei Hamm) bzw. drei diagonal gestellten roten Bergen auf blauen Schild (Haus Brincke bei Borgholzhausen).Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels. Band 1, C. A. Starke, Görlitz 1901–1903, S. 21; Band 2, C. A. Starke, Görlitz 1903, Tafel 49.
Das noch heute stehende Wasserschloss Haus Brincke, eines der ältesten Rittersitze im Ravensberger Land, wurde der Überlieferung nach 1231 ursprünglich von den Herren von Brincken auf drei Dünen oder Hügeln errichtet. Ende des 14. Jahrhunderts ging dieser Rittersitz durch Heirat an die Familie von Kerssenbrock über. Weniger beachtet blieb bei den genealogischen Recherchen bisher eine dritte Linie der westfälischen Brincken, die seit dem 12. Jahrhundert auf der Burg Lippspringken (Lippspringe) nahe dem Quell der Lippe saßen und sich zeitweise auch nach dieser Brug nannten; Anfang des 14. Jahrhunderts kam dann die Familie von Westphalen in den Besitz dieser Burg. Aus dieser dritten Linie ging der 1390 urkundlich erwähnte Kriegsheld Friedrich von Brinck hervor. In diesem Zusammenhang sei auch die zeitweise sehr intensiv geführte Familientradierung erwähnt, nach der die westfälische Familie von den Brincken ursprünglich von dem Dynastengeschlecht der Grafen von Holte abstamme, deren Burg nach einer Fehde mit dem Bischof von Osnabrück 1144 zerstört wurde, wonach sich einer aus diesem Geschlecht auf eine Besitzung ins lippische Land zurückgezogen und sich seither Brincken genannt habe.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon, Supplements-Band II, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 14 ff.
Söhne aus allen drei westfälischen Stammhäusern tauchen seit dem 14. Jahrhundert auch in Estland und Livland als Vasallen des Königs von Dänemark bzw. des Deutschen Ordens auf. Wie schon in Westfalen variierten unter ihnen sowohl die Schreibweise des Namens in de Brinck, von dem Brincke und von den Brincken und auch die Wappen sind unterschiedlich. Nach der Überlieferung der kurländischen Brincken hatten die aus Lippspringken stammenden von den Brincken seit dem 14. Jahrhundert Besitzungen in der Nähe von Pernau, im nördlichen Livland. Einer aus dieser Familie ist Albertus de Brincken, der 1383 als Commendator von Pernau auftritt und der im Krieg des Deutschen Ordens mit Jogaila Großfürst von Litauen und König von Polen 1387 einen Waffenstillstand aushandelte. Ein anderer war Arnold de Brincken, der 1424 vom rigischen Kapitel zum Papst Martin V. (1417–1431) nach Rom gesandt wurde und der 1435 als rigischer Dompropst mit dem Deutschen Orden einen VergleichFriedrich von Fircks, Ueber den Ursprung des Adels in den Ostsee-Provinzen Russlands und das den alten Rittergeschlechtern daselbst gebührende Prädicat Freiherr, Mitau und Leipzig 1843, S. 144 (44.). schloss.
Von diesen Brincken, die das Rosenwappen führten, zogen einige im 15. Jahrhundert nach Kurland, wo der Deutsche Orden sowie der Bischof von Kurland durch neue große Belehnungen die Landnahme mit eigenen Vasallen intensivierten. Der Güterbesitz der Familie von den Brincken in Kurland geht auf zwei große Belehnungen des Deutschen Ordens aus den Jahren 1461 (I. Wensau) und 1462 (II. Sessilen) an Johann von den Brincken sowie zwei weitere große Belehnungen aus dem Jahre 1501 (III: Scheden, Wormen, Nitten) und 1505 (IV. Seppen-Diesdorff) an Martin von den Brincken zurück. Ein fünftes Stammgut mit den Gütern (V) Perbohnen und Wallaten stellt wohl eine Eigenerwerbung dar, die von Seppen aus erfolgte.
Alle bisherigen Genealogien gehen davon aus, dass die ersten beiden großen Belehnungen durch den Ordensmeister von Livland Johann von Mengede gen. Osthoff an Johann von den Brincken am 9. September 1461 mit (I) Wensau im Kirchspiel Windau und am 5. Juli 1462 mit (II) Sessilen und Zezern im Kirchspiel Frauenburg an ein und dieselbe Person erfolgte.Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser B V. Limburg a. d. Lahn 1970: 67 ff. Der Adel der russischen Ostseeprovinzen (Estland, Kurland, Livland, Oesel). J. Siebmacher’s Wappenbuch, Bd. 25, Neustadt a.d.Aisch 1980, S. 131 Dabei wurde unberücksichtigt gelassen, dass die beiden Lehngebiete fast 100 km auseinanderliegen und dass die spärlich erhaltenen Aufzeichnungen, dieser beiden ältesten Stammlinien, die sich von Anfang an in einer gewissen Konkurrenz zueinander sahen, es nahelegen, dass es sich um zwei Vettern Johann von den Brincken handelt, von denen der eine ⚭ mit Elisabeth von Schettern mit (I) Wensau belehnt wurdeKurländischer Güterurkunden, in Kooperation mit Klaus Neitmann (Balt. Historische Kommission) bearbeitet von Daphne Schadewaldt, Eintrag 237, 239, 287. Historisches Staatsarchiv Lettlands: Bestand 1100, Register 13, Akte 254, S. 31 u. 35. und der andere ⚭ mit Styne tor Deerhorst aus Pernau (II) Sessilen zum Lehen erhielt. Dieser zweite Johann von den Brincken, „der ehrbare und wohltüchtige Johan Brynke, unser lieber Besonderer“, wurde für seine Verdienste im dreizehnjährigen Krieg gegen den König von Polen vom Hochmeister des Deutschen Ordens Ludwig von Erlichshausen in Königsberg am 26. März 1464 als weltlicher Bruder in die Confraternitas des Deutschen Ordens aufgenommen, eine Ehre, die nach ihm nur noch Dionysios von Sacken und Luleff von Fürstenberg zuteilwurde.Oskar Stavenhagen: Johann v. dem Brincken und die "Gesellschaft" des Deutschen Ordens In: Jahrbuch für Genealogie, Heraldik und Sphragistik. Mitau 1914, S. 618–620.
Eine ähnliche Verschmelzung zweier Vettern findet bei den nächsten beiden Belehnungen statt. Am 28. Juli 1501 belehnt der Ordensmeister Wolter von Plettenberg den Deutschordensmann Martin von den Brincken mit (III) Wormen, Scheden und NittenKurländischer Güterurkunden, in Kooperation mit Klaus Neitmann (Balt. Historische Kommission) bearbeitet von Daphne Schadewaldt, Eintrag 289 und vier Jahre später am 3. März 1505 der Bischof Heinrich II. von Kurland zu Pilten seinen bischöflichen Lehnsmann Martin von den Brincken, den späteren Stiftsvogt des Bistums Kurland, mit (IV) Seppen und Diensdorff.Liv-, Esth- und Curländisches Urkundenbuch, A II, Bd. 2, Riga/Moscau 1905, S. 571. Hier wurden jedoch nicht nur Namensvettern zweier unterschiedlicher Stammhäuser zu einer Person zusammengezogen, sondern diese auch noch mit einem Enkel des zweiten identifiziert, der ebenfalls Martin von den Brincken hieß und rund 60 Jahre später Hauptmann zu Amboten und Rat von Herzog Magnus von Dänemark, (evang.) Fürstbischof von Kurland zu Pilten (1560–1587) war. Die beiden ursprünglichen Stammlinien – Wensau und Sessilen – stritten seit dem 17. Jahrhundert um die genealogische Einordnung des angeblich einen Martin – wie auch um einige weitere zu Amt und Würden gekommenen Mitgliedern der Familie mit den häufig vorkommenden Vornamen Heinrich und Johann –, um so die jeweils andere Linie als unbedeutende Nebenlinie zu isolieren. Erst durch die im Historischen Staatsarchiv Lettlands aufbewahrten Aufzeichnungen aus den Briefladen der verschiedenen Stammgüter kann belegt werden, dass es sich hierbei um drei verschiedene Personen mit dem gleichen Vornamen Martin handelt.
Erbfolge in den fünf Stammgütern Die ersten fünf Generationen, nur die Erbherren und ihre Ehefrauen ohne GeschwisterMax von den Brincken: Begriff und Wesen des „Stammguts“ im curländischen Landrecht, Dorpat 1883.:
I. Wensau (1461) und III. Wormen – Scheden – Nitten (1501) I. Johann von den Brincken, Vasall des Deutschen Ordens, 9. Oktober 1461 belehnt von Ordensmeister Johann von Mengede gen. Osthoff (ergänzt 1462 und 1465) mit Ländereien um Wensau im Kreis Windau; ⚭ Elisabeth von Schettern Johann von den Brincken, Vasall des Deutschen Ordens, urkl. 1471, 1482 Deputierter aus Kurland auf dem Landtag des Deutschen Ordens zu Waimel in Livland; ⚭ Christina Martin (Merten) von den Brincken, kauft Wormen-Scheden-Nitten 28. November 1500 und wird am 26. Juni 1501 von Ordensmeister Wolter von Plettenberg mit diesen Ländereien belehnt. Er vererbt die Güter seinem Neffen Kersten von den Brincken Johann von den Brincken, urkl. 1519 (wird Mitte 1550 als Vorbesitzer von Wensau genannt);⚭ NN von Buttlar I.1 Heinrich von den Brincken, urkl. 1527–1559, auf Wensau, Erneuerung der Belehnung von 1461 ausgestellt 1531 von Ordensmeister Wolter von Plettenberg Hermann von den Brincken, urkl. 1556–59, auf Wensau, Paddern, Nitten I.2 (= III.) Kersten von den Brincken, auf Wormen, Scheden, Nitten (1520 von seinem Onkel Martin von den Brincken übernommen); ⚭ Elisabeth von Sacken, Tochter von Johann v. S. u. NN von Dühren