Die ersten Belege für Juden in Rom stammen aus dem antiken Rom und sind über zweitausend Jahre alt. Die Geschichte der Juden in der Spätantike ist aus verschiedenen lateinischen und griechischen Quellen bekannt. Heutzutage leben in Rom um die 16.000 Juden.

Juden in Rom um die Zeitenwende mini|Reliefdarstellung des römischen Triumphzugs mit Menora nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 am Titusbogen in Rom mini|Detail eines Menorah-Reliefs auf einer Säule, Synagoge von Ostia, 1. Jahrhundert

Erstmals wurden Juden in Italien als Botschafter erwähnt, die durch Judas Makkabäus im Jahr 161 v. Chr. nach Rom geschickt wurden. Sie unterzeichneten laut der biblischen Überlieferung im 1. Buch der Makkabäer einen Vertrag mit dem römischen Senat; Historiker wie A. N. Sherwin-White glauben jedoch nicht an die Historizität dieser Gesandtschaft.Allerdings hält Peter Richardson einen ersten Kontakt zwischen den Juden und Rom durch diese Mission und weitere in den Jahren 150 und 139 v. Chr. zumindest für wahrscheinlich; ders.: Augustan-Era Synagogues in Rome. In: Karl P. Donfried, Peter Richardson: Judaism and Christianity in First-century Rome. William B. Eerdmans, Grand Rapids, Cambridge 1998, S. 17–29, hier S. 18. Als gesichert gilt aber, dass eine Gesandtschaft des Hasmonäers Simon um das Jahr 139 v. Chr. nach Rom geschickt wurde, um das Bündnis mit den Römern gegen die hellenistischen Seleukiden zu stärken . Die Botschafter wurden von der bereits etablierten jüdischen Gemeinde in Rom herzlich empfangen.Zur antiken jüdischen Gemeinde in Rom siehe insgesamt Stefan Krauter: Bürgerrecht und Kultteilnahme. Politische und kultische Rechte und Pflichten in griechischen Poleis, Rom und antikem Judentum (= Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft. Band 127). Walter de Gruyter, Berlin 2004, Kapitel 5.2.5: Das Diasporajudentum II: Juden in Rom, S. 304–324, Kapitel 5.3.4.1: Synagogengemeinden als Vereine oder autonome politische Gebilde – das Beispiel Rom, S. 370–379. Aus dem Jahr 139 v. Chr. ist auch ein Edikt des Praetor peregrinus Gnaeus Cornelius Scipio Hispanus überliefert, in dem er den stadtrömischen Juden befahl, in ihre Heimat zurückzukehren, was Monika Schuol entweder auf eigene Kultausübung oder Missionstätigkeit zurückführt.Monika Schuol: Augustus und die Juden. Rechtsstellung und Interessenpolitik der kleinasiatischen Diaspora. Antike, Frankfurt am Main 2007, S. 246.

Die Zahl der Juden in Rom wuchs deutlich im ersten nachchristlichen Jahrhundert; viele Juden kamen nach der Eroberung Jerusalems und Besetzung Judäas durch Titus im Jahr 70 n. Chr. nach Rom, vor allem als Gefangene und Sklaven; ihre Zahl wird von Cecil Roth auf 100.000 geschätzt. Einigen gelang es, freigelassen zu werden und das römische Bürgerrecht zu erlangen; die meisten von ihnen siedelten sich in den Vorstädten an, zuerst im Transtiberinum und dann auch im Gebiet des Campus Martius und der Subura.Peter Richardson: Augustan-Era Synagogues in Rome. In: Karl P. Donfried, Peter Richardson: Judaism and Christianity in First-century Rome. William B. Eerdmans, Grand Rapids, Cambridge 1998, S. 17–29, hier S. 18 f. Die Juden im Römischen Reich wurden von den staatlichen Autoritäten als collegium oder thiasos, also eine anerkannte Kultgemeinschaft, behandelt. Im Jahr 64 v. Chr. wurden die Sonderrechte der jüdischen Gemeinden wie diejenigen aller anderen collegia durch Senatsbeschluss aufgehoben, aber um 58 wieder zugelassen. Zwischen 49 und 44 v. Chr. ließ Gaius Iulius Caesar alle collegia des Reiches verbieten, nahm aber die jüdischen Gemeinden davon aus, was durch Augustus bestätigt wurde. Caesar erlaubte den Juden Geld zu wechseln und Versammlungen abzuhalten, Augustus behandelte sie mit besonderem Wohlwollen, wie Philon von Alexandria um 41 n. Chr. in der Legatio ad Gaium (156–158) schrieb und anderweitig bestätigt wurde: Augustus habe sie nicht aus Rom vertrieben oder ihr römisches Bürgerrecht genommen, habe ihre Synagogen nicht angetastet und sie nicht davon abgehalten, sich zur Darlegung ihrer Gesetze zu versammeln, und wenn Naturalien zufällig an einem Sabbat verteilt wurden, habe er dafür gesorgt, dass ein Teil für die Juden bis zum nächsten Tag aufgehoben wurde.Mary Beard, John A. North, Simon R. F. Price: Religions of Rome. Band 1: History. Early Rome. Cambridge University Press, Cambridge 1998, S. 230.

Am rechten Tiberufer entstand das jüdische Viertel, der jüdische Bevölkerungsanteil erreichte mit 10 Prozent der Gesamtbevölkerung einen Höhepunkt. Aus Philons von Alexandria Legatio ad Gaium (156) lässt sich schließen, dass es spätestens 40 n. Chr. mehrere Synagogen in Rom gab. Aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. sind die Namen von mindestens elf, möglicherweise vierzehn Synagogen in Rom überliefert.Harry Joshua Leon: The Jews of Ancient Rome. Hendrickson, Peabody, MA 1995 (zuerst 1960), S. 73 f.Leonard V. Rutgers: The Jews in Late Ancient Rome. Evidence of Cultural Interaction in the Roman Diaspora. Brill, Leiden 1995. Man vermutet, dass die Synagoge der Hebraei die älteste in Rom war, ähnlich der Namensgebung in griechischen Städten, in denen die jeweils einzige Synagoge diesen Namen erhielt; die Synagogen mit den Namen Agrippenses und Augustenses wurden – sofern die Benennung wie vermutet zur jeweiligen Lebenszeit der Herrscher erfolgte – vor 12 v. Chr. (Agrippa) beziehungsweise 14 n. Chr. (Augustus) gegründet.Stefan Krauter: Bürgerrecht und Kultteilnahme. Politische und kultische Rechte und Pflichten in griechischen Poleis, Rom und antikem Judentum (= Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft. Band 127). Walter de Gruyter, Berlin, New York 2004, S. 370–372.

In der späten Republik kam es öfters zu Vertreibungen von Personengruppen wie Rhetoren, Wahrsagern, Anhängern des Isiskults und auch Juden aus Rom, ihnen wurde aber jedes Mal kurze Zeit später die Rückkehr gestattet. Die Ausweisung religiöser Gruppen setzte sich bis Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts fort. Im Jahr 19 n. Chr. zog Tiberius 4000 freigelassene Juden zum Militärdienst ein und wies die peregrinen Juden aus Rom und Italien aus (Sueton, Vita Tiberii 36), ähnlich im Jahr 49 n. Chr. Claudius (siehe Sueton, Divus Claudius 25,4, Cassius Dio, ‘Ῥωμαϊκὴ ἱστορία, Buch LX 6,6, Apostelgeschichte ).Eve-Marie Becker: Der jüdisch-römische Krieg (66–70 n. Chr.) und das Markus-Evangelium. In: dies. (Hrsg.): Die antike Historiographie und die Anfänge der christlichen Geschichtsschreibung (= Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft, Band 129). Walter de Gruyter, Berlin 2005, S. 213–236, hier S. 219.Wolfgang Speyer: Was verstand die Antike unter Freiheit? In: Martin Thurner (Hrsg.): Freiheit. Begründung und Entfaltung in Philosophie, Religion und Kultur (= Eugen-Biser-Lectures, Band 3). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, S. 49–89, hier S. 69. Juden, die in großer Zahl in den jüdisch-römischen Kriegen als Sklaven nach Rom gebracht wurden, wurden oft entweder von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Rom freigekauft oder durch ihre römischen Herren freigelassen.

Zu den jüdischen Gemeinden außerhalb Roms zählte die des Hafenvororts Ostia, die seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar ist; dort wurden 1961 archäologische Überreste einer antiken Synagoge gefunden, während in Rom keinerlei bauliche Reste der damaligen Synagogenbauten erhalten sind und alle Schlüsse aus Inschriften und anderen Texten gezogen werden. Aus diesen Inschriften schloss Leonard Victor Rutgers auf einen höheren Grad an Assimilation und Interaktion mit den Nichtjuden Roms als bisher angenommen.Peter Richardson: Augustan-Era Synagogues in Rome. In: Karl P. Donfried, Peter Richardson: Judaism and Christianity in First-century Rome. William B. Eerdmans, Grand Rapids, Cambridge 1998, S. 17–29, hier S. 19.L. Michael White: Synagogue and Society in Imperial Ostia. Archaeological and Epigraphic Evidence. In: ebda., S. 30–67, hier S. 31 f. Für das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. lässt sich belegen, dass die Juden Roms weitgehend Griechisch und teilweise auch Latein sprachen, Aramäisch oder Hebräisch jedoch fast ausschließlich in der Liturgie verwendeten. Die Juden in Rom nutzten zwar die ortsüblichen Schmuckelemente, aber kaum deren Symbole und trugen nur indirekt über das Christentum zu der römischen Symbolik bei. Sie übernahmen aber viele römische Namen, wenn auch nicht das dreigliedrige römische Namenssystem mit Praenomen, Nomen gentile und Cognomen.Graydon F. Snyder: The Interaction of Jews with Non-Jews in Rome. In: Karl P. Donfried, Peter Richardson: Judaism and Christianity in First-century Rome. William B. Eerdmans, Grand Rapids, Cambridge 1998, S. 69–90, hier S. 89 f. Bernadette Brooten hat auf eine herausgehobene – jedenfalls ungewöhnlich sichtbare – Rolle der Frauen in den Diasporagemeinden hingewiesen.Bernadette J. Brooten: Women Leaders in the Ancient Synagogue. Inscriptional Evidence and Background Issues. BJS 36. Scholars Press, Chico 1982. Siehe auch Ross S. Kraemer: Non-Literary Evidence for Jewish Women in Rome and Egypt. In: Helios. Band 13, 1986, S. 85–101.

Juden im christlichen Rom Nach der Anerkennung des Christentums als Religion des Römischen Reiches durch das Edikt von Mailand durch Konstantin im Jahre 313 verschlechterte sich die Situation der Juden in Italien dramatisch. Konstantin der Große verbot den Juden den Besitz christlicher Dienerschaft. Zudem wurde es Christen verboten zum Judentum überzutreten, der Übertritt zum Christentum von Juden dagegen gefördert. Im 4. Jahrhundert kam es nach antijüdischen Kampagnen aus dem Klerus – vor allem niederer und lokaler Geistlicher – zu Unruhen in Rom; die Synagogen wurden angezündet. Papst Leo I. sprach im 5. Jahrhundert von der Bosheit und Blindheit der Juden, und Bischöfe ließen Juden bis ins 6. Jahrhundert hinein verfolgen. Erst unter dem Pontifikat Gregors I. (590–604) wurden die Juden unter Schutz gestellt, was seine Nachfolger fortsetzten.Ulrich Wyrwa: Vatikan (Kirchenstaat). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band 1: Länder und Regionen. Saur, München 2008, S. 397–402, hier S. 397.

Mittelalter und Renaissance Im Mittelalter verschlechterte sich die Situation der Juden Roms deutlich. 1215 beschloss die Kirche im 4. Laterankonzil unter Papst Innozenz III. (1198–1216) eine ganze Reihe einschränkender Bestimmungen. Eine dieser Beschränkungen war die Einführung des gelben Ringes: