mini|hochkant=1.5|Links Baummarder-, rechts Steinmarderfell(der Kehlfleck des Baummarders ist gelblicher als es das farbveränderte Foto zeigt)

Der Pelzhandel meint mit Marderfell vornehmlich das Fell des Baummarders, auch als Edelmarder bezeichnet sowie das des Steinmarders, zweier Tiere aus der Gattung der Echten Marder. Er folgt damit der Umgangssprache, tatsächlich werden beide Fellsorten unter ihren Gattungsnamen gehandelt. Das seidige Edelmarderfell wird, wie es der Name bereits aussagt, als besonders edel und wertvoll angesehen, das gröbere und weniger dichte Steinmarderfell wird geringer bewertet. Auch weitere, mehr oder weniger gebräuchliche Namen, wie Gold- beziehungsweise Gelbkehlchen oder Goldhals, im russischen Sprachgebrauch „weichseidiger Marder“, weisen auf die unterschiedliche Behaarung hin.

Beide Marderarten stellten schon immer ein sehr geschätztes Pelzwerk dar, von den in Mitteleuropa heimischen Pelztieren nahmen sie stets den bevorzugten Rang ein. Nicht immer war der Baummarder dabei das geschätztere Fell, die Bewertung im Handel löste sich mehrfach ab. Um die Wende zum 20. Jahrhundert erbrachte der Steinmarder den besseren Preis, etwa ab 1910 wurde der Baummarder besser bezahlt. Dies blieb so bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo Steinmarder wieder ganz besonders gefragt waren und erheblich teurer als Baummarderfelle waren. Die Nachfrage kam jedoch vornehmlich aus dem Ausland.

Wesentliche Unterscheidungsmerkmale der beiden Marder sind das seidigere, feinere Haar des Baummarders, seine dunklere, sattere Färbung, die unbehaarten Pfoten des Steinmarders und die in Form und Farbe unterschiedlichen Kehlflecke. Letztere sind jedoch kein absolut sicheres Kennzeichen der einen oder anderen Art, dazu variieren sie bei beiden Mardern zu sehr. Das Fellkleid des Baummarders ist geschlossener, gut gedeckt gegenüber dem sehr viel mehr offenen Fell des Steinmarders. Beim Steinmarder stehen die Grannen- oder Deckhaare auf dem Rücken und an den Seiten weniger dicht, sie schließen die darunter liegende Unterwolle nicht so gleichmäßig ab, dass diese nicht mit ihrer helleren Färbung überall hervorschimmert ähnlich wie beim Iltisfell, wo dies allerdings noch weit ausgeprägter ist. Meistens von grauweißer bis bräunlichgrauer Farbe, gibt die Unterwolle zusammen mit den bräunlichrötlichen Grannenhaaren dem Steinmarderfell einen blaugrauen oder bräunlichgrauen Ton von „milchschokoladenartigem“ Charakter, in dem aber auch bläuliche und rötliche, sogar lilaähnliche Schattierungen vorkommen. Beim Baummarder kann man den vorherrschenden Grundton mit braun bezeichnen, eine zumeist satte, glänzende Farbe, die allerdings manche Abänderungen haben kann, alle möglichen Übergänge von ganz Lichtem, fast Gelblichen oder Rotbraunem bis zum tiefdunklen Kastanienbraun. Die Unterwolle des Baummarders ist von stumpfer gelblichbrauner oder auch graugelber Farbe, die zuweilen aber auch eine mehr graublaue Färbung beinhaltet.

Das Vorkommen von Baum- und Steinmarder ist weitgehend gleich, der Baummarder lebt etwas weniger südlich, aber nördlicher als der Steinmarder. Der größte Teil der russischen Marderfelle kommt aus Nordrussland, gefolgt vom Kaukasus und dem Ural, während die Steinmarder wesentlich auf das Kaukasusgebiet entfallen und sonst in größerer Zahl noch in Mittelasien vorkommen.Siegmund Schapiro (Leipziger Rauchwarenhändler): Russische Rauchwaren. In: Rauchwarenkunde - Elf Vorträge aus der Warenkunde des Pelzhandels. Verlag der Rauchwarenmarkt, Leipzig 1931, S. 85.

Baum- oder Edelmarderfell mini|hochkant|Baummardercape mit Schweifen, Firma Debenham & Freebody, London (1921)

Außer in Europa sind Baummarder als Waldbewohner vom Weißen Meer bis zum Kaukasus und östlich bis zum Ob und Irtysch verbreitet, ferner in Kleinasien und im Iran. Die Grenze ihres nördlichen Vorkommens ist etwa der 40. Grad nördlicher Breite.

