mini|Kirche St. Nicolai auf Helgoland mini|Die Vorgängerkirche im Jahre 1895 Die evangelisch-lutherische St.-Nicolai-Kirche ist neben der römisch-katholischen St.-Michaels-Kirche eine der beiden Kirchen auf der Nordseeinsel Helgoland. Ihren Namen hat die Kirche vom Heiligen Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute.
Die Kirche befindet sich in einem Wohngebiet auf dem Oberland im Schnittpunkt von Schulweg und Kirchstraße mit der Adresse Schulweg 648.. – PDF-Seite 78. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Dithmarschen im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Mit 711 Gemeindegliedern (Stand Anfang 2014) gehört der Kirchengemeinde St. Nicolai rund die Hälfte der Inseleinwohner an.
Geschichte und Architektur Vorgängerbauten Eine erste Beschreibung einer Kirche auf Helgoland erfolgte Anfang des 17. Jahrhunderts durch Neocorus: „de Norder Sidt (der Kirche) hebben de Hillige Lander, de Suder Hellfte de Bremer buwen laten“.Wolfgang Teuchert, Arnold Lühning: Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, Kreis Pinneberg. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1961, S. 195 ff Möglicherweise hatte diese Kirche zwei parallele Satteldächer. Diese Kirche soll an der Ostecke des Oberlandes gelegen haben und wurde 1609 wegen der Gefahr eines Absturzes durch eine neue, weiter im Landesinneren gelegene ersetzt. Bereits 1685 wurde diese wegen unzureichender Größe abgebrochen. Die neue, dem heiligen Nicolaus geweihte Kirche wurde von 1685 bis 1687 errichtet. Die zunächst turmlose Kirche war ein einschiffiger Backsteinbau mit polygonalem 5/15-Chorschluss. mini|Bild der Kirche mit dem von 1706 bis 1878 bestehenden Turm mit geschweifter Haube Von 1704 bis 1706 wurde aus Backstein ein Westturm mit quadratischem Grundriss und hoher, geschweifter Haube gebaut. Dieser Turm wurde wegen Baufälligkeit 1878 abgebrochen und 1885 durch einen neuen ersetzt. Der Innenraum der Kirche war mit einer flachen, mit Ornamenten bemalten Holztonne überspannt, in welche Lichtschächte einschnitten. An der Basis der Tonne verliefen quer zur Kirche weiß gestrichene Zugbalken. Das Gestühl war in drei Blöcke geteilt, und es gab eine umlaufende Empore. Von der Ausstattung ist der überwiegende Teil bei einem schweren Bombenangriff am 18. April 1945 zerstört worden, so unter anderem der Kanzelaltar aus Mahagoni von 1821. Der Bronzetaufkessel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts überstand den Angriff, fiel allerdings Schrottsammlern der Nachkriegszeit zum Opfer. Ein 1705 in Friedrichstadt gefertigter vergoldeter Abendmahlskelch mit mittelalterlichem Fuß und Ornamenten ist erhalten.
Neubau mini|Innenraum mit Blick in den Altarraum (2024) Nach der Neubesiedlung Helgolands ab 1952 wurde ab 1958 an der gleichen Stelle der Vorgängerkirche mitten auf dem mit einer zeittypischen Waschbetonmauer eingefriedeten Inselfriedhof die heutige Kirche erbaut und am 29. November (1. Advent) 1959 eingeweiht. Die Architekten waren Peter Hübotter, Rolf Romero und Bert Ledeboer aus Hannover, die 1956 gemeinsam den deutschlandweiten Architekturwettbewerb für den Kirchenneubau gewonnen hatten. Neben der Kirche steht der das Inselbild als ein Wahrzeichen prägende 30 m hohe Kirchturm, der auch absichtlich in die Sichtachsen mehrerer Oberland-Hauptstraßen positioniert wurde.Jan Lubitz: Architektur auf Helgoland. Rickmers Verlag & Archiv. Helgoland 2014, ISBN 978-3-98169-150-4, S. 74. Seine Gestaltung mit einem nadelförmig gestreckten Turmhelm erinnert an ein Seezeichen. Die Wetterfahne stellt eine Schaluppe dar.50 Jahre nach dem Wiederaufbau der St.-Nicolai-Kirche von Helgoland müssen Turm und Kirchenschiff dringend saniert werden! Auf kirche-helgoland.de (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.today, abgerufen am 24. Oktober 2025). Im offenen Erdgeschoss des Turms befindet sich eine Gedenkstätte für die Gestorbenen der Weltkriege.
Die Kirche hat nach dem Denkmalschutzgesetz Schleswig-Holstein den Status eines Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung.
Schon im September 1966 musste die Kirche aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Die ursprünglich in Holzfachwerk errichtete Südwand wurde 1969 schließlich durch eine Backsteinwand ersetzt. Dazu wurde das Innere der Kirche stark umgestaltet und künstlerisch aufgewertet. Ostern 1970 wurde sie neu eingeweiht.Der Helgoländer April 1970 2009 ersetzte man am Kirchturm große Teile der Holzkonstruktion und die Kupferbedachung. 2016 und 2017 waren Renovierungsarbeiten an den Fassaden der Kirche fällig, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt wurden. Der Beton der Dallglasfenster wies starke Verwitterungsspuren auf, weil die eingebrachten Eisenarmierungen in der salzhaltigen Luft korrodierten. Danach folgten erneut Arbeiten an der Südfassade.
Die Außenanlagen mit dem Friedhof entstanden nach Entwurf von Wilhelm Hübotter.
Ausstattung
Kircheninneres Das Kircheninnere ist ein Saal, dessen Eindruck von der offenen Holzkonstruktion des aufgeständerten Dachwerks bestimmt wird. Die Ausstattung stammt zum Teil aus der Vorgängerkirche. Die reliefierte Türflügel des Bronzeportals und der neue Taufkessel stammen vom Bildhauer Fritz Fleer. Zwei Altarleuchter, ein Kronleuchter und eine Taufschale aus dem Jahre 1783 haben die Bombardierung der Vorgängerkirche überstanden.Text über Nicolaikirche Das Innere der Kirche zieren diverse Votivschiffe, d. h. Modelle echter Boote, die von Kapitänen als Dank an Gott für die Rettung aus Seenot gestiftet wurden.
Glocken Eine Stahlglocke (Schlagton c1) wurde 1952 gestiftet, 1959 kamen fünf Bronzeglocken (Schlagtonfolge g1–a1–c2–d2–e2) hinzu.
Orgeln
Vorkriegsorgel mini|Meyer-Orgel von 1844 in der Vorgängerkirche Erst 1844 erhielt Helgoland erstmals eine Orgel, ein wertvolles Instrument von Ernst Wilhelm Meyer & Söhne. Sie wurde beim großen Bombenangriff am 18. April 1945 zerstört.Gerald Drebes: Die Helgoländer Vorkriegsorgel von Ernst Wilhelm Meyer & Söhne (1844). In: Ars Organi. Jg. 68, 2020, S. 186–188 (online).
Hauptorgel mini|Hauptorgel von 1970 (2024) Die Hauptorgel der Kirche wurde 1970 durch Alfred Führer erbaut. Sie besitzt 24 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilen. Das Instrument besitzt voll mechanische Schleifladen. Die Disposition ist wie folgt:
I Hauptwerk 1. Pommer 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Spillpfeife 8′ 4. Oktave 4′ 5. Koppelflöte 4′ 6. Nasard ′ 7. Gemshorn 2′ 8. Rauschpfeife II 2′ + ′ 9. Mixtur V ′ II Schwellwerk 10. Gedackt 8′ 11. Prinzipal 4′ 12. Rohrflöte 4′ 13. Oktave 2′ 14. Gemsquinte ′ 15. Sesquialtera II 16. Scharff IV 1′ 17. Schalmey 8′ Tremulant Pedal 18. Subbaß 16′ 19. Prinzipal 8′ 20. Spitzflöte 8′ 21. Choralbaß 4′ 22. Hohlflöte 2′ 23. Rauschbaß III ′ 24. Hintersatz IV ′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Tutti, Handregister ab
Chororgel Die kleinere Chororgel wurde 1972 durch Hinrich Otto Paschen erbaut. Sie besitzt acht Register auf einem Manual und Pedal und ist wie die Hauptorgel voll mechanisch auf Schleifladen errichtet. Die Disposition ist wie folgt: mini|Chororgel der Kirche (2024) I Hauptwerk 1. Bordun D 16′ 2. Gedackt B/D 8′ 3. Principal B/D 4′ 4. Rohrflöte B/D 4′ 5. Nasat B/D ′ 6. Gemshorn B/D 2′ 7. Mixtur IV B/D 2′ Tremulant Pedal 8. Subbaß 16′ 9. Gedackt (Extension von 8.) 8′ Koppeln: I/P
Literatur
Jan Lubitz: Architektur auf Helgoland. Rickmers Verlag & Archiv. Helgoland 2014, ISBN 978-3-9816915-0-4, S. 74–77.
Weblinks
Internetpräsenz der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Helgoland St. Nicolai auf Helgoland, auf der Website des Kirchenkreis Dithmarschen St.-Nicolai-Kirche Helgoland, auf architektur-bildarchiv.de Glockengeläut auf YouTube (9:41 min)
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk auf Helgoland Helgoland Helgoland Helgoland Helgoland, Nikolaikirche Kategorie:Erbaut in den 1950er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Bauwerk der Moderne in Schleswig-Holstein Kategorie:Kulturdenkmal in Helgoland