mini|Kirche Wangen an der Aare Die Reformierte Kirche Wangen an der Aare ist die Kirche der reformierten Christen in Walliswil, Wangen an der Aare, und Wangenried im Kanton Bern, Schweiz. Die Reformierte Kirchgemeinde Wangen an der Aare gehört zum Kirchenbezirk Oberaargau innerhalb der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.
Geschichte Wangen war ein der Heiligen Maria und dem Heiligen Kreuz geweihtes Filialkloster der Benediktiner-Abtei Trub. Die erste urkundliche Erwähnung mit Nennung des Priors Cherro fällt ins Jahr 1257. Das Priorat Wangen, zuerst unter zähringischer, dann kyburgischer Kastvogtei, besass das Patronat von Wangen, mindestens im 16. Jahrhundert auch das Patronat der St. Ulrich-Kapelle Thörigen bei Herzogenbuchsee, die Grundherrschaft in der gesamten Pfarrei Wangen, ausser in der Stadt selbst, bis 1501 auch das halbe Niedergericht zu Deitingen und Subingen. In der Pfarrei verfügte die Propstei nebst Twing und Bann über die Zehnten, die Hochwälder, verschiedene Häuser in der Stadt sowie zahlreiche zinspflichtige Güter. Darüber hinaus besass sie weitere Zinsgüter im Oberaargau. Die Stadt Bern übernahm 1406 die Kastvogtei, unterstellte die Propstei seiner Aufsicht und erliess im Februar 1500 eine Gotteshaus-Ordnung in 30 Artikeln, welche Gerichtsbarkeit, Nutzung und Fertigung der Güter regelte.Staatsarchiv des Kantons Bern, A I 320, S. 229–244; Staatsarchiv des Kantons Bern, A I 374, S. 123–133. Johann Dietrich, der letzte Propst von Wangen wurde 1528 mit seiner Frau von Bern mit einem Leibgedinge in Bern abgefunden.
Bau Die archäologischen Befunde der heutigen Pfarrkirche ergaben, dass die Propstei Wangen im 13. und 14. Jahrhundert ein bedeutendes Priorat war. Nach 1200 entstand hier nach dem Vorbild des Mutterklosters und Rüegsau eine Klosterkirche, die mit einer gesamten Länge von knapp 40 Meter und einer Breite von 14,5 Meter diejenige des Mutterklosters Trub übertraf. Die Dimension des Altarhauses mit Seitenkapellen und Mönchschor deuten auf einen ansehnlichen Konvent hin. Das südlich an die Kirche anschliessende Prioratsgebäude ist archäologisch erst fragmentarisch erschlossen. Im Guglerkrieg (1375) oder im Burgdorferkrieg (1383) wurde das Priorat zerstört. Die Kirche wurde daraufhin ohne Mönchschor wieder aufgebaut und der Konvent als Propstei in den nordwestlichen Wehrturm der Stadtmauer verlegt. Die Propstei diente nach der Reformation als Pfarrhaus. Aufgrund einer Bittschrift des damaligen Pfarrers Anton Herport von 1684 liess der Landvogt Beat Fischer das Pfarrhaus renovieren. Herport schrieb: Die Stuben mangeln stückweise vertäfelens, nicht zur Zierd, sondern nur die füechtigkeit des gemäurs zu hindern, damit ich nicht sampt den meinen die gsundheit einbüessen muss.JBOAG (1959), S. 158 online (PDF; 455 kB).
Der bernische Stadtwerkmeister Johann Daniel Osterrieth erweiterte die Kirche 1825 um den westlichen Kirchturm und verlängerte das Kirchenschiff. Die Kirche wurde zuletzt 2011 renoviert.
Glocken Im Turm hängen vier Glocken: Glocke 1 wiegt 1108 kg und hat den Schlagton f′. Glocke 2 ist 562 kg schwer, ihr Schlagton ist a′. Glocke 3 wiegt 342 kg und hat den Schlagton c″. Glocke 4 ist 141 kg schwer, ihr Schlagton ist f″.
Ausstattung mini|Taufstein und Abendmahlstisch der Kirche Wangen (2011) Mehrere Fresken des 13. bis 15. Jahrhunderts, Christophorus, Georg, Ulrich und Mariä Verkündigung darstellend, zieren den Altarraum. Der Abendmahlstisch von 1660 aus Berner Sandstein, wohl nach einem Riss von Abraham Dünz, dient gleichzeitig als Tischgrab für Margaretha Huber, Gemahlin des Samuel Jenner, Landvogt zu Wangen von 1656 bis 1662. Der ebenfalls von Dünz entworfene Taufstein von 1667 ist verbunden mit der Grabplatte der Anna Katharina Wild (1633–1667), gestiftet von ihrem Gemahl, dem Landvogt Samuel Bondeli.
An der Südwand ist ein Epitaph für Hans Jakob Wild (1638–1700), Landschreiber zu Wangen, angebracht. Das nach 1783 entstandene Epitaph des Bildhauers Johann Friedrich Funk für den Landvogt Rudolf Albrecht Zehender (1730–1783), der vor seinem Aufzug verstarb, ziert die Nordwand des Altarraums. Die Standesscheibe aus dem Jahr 1825 entstand nach einem Riss des Berner Zeichners Johann Emanuel Wyss. Der Künstler Jean Prahin (1918–2008) schuf im Auftrag des Kirchgemeinderats 1982 einen Zyklus von neun Glasgemälden mit Szenen aus dem Leben Jesu.
Orgel Auf der Empore im hinteren Teil der Kirche steht eine Orgel mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal, die 1982 von der Firma Orgelbau Mathis aus Näfels gebaut wurde. Das Vorgängerinstrument von 1932 stammte von Orgelbau Kuhn aus Männedorf und hatte 18 Register, ebenfalls auf zwei Manualen und Pedal.Die Mathis-Orgel hat folgende Disposition:Orgelverzeichnis Schweiz und Liechtenstein: Ref. Kirche Wangen a.Aare BE mini|Orgel auf der Empore I Hauptwerk C–g3 Pommer 16′ Prinzipal 8′