mini|Eduard Baldamus (1856)

August Carl Eduard Baldamus (* 18. April 1812 in Giersleben; † 30. Oktober 1893 in Wolfenbüttel) war ein deutscher Ornithologe, Lehrer und evangelischer Theologe.

Leben Der Vater war der Kantor und Lehrer Johann Friedrich Baldamus. Die Mutter hieß Wilhelmine und war eine geborene Döring. Im Jahr 1826 verstarb der Vater, so dass der junge Gymnasiast Eduard schon früh gezwungen war, sich teilweise selbst um seinen Lebensunterhalt zu kümmern. Er besuchte die Gymnasien in Aschersleben und Köthen und studierte nach dem bestandenen Abitur im Jahre 1833 an der Universität zu Berlin Evangelische Theologie.Rudolf Blasius, S. 161. Während seines letzten Studienjahres bekleidete er die Stelle eines Erziehers und Lehrers im Hause des Grafen Perponcher.Paul Leverkühn, S. 473. Im Jahre 1838 wurde er Lehrer am Gymnasium und der höheren Töchterschule in Köthen. Schließlich wurde er 1849 Pfarrer in Diebzig und 1858 in Osternienburg. 1858 heiratete er Louise Marie Böckel in Magdeburg, 1868 Marte Anna Bäumler in Halle. Nachdem er 1865 eine Auszeit genommen hatte, zog er nach Halle, wo er im Jahr 1868 emeritierte. 1870 folgte der nächste Umzug nach Coburg. Zwei seiner Ehefrauen verstarben. 1893 zog er mit seiner dritten Frau nach Wolfenbüttel, um bei einer seiner Töchter den Lebensabend zu verbringen. Hier starb er schon bald an einem Schlaganfall.Rudolf Blasius, S. 162.

Baldamus der Ornithologe Schon in frühester Jugend faszinierte Baldamus die Vogelwelt in Wald und Feld. Da in dieser Zeit der Vogelfang nicht reglementiert war, zählte der Vogelherd zu seinen beliebtesten Forschungsgebieten. Die Leidenschaft für Vögel behielt er auch in seiner Zeit als Theologe. Mit seinem Hobby stand er in guter Tradition mit anderen Theologen wie dem Pfarrer Christian Ludwig Brehm (1787–1864), dem österreichischen Pater Blasius Hanf (1808–1892) und dem bayerischen Pfarrer Andreas Johannes Jäckel (1822–1885). Den größten Einfluss auf seinen ornithologischen Werdegang hatten sicherlich Johann Andreas Naumann (1744–1826) und dessen Söhne Johann Friedrich Naumann (1780–1857) und Carl Andreas Naumann (1786–1854). Die Verbundenheit mit den Naumanns manifestierte sich auch in seinem Artikel Die drei Naumanns. Eine Naturforscherfamilie aus dem Jahre 1866Reinhard Rochlitzer, S. 2. und seiner Rede bei der Enthüllung des Naumanndenkmals 1880, das bereits 33 Jahre zuvor unter seiner Schirmherrschaft geplant worden war.Anton Reichenow u. a., S. 169–172 Diese Rede wurde 1880 im Ornithologischen Centralblatt abgedruckt. Neben seinen theologischen Vorlesungen besuchte er zoologische bei Martin Hinrich Carl Lichtenstein (1780–1857), musikwissenschaftliche bei Professor Adolf Bernhard Marx (1795–1866) und zusätzlich verschiedene philologische Vorlesungen. All diese Ausbildungen unterstützten seine Passion, dem Studium der Vogelkunde.

Ab 1842 unternahm Baldamus zahlreiche ornithologische Reisen und so legte er die Grundlage für eine beachtliche Eiersammlung. Auf Einladung des Erzherzogs Stefan Franz Viktor von Österreich besuchte er 1847 die Untere Donau (Karpatendurchbruch der Donau im Eisernen Tor bis zur Mündung im Schwarzen Meer), welche als Eldorado für Vogelfreunde galt. Fast jährlich unternahm er kleinere und größere Exkursionen. 1867 besuchte er die Alpen des Ober- und Unterengadin. Weitere Reisen führten ihn auf die Nordseeinseln Schleswig-Holsteins, nach Belgien, Nordfrankreich und Norditalien.Rudolf Blasius, S. 163.

Bedingt durch sein Engagement war er mit vielen bekannten Ornithologen seiner Zeit in Kontakt. Neben Brehm und seinen Söhnen zählten Johann Heinrich Blasius (1809–1870) und dessen Söhne Rudolf (1842–1907) und Wilhelm (1845–1912) und Adolph Nehrkorn (1841–1916) zu seinem Freundeskreis. Seine Heimatverbundenheit führte dazu, dass er sowohl die Führung einer Expedition von Baron Johann Wilhelm von Müller (1824–1866) in den Sudan als auch den Verbleib in Paris auf Bitte von Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857) dankend ablehnte. 1858 wurde er von der philosophischen Fakultät der Universität Rostock zum Dr. phil. hon. causa ernannt. Vom 4. bis 14. April 1884 fand in Wien der »Erste Internationale Ornithologische Congress« statt, an dem Baldamus teilnahm.Rudolf Blasius, S. 164.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten waren in der Tradition Naumanns auf die Avifauna Europas fokussiert und hier konzentrierte er sich vorwiegend auf deren Fortpflanzungsgeschichte und die Oologie. In seiner Spätzeit in Coburg widmete sich Baldamus hauptsächlich der Geflügelzucht. So publizierte er zwischen 1878 und 1881 zwei Bände mit dem Titel Handbuch der Federviehzucht, ein Werk, das sich an Lewis Wrights (1838–1905) Buch The illustrated book of poultry orientierte. 1876 veröffentlichte er Vogelmärchen, ein Buch das 1879 von O. Grimm ins Russische übersetzt wurde. Sein letztes Werk erschien kurz vor seinem Tode im Jahr 1892 unter dem Titel Das Leben der europäischen Kuckucke, eine Vogelart, die ihn zeit seines Lebens faszinierte. Hier galt Baldamus auch international als angesehene Koryphäe.Unbekannt (The Ibis), S. 148.

Neben der Ornithologie lag ihm der Naturschutz am Herzen und so veröffentlichte er 1868 Schützet die Vögel. Auch dieses Werk wurde 1878 von Jules Eissen, und L. Meunier ins Französische übersetzt und erschien unter dem Titel Protégez les oiseaux.Rudolf Blasius, S. 165.

Bei vielen Artikeln anderer Autoren in der Naumannia nahm sich Baldamus die Freiheit, diese mit seinen Erfahrungen in Form von Fußnoten zu kommentieren.

Naumannia und Deutsche Ornithologen-Gesellschaft 1849 gründete Baldamus die ornithologische Zeitschrift Naumannia, da die von Ludwig Thienemann (1793–1858) veröffentlichte Rhea. Zeitschrift für die gesammte Ornithologie bereits nach zwei Ausgaben eingestellt werden musste. Die Zeitschrift wurde zunächst das erste offizielle Organ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G).Weblink Deutsche Ornithologen-Gesellschaft

Im Jahr 1845 regte Baldamus ein Treffen einiger Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Köthen an, mit dem Ziel, eine Ornithologische Sektion zu etablieren. Zum ersten Treffen erschienen 32 Ornithologen. Dies waren die Vorboten für die Gründung der DO-G. Vom 1. bis 3. Oktober 1850 trafen sich 12 Ornithologen in Leipzig und verabschiedeten die ersten provisorischen Statuten der DO-G. Anwesend waren der u. a. der Inspektor des naturhistorischen Museums Robert Tobias, der Arzt Ernst Schnürpel, der Pastor Heinrich Zander (1800–1876), Rektor Carl Wilhelm Gottfried Paeßler, der Fabrikbesitzer G. Heinrich Kunz, Professor Dr. Johann Friedrich Naumann, der Naturforscher Richard Freiherr Koenig von und zu Warthausen (1830–1911), der Gutsbesitzer Johann Kratzsch (1809–1887), der Lizenziat Friedrich Wilhelm Assmann und Baldamus.Erwin Stresemann (1948), S. 210. Baldamus wurde zum provisorischen Sekretär, Kratzsch zum Rendanten gewählt. Vorbehaltlich der Zustimmung der Abwesenden wurden Naumann, Zander, Eugen Ferdinand von Homeyer (1809–1889), Martin Hinrich Lichtenstein (1780–1857) und Pastor Brehm in den Vorstand gewählt.Ornithologen – Versammlung (1850), S. 89.

Vom 11. bis 15. Juni 1851 wurden in Berlin schließlich die endgültigen Statuten beschlossen. Die DO-G war zu diesem Zeitpunkt die erste ornithologische Gesellschaft überhaupt. Bei diesem Treffen waren unter den Anwesenden dieses Mal u. a. auch Lichtenstein, Chr. L. Brehm, E. von Homeyer, Thienemann, Casimir Graf von Wodzicki (1816–1889), Gustav Hartlaub (1814–1900), Niels Kjærbølling (1806–1871), Jean Louis Cabanis (1816–1906), Theobald Johannes Krüper (1829–1917) und Fürst Bogusław Radziwiłł (1809–1873). Baldamus wurde als Sekretär bestätigt, und zusammen mit Naumann und Cabanis ins Redaktionskomitee gewählt.Protokoll fünften Versammlung (1851), S. 3.

Bei der sechsten Versammlung der Gesellschaft im Jahre 1852, die vom 5. bis 9. Juli in Altenburg stattfand, wurde Baldamus zusammen mit Zander und von Homeyer das Ehrendiplom der DO-G überreicht.Protokoll sechsten Versammlung (1852), S. 4.

Die Naumannia widmete sich vornehmlich der europäischen Avifauna und ihr Schwerpunkt lag in den Bereichen Oologie und Nidologie, Fachgebiete, die vor allem dem Forschungsgebiet ihres Herausgebers Baldamus dienten. Die einseitige Forschungsrichtung widersprach den Vorstellungen Cabanis', Hartlaubs und des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied (1782–1867). Es führte zu unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten und schließlich im Jahre 1853 zur Publikation eines Konkurrenzjournals, des Journals für Ornithologie durch Cabanis.Herman Schalow, S. 334. Bei der achten Jahresversammlung 1854 in Gotha wurde schließlich das Journal für Ornithologie als zusätzliches zweites Organ der DO-G neben der Naumannia akzeptiert. Cabanis schrieb in seinem Protokoll zum Treffen:

Während das Journal für Ornithologie immer populärer unter den Wissenschaftlern wurde, verlor die Naumannia trotz der Versuche Baldamus', seine Zeitschrift zu retten, immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 1858 erschien schließlich die letzte Ausgabe der Zeitschrift. Von 1860 bis 1866 waren sowohl Cabanis als auch Baldamus Herausgeber des Journals für Ornithologie. So stand in dieser Zeit auf dem Deckblatt:

Der Streit zwischen Cabanis und seinen Anhängern und Baldamus und seinem Lager schwelte weiter, so dass Cabanis im Jahr 1866 einen Aufruf zur Gründung einer zweiten Gesellschaft mit dem Namen "Deutsche ornithologische Gesellschaft" startete. Bei der ersten Sitzung der neuen Gesellschaft war Baldamus zwar anwesend, doch dies nur als Gast. Ein Mitglied bei der Gesellschaft wurde er nicht.Carl August Bolle u. a., S. 408, S. 416–417.

Auch in der alten Gesellschaft schwand sein Rückhalt. Baldamus wurde apathisch und so wurde er 1867 von Dr. Bernard Altum (1824–1900) als Sekretär abgelöst.Erwin Stresemann (1951), S. 333. Nachdem Altum wegen Überlastung nach kurzer Amtszeit den Posten an seinen Schüler Ferdinand Freiherr von Droste zu Hülshoff (1841–1874) übergeben hatte, versuchte dieser, von Baldamus das Vermögen der Gesellschaft einzufordern. Bei der 17. Versammlung in Kassel vom 18. bis 21. Mai 1869 wurde beschlossen, ein letztes Mal an die Ehre Baldamus' zu appellieren.Ferdinand von Droste zu Hülshoff, S. 13. Außerdem wurde auf dieser Versammlung sein Verhalten hinsichtlich eines Denkmals für Naumann kritisiert, eines Projekts, das Baldamus schon im Oktober 1850 angeregt hatte.Ferdinand von Droste zu Hülshoff, S. 14. Trotz aller Kritik hielt er am 6. November 1880 die Festrede zur Errichtung des Naumann-Denkmals im Schlosspark von Köthen.

Es dauerte bis ins Jahr 1876, als sich schließlich beide Gesellschaften wieder vereinigen. Baldamus hatte in der neuen Gesellschaft keine Bedeutung mehr.Alfred Edmund Brehm u. a., S. 98ff

Im Jahr 1866 ernannte ihn die British Ornithologists’ Union zum Ehrenmitglied der Gesellschaft.Alfred Newton, S. VI

Werke Jahr 1849

Jahr 1850

Jahr 1851

Jahr 1852

Jahr 1853

Jahr 1854

Jahr 1855

Jahr 1856

Jahr 1857

Jahr 1858

Jahr 1859

Jahr 1860

Jahr 1861

Jahr 1862

Jahr 1866

Jahr 1867

Jahr 1868

Jahr 1869

Jahr 1870

Jahr 1871

Jahr 1876

Jahr 1878

Jahr 1880

Jahr 1881

Jahr 1882

Jahr 1884

Jahr 1886

Jahr 1889

Jahr 1892

Literatur

Eduard Baldamus. In: Hohenheimer Lexikon der Agrarbiografien. Hohenheim, 2025. S. 91 (Digitalisat).

Weblinks

150 Jahre „Deutsche Ornithologen-Gesellschaft“

Einzelnachweise

Kategorie:Ornithologe Kategorie:Naturschützer Kategorie:Autor Kategorie:Evangelischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1812 Kategorie:Gestorben 1893 Kategorie:Mann