Die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus) ist eine Art aus der großen Gattung der Glockenblumen (Campanula) innerhalb der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Beschreibung Die Rapunzel-Glockenblume ist eine 30 bis 100 cm hoch werdende mehrjährige krautige Pflanze. Ihre Hauptwurzel ist deutlich verdickt. Die Stängel sind kantig und leicht behaart oder kahl. Die Blätter der Rosette sind umgekehrt eiförmig und gezähnt. Die 1,5 bis 2,5 cm langen, gestielten Blüten sitzen in einer schmalen, traubenähnlichen Rispe mit aufgerichteten kleinen Ästen, die hellvioletten Blütenglocken sind zu einem Drittel eingeschnitten.Campanula rapunculus L. (Rapunzel-Glockenblume). Datenblatt auf FloraWeb, Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 12. Februar 2026.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 20.

Standorte und Verbreitung Die Art wächst auf Halbtrockenrasen, an Weg- und Gebüschrändern und auf Wiesen. Sie bevorzugt mehr oder weniger trockene, nährstoffreiche, lehmige Böden. Sie ist eine Art der Ordnung Origanetalia, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Mesobromion oder Arrhenatherion vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Die Rapunzel-Glockenblume kommt von Südeuropa bis nach Skandinavien vor. Ferner findet man sie in Nordwestafrika, in Sibirien und Nordwestasien. Sie ist ein submediterranes Florenelement. In Europa hat sie ursprüngliche Vorkommen in Spanien, Frankreich, Portugal, Italien, Belgien, den Niederlanden, Schweiz, Deutschland, Polen, Österreich, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau, Ukraine (Krim), Türkei und Russland.

In Deutschland ist sie im westlichen, mittleren und südwestlichen Gebiet recht verbreitet. Im Norden, Osten und auch südlich der Donau ist sie entweder sehr selten oder fehlt ganz. Während die Art in der Schweiz allgemein verbreitet ist, ist sie in Österreich sehr selten im Burgenland zu finden und gilt dort als vom Aussterben bedroht.

Taxonomie und Systematik Die Rapunzel-Glockenblume wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum (Bd. 1, S. 164) als Campanula rapunculus erstbeschrieben.

Man kann die folgenden Unterarten unterscheiden: Campanula rapunculus subsp. lambertiana (A.DC.) Rech.f.: Sie kommt vom südlichen Bulgarien bis Westasien vor. Campanula rapunculus subsp. rapunculus: Sie kommt in Europa und im Mittelmeergebiet vor.

Verwendung Die Wurzel der Rapunzel-Glockenblume ist fleischig verdickt und kann als wohlschmeckendes Wurzelgemüse wie Echter Sellerie (Apium graveolens) oder Rote Bete zubereitet werden. Rohe Wurzelscheiben und Blätter ergeben einen Salat. Im Mittelalter wurden die Pflanzen gesammelt und im Garten kultiviert. Im Elsass und in der Schweiz wurde die Art noch zwischen 1906 und 1929 angebaut. Ähnlich wie beim Feldsalat (Valerianella locusta) wurden im Winter auch die Rosettenblätter geerntet. Demnach ist die Pflanze in freier Natur ein typisches Kulturrelikt.

Trivialnamen Für die Rapunzel-Glockenblume bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Fürwitzlein (Elsaß, Sachsen), Rapünzel (Mark Brandenburg), Rapünzelin, Rapünzle (Bern), Rapünzlein (Zürich), Rapunzel und Rübenrapunzel.Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 75. (online).

Möglicherweise dachten die Brüder Grimm bei ihrem Märchen Rapunzel an die Rapunzel-Glockenblume.

Bilder

Literatur Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4. Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6. August Binz, Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Schwabe & Co. AG, Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-3454-3. Christian August Friedrich Garcke: Illustrierte Flora. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0. Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:

Rafaël Govaerts (Hrsg.): Campanula rapunculus L. Datenblatt bei Plants of the World Online. Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 12. Februar 2026. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Campanula rapunculus subsp. lambertiana (A.DC.) Rech.f. Datenblatt bei Plants of the World Online. Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 12. Februar 2026. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Campanula rapunculus subsp. rapunculus. Datenblatt bei Plants of the World Online. Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 12. Februar 2026. Gerald Parolly: Campanulaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7, S. 743. S. Castroviejo, J.J. Aldasoro & M. Alarcón; with contributions from R. Hand (2010+): Campanula rapunculus. Datenblatt in der Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks

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Thomas Meyer: Rapunzel Glockenblume (Campanula rapunculus L.). Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland.

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