Die Signa Holding GmbH (Eigenschreibweise SIGNA) ist ein in Konkurs befindliches österreichisches Immobilien- und Handelsunternehmen. Das Unternehmen wurde 2000 unter dem Namen Immofina von René Benko gegründet, 2006 wurde es in Signa umbenannt. Aus einem Zwei-Mann-Unternehmen, das zunächst auf klassische Immobilienentwicklung ausgerichtet war, wurde ein europäisches Immobilien- und Handelsunternehmen mit Standorten in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und Luxemburg. Die Unternehmensgeschichte ist geprägt von zahlreichen Zukäufen, darunter die Akquisitionen der Warenhausgesellschaften Karstadt (2013/14) und Galeria Kaufhof (2018).
Die Gruppe gliederte sich in zwei Kerngeschäftsbereiche: Signa Real Estate (Immobilien) und Signa Retail (Handel). Die Signa Gruppe wurde vor ihrem Zusammenbruch von Benko so strukturiert, dass sie aus über eintausend Einzelgesellschaften mit teilweise gegenseitigen, schwer durchschaubaren Finanzverflechtungen bestand.
Laut einem Deloitte-Gutachten ist die Zahlungsunfähigkeit der Signa Holding GmbH spätestens am 30. November 2022 eingetreten. Die Insolvenz wurde allerdings erst Ende November 2023 für die Holding angemeldet, in ihrer Folge für auch zahlreiche Tochtergesellschaften. Im April 2024 wurde das Insolvenzverfahren in ein Konkursverfahren abgeändert.
Masseverwalter ist der Anwalt Christof Stapf. Geschichte Aufbaujahre 2000 bis 2010 mini|Kaufhaus Tyrol, Innsbruck (2010)
René Benko begann 1995 in seiner Heimatstadt Innsbruck, ungenutzte Dachböden in Luxuswohneinheiten umzubauen. Das Geschäft war erfolgreich und seine Immobilienaktivitäten wurden umfangreicher. Im Jahr 2000 gründete er Immofina, in die er seine geschäftlichen Tätigkeiten einbrachte, der Name der Gesellschaft wurde 2006 in Signa geändert. Im Jahr 2001 stieg Karl Kovarik, ein vermögender, ehemaliger Tankstellennetzbetreiber, als privater Investor mit rund 25 Millionen Euro ein. Mit dem Geld wurde unter anderem der Kauf des damals heruntergekommenen Kaufhaus Tyrol finanziert und beginnend 2004 zum heutigen Objekt mit 33.000 m² Verkaufsfläche und prestigeträchtigen Mietern aufgewertet. Architekt war David Chipperfield, der später auch andere Objekte für Signa plante. Das Innsbrucker Büro der Signa Holding ist noch heute in den Räumen des Kaufhauses. 2005 wurde der Unternehmensbeirat etabliert, der mit wechselnder Besetzung bis zur Insolvenz aktiv war. Bereits zu Anfang setzte sich der Mitgliederkreis aus namhaften und einflussreichen Personen zusammen. Mit dem griechischen Schiffseigner Georgios Ikonomou ergab sich 2007 eine weitere Zusammenarbeit mit einem finanzstarken Partner. Die Zürcher Falcon Private Bank war wenig später ebenfalls ein Investor.
2007 erwarb Signa von der in Schwierigkeiten geratenen BAWAG ein Immobilienpaket, bestehend aus 16 Gebäuden in Wien, Graz und Innsbruck. Die Objekte in Wien waren der Grundstein zum Bau des Goldenen Quartiers. 2008 kaufte Signa in Wien die ehemalige Zentrale der Länderbank mit der Anschrift Am Hof Nr. 2, das Objekt wurde später zum Luxushotel Park Hyatt Vienna umgebaut. Damit war das Tiroler Unternehmen auch in der Hauptstadt Wien aktiv.
Wachstumsjahre ab 2010 Übernahme von Karstadt Der Erwerb von Karstadt zusammen mit der KaDeWe-Gruppe erfolgte in mehreren Teilschritten. 2011 erwarb Signa von der amerikanischen Investorengruppe Highstreet Holding zusammen mit dem Düsseldorfer Projektentwickler Centrum-Holding je zur Hälfte das Gebäude zum Münchner Kaufhaus Oberpollinger einschließlich Sporthaus für 250 Mio. Euro. Im Dezember 2012 kaufte Signa zusammen mit dem Diamantenhändler Benny Steinmetz für 1,1 Mrd. Euro von Highstreet Holding ein weiteres Immobilienpaket von 17 Karstadt Warenhäusern einschließlich des KaDeWe in Berlin. Alle Objekte waren langfristig an Karstadt vermietet.
Im September 2013 erwarb Signa eine Beteiligung an der operativen Karstadt Premium GmbH und an der operativen Karstadt Sports GmbH von der Berggruen Holdings des deutsch-amerikanischen Unternehmers Nicolas Berggruen für 300 Mio. Euro. Die Mittel sollten gemäß Vereinbarung zur Stärkung der Karstadt-Warenhausgruppe verwendet werden und zur Modernisierung der einzelnen Standorte dienen. Zur Karstadt Premium GmbH gehörten die drei Luxuswarenhäuser Kaufhaus des Westens in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Karstadt Sports war mit seinen 28 Sport-Häusern einer der führenden Anbieter im stationären Sportartikelhandel in Deutschland.
Im August 2014 erwarb Signa 100 % der Eigentumsanteile an der operativen Karstadt Warenhaus GmbH als auch die restlichen Anteile an der Karstadt Premium GmbH und der Karstadt Sports GmbH. Die Berggruen Holdings zog sich damit vollständig aus dem operativen Geschäft der Karstadt Gruppe zurück, wie auch aus den Beteiligungen an einzelnen Karstadt-Immobilien.
Die Karstadt Premium GmbH wurde im Frühjahr 2015 zur The KaDeWe Group GmbH umfirmiert und der Sitz wurde von Essen nach Berlin verlegt. Der Mehrheitsanteil (50,1 %) wurde im Juni 2015 an die thailändische Central Group (bzw. deren italienische Tochter La Rinascente) veräußert und 49,9 % blieben bei Signa.
Nach Abschluss der Zukäufe haben Signa und der Finanzpartner Benny Steinmetz mit seiner BSGR-Gruppe den erworbenen Karstadt Komplex untereinander aufgeteilt. Im Jänner 2015 übernahm BSGR zu 100 % rund 20 Karstadt-Immobilien (z. B. Nürnberg, Köln, Konstanz usw.), die an Karstadt vermietet waren. Das operative Handelsgeschäft der Karstadt Warenhaus GmbH blieb davon unbenommen. Signa erwarb zu 100 % die drei Immobilien der KaDeWe Group, das Karstadt Objekte in Berlin am Ku’damm und das Haus in Stuttgart. Außerdem gab BSGR ihre bisherigen Anteile an Signa ab.
Übernahme von Galeria Kaufhof und Fusion mit Karstadt Signa hatte nach dem Erwerb von Karstadt wiederholt Interesse an Galeria Kaufhof bekundet, um zusammen mit Karstadt eine „Deutsche Warenhaus AG“ (Arbeitstitel) zu formen. Der Eigentümer von Galeria Kaufhof, die Hudson Bay Company (HBC), die wenig Glück mit ihrem erst 2015 erworbenen Engagement hatte, stimmte schließlich im Juli 2018 einem mehrheitlichen Erwerb von Galeria Kaufhof durch Signa zu.
Im September 2018 wurden die Fusionspläne von Galeria Kaufhof und Karstadt veröffentlicht. Die Vereinigung der beiden vormaligen Konkurrenten erfolgte in Form eines Gemeinschaftsunternehmens unter dem Dach der Signa Retail, an dem Signa mit 50,01 % die knappe Mehrheit erhielt. Die neue Warenhausgruppe, bestehend aus 34.000 Beschäftigten, fast 200 Kaufhäusern und 5,4 Mrd. Euro Umsatz, wurde nach El Corte Inglés der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas. Im November 2018 stimmte das Kartellamt der Fusion von Karstadt und Kaufhof unter Leitung der Signa-Gruppe zu. Am 10. Juni 2019 gab HBC bekannt, ihren Anteil am Gemeinschaftsunternehmen für 1,5 Milliarden Dollar an die Signa Holding zu veräußern, die damit Alleineigentümerin wurde. Die Transaktion wurde bis zum Herbst 2019 abgeschlossen.investor.hbc.com/news-releases/news-release-details/hbc-agrees-sell-remaining-european-real-estate-and-divest
Die Geschäftslage des neuen Warenhauskonzerns verlief unbefriedigend. Am 1. April 2020 beantragte das Unternehmen bei Gericht ein Schutzschirmverfahren. Die Gläubiger erklärten ihre Bereitschaft, auf gut 2 Mrd. Euro zu verzichten. Aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhielt das Unternehmen ein nachrangiges Darlehen über 460 Mio. Euro. Das Insolvenzverfahren wurde daraufhin am 30. September 2020 beendet. Im Zuge dieser Entwicklung ging die Zahl der Kaufhäuser auf 130 und die Zahl der Mitarbeiter auf 16.000 zurück. Im Jänner 2022 wurde Galeria Karstadt Kaufhof ein zweites Nachrangdarlehen in Höhe von 250 Mio. Euro aus demselben Fonds gegeben. Am 31. Oktober 2022 stellte das Unternehmen erneut einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren. Ein Sanierungsplan wurde erstellt, der die Schließung von weiteren 42 Kaufhäusern beinhaltet und 4000 bis 5000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kostet. Die Gläubiger waren bereit auf über 1,3 Mrd. Euro zu verzichten. Das zweite Insolvenzverfahren wurde zum 1. Juni 2023 beendet.
Am 9. Jänner 2024 beantragte das Unternehmen zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Essen. Im Zuge dessen sucht das Unternehmen einen neuen Eigentümer für die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof.
Expansionen im Handelsbereich mit Sportartikeln Anfang November 2016 beteiligte sich Signa Retail mit 87 % am Spezialversender für Fahrrad- und Outdoor-Produkte Internetstores. Internetstores war Stand 2017 mit Online-Shops in 14 europäischen Ländern aktiv. Zum Portfolio gehören im Bereich Outdoor der deutsche Online-Händler Campz und das schwedische Internetunternehmen Addnature. Im Fahrradsegment ist Internetstores mit Fahrrad.de und Brügelmann vor allem in Deutschland aktiv, mit Bikester in ganz Europa.
Ende 2016 beteiligte sich Signa Retail mit 78 % mehrheitlich am Multichannel-Retailer Tennis-Point und baute ihr Portfolio im Bereich des Sportartikel-Einzelhandels weiter aus. Die Unternehmensgründer Christian Miele und Thomas Welle leiteten das Unternehmen weiterhin und behielten 22 % der Anteile. Tennis-Point hat mit seinem Angebot von über 12.000 Tennis- und Laufartikeln von über 100 verschiedenen Sportmarken, Eigenmarken und Exklusivmarken eine breite Produktpalette, die in den 19 Onlineshops und den zwölf Filialen an verschiedenen Standorten der D-A-CH-Region vertrieben werden.
Größere Immobilientransaktionen Anfang Jänner 2017 kaufte die Signa Real Estate den Wiener Bauträger BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH. Im November 2017 erwarb die Signa Prime Selection für 1,5 Mrd. Euro fünf Immobilien: das Upper West in Berlin, das Kaufmannshaus und die Alsterarkaden in Hamburg, die Projektentwicklung UpperZeil in Frankfurt am Main sowie 50 % Beteiligung am Projekt Karstadt am Münchner Bahnhof. (Die übrigen 50 Prozent waren bereits im Besitz der Signa Prime.) Es galt als das größte Immobiliengeschäft 2017 in Deutschland.
Rekordjahre 2019/20 Für das Geschäftsjahr 2019 berichtete Signa Holding von einem Gewinn von 1,1 Mrd. Euro. Das Gesamtvermögen des Unternehmens stieg nach Signas Angaben um rund die Hälfte auf 15 Milliarden Euro. Der Gewinn im Folgejahr 2020 betrug 800 Mio. Euro.
Liquiditätsprobleme 2023 mini|hochkant=1.8|Struktur der Signa Holding GmbH Unternehmensgruppe
Der Investigativjournalist Rainer Fleckl, der sich seit 2018 mit Rene Benko und seiner Firmengruppe befasst, konstatiert: „Die Signa ist aufgebaut auf vorsätzliche[r] Verschleierung bzw. organisiertem Gesetzesbruch.“ Er begründet dies damit, dass konsequent über Jahre die gesetzlich vorgesehenen Geschäftsabschlüsse verweigert wurden, die Strafen gegen die Geschäftsführer von den Firmen übernommen und dann auch noch von der Steuer abgesetzt wurden. Der Anstieg der Leitzinsen durch die Zentralbanken (Zinswende) seit September 2022 bewirkte einen Zinsanstieg am Kapitalmarkt. Die in Folge der Expansion in den letzten Jahren hoch verschuldete Signa-Gruppe musste einen deutlich gestiegenen Zinsaufwand verkraften. Hinzu kamen bilanzielle Wertberichtigungen auf den Immobilienbesitz gemäß International Financial Reporting Standards, wobei eine Vermögensbewertung zu aktuellen Marktpreisen erfolgt. Zusammen mit gestiegenen Baukosten führte diese Entwicklung zu Liquiditätsproblemen. Um laufende Bauprojekte zu finanzieren und den Weiterbetrieb der Baustellen sicherzustellen, benötige das Unternehmen nach Recherchen des Manager Magazins eine Summe von rund 400 Millionen Euro, die auch über den Verkauf bestimmter Immobilien sichergestellt werden sollen. Die zuvor zugesagte finanzielle Unterstützung der Tochtergesellschaft Signa Sport United (SSU) blieb aus, was im Oktober 2023 eine Insolvenzanmeldung der SSU zur Folge hatte.