mini|hochkant|Logo der Brauerei F. A. Ulrich während der Zeit als Bestandteil des VEB Stadtbrauerei Leipzig Die Brauerei F. A. Ulrich war eine Bierbrauerei in Leipzig, die von 1826 bis 1991 existierte. Ihr Markenlogo war ein Mönch mit Kutte und Bierkrug. Die Brauerei war zwischenzeitlich eine der größten Leipziger Brauereien sowie die größte Privatbrauerei Sachsens.

Geschichte 1826 wurde die Brauerei von Carl Gottfried Pochmann in der Windmühlenstraße 15 // 32 in LeipzigHistorisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1860, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023 eröffnet, eine Brauerei, die schon im 14. Jahrhundert bestand und umgebaut wurde. Historische Bierdeckel der Brauerei beinhalteten den Text „Älteste Braustätte Leipzigs 1469“. Die Existenz dieser Vorgängerbrauereien ist somit mindestens bis auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts nachweisbar.

Pochmann reagierte mit der (Neu-)Gründung bzw. Übernahme der Brauerei auf die rasch wachsende Nachfrage an Bier im Leipziger Raum. Die Produktion umfasste anfangs nur obergärige Biere, die eine lange Tradition in Leipzig hatten. Bekannt ist heute noch die Leipziger Gose.

1828 pachtete der Braumeister Carl Wilhelm Naumann die Brauerei. Er gründete zudem eine eigene Brauerei in Plagwitz. Nach Pochmanns Tod wurde die Brauerei von seiner Familie zunächst weitergeführt, 1835 aber an Ephraim Wölbling verkauft. Wölbling und seine Nachfahren bauten die Brauerei umfassend aus und erweiterten das Produktangebot. 1873 kauften Friedrich August Ulrich (?– 26. April 1911) und sein Geschäftspartner Otto Max Meltzer die Brauerei. Bis zum krankheitsbedingten Ausscheiden Meltzers war die gepachtete Brauerei bis 1875 unter dem Namen Ulrich & Meltzer bekannt.

Friedrich August Ulrich erwarb die gepachtete Brauerei 1882 endgültig und investierte auch in Werbung für die Brauerei, um die Marke zu etablieren. In Anlehnung an die vier Klöster in Leipzig verwendete er einen Mönch als Werbeträger des Bieres. 1903Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1860, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023 übernahm sein Sohn Arthur Ulrich die Brauerei und wandelte sie in eine Kommanditgesellschaft um. Er betrieb die Brauerei bis 1931. Zu dieser Zeit befand sie sich, bezogen auf die Produktionsmenge, auf dem dritten Platz aller Leipziger Brauereien und war die größte Privatbrauerei Leipzigs bzw. Sachsens.

1938 produzierte die Brauerei ober- und untergärige Biere, Malz für den eigenen Bedarf, Eis, diverse Nebenprodukte und alkoholfreie Getränke. Gesellschafter waren: Gertrud Ulrich, Geschäftsführer Rolf Ulrich und Karl Reinhardt. Der Grundbesitz der Brauerei umfasste 80.000 Quadratmeter. Davon entfielen 13.000 Quadratmeter auf die Brauerei im Zentrum von Leipzig, 15.000 Quadratmeter auf die Flaschenbier-Abfüllung in Großzschocher und der Rest auf weitere Grundstücke.

Die Brauerei befand sich laut einer historischen Postkartenansicht (siehe Galerie) in der Windmühlenstraße 32. Zur Brauereianlage gehörte das Sudhaus mit Dampfkochung, 56-Zentner-Schüttung des Systems Doppelsudwerk von Weigel, Lagerkapazitäten in Holz-, Aluminium- und Stahltanks, drei Eismaschinen mit 240.000 kcal/h (in heutigen Einheiten entspricht das einer Leistung von ca. 280 kW), Fass- und Flaschenreinigungsmaschinen, zwei Dampfmaschinen und elektrische Antriebe, die Trebertrocknung, die Tennenmälzerei, die Darren (System Zweihorden), diverse Lastkraftwagen und Gespanne mit Pferden. Niederlagen der Brauerei befanden sich in Zeitz-Aylsdorf, Hauptstraße 22; Zwenkau, Ritterstraße 10; Merseburg, Bürgergarten 2 sowie die Flaschenbierabfüllung in der Dieskauer Straße 177–179 in Leipzig. Zur Belegschaft zählten 125–135 Arbeiter und Angestellte. Zudem betrieb die Brauerei mehrere Gaststätten, unter anderem den bekannten „Bierpalast“ ganz in der Nähe der Brauerei im Herzen Leipzigs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entging die Brauerei durch Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft noch der Enteignung. 1972 wurde sie, nachdem der Besitzer Rolf Ulrich enteignet worden war, als VEB Stadtbrauerei Leipzig Bestandteil des VEB Getränkekombinat Leipzig und ab 1978 innerhalb des Kombinats mit den Brauereien Ermisch und Bauer zum VEB Stadtbrauerei Leipzig zusammengeschlossen. Fehlende Investitionen in die Produktionsanlagen und Gebäude zu DDR-Zeiten, sowie die Konkurrenz westdeutscher Brauereien nach der Wende, zwangen die Stadtbrauerei F. A. Ulrich GmbH, zwischenzeitlich Gesellschaft mit beschränkter Haftung, letztendlich 1991 zur Schließung. Die Marke wurde vom Brauhaus zu Reudnitz GmbH übernommen und dort noch bis 2008 weitergebraut.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1860, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023

Biersorten Die Brauerei braute zeitweilig eine große Anzahl verschiedener Biersorten, u. a. Leipziger Gose, Braunbier, Weißbier, Helles und Dunkles Lagerbier, Pilsner, Dunkles Export, Bockbier, Maibock, Märzenbier und Malzbier. Unter der Marke Lipsiator – in Anlehnung an die lateinische Bezeichnung bayrischer (Bock-)Biere mit der bekannten -ator Endung und dem lateinischen Namen der Stadt Leipzig – wurde über lange Zeit ein Helles Vollbier vertrieben.http://www.bieretikettenkatalog.de/HTML_IN/L/L143S01.HTM

Galerie

Literatur Robin Hermann: Sächsische Brauereien. Druckhaus AJSp, ISBN 978-3-940860-04-0. Die Brauereien und Mälzereien im Deutschen Reich 1939/40, Nachrichtendienst „Das Spezial-Archiv der Deutschen Wirtschaft“ Hoppenstedt und Co. Berlin.

Weblinks

Historische Bieretiketten der Brauerei

Einzelnachweise

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