200 px|Dionysiuskirche in Lehe|alternativtext=Dionysiuskirche in Lehe|mini Die Dionysiuskirche (auch Alte Kirche genannt) in Lehe (Bremerhaven) an der Ecke Lange Straße/Poststraße und Eisenbahnstraße ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche.
Das Bauwerk wurde 1978 unter Bremer Denkmalschutz gestellt.
Geschichte
Die Alte Kirche mini|links|Erste Darstellung der Alten Kirche (Dionysiuskirche) auf dem Leher Dilichstich von 1605 Da es keine eindeutigen archäologischen oder urkundlichen Belege gibt, wurde die Gründung einer ersten Kirche an dieser Stelle um 1100, teilweise sogar schon um 1000, vermutet, erfolgte nach den Überlegungen von Riemer jedoch erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts.Dieter Riemer: Grafen und Herren im Erzstift Bremen im Spiegel der Geschichte Lehes.Bremerhaven 1995, S. 309–314. Sie wurde angeblich erstmals 1310 in einer Urkunde erwähnt. Hierbei handelt es sich aber um eine Fälschung.Dieter Riemer: Grafen und Herren im Erzstift Bremen im Spiegel der Geschichte Lehes.Bremerhaven 1995, S. 276–282.
Die Kirche war zunächst ein einschiffiger Bau noch aus der Zeit der Spätromanik mit einem freistehenden, nördlichen Glockenturm oder Glockenhaus. Das Schiff war im Stil der Gotik mit Backsteinen überwölbt. Auch die Fenster waren gotisch geformt. Der Chor wurde etwas später angefügt. Nach Grabungen von 1909 und 1975 wurde vermutet, dass schon die erste Kirche innen rund 26 × 8,5 Meter groß gewesen sein, während die Befunde von 1975 mehr für ein Innenmaß von 17 × 8,5 Meter sprechen.Dieter Riemer: Grafen und Herren im Erzstift Bremen im Spiegel der Geschichte Lehes.Bremerhaven 1995, S. 309–314.
1530 kam die Reformation durch zwei Luther-Schüler nach Lehe. Von 1607 bis 1625 war die Kirche teilweise im reformierten Glauben, weil das reformierte Bremen als Schutzmacht die Religionszugehörigkeit bestimmte. Nachdem das Erzstift Bremen 1648 ans schwedische Bremen-Verden gefallen war, verfügte Schweden 1685 eine gemeinsame Nutzung als Simultankirche mit den Lutheranern im sonntäglichen Wechsel.mini |rechts|Ausschnitt aus einer Leher Häuserkarte von 1743
Bis 1792 war der Kirchhof auch Begräbnisstätte.
Am 10. August 1787 brannte der Kirchturm durch Blitzschlag, das Feuer konnte aber gelöscht werden. Am 18. Juli 1789 beschlossen die Fleckensgevollmächtigen und die Deichgeschworenen auf Antrag des Kirchengeschworenen Nicolaus Lührs, bei der Reparatur des Kirchturms in diesem Jahr eine halbe Rute als Maßstab anbringen zu lassen. Nach der Reparatur wurde die Jahreszahl 1789 in übergroßen Zahlen auf den Turm geschrieben. Während der Großbrand vom 10. März 1796 die Kirche verschonte, brannte sie am 29. Juni 1801 zusammen mit 42 anderen Gebäuden weitgehend nieder. Vom Kirchenschiff blieben die Außenmauern bis 2 Meter Höhe stehen, vom Turm bis 9 Meter Höhe.
Neubau nach 1802 mini|links| Federzeichnung der Kirche (George Ernest Papendiek, 1817) mini|Alte Kirche im Jahr 1868 mit erhöhtem Turm Am 26. April 1802 begann der Wiederaufbau der Kirche, der noch in demselben Jahr abgeschlossen werden konnte, was durch die Jahreszahl 1802 am hinteren Kirchenschiff dokumentiert wurde. Der Wiederaufbau erfolgte im Stil der Romanik und des Klassizismus auf dem alten Grundriss nach Plänen des Schiffs-Capitäns Müller aus Stade, damals Sitz von Verwaltung und Generaldiözese Bremen-Verden, der von den Kirchengeschworenen als Bauinspektor hinzugezogen war. Es entstand ein einfacher innen und außen geputzter Bau mit einer inneren flachen Decke. Von der alten Kirche blieb beim Turm bis zu einer Höhe von neun Metern und im Schiff bis zu zwei Meter die aufsteigende Mauer aus Granitquadern bestehen. Der Turmrest erhielt einen Helm, das Schiff auf jeder Seite sechs hohe, rechteckige Fenster und ein Satteldach. 1868 wurde der Turm wieder erhöht.
