mini|Reformierte Kirche Uster, 2006 Die evangelisch-reformierte Kirche Uster zählt zu den wichtigsten Querkirchen des Schweizer Klassizismus und steht unter Denkmalschutz.
Geschichte mini|Die alte Kirche vor 1823 Eine Kirche ist für Uster ab 1099 urkundlich fassbar. Im Jahrzeitbuch in der Fassung von 1473 findet sich unter dem 1. Januar ein Vermerk, dass am 30. November 1099 Bischof Gebhard von Konstanz diese Kirche geweiht habe. Die Kirche wurde dem Hl. Kreuz, der Muttergottes Maria und des Hl. Andreas und einem weiteren Heiligen geweiht. Als Stifter und Inhaber der Kirche wird Graf Heinrich von Rapperswil erwähnt. Hierbei muss erwähnt werden, dass es unklar ist, ob es sich bei Heinrich um jemanden aus dem Adelsgeschlecht der Rapperswiler handelt.Heimatspiegel Nr. 11/November 1999 (Beilage zum Zürcher Oberländer), Kirchengründung in der urkundenarmen Zeit, 900 Jahre Kirche Uster
Das Dorf Uster erfuhr im Zuge der Industrialisierung des Zürcher Oberlandes zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen beträchtlichen Aufschwung. Der damit verbundene Anstieg der Einwohnerzahl bedingte die Erneuerung des seit dem Mittelalter bestehenden Gotteshauses. 1823 erfolgte der Abriss der mindestens 725-jährigen romanischen Kirche und sofort wurde mit dem Bau der neuen Kirche nach Plänen des Architekten Johannes Volkart begonnen. Schon im Oktober 1824 eingeweiht, wurde der Bau aber erst 1828 mit der Vollendung des Turms abgeschlossen.
Äusseres Das Gotteshaus ist als Querkirche konzipiert und der reformierten Kirche Wädenswil nachempfunden. Dies gilt für die Erscheinungsformen des äusseren Baukörpers wie auch des Innenraums. Die Formensprache ist allerdings im Unterschied zur Barockkirche von Wädenswil eindeutig dem Klassizismus zuzuordnen. Die Kirche erhebt sich auf einem Hügel unterhalb des Schlosses Uster. Der Zugang erfolgt über eine monumentale Freitreppe. Die quergerichtete Kirche verfügt über einen wuchtigen Portikus aus vier Säulen in toskanischer Ordnung, der einem Risalit vorgelagert ist. Neben den drei Portalen der Hauptfassade ist die Kirche auch über Seitenportale mit kleineren Vorzeichen sowie über die Emporenzugänge an der Turmseite zu betreten.
Der Turm mit seinem spitzen Turmhelm und geschweiftem Wimperg für die Turmuhr erinnert an die Kirche von Horgen.
Glocken Im Kirchturm hängen vier Glocken. Sie wurden 1892 von der Glockengiesserei Keller, Zürich-Unterstrass gegossen. Glocke Gewicht Schlagton Inschrift 1 4'209 kg A° Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesu Christo 2 2'188 kg cis′ Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr 3 1'243 kg e′ Die Hand ans Werk, die Herzen himmelan, wo wird allein ein gutes Werk getan 4 511 kg a′ Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit
Innenraum Das Innere der Kirche ist ein quergerichteter Predigtsaal mit einer grossen U-förmigen-Empore und dem aus weissem Marmor gearbeitete Taufstein/Abendmahlstisch am Kreuzungspunkt der Mittelgänge. Hier wird die Referenz an die Kirche Wädenswil deutlich sichtbar. An der Turmwand befindet sich als optischer Bezugspunkt des Raumes eine zweistöckige Kanzel aus Stuckmarmor, die nach Entwürfen von Heinrich Bräm 1838 im klassizistischen Stil ausgeführt wurde.
Der gesamte Kirchenraum wird von hohen Rundbogenfenstern und korinthischen Pilastern dominiert, welche ein Ziergebälk mit Zahnschnittfries tragen. Die in drei Kartuschen gegliederten Deckenstuckaturen von Gotthard Geisenhof weisen eine schlichte klassizistische Formensprache auf.
mini|Orgel von Goll (1963) Orgel Auf der Empore gegenüber der Kanzel befindet sich eine Orgel, die 1963 von Orgelbau Goll (Luzern) gebaut wurde. Seit 1991 wird unter der Leitung des Kirchenmusikers Stefan Schättin in der reformierten Kirche das jährliche Orgelfestival Uster durchgeführt. Die Orgel verfügt über 55 Register (mit drei Verlängerungen und drei Transmissionen) auf drei Manualen und Pedal (elektrische Spiel- und Registertraktur; Schleifladen). Das Instrument wurde 1984, 1997, 2009 und 2025 durch die Erbauerfirma revidiert, umgebaut und erweitert. Die Disposition:
I Hauptwerk C–g3 Principal 16′ Gedacktpommer 16′ Principal 8′ Flauto major 8′ GambaGoll 1997, anstelle von Gemshorn 8′ (1963). 8′ Gedackt 8′ Octave 4′ Hohlflöte 4′ Spitzflöte 4′ Quinte ′ Octave 2′ Mixtur V–VI 2′ Scharf IV 1′ TrompeteNeue Zungen (Goll 1997). 8′ ClaironGoll 1997. 4′ II Rückpositiv C–g3 Suavial 8′ Quintatön 8′ DiscantflöteAb f0. 8′ Gedackt 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Sesquialtera II′+′. ′ Flageolet 2′ Larigot ′ Mixtur IV ′ Terzzimbel III ′ Krummhorn 8′ TremulantGoll 1997. III Schwellwerk C–g3 Rohrgedackt 16′ Principal 8′ Hohlflöte 8′ Salicional 8′ Voix céleste 8′ RohrflöteUmbenennung von Rohrgedackt 8′ (1963). Verlängerung von Rohrgedackt 16′.8′ Octave 4′ Blockflöte 4′ Viola d’amore 4′ Quinte ′ Octave 2′ Nachthorn 2′ Terz ′ Plein jeu IV–VI ′ Zimbel IV ′ BassonVerlängerung von Oboe 8′. 16′ Trompete 8′ Oboe 8′ Clairon 4′ Pedal C–f1 UntersatzVerlängerung von Subbass 16′. 32′ Principalbass 16′ Subbass 16′ ZartbassTransmission von Rohrgedackt 16′ III. Manual (SW). 16′ Principal 8′ Spillflöte 8′ RohrgedacktTransmission von Rohrgedackt 16′ III. Manual (SW). 8′ Octave 4′ RohrflöteTransmission von Rohrgedackt 16′ III. Manual (SW). 4′ Schwiegel 2′ Mixtur V 4′ PosauneNeue Zungen (Goll 1997). 16′ Dulcian 16′ Trompete 8′ Zinke 4′
mini|Samuel Rousseau, Scherzo aus 15 pièces pour orgue. Stefan Schättin an der Orgel der reformierten Kirche Uster
Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P. Spielhilfen: Rieger-Setzeranlage (2025). Alle Teilwerke frei zuteilbar. Zwei Schwelltritte: Registercrescendo und Schweller III. Manual.
Literatur Kunstführer durch die Schweiz. Band 1, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-95-5. Hans Martin Gubler: Reformierte Kirchen von Uster, Gossau, Bäretswil. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Basel 1976, . Michael D. Schmid: Quergebaut. Querkirchen im Kanton Zürich, Stutz Medien, Wädenswil 2018, ISBN 978-3-85928-200-1.
Weblinks
Website der Reformierten Kirchgemeinde Uster
Einzelnachweise
Uster Uster Kategorie:Denkmalschutzobjekt im Kanton Zürich Uster Uster Uster Kategorie:Erbaut in den 1820er Jahren Kategorie:Kulturgut von nationaler Bedeutung im Kanton Zürich Kategorie:Bauwerk in Uster Uster Kategorie:Kultur (Uster) Uster