mini|Blaufuchsmantel mit Strickstoff (Stephanie Metz, 2001) mini|hochkant|Blaufuchsfell, polnische Zucht
Als Blaufuchsfell wird das Fell des Polarfuchses (im Farbschlag Blaufuchs) bezeichnet. Der andere der beiden zoologischen Farbschläge wird Weißfuchs genannt, dessen Fell (das Polarfuchsfell), ebenfalls eine Pelz-Handelsware darstellt.
Der Blaufuchs, ein Weißfuchs-Farbschlag, gilt als wertvoller als das verfilztere und kleinere Fell des Weißfuchses. Fast weiße Blaufüchse mit nur leicht angedeuteter dunklerer Fellmitte werden als Shadowfuchs gehandelt; reinweiße Felle gegenüber dem Endverbraucher meist, wie das des Polarfuchses, als Weißfuchs.
In der Fachsprache der Rauchwarenbranche werden die dunklen, blaustichigen Winterfelle aller Fellarten als „blau“ bezeichnet, nicht nur die der „Blau“füchse, im Gegensatz zu „rot“, den eher helleren und deshalb meist weniger geschätzten Farbvarianten der gleichen Fellart.
Der Pelzhandel zählt das Blaufuchsfell zu den so genannten Edelfuchsfellen, wie das Silberfuchsfell, das Polarfuchsfell und das Kreuzfuchsfell.
Die wildlebenden europäischen Populationen des Blau- und des Polarfuchses sind nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.
Fell Die Felle aus Wildfängen sind etwa 50 bis 65 cm lang, der Schweif 25 bis 35 cm, die Felle männlicher Tiere sind nur wenig größer als die der weiblichen. Felle aus Zuchten sind erheblich größer.
Das lange und sehr seidige Haar variiert von blaubraun und hellstem „café au lait“ bis hellblaugrau und tief dunkelbraun, mitunter fast schwarz mit Schattierungen nach rostrot und lehmigschmutzig, teilweise mit Silberhaar. Das Sommerfell ist dunkelschwarzbraun und meist etwas bräunlicher als das Winterfell.
Der Haarwechsel beginnt häufig gegen Ende der Ranz, am Fell trächtiger Fähen ist er besonders deutlich sichtbar. Die ersten Haare fallen an den Schultern aus. Im August beginnt sich das Winterfell zu bilden.
Das Fell junger Blau- und Weißfüchse aus freier Wildbahn ist anfangs völlig dunkel; die russischen Pelzjäger nennen diese Altersstufe Nornik („Höhlenbewohner“). Die späten Sommerfelle sind an den Seiten, der Bauchpartie und an den Läufen heller, während der dunkelgraue Farbton auf Nacken, Schultern und Rücken bleibt, wo er eine kreuzähnliche Zeichnung ergibt. Diese Felle werden als Krestowatik („Kreuzträger“) bezeichnet.
1960 traten in Polen in Einzelfällen erstmals auch von Geburt an weiße Tiere auf, deren systematische Zucht weiter verfolgt wurde. Auch in Norwegen sollen solche Tiere vorgekommen sein. Bei den in Polen aufgetretenen weißen Jungfüchsen handelte es sich wahrscheinlich um zwei genetisch verschiedene Mutationen. Bereits nach einigen Tagen waren zwei Mutationen leicht zu unterscheiden, die einen blieben reinweiß, die anderen hatten die charakteristische Zeichnung und Farbe des Platinfuchses.J. Szumann: Neugeborene Eisfüchse im weißen Haarkleid. Aus: Brühl Juli/August 1968, VEB Fachbuchverlag Leipzig, S. 10–11.
Zuchtblaufüchse weisen einen völlig anderen Haaraufbau auf als ihre wilden Vorfahren. Das Wollvlies ist dünner, die Haarstärke beträchtlicher. Auch farblich zeigt sich ein verändertes Bild. Das Grundhaar ist praktisch weiß und nur im unteren Bereich grau angetönt. Die Grannenenden zeigen mehr oder weniger bläulichbraune Färbung.
Die Herkommen aus Wildfängen werden vom Handel unterschieden in Russland-Sibirien: Mittelgroß, mittelrauch; sehr seidig. Hellfarbig, teils gesilbert. Etwa gleich dem Grönlandtyp. Arctic (Arc): Aus Nordkanada und Westgrönland. Mittelgroß, seidig und bei heller und dunkler Farbe mitunter auch silbrig. Isländer: Klein, hellgrau, teils wollig, fast milchiges, bläulichgrau erscheinendes Unterhaar. Rücken und Schweif oft mit weißen Grannen durchmischt. Island liefert die schwächeren, Grönland die kräftigeren Qualitäten.Dr. Heinrich Dathe, Dr. Paul Schöps, unter Mitarbeit von 11 Fachwissenschaftlern: Pelztieratlas. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1986, S. 131–133. Grönländer: Fast violettschimmernd, licht mit hellem seidigen Grannenhaar. Silberung oft markant. Üppig behaarte Wamme. Alaska: Herkommen Hudson Bay und Labrador (Alaskatyp) sind groß, sehr rauch (vollhaarig) und seidig. Dunkel und wenig gesilbert. Die Alaskasorten sind größer, aber etwas gröber und wolliger im Haar, jedoch blau.
Der Haltbarkeitskoeffizient für Edelfuchsfelle wird mit 50 bis 60 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Dr. Paul Schöps; Dr. H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Blaufuchshaar als fein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40.
In den Handel kommen nur die Winterfelle, sowohl vom Blau- wie auch vom Weißfuchs. Jagd und Fang von Jungtieren im Sommerkleid sind verboten. Allgemeine Jagd- und Fangverbote für Polarfüchse bestehen in Schweden seit 1928, in Norwegen und Finnland seit 1930.
Geschichte, Handel, Zucht mini|Üppige Blaufuchsschals und Muffe. Aus einem amerikanischen Prospekt aus dem Jahr 1910. Dem Pelzhändler Stepan Glotow war es 1759 gelungen, über die Inseln Unalaska und Umnak die Küste von Alaska zu erreichen. Bald schon folgten andere, um den märchenhaften Pelzreichtum, der den Sibiriens bei weitem übertraf, auszubeuten. Der bedeutendste Nutznießer war der Kaufmann Gregor Schelechow aus Ochotsk. Bereits von seinem ersten Besuch brachte er neben 17 Tonnen Walrosszähnen, 8 Tonnen Fischleim, 2000 Biberfellen, 4000 Seeotterfellen auch 6000 Blaufuchsfelle mit.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main, 1951, S. 57–58. Inhaltsverzeichnis.
Die Gattin Heinrichs II. von Frankreich, Katharina de Medici (* 13. April 1519; † 5. Januar 1589), besaß während der Höchstpreisphase des Blaufuchspelzes einen sehr kostbaren, aufwendig blaufuchsverbrämten Mantel.Richard Davey: Furs and Fur Garments. The International Fur Store and The Roxburghe Press, London 1895?, S. 82. Das Blaufuchsfell galt schon immer wertvoller als das Fell des Weißfuchses, lediglich etwa in den 1920er Jahren erlebte auch der Weißfuchs eine Blütezeit als glamouröses Kleidungsstück. In manchen Gegenden führte die bevorzugte Bejagung des Blaufuchses dazu, dass sich das ehemalige natürliche Gleichgewicht zugunsten der Weißfüchse verschob. Auf der Beringinsel wurden um 1742 fast nur Blaufüchse erbeutet, die „bis auf einen kümmerlichen Rest“ vernichtet wurden, die Weißfüchse blieben fast unbehelligt (nach Steller). Gleiche Verschiebungen durch diese gezielte Jagd lässt sich auch für das sibirische Eismeergebiet feststellen.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 203–213. Eines der vom Polarfuchs bestbesiedelten Gebiete ist die Westküste Grönlands. Früher kamen hier in einem Fang auf 10 Blaufüchse 7 Weißfüchse. 1961 hieß es: „Seit einiger Zeit lautet das Verhältnis jedoch 5 : 5. An der Ostküste überwiegt der Weißfuchs von jeher. Fangergebnis 2 Blaufüchse zu 10 Weißfüchsen“. mini|hochkant|Marie von Edinburgh, Königin von Rumänien (* 29. Oktober 1875; † 18. Juli 1938) im Maulwurfmantel mit Blaufuchs-Schalkragen Das russische arktische Institut beobachtete auf den Kommandeurinseln, dass etwa alle vier Jahre „Große“ Blaufuchsjahre mit ungewöhnlichen Mengen von Tieren auftreten. 1858 verfügte ein russischer Erlass die Tötung aller Weißfüchse bei gleichzeitiger Einschränkung der Jagd auf den Blaufuchs.Arthur Samet: Pictorial Encyclopedia of Furs. Arthur Samet (Book Division), New York 1950, S. 226–229 (englisch).
Das erste besondere wirtschaftliche Interesse am Blaufuchsfell zeigte sich, als 1835 Russen Blaufüchse nach der Aleuteninsel Kiska, nach Amilia Island und in das Kaskadengebirge brachten, um sie sich dort, anfangs freilaufend, weiterentwickeln zu lassen. 1885 begann dann durch die Semidi Propagation Co. von Kodiak die Farmzucht mit zehn Pärchen wild auf den Pribilof-Inseln lebender Tiere, die zur Zucht auf die Insel Chowiet, das spätere South Semidi, vor Alaska gebracht wurden. Das Unternehmen selbst hatte keinen finanziellen Erfolg, dadurch dass die Gesellschaft auch andere Inseln mit Zuchttieren versorgte, legte sie jedoch den Grundstock für die Blaufuchszucht in Alaska. Der eigentlich Aufschwung begann 1916, nach der durch den Ersten Weltkrieg zeitweilig verursachten verringerten Nachfrage.Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 151 (englisch).
Emil Brass berichtet 1911 über Blaufüchse unter anderem auf den Pribilof-Inseln St. Paul und St. George. Die dort freilaufend gehaltenen, heimischen Füchse sind „groß und gut in Farbe. Die Tiere werden dort sachgemäß gezüchtet und nur die besten Exemplare zur Zucht zugelassen… Es ist dadurch gelungen, die Rasse wesentlich zu verbessern, so dass die Felle einen guten Preis holen. Etwa 500 Stück jährlich werden jetzt dort getötet. Auch auf verschiedenen anderen Inseln an der Küste von Alaska werden Blaufüchse in sogenannten Fuchsfarmen jetzt gezüchtet, wozu das Land von der Regierung zu einem ganz nominellen Betrage gepachtet wird. Diese Unternehmungen bezahlen sich sehr gut. Es kommen jährlich jetzt etwa 3 bis 4000 Blaufüchse von der Küste Alaskas in den Handel nach London, voraussichtlich wird sich diese Zahl aber bald erheblich vergrössern. Auch aus dem nördlichen Sibirien kommen Blaufüchse von guter Qualität und Farbe, grosse Felle, die aber etwas matt in Farbe sind. Die genaue Zahl habe ich nicht feststellen können, es dürften aber nicht mehr als einige Tausend Stück jährlich sein. Die von der Polargegend nach Seattle und San Francisco kommenden Felle bleiben fast alle im Lande. Der Wert eines Blaufuchses ist je nach Qualität 60 bis 200 Mk. per Stück“.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1911, S. 465–468.
1926 waren es sechs Gruppen von Alaska-Inseln, auf denen Blaufüchse gezüchtet wurden. Die erste Gruppe wurde von den südöstlich von Alaska gelegenen Inseln oder dem Alexanderarchipel gebildet; die zweite Gruppe befand sich auf Prinz-William-Sund, die dritte in dem Lower Cook Inlet, die vierte im Kodiak-Afognak-Distrikt, die fünfte auf der Halbinsel Alaska selbst und die sechste auf den Aleuteninseln. Zu der Zeit zeichnete sich jedoch bereits ab, dass eine Gehegehaltung wahrscheinlich weniger verlustreich ist als die Inselzucht. Unter anderem gingen den Züchtern Füchse nicht nur durch Greifvögel verloren, sondern es zeigte sich, dass die Füchse gute Schwimmer sind und auf nahegelegene Inseln oder das Festland verschwanden.