20. und 21. Jahrhundert Bei einem Umbau von 1909 wurden Turmportal, Kirchenportal und die vier Seitentüren im neoklassizistischen Stil erneuert und die Sakristei angebaut.
Wegen der gemeinsamen Nutzung der Kirche mit der reformierten Gemeinde konnten lutherische Gottesdienste bis nach dem Zweiten Weltkrieg nur alle zwei Wochen stattfinden. Der Bau eines Gemeindehauses in der Stresemannstraße 1958 ermöglichte dann wöchentliche lutherische Gottesdienste im Wechsel zwischen Kirche und Gemeindehaus. Nachdem die reformierte Gemeinde, die ihrerseits 1964 ein neues Gemeindezentrum mit Kirchsaal errichtet hatte, 1972 auf ihre Rechte an der Dionysius-Kirche verzichtete, erlosch das Simultaneum.
1975 und 2005 wurde die Kirche komplett saniert.
Patrozinium hochkant|mini|Gedenkstein Hl. Dionysius Umstritten ist, ob die Pfarrkirche zunächst nur dem Heiligen Jakobus Major gewidmet war und ab wann ggf. ein Dionysius-Altar hinzukam.Dieter Riemer: Grafen und Herren im Erzstift Bremen im Spiegel der Geschichte Lehes.Bremerhaven 1995, S. 319–322. Beide Heiligen zieren das älteste vorhandene Kirchensiegel von 1350. In der näheren Umgebung gibt es noch die Kirchen in Langen-Debstedt und in Bremerhaven-Wulsdorf, die dem St. Dionysius geweiht sind. Auf die Debstedter Kirche (um 1200) kann vermutlich die Namensgebung zurückgeführt werden. Ab 1477 soll Dionysius der alleinige Schutzpatron der Alten Kirche gewesen sein. Der heutige Namensgeber der Kirche, Dionysius von Paris, war im 3. Jahrhundert Missionar in Gallien, erster Bischof von Paris und christlicher Märtyrer. Ein Gedenkstein von 1887 in der Dionysiusstraße mit der Inschrift „Grabstätte des heiligen Dionysius“ erinnert an den Heiligen, der einer Legende nach hier enthauptet wurde. Tatsächlich starb er aber schon um 250 als Märtyrer in Paris, einer Legende nach in Montmartre. Daher wird vermutet, dass an der Stelle, an der heute der Grabstein steht, bei der Einführung der Reformation die Reliquien des Dionysius aus der katholischen Zeit der Kirche vergraben und dort weiterhin verehrt wurden.
Ausstattung Das Innere von 1803 blieb erhalten. Zwei schmale Emporen erstrecken sich fast über die ganzen Seiten. Die Kanzel ist aus Holz. Die Kirche besitzt einen Kelch und eine Patene (Schale) von um 1400, beide aus reichverziertem, getriebenem, vergoldetem Silber mit graviertem Blattrankenschmuck. Ein Kelch von 1455 hat einen Sechspassfuß. Die Oblatendose stammt von 1691, zwei Altarleuchter aus dem 17. Jahrhundert.hochkant|mini|GottsucherFranz Rotter schuf 1981 die Bronzeplastik Gottsucher. Sie war eine Schenkung des Ehepaars Gertrud und Hartwig Burgdorff zum 300-jährigen Bestehen ihrer Alten Privilegierten Apotheke (1980).
Orgel Ein erster Hinweis auf eine Orgel findet sich 1662, als Graf Hans Christoph von Königsmarck seine Unterstützung bei der Beschaffung zusagte. Die Orgel stand zunächst an der Südseite, später im Westen und wurde im 18. Jahrhundert erweitert.
Nachdem der Brand 1801 die alte Orgel zerstört hatte, errichtete der Orgelbauer Johann Wolfgang Witzmann aus Bremen 1803 ein neues Instrument mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal. 1909 wurde sie durch einen Neubau von P. Furtwängler & Hammer (Opus 666) mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal mit pneumatischer Traktur und Taschenladen ersetzt. 1950/51 fand eine Instandsetzung durch die Firma Emil Hammer statt, bei der auch eine Umdisponierung vorgenommen wurde.
1983/84 wurde die Orgel durch einen Neubau durch die Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen) mit 26 Registern auf zwei Manualen und Pedal, mechanischer Traktur und Schleifladen ersetzt; die Disposition stammt von Otto-Ernst Last.
Glocken 1927 wurden die drei Glocken der Kirche feierlich eingeholt. Heute verfügt die Kirche über folgende drei Glocken der Gießerer Rincker aus dem Jahr 1952: Glocke 1 Ton. fis' Glocke 2 Ton. gis' Glocke 3 Ton: h'
Umgebung der Kirche mini|Ausschnitt aus Straßenplan um 1715 Auf einem um 1715 entstandenen Straßenplan von Lehe sind um die Dionysiuskirche (1) herum gruppiert (im Uhrzeigersinn): die Wachte (8), das Feuersprützen-Haus (9), die Apotheke (7), das (luth.) Pfarr-Haus (4), die (luth.) Schule (2), das Reformierte Pfarrhaus (5) sowie die Lateinische und die Reformierte Deutsche Schule (3).
Grabdenkmal Catharina Bohlen hochkant|mini|Stele für die Stammmutter der Bohlen Neben der Alten Kirche steht das Grabdenkmal für die 1807 gestorbene Catharina Bohlen.Heiner Schröder, Heiko Ricken: Im Kirchenbuch heißt es: „Den 2. Juli ist Catharina Bohlen aus Schiffdorf, eine Witwe, nebst einer Parentation begraben. Gestorben den 29. Juni am Schlage, alt 82 Jahre und 2 Monate.“ Die eine der vier Sockelseiten trägt als Todesdatum den 21. Juli 1807. Die drei anderen Inschriften sind:Ein altes Grabdenkmal neben der Kirche (jb)
Zwischenzeitlich stand das Grabdenkmal auf dem Friedhof in Schiffdorf. Mehrere Leher Bürger schrieben 1917 einen Bittbrief an den Magistrat, als Zeichen für den ehemaligen Friedhof rund um die Alte Kirche das Grabdenkmal wieder an den ursprünglichen Ort zurückzuführen:
Unterschrieben wurde der Antrag unter anderem von den Lehrern H. Schröder, Dr. Menzel und Dr. Capelle, vom Apotheker Ranke, vom Buchhändler Brüning sowie von Dr. J. Bohls, G. Friese und Georg E. Bohlen.
Literatur Hermann Schröder: Die „alte“ Dionysiuskirche zu Lehe. Unterweserzeitung vom 20. Dezember 1909. Christian Fuhst: Die Dionysiuskirche Alte Kirche in Bremerhaven-Lehe, 1976. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Bremen/Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1977, ISBN 3-422-00348-7. Dieter Riemer: Funde aus der Alten Kirche in Lehe, Niederdeutsches Heimatblatt Nr. 502 vom Okt. 1991 . Ev.-luth. Dionysiuskirche u. ev.-reform. Gemeinde (Hrsg.): Alte Kirche 1803-2002 - 200 Jahre Dionsysiuskirche in Bremerhaven-Lehe, 2003. Harald Helms: Die „Alte Kirche“ in Lehe, in: Hermann Ludewig (Hg.): 750 Jahre Lehe, Bremerhaven 2023, S. 52–54. Dieter Riemer: Der heilige Dionysius von Lehe, in: Hermann Ludewig (Hg.): 750 Jahre Lehe, Bremerhaven 2023, S. 82–84.
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Bremerhaven-Lehe im Kirchengemeindelexikon
Einzelnachweise
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