Fell (Baum- oder Edelmarder) Fellfarbe Das Fell ist 48 bis 53 Zentimeter lang, der buschige Schweif 23 bis 28 Zentimeter. Die größte Art ist der Kaukasische Baummarder mit einer Kopfrumpflänge von 50 bis 58 Zentimetern und einer Schweiflänge von 20 bis 25 Zentimetern. Eine kleinere Unterart besteht auf einigen Mittelmeerinseln (Sardinien und die Balearengruppe). Diese ist heller gefärbt mit isabellfarbenem Gesicht und einem zinnoberroten Kehlfleck.

Die Grundfarbe des Baum- oder Edelmarders ist ein gleichmäßig über den ganzen Körper verteiltes glänzendes Braun mit Übergängen von gelblichbraun, fast beigefarben bis tiefdunkelnussbraun oder kastanienbraun, die Wamme ist oft heller schattiert. Der Schweif ist dunkler. Der sich vom Mundwinkel zur Brust hinziehende Kehlfleck ist gelblich- bis rötlichbraun (beim Steinmarder weiß), mitunter auch dottergelb und hebt sich vom übrigen Fell mehr oder weniger stark ab, die Form ist in der Regel mehr abgerundet als beim Steinmarder und fast nie gegabelt. Oft nimmt er die Form eines Brustlatzes an. Daneben kann der Baummarder mitunter einen weißlichgrau bis gelb getüpfelten oder weißgrauen bis weißen Kehlfleck aufweisen, daneben doch auch gezackte und gegabelte Formen aufweisen, wie sie im Allgemeinen für den Steinmarder typisch sind.

Zwischen den Hinterbeinen befindet sich ein rötlicher Fleck, der dunkelbraun gesäumt ist und von dem sich zuweilen ein schmutziggelber Streifen zur Kehle hinzieht. Die Füße und der Schwanz sind dunkel, mitunter fast schwarz. Die fast dreieckigen Ohren mit abgerundeten Ecken haben an den Rändern eine graugelbliche Farbumrandung. In Mitteleuropa überwiegen bei gelblichgrauer bis gelblichbrauner Unterwolle im Allgemeinen mehr die nussbraunen Farben. Die Jungtiere kommen mit grauem Pelz und den hellen Kehlflecken zur Welt, werden aber bereits im ersten Monat baummarderfarbig. Die Hinterbeine sind verhältnismäßig lang.Paul Schöps, Kurt Häse, Fritz Schmidt: Der Baummarder. In: Das Pelzgewerbe.Jg. XI/Neue Folge, 1960 Nr. 4, S. 152–162

Offenbar kommen auch häufiger fleckige Felle vor. 1844 wurde geschrieben, dass diese Flecken der weniger wertgeschätzten Qualität von den deutschen Kürschnern und Jägern „Honigflecke“ genannt wurden. Es würde geglaubt, dass sie dann entstünden, wenn sich das Tier leckt, nachdem es den Hummeln ihren Honig geraubt und gefressen hätte.

Fellstruktur Typisch für die dichte, weiche und glänzende Behaarung des Baummarders sind lange Grannenhaare und eine kurze, auffallend feine und weiche Unterwolle, die an der Vorderseite hellgrau, hinten und an den Seiten gelblich gefärbt ist. Auf der Oberlippe liegen vier Reihen von Schnurrhaaren, außerdem Borstenhaare unter den Augenwinkeln und an der Kehle. Das Oberhaar ist etwa 60 bis 70 Millimeter lang, am Schweif 80 Millimeter, das Unterhaar ist 30 bis 40 Millimeter lang. Im Gegensatz zum Steinmarder sind die Fußsohlen des Baummarders stark behaart.

Im Vergleich zum sehr ähnlichen Zobel erscheint das tendenziell gering gröbere Baummarderfell etwas struppiger und es fehlt das „Wasser“, die beim Zobel über das ganze Fell verteilten feinen silbrigen Haare.

Der Haarwechsel erfolgt zweimal jährlich, im Oktober/November zum dunkleren, dichteren Winterpelz und im März zum Sommerfell. Der Haarwechsel erfasst nacheinander Schultern, Rücken und die anderen Körperteile. Das Sommerfell ist flacher und infolge der schwächeren Unterwolle dunkler. Die Qualität nimmt bereits Ende Januar ab, so zum Beispiel bei den bayrischen und Tiroler Sorten. Die Kraft der Haare beginnt dann nachzulassen (Nachfallware).

Der Haltbarkeitskoeffizient für Baummarderfelle wird mit 40 bis 50 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt am Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe. Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin / Frankfurt am Main / Leipzig / Wien, S. 56–58. Bei einer Einteilung der Pelzarten in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Baummarderhaar als seidig eingestuft.

Handel des Baummarderfells Der Fachhandel unterscheidet das Aufkommen der Felle hauptsächlich in drei Regionen: Europa, Kleinasien und Asien.

Der größte Baummarder ist der kaukasische. Die besten Felle kommen aus Skandinavien (beste Norwegen, fast gleich, nur manchmal etwas heller aus Schweden), mit sehr langem und dichtem Haar. Nordrussische, kaukasische und Ural-Felle sind mitunter etwas gröber im Haar, haben aber einen hohen Glanz und gute Farben. Sehr gute Felle kommen auch aus dem Alpengebiet, Tiroler und Schweizer sind in der Qualität gleich bestimmten russischen Vorkommen. Es folgen die gelb- bis dunkelbraunen deutschen Edelmarder, von denen die bayrischen die besten sind. Gewöhnliche russische und polnische sind zwar verhältnismäßig seidig, aber nicht so gut in der Farbe. Sie werden häufig nachgefärbt. Südliche Baummarder, wie die oft dunkelfarbigen italienischen, die ungarischen und türkischen sind zwar teilweise auch seidig, aber meist kleiner und schmaler.Friedrich Lorenz: Kleine Pelztiergeographie. Verlag Alexander Duncker, Leipzig 1939, S. 12. Inhaltsverzeichnis. Trotz der großen Verbreitung sind die Farbunterschiede von Tieren aus verschiedenen Gegenden jedoch nicht wesentlich, für den Fellwert jedoch durchaus von Bedeutung.

Farben Als Farbbeschreibung werden alle möglichen Bezeichnungen verwendet, wie: 1. Farbe oder Farbe A. usw., aber auch konkrete Bezeichnungen wie dunkelblau, dunkelblaubraun (Felle der besten Farbe) blau, blaubraun (als nächstbeste Farbe) braun, rotbraun, rötlichbraun, hellbraun usw. (für Felle folgender Farben), sowie werden die Definitionen extra dunkel, dunkel, mittelfarbig, hell, fehlfarbig und missfarbig angewandt. Um die Felle zu bewerten, ist es wichtig, die dem Herkommen der Marder entsprechenden Farben zu kennen. Farbbezeichnung Charakteristik der Farbe der Haarkleides 1. Dunkelblau Dunkelkastanienbraune Haardecke mit blauer Schattierung; Wolle graublau am Haarboden und hellgrau an den Spitzen. 2. Blau Kastanienbraune Haardecke mit blauer Schattierung; Wolle graublau am Haarboden und hellgrau an den Spitzen. 3. Dunkelsandfarben(dunkelsandgelb) Dunkelsandfarbige Haardecke mit bräunlicher Schattierung. Wolle grau am Haarboden und hellsandfarben an den Spitzen. 4. Sandfarben Sandfarbene Haardecke mit hellgelber Schattierung; Wolle grau am Haarboden und gelblich an den Spitzen.

Herkommen Nord-Europa Sehr rauch (dicht). Vorwiegend dunkelbraun. Feinste Sorten. Norwegen Sehr groß. Feinhaarig. Besonders dunkel. Schweden Etwas kleiner. Wenig heller. Schottland Klein. Dunkel.

Norwegische und schwedische Marder sind auch als Nordische Marder im Handel. Mittel-Europa Rauch bis sehr rauch. Gelbbraun bis dunkel. Alpen (Schweiz, Tirol) Groß, sehr rauch. Mittelfarbig bis dunkel. Bayern, Schwarzwald Groß. Rauch. Dunkel. West-Europa Klein. Flach. Hell bis dunkel, Spanier dunkler. Süd-Europa (Italien) Klein. Flach. Hell bis dunkler. Sardinien, Balearen, Unteritalien: Kopfrumpflänge 45 Zentimeter. Heller, Gesicht isabellfarbig, Kehlfleck zinnoberrot. Südost-Europa (Balkan) Klein- bis mittelgroß, gedrungen. Vorwiegend dunkel. Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Baummarder vom Zobelberg in Mittelkrain besonders erwähnt, die zahlreich seien und so schön und zobelähnlich, dass man deren Felle als Zobel verkaufte. Ost-Europa