Der Landratsbezirk Kirtorf war ein Landratsbezirk in der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen. Er bestand von 1821 bis 1832.
Geschichte Entstehung Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichtsbezirken (zuständig für die Rechtsprechung) neu organisiert. Der Landratsbezirk Kirtorf entstand dabei aus: dem Amt Homberg an der Ohm, einem Teil des Amtes Romrod,Nämlich: Angenrod, Billertshausen, Gleimenhain, Heimertshausen, Kirtorf, Leusel und Zell. dem Eußergericht, einem Kondominat zwischen dem hessischen Staat und den Freiherren von Schenck zu Schweinsberg, und dem Patrimonialgericht Rülfenrod der Freiherren von Schenck zu Schweinsberg.
Die Aufgaben der Rechtsprechung erster Instanz, die die nun aufgelösten Ämtern wahrgenommen hatten, wurden dem ebenfalls neu gegründeten Landgericht Homberg an der Ohm übertragen.
Weitere Entwicklung 1822 verzichteten die Freiherren von Schenck zu Schweinsberg im Eußergericht auf die Mitwirkung in Angelegenheiten der Verwaltung, so dass der staatliche Landrat in diesen Angelegenheiten nun allein handeln konnte.Die Aufhebung der gerichtlichen, polizeilichen und administrativen Gerechtsame im gemeinschaftlichen Euser-Gericht vom 13. März 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 13, 10. April 1822, S. 168. Weiter verzichteten sie auf ihre Rechte in ihrem bisherigen Patrimonialgericht Rülfenrod.Abtretung der Patrimonial-Gerechtsame in den Orten Herrmannstein, Rülfenrod und Wisselsheim betreffend vom 17. April 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 16, 29. Mai 1822, S. 187.
Im Laufe der Zeit wurden noch Korrekturen in der örtlichen Zuständigkeit des Landratsbezirks vorgenommen: Leusel (1821)Die Zutheilung des Orts Leusel zu dem Landrathsbezirke Romrod und Landgericht und Rentamtsbezirke Alsfeld betreffend vom 15. September 1821. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 47, 8. Oktober 1821, S. 602. und Zell (zum 1. Januar 1823) wechselten in den Landratsbezirk Romrod. Zumindest letzteres geschah auf Druck der Betroffenen, die mit der ursprünglichen Zuteilung nicht zufrieden waren und ein entsprechendes „Gesuch“ an die Regierung gerichtet hatten.Die Zutheilung der Gemeinde Zell zu dem Landrathsbezirk Romrod, und zum Landgericht und Rentamt Alsfeld betreffend vom 14. Dezember 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 38, 27. Dezember 1822, S. 535. Die Gemeinde Ermenrod kam 1831 zum Landratsbezirk Grünberg.Bekanntmachung, die Zutheilung der Gemeinde Ermenrod zu dem Landrathsbezirke und Landgerichte Grünberg betreffend vom 19. Februar 1831. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 19, 11. März 1831, S. 95.
Auflösung In der Gebietsreform 1832 wurden die Landratsbezirke aufgelöst und zu größeren Kreisen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376. Deren Zuschnitt wurde kurz darauf mit einer weiteren Verordnung festgelegt. Der Landratsbezirk Kirtorf wurde dabei mit dem Landratsbezirk Alsfeld zum Kreis Alsfeld zusammengelegt.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (563).
Interne Organisation Einteilung Der Landratsbezirk war in 21 Bürgermeistereien eingeteilt, die dem Landrat unterstanden. Dabei wurden häufig mehrere kleinere Ortschaften durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 standen den Gemeinden ein gewählter Ortsvorstand vor, der sich aus Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte. Schultheißen wurden nicht mehr eingesetzt.Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3, Darmstadt 1830, S. 143 ff. (Google Books)
Bürgermeistereien Angenrod, Appenrod mit Dannenrod, Arnshain mit Bernsburg, Büßfeld mit Bleidenrod (ehemals: Amt Burg-Gemünden), und Schadenbach, Burg-Gemünden (ehemals: Amt Burg-Gemünden), Deckenbach mit Höingen, Ehringshausen, mit Oberndorf, Elpenrod mit Hainbach (beide ehemals: Amt Burg-Gemünden), Erbenhausen mit Lehrbach, Ermenrod (ehemals: Amt Burg-Gemünden und 1831 an den Landratsbezirk Grünberg), Gleimenhain, Heimertshausen mit Billertshausen, Homberg, Kirtorf, Maulbach, Niedergemünden mit Otterbach (beide ehemals: Amt Burg-Gemünden) Nieder-Ofleiden, Obergleen, Oberofleiden mit Gontershausen und Haarhausen, Rülfenrod und Wahlen.
Landräte 1824Dienstbestellungen und Dienstbeförderungen. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 4, 1. März 1824, S. 27.–1826 Ludwig BötticherEr war vorher Richter am Landgericht Homberg an der Ohm und danach Landrat im Landratsbezirk Battenberg und später Kreisrat im Kreis Biedenkopf. 1826–1830 Ferdinand von SteinPaul Schnitzer: Verwaltungsbeamte im Gebiet des heutigen Kreises Bergstraße seit 1821. In: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 6. Laurissa, Lorsch 1973, S. 7–56 (48).
Parallele Fachverwaltungen Finanzen Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) waren die Rentämter zuständig. Alle Orte Bezirks war dem Rentamt Homberg zugeteilt.
Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war die Ober-Einnehmerei Romrod zuständig. Der Steuerbezirk Kirtorf waren in drei Distrikts-Einnehmereien gegliedert denen die folgenden Bürgermeister zugeordnet waren. Ehringshausen mit Angerod, Billertshausen, Burggemünden, Elpenrod, Ermenrod, Haimbach, Helmertshausen, Niedergemünden, Oberndorf, Otterbach und Rülfenrod Homberg mit Bleidenrod, Büßfeld, Deckenbach, Gontershausen, Haarhaufen, Höingen, Maulbach Niederofleiden, Oberofleiden und Schadenbach Kirtorf mit Appenrod, Arnshain, Bernsburg, Dannerod, Erbenhausen, Gleimenhain, Lehrbach, Obergleen und Wahlen
Der Bezirk gehörte zum Hauptzollamt Alsfeld und hatte die Nebengrenzzollämter II. Klasse in Arnshain, Lehrbach und Niederofleiden.
Forst Aus dem Landratsbezirk gehörten zum „Forst Burggemünden“ die folgenden Forstreviere: Haimbach mit Burggemünden, Elpenrod, Ermenrod, Niedergemünden, Oberndorf, Otterbach und Schadenbach Homberg mit Bleidenrod, Büßfeld, Deckenbach, Gontershausen, Haarhausen, Hoingen, Niederofleiden und Oberofleiden Maulbach mit Appenrod, Dannerod, Ehringshausen, Erbenhausen, Heimerlihausen, Obergleen und Rülfenrod Wahlen mit Arnshain, Bernsburg, Gleimenhain, Kirtorf und Lehrbach
Kirche Die die Orte des Landratsbezirks bilden 13 evangelische Pfarreien die zum „Inspektorat Kirtorf“ gehören: Bernsburg mit Arnshain Billerlshausen mit Angerod, Gethürms, Heimertshausen und Zell (sud Landratsbezirk Romrod) Burggemünden mit Bleidenrod Ehringshausen mit Oberndorf und Rülfenrod Ermentod Homberg Kirtorf Lehrbach mit Erbenhausen Maulbach mit Appenrod und Dannerod Niedergemünden mit Elpenrod, Haimbach und Otterbach Obergleen Oberofleiden mit Büßfeld, Deckenbach, Gontershausen, Haarhausen, Höingen, Niederofleiden und Schadenbach Wahlen mit Gleimenhain
Historische Beschreibung Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Kirtorf:
Die Lage wird beschrieben als:
Die Natürliche Beschaffenheit als:
Die Bevölkerung als:
Die Naturprodukte als:
Das Gewerbe und Handel als:
Literatur Willi Görich: Verwaltungs-Einteilung 1821 [Karte] = Taf. 25a. In: Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Marburg 1960–1978. [de/subjects/idrec/sn/ga/id/45 Digitalisat]
Ulrich Reuling: Verwaltungs-Einteilung 1821–1955. Mit einem Anhang über die Verwaltungsgebietsreform in Hessen 1968–1981. In: Fred Schwind (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Text- und Erläuterungsband. Thorbecke, Sigmaringen 1984. ISBN 3-921254-95-7 [downloads/ga/24-26b.pdf#zoom=50 Digitalisat] (PDF)
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kirtorf Kategorie:Homberg (Ohm) Kategorie:Kirtorf Kategorie:Geschichte (Vogelsbergkreis) Kirtorf Kategorie:Aufgelöst 1832