mini|550px|Nelson-Atkins Museum of Art: Rechts der Altbau aus dem Jahr 1933, links das Bloch Building von 2007 Das Nelson-Atkins Museum of Art ist ein Kunstmuseum in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri. Es befindet sich in einem parkähnlichen Gelände südwestlich des Stadtzentrums und geht zurück auf Stiftungen der beiden Mäzene William Rockhill Nelson und Mary McAfee Atkins. Das Museum öffnete 1933 erstmals für das Publikum und konnte innerhalb weniger Jahre Sammlungen zur Kunst aller Epochen und Kulturen aufbauen. Schwerpunkte der Sammlung sind die Abteilungen für amerikanische, europäische und asiatische Kunst. Mit mehr als 30.000 Kunstwerken gehört es zu den bedeutendsten Kunstmuseen im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten.
Geschichte Als William Rockhill Nelson und Mary McAfee Atkins, die beiden späteren Stifter des Museums, um 1880 nach Kansas City zogen, hatte die Stadt rund 55.000 Einwohner und verfügte neben einigen Theatern über keine nennenswerten kulturellen Einrichtungen. In den nächsten 30 Jahren bis 1910 verfünffachte sich die Bevölkerung und Kansas City wandelte sich zu einer modernen Stadt mit Parkanlagen und breiten Boulevards. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Stadtplaner und Landschaftsarchitekt George Kessler, der die Stadt im Sinne des City Beautiful Movement umgestaltete. Zu einem seiner wichtigsten Unterstützer gehörte der Immobilienunternehmer William Rockhill Nelson, der als Gründer und Herausgeber der Zeitung The Kansas City Star über wesentlichen Einfluss in der Stadt verfügte.
Nelson ließ sich im Süden der Stadt an der heutigen Oak Street, seinen Landsitz Oak Hall errichten. Das Anwesen auf einem 120.000 m² großen Grundstück bewohnte er bis zu seinem Tod 1915 und verfügte in seinem Testament, dass nach dem Ableben seiner Familie aus seinem Vermögen ein Kunstmuseum zu errichten sei, da ein solches Museum für eine moderne Stadt unbedingt notwendig sei. Seine Frau überlebte ihn nur um sechs Jahre und 1926 verstarb Nelsons Tochter Laura. Gemäß einer Verfügung des Stifters setzten sich danach erstmals die University Trustees of the William Rockhill Nelson Trust zusammen, die aus Vertretern der Universitäten von Missouri, Kansas und Oklahoma bestanden. Diese hatte zunächst die Aufgabe das Vermögen des Stifters zu veräußern. In den Jahren von 1926 bis 1930 verkauften die Trustees die beiden Zeitungen The Kansas City Star und Kansas City Times, Aktien, Grundstücke und Geschäftshäuser in Kansas City sowie persönlichen Gegenstände wie den Familienschmuck.
Irwin R. Kirkwood, der Schwiegersohn Nelsons, offerierte 1927 den Trustees den Landsitz Oak Hall als möglichen Standort für das zu errichtende Museum. Er verstarb noch im selben Jahr und hinterließ dem Museum weitere finanzielle Mittel. Sämtliches Inventar von Oak Hall wurde verkauft und das Gebäude abgerissen, um für den Museumsneubau Platz zu schaffen. Für diesen Standort im Süden der Stadt sprach auch der zeitgleich geplante Umzug des Kansas City Art Institute, einer privaten Kunsthochschule, von der Innenstadt in das gegenüber von Oak Hall gelegene Anwesen Marburg, wodurch sich beide Kulturinstitute Vorteile versprachen. Von der Einrichtung von Oak Hall blieb nur die Bibliothek Nelsons erhalten. Diese war viele Jahre Teil der Museumsausstellung und befindet sich nach einer Neuorganisation der Sammlung im Depot. Auch von den Kunstgegenständen der Familie fanden die meisten Stücke kein Interesse der Trustees und selbst die in Nelsons Besitz befindlichen Gemälde Blick auf Argenteuil von Claude Monet und Pappeln, Sonnenuntergang bei Éragny (Soleil couchant à Éragny) von Camille Pissarro kamen zum Verkauf. Letzteres erwarb das Museum später wieder zurück. Insgesamt ergaben die Verkäufe einen Erlös von zwölf Millionen US-Dollar.
Die andere Namensgeberin des späteren Museums, Mary McAfee Atkins, war eine aus Kentucky stammende Lehrerin und hatte den in Kansas City lebenden Mühlenbesitzer und Immobilienunternehmer James Burris Atkins geheiratet. Sie verfügte nach dessen Tod über ein beträchtliches Vermögen. Angeregt durch mehrere Reisen nach Europa, bei denen sie bedeutende Museen in London, Paris und Dresden besuchte, vermachte die 1911 verstorbene Stifterin in ihrem Testament 300.000 Dollar zur Errichtung eines Kunstmuseums. Ursprünglich sollte mit dieser Stiftung das Atkins Museum of Fine Arts im Penn Valley Park als unabhängiges Museum errichtet werden, aber bedingt durch den Ersten Weltkrieg verzögerten sich entsprechende Bemühungen. Durch geschickte Vermögensverwaltung vergrößerte sich das Stiftungskapital auf 700.000 Dollar im Jahr 1927, als die Nachlassverwalter von Atkins beschlossen, gemeinsam mit denen von Nelson ein Museumsgebäude zu errichten und hierin die beiden Institutionen Mary Atkins Museum of Fine Arts und William Rockhill Nelson Gallery of Art unterzubringen. Zu dieser Entscheidung trug wesentlich Herbert V. Jones bei, der sowohl als Trustee des Nelson-Vermögens als auch als einer der beiden Verwalter des Nachlasses von Atkins fungierte. mini|Zentrale Eingangshalle des Museumsaltbaus 1930 begannen sowohl die Bauarbeiten für das Museum, wie auch der Aufbau der Sammlung. Zu dieser Zeit gab es weder einen Direktor noch qualifiziertes Personal für die geplanten Abteilungen des Museums. Erst im Laufe des Jahres konnte Harold Woodbury Parsons vom Cleveland Museum of Art als Berater für den Ankauf europäischer Kunst verpflichtet werden, der erste bedeutende Ankäufe bei Kunsthändlern in New York und London tätigte. Hierbei konnte das Museum von der Weltwirtschaftskrise von 1929 und ihren Folgen profitieren, da auf dem Kunstmarkt zahlreiche hochkarätige Kunstwerke zu moderaten Preisen angeboten wurden. Im Januar 1931 kam Langdon Warner vom Fogg Art Museum als Berater für asiatische Kunst hinzu und 1932 nahm Paul Gardner seine Arbeit als erster Direktor auf.
Die Bauzeit für das Gebäude betrug lediglich zwei Jahre. Ein weiteres Jahr nahm der Innenausbau in Anspruch, bevor der Neubau am 11. Dezember 1933 für das Publikum eröffnet wurde. Der Ostflügel trug den Namen Mary Atkins Museum of Fine Arts und der Westflügel und die große Eingangshalle die Bezeichnung William Rockhill Nelson Gallery of Art. Insgesamt kostete der Neubau 2,75 Millionen US-Dollar, aber nur ein Teil des Gebäudes wurde von Beginn an für das Museum genutzt. Lediglich 36 Räume auf beiden Etagen des Ostflügels dienten der Ausstellung der Sammlung von inzwischen mehr als 4.500 Kunstwerken, während der Westflügel noch leer stand und zukünftigen Erweiterungen dienen sollte. Erst 1949 wurde das Erdgeschoss des Westflügels eröffnet und 1976 auch die zweite Etage komplett genutzt.
In den 1930er Jahren wuchs vor allem die Abteilung für asiatische Kunst. Wesentlichen Einfluss hatte hierbei der in China lebende Laurence Sickmann, der direkt vor Ort chinesische Kunst für das Museum erwarb und 1935 Museumskurator für asiatische Kunst wurde. Er folgte 1953 als Museumsdirektor und blieb bis 1977 in diesem Amt. Sein Nachfolger als Direktor wurde Ralph T. Coe, der bis 1982 dieses Amt innehatte und den Ausbau der Sammlung im Bereich Kunstwerke des französischen Impressionismus förderte. Ihm folgte Marc F. Wilson als Direktor. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Museumseröffnung 1983 wurden die beiden bisher formell getrennten Museen zum Nelson-Atkins Museum of Art vereinigt. Unter der Leitung von Wilson erwarb das Museum in größeren Umfang amerikanischer Kunst und mehrere Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. In seine Amtszeit fiel auch der Bau des Erweiterungsgebäudes, das seit 2007 als Bloch Building zusätzlich Platz für die Sammlung bietet. 2017 erhielt das Museum eine Schenkung des Mäzens Henry W. Bloch, dem Mitbegründer der Steuerberatungsgesellschaft H&R Block, mit Werken impressionistischer und spätimpressionistischer Malerei.Bedingungslos geschenkt, immens beglückt in FAZ vom 18. April 2017, Seite 15
Seit 2010 leitet Julián Zugazagoitia das Museum mit seinen mehr als 30.000 Kunstwerken.
Die Gebäude mini|Bloch Building: 2007 eröffneter Erweiterungsbau Für den zu errichtenden Bau wählten die Trustees die Architekten Thomas Wight (1874–1949) und William Wight (1882–1947) von der in Kansas City ansässigen Firma Wight and Wight. Ihr Entwurf ist ein 120 Meter langer und 53 Meter tiefer moderner Stahlskelettbau, der sich äußerlich als Gebäude im Stil des Neoklassizismus zeigt. Der für die Fassade verwandte gelbbraune Kalkstein stammt aus Indiana, der Heimat des Stifters William Rockhill Nelson. Sie ist geschmückt mit 23 Reliefs des Bildhauers Charles Keck, die die Besiedlung des amerikanischen Westens zeigen. Jeder der Gebäudeseiten ist mittig ein Portikus vorgelagert. In der Mitte des Gebäudes liegt die 12 Meter hohe Eingangshalle Kirkwood Hall, deren zweigeschossige Arkadengänge im Stil der Renaissance gehalten sind. An diese Halle schließen sich die beiden Ausstellungsflügel an. Vor der Südfassade des Museums öffnet sich über mehrere Terrassen das parkartig gestaltete Gelände zum Flusslauf des Brush Creek. Diese Fläche dient als Skulpturengarten des Museums und zeigt beispielsweise einen Abguss von Auguste Rodins Der Denker in der Monumentalversion oder übergroße Federbälle von Claes Oldenburg.
Der 1933 eingeweihte Bau des Nelson-Atkins Museum of Art blieb in seiner Architektur mehr als 70 Jahre nahezu unverändert und bot der stetig wachsenden Sammlung ausreichend Platz. Die Museumsleitung entschloss sich 1999 einen Wettbewerb für einen Erweiterungsbau auszuloben, aus dem der Architekt Steven Holl als Sieger hervorging. Dieser hatte zuvor mit dem Kiasma-Museum in Helsinki bereits einen vielbeachteten Museumsneubau fertig gestellt. Sein Entwurf für den Erweiterungsbau in Kansas City stellt architektonisch einen Kontrapunkt zum Altbau dar. Der langgestreckte Neubau ist seitlich quer vom Ostflügel des Altbaus gelegen und mit diesem unterirdisch verbunden. Auch der Großteil des Gebäudes selbst liegt unter der Erdoberfläche und nur fünf gläserne Pavillons sind oberirdisch sichtbar. Der Neubau wurde am 9. Juni 2007 als Bloch Building eröffnet. Namensgeber sind Henry W. Bloch und seine Ehefrau Marion, die das Museum mehrfach als Mäzene unterstützten. Henry W. Bloch war zudem Vorsitzender des Kuratoriums des Museums.
Die Sammlung Kunst der Antike Diese Abteilung zeigt Kunst der Antike aus dem Nahen Osten, Griechenland und dem Römischen Reich. Zu den frühesten Erwerbungen des Museums gehört eine Gruppe von archäologischen Fundstücken aus Lagaš, dem heutigen Tell el-Hiba im Irak. Darunter befindet sich eine kniende männliche Figur aus Bronze aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Ein weiteres Exponat ist ein assyrisches Relief mit der Darstellung einer beflügelten männlichen Figur mit einer Dattelpflanze aus der Zeit um 884/860 v. Chr. Aus Persepolis zeigt das Museum eine Kalksteinfigur in Form eines Stieres aus dem späten 6./ frühen 5. Jahrhundert v. Chr. Weitere Fundstücke stammen aus Tepe Yahya und Hafaǧi.