Gerhard Paul Fricke (* 20. August 1901 in Waschke, Posen; † 18. April 1980 in Köln) war ein deutscher Germanist, Literaturwissenschaftler und -historiker.

Beruflicher Werdegang Fricke, Sohn eines Pfarrers, nahm 1920 an der Universität Greifswald das Studium der evangelischen Theologie auf, setzte es in Tübingen und Rostock Immatrikulation von Gerhard Fricke, im Rostocker Matrikelportal, abgerufen am 21. Juni 2026. fort und wurde 1925 promoviert.Titel der Dissertation: Der religiöse Sinn der Klassik Schillers: Zum Verhältnis von Idealismus und Christentum. – Siehe Anschließend studierte er Deutsche Philologie, wurde 1929 promoviertTitel der Dissertation: Gefühl und Schicksal bei Heinrich von Kleist: Studien über den inneren Vorgang im Leben und Schaffen des Dichters. – Siehe und habilitierte sich 1931 in Göttingen.Habilitationsschrift: – Siehe auch Petra Boden, Rainer Rosenberg (Hrsg.): Deutsche Literaturwissenschaft 1945–1965. Fallstudien zu Institutionen, Diskursen, Personen. Akademie-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-05-002930-7, S. 62.

Fricke war 1931 als Privatdozent für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Göttingen tätig, zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.376.295).Bundesarchiv: R 9361-II/258519. Als „Brandredner“ nahm er an der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 in Göttingen teil.Frickes „Brandrede“ ist nachzulesen in: Göttinger Hochschulzeitung Nr. 2 vom 18./19. Mai 1933, Seite 2 f. Eine frühe Stellungnahme Frickes zur Brandrede in: Rolf Seeliger: Braune Universität – deutsche Hochschullehrer gestern und heute. Heft 3, München 1965. – Eine Wertung in: Albrecht Schöne: Göttinger Bücherverbrennung 1933, in: Albrecht Schöne: Vom Betreten des Rasens. Siebzehn Reden über Literatur. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52889-9, S. 187–222 (bes. S. 203 ff. mit Anm. 36).

1934 wirkte Fricke als außerordentlicher Professor in Berlin, später war er als ordentlicher Professor an der Universität Kiel, zudem in der Wissenschaftlichen Akademie des NS-Dozentenbundes tätig und dort Spartenleiter für den Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften, nach ihrem Leiter auch Aktion Ritterbusch genannt. Seine Einstellung wird deutlich am Ende eines in der Zeitschrift für Deutschkunde 1940 abgedruckten Aufsatzes über Das Tragische in deutscher Art und Dichtung: „Vor jener eigentlichen und immer gegenwärtigen Bedrohung aber des tragischen Sinnes und unseres Wesens überhaupt ... bewahrt uns unser Schicksal, das uns, inmitten einer feindlichen Welt zeigt, dass wir Deutsche nur leben können, wenn wir nicht erschrecken, gefährlich zu leben, dass nur der bereitet ist zum Sieg, der bereit ist zum Untergang.“ 1941 wurde er Leiter des Historisch-Germanischen Großseminars an der nationalsozialistischen Reichsuniversität Straßburg.

1949 wurde Fricke, zusammen mit dem ebenfalls aus Straßburg bekannten Ernst Anrich, Gründungsmitglied der Wissenschaftlichen Buchgemeinschaft Darmstadt. 1950 lehrte er an der Universität in Istanbul, ab 1957 an der Wirtschaftshochschule Mannheim. Von 1960 bis zu seiner EmeritierungWerner Treß, Klaus Wettig: Bücherverbrennungen in Deutschland -- Göttingen, (Nachdruck von Julius H. Schoeps, Werner Treß (Hrsg.): Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1922. Georg-Olms-Verlag, Hildesheim 2008), S. 13. im Jahr 1966 hatte er den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte der Universität Köln inne.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Aktualisierte Ausgabe Frankfurt 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 166.

Sein Unterrichtsstil auf der Universität zu Köln wird fiktiv in dem 2014 erschienenen Roman Spiel der Zeit von Ulla Hahn beschrieben.Ulla Hahn: Spiel der Zeit. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014, ISBN 978-3-421-04585-0, S. 335 ff., dazu von der Autorin relativierend auf S. 606: Das Geschehen in den Seminaren hat sich so nicht zugetragen.

Literatur Gudrun Schnabel: Gerhard Fricke. Karriereverlauf eines Literaturwissenschaftlers nach 1945. In: Petra Boden, Rainer Rosenberg (Hrsg.): Deutsche Literaturwissenschaft 1945–1965. Fallstudien zu Institutionen, Diskursen, Personen. Akademie Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-05-002930-7, Seite 61–84 (). Gudrun Schnabel: Fricke, Gerhard Paul. In: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 1: A–G. de Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, . Wilfried Barner: Pioniere, Schulen, Pluralismus: Studien zu Geschichte und Theorie der Literaturwissenschaft. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1997, .

Weblinks

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Einzelnachweise

Kategorie:Literaturhistoriker Kategorie:Germanist Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Hochschullehrer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) Kategorie:Hochschullehrer (Reichsuniversität Straßburg) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Literaturwissenschaftler (Nationalsozialismus) Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1901 Kategorie:Gestorben 1980 Kategorie:Mann