miniatur|300px | Gut Klausheide, frühere Auffahrt zum Herrenhaus Das Gut Klausheide, ursprünglich Gut Clausheide, in der Gemarkung Klausheide bei Nordhorn in der Grafschaft Bentheim gelegen, wurde 1914 von dem deutschen Industriellenehepaar Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach mit dem Ziel gegründet, ein landwirtschaftliches Mustergut aufzubauen. Benannt wurde das Gut nach Claus von Bohlen und Halbach, das 1910 geborene dritte Kind des Paares.Der Spiegel 46/1951, S. 16. Die Gebäude und das Gelände der Gutsanlage stehen unter Denkmalschutz.

Auf der ursprünglich rund 15 000 MorgenVier Morgen entsprechen einem Hektar (3 750 Hektar) umfassenden Liegenschaft wurde auch die Ortschaft Klausheide errichtet. Ein rund 2 200 Hektar großes Heidegelände überließ die Familie Krupp ab 1933 der deutschen Wehrmacht zur militärischen Nutzung. Dort richtete die britische Royal Air Force 1947 ihren Übungsplatz Air to Ground Weapon Range, genannt Nordhorn Range, ein, der 2001 an die deutsche Bundeswehr übergeben wurde und heute offiziell Luft-/Bodenschießplatz Nordhorn heißt. Seit 2014 ist der Luft-/Bodenschießplatz das einzig verbliebene Übungsgelände für den Luft-Boden-Kampf und gleichzeitig der größte von der Luftwaffe genutzte Übungsplatz in Deutschland.

Im Jahr 1951 wurde die Gutsanlage einschließlich 1100 Hektar Land von Berta Krupp an die Saatzuchtgesellschaft Lochow-Petkus GmbH verkauft. Im November 1978 wurden die acht auf der Nordseite der B 213 stehenden Gutsarbeiterhäuser abgerissen. Die Häuser auf der Südseite sind erhalten.

1990 erwarb die Arbeiterwohlfahrt (Kreisverband Grafschaft Bentheim) das Hauptgebäude („Herrenhaus“) und die beiden anschließenden Nebengebäude, wo sie seit 1996 ein Wohnheim für chronisch mehrfach beeinträchtigte abhängigkeitskranke Menschen unterhält.

Gutsbezirk Gründung mini|Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach mit ihren Kindern (1928) – ganz rechts Sohn Claus mini|Rot: Gutsbezirk Clausheide im Jahr 1914 mini|Gemarkungen und Gemeinden im Raum Nordhorn ab 1914

Ab Sommer 1913Bräutigam, Wallmeyer, Welling (Hrsg.): Chronik Klausheide. 100 Jahre: Anfänge bis heute. S. 2 erwarb die Industriellen-Familie Krupp von Bohlen und Halbach ausgedehnte Moor- und Heideflächen zwischen Nordhorn und Lingen in der damaligen Provinz Hannover mit dem Ziel, ein landwirtschaftliches Mustergut aufzubauen. Der Zeitungsbericht lautete: mini|links|Gedenkstein zum 100. Gründungstag von Gut Klausheide

Errichtung der Gemeinde Klausheide mini|Neuordnung der Gemeinden im Raum Nordhorn 1921/1929

Mit Wirkung vom 1. Juli 1929 wurden Teile der Gemeinden Altendorf und Bakelde nach Nordhorn eingemeindet. Dabei wurden die zum Gut gehörenden Gebiete der beiden Gemeinden sowie unbewohnte Teile von Bakelde abgetrennt und zur Restgemeinde Bakelde zusammengeschlossen. Diese beantragte im Dezember 1930 die Umbenennung in Clausheide. Wegen der Rechtschreibreform von 1901 zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung erfolgte jedoch die Umbenennung der Restgemeinde Bakelde in Klausheide. Der Gemeinderat beantragte, die Schreibweise „Clausheide“ beizubehalten, da die Benennung ja nach Claus von Bohlen und Halbach erfolgt sei; der Minister des Innern indes verweigerte diesen Antrag mit der Begründung: „...Gemeinde- und Ortsnamen slawischen und deutschen Ursprungs sind im Anlaut mit K zu schreiben.“Staatsarchiv Osnabrück, Rep 450 Bentheim I, Nr. 110a Die neue Schreibweise setzte sich nur langsam durch.

Lage

Die ursprünglich erworbenen Ländereien erstreckten sich auf mehrere Gemarkungen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Lingen, nämlich Bakelde, Lohne, Herzford, Elbergen, Engden und Hesepe. Der Gutshof und die später entstandene Wohnsiedlung befanden sich auf dem Gebiet der Gemarkung Bakelde, ab 1931 Gemeinde Klausheide, seit 1974 Stadt Nordhorn.Staatsarchiv Osnabrück, Rep 451 Bentheim, Nr. 21 Der Gutshof befindet sich rund sieben Kilometer nordöstlich von Nordhorn und rund 13 Kilometer südwestlich von Lingen entfernt.

Der Gutsbezirk wurde sowohl vom Ems-Vechte-Kanal als auch der Straßenverbindung zwischen Lingen und Nordhorn jeweils von Süd-West nach Nord-Ost durchschnitten. Diese Straßenverbindung war der Vorläufer der B 213, die ihrer Bedeutung wegen bereits 1824 als erste Landverbindung in der Grafschaft Bentheim zur Chaussee ausgebaut worden.noch ergänzen, Quelle angefragt bei Bundesstraße 213 Der knapp fünf Kilometer südlich fast parallel zur Straße verlaufende 1879 eröffnete Ems-Vechte-Kanal als Teil des Linksemsischen Kanalnetzes diente dabei nicht nur der Entwässerung des zur Kultivierung vorgesehenen Geländes, sondern stellte einen wichtigen Transportweg dar. mini|Luftaufnahme von Klausheide (Ort und Gut) aus dem Jahr 1936

Weite Teile dieses Gebietes bestanden aus Heide- oder Moorlandschaften, in dessen Mitte das Nordhorner Moor lag. Durch die nach dem Erwerb der Liegenschaften begonnenen Kultivierungsmaßnahmen entstanden im nördlichen Bereich des Gutsbezirks, um das errichtete Gut herum, ausgedehnte landwirtschaftliche Nutzflächen. Unweit des Gutes, südwestlich gelegen, entstand eine Arbeitersiedlung, die ursprünglich aus 20 Doppelhäusern rechts und links der Chaussee bestand und 40 Familien Platz bot. Auf den südlich der Siedlung bestehenden, ausgedehnten Flächen wurde in großem Stil Jungwald angepflanzt. Südöstlich des Guts wurde der Flugplatz Klausheide angelegt.

Die Gutsanlage selbst gleicht einem riesigen Vierkanthof mit geschlossenem Innenbereich. Zusammen mit dem rund 500 Meter langen Zufahrtsbereich zum Herrenhaus sowie weiteren seitlichen Flächen umfasst das Gut ein Gebiet von rund 13 Hektar, das zusätzlich von einer niedrigen Backsteinmauer eingefasst wurde.

Im südlichen Bereich der das Gut umgebenden Liegenschaften, nördlich und südlich des Kanals gelegen, wurden große Nadelwaldflächen angepflanzt, viele Moor- und Heideflächen, wie das Heseper Moor, jedoch nur teilweise entwässert und weitgehend natürlich belassen. Das am wenigsten kultivierte Gebiet südlich des Ems-Vechte-Kanals wurde ab 1933 von der deutschen Wehrmacht als Bodenschießplatz benutzt.

Später entwickelte sich aus den zur Gutsanlage gehörenden Arbeiterhäusern die Ortschaft Klausheide, die sich im Lauf der Zeit südlich ausdehnte und Teile des Waldes verdrängte.

Mustergut Urbarmachung und erster Anbau mini|Gut Klausheide, Blick auf die westlichen Wirtschaftsgebäude und die frühere Inspektorenwohnung mini|Gut Klausheide, Blick von Westen auf die ehemaligen Ställe und Wirtschaftsgebäude mini|Gut Klausheide, Blick von Westen auf die ehemaligen Speicher, die sich an die Ställe anschlossen mini|Gut Klausheide, westliche Zufahrtsallee Durch die Kultivierung und Nutzbarmachung für landwirtschaftliche Zwecke wurde im etwa nördlichen Drittel der Liegenschaft ein Mustergut errichtet, auf dem vorrangig Gemüse- und Getreideanbau geplant war. Der südliche Teil des Geländes, sowohl südlich als auch nördlich des Ems-Vechte-Kanals gelegen, sollte breitflächig mit Nadelwald aufgeforstet werden. Die Eigentümer verpflichteten einen Gutsverwalter namens Schiwinski aus Ostpreußen.

Am 5. April 1914 wurde mit Dampfpflügen der Firma Ottomeyer mit ersten Kultivierungsarbeiten begonnen. Zur Unterbringung der ersten Arbeiter sowie der erforderlichen Arbeitstiere war ein Bauerngehöft am nahe gelegenen Kiefernweg gekauft worden. (PDF; 6,5 MB) Anschließend wurden die Flächen von Arbeitspferden und -rindern bearbeitet und mit Gründüngung zur Bodenverbesserung experimentiert. Von der geplanten Gutsanlage wurde ein Kleinbahn angelegt und im Juli 1914 in Betrieb genommen.

Am 27. April 1914 besichtigten Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach das Gelände und den Fortgang der Arbeiten. An diesem Tag gaben sie bekannt, das Gebiet nach ihrem Sohn Claus von Bohlen und Halbach Claus-Heide benennen zu wollen. Mit den Planungen für die Gutsgebäude wurde Architekt Herrmann beauftragt.

Der kurz darauf ausbrechende Erste Weltkrieg behinderte den weiteren Fortgang der Bauvorhaben und Kultivierungsmaßnahmen erheblich, zumal auch der Verwalter zum Kriegsdienst einberufen wurde. Dennoch erfolgte der erste Spatenstich des Gutshofes am 9. Juni 1915. Zu den Bauarbeiten wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt. Das Hauptgebäude entstand auf der nördlichen Seite der Chaussee Nordhorn–Lingen einige hundert Meter von der Straße zurückgesetzt und durch eine Allee-Auffahrt mit dieser verbunden. Daran schlossen sich, rechts und links vom Herrenhaus und ebenfalls nördlich die weiteren Gebäude und Flächen an, die an der West- und Ostseite weitere Zufahrten erhielten. Die komplette Gutsanlage wurde mit einem unterschiedlich hohen Mauerwerk aus Klinkern eingefasst.

Ab 1916 erfolgt eine Anpflanzung von Kartoffeln, Roggen und Lupinen, im selben Jahr konnte die erste Ernte eingefahren werden. Gleichzeitig wurde mit den Aufforstungsarbeiten umfangreicher Waldflächen begonnen, die südlich des Gutes bis zum Ems-Vechte-Kanal angelegt wurden. Dazu wurde auf dem Gebiet der heutigen Revierförsterei Elbergen eine Baumschule eingerichtet, wo die Pflanzen zur Aufforstung herangezogen wurden. Noch allein „im Frühjahr 1936 wurden auf einer Fläche von 600 Morgen Land rund 1,8 Millionen Bäumchen“ gesetzt.

Im November 1917 waren die Hauptgebäude des Gutes soweit fertiggestellt, dass der Verwalter provisorisch einziehen konnte. Doch die völlige Fertigstellung des Gutshofs zog sich kriegsbedingt bis 1919 hin, als auch damit begonnen werden konnte, Häuser für die Arbeiter zu errichten. 1919 wurde der erste Guts- und Revierförster, Hermann Meinecke angestellt.In mancher Literatur wird auch die Schreibweise Meineke verwendet. Im September 1919 wurde mit dem Bau von 18 Doppelwohnhäusern für Gutsarbeiter rechts und links der Chaussee begonnen, die im Herbst 1920 bezugsfertig wurden.Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein: politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929-1945. LIT Verlag Münster, 2004, ISBN 3-8258-7448-6, S. 179 und 267.

1922 waren alle Gutsarbeiterhäuser bewohnt. Die Schulkinder wurden mit einem Schulwagen zur Schule in Nordhorn gefahren. Ab 1927 wurde aufgrund der steigenden Anzahl der Kinder Lehrer Fritz Strothmann angestellt, der in einem der Landarbeiterhäuser Wohnung bezog und in seinem Privatzimmer Unterricht erteilte. 1933 besuchten bei dem nachfolgenden Lehrer Fritz Kreft 50 Kinder den Unterricht, was die Kapazität des maximal 33 Plätze fassenden Zimmers überstieg, so dass wegen Platzmangels Schichtunterricht erteilt werden musste. Aufgrund des Platzmangels stellte die Krupp’sche Verwaltung 1933 einen ehemaligen Lokomotivschuppen zur Verfügung, der zu einem kleinen Schulhaus umgebaut wurde.

Auf den kultivierten Flächen des Guts wurden hauptsächlich Roggen und Kartoffeln angebaut. Außerdem wurden Viehweiden für die Rinder und Pferde sowie Wiesen für die Heuernte eingesät. Während die Heuernten meist gut ausfielen, gab es bei den Erträgen der Kartoffel- und Roggenernten in den Anfangsjahren herbe Rückschläge.

Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg Durch die Missernten und mangelnden Anbauerfolge der Anfangszeit benötigte das Gut enorme Zuschüsse von den Eigentümern, was sich aufgrund der Weltwirtschaftskrise zunehmend schwierig gestaltete. Zuerst wurde ein Verkauf angestrebt, der sich aber aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland als nahezu unmöglich gestaltete. Also wurde eine langfristige Verpachtung geplant. Überregional wurde das Gut Klausheide zur Verpachtung mit Chiffre-Anzeigen ausgeschrieben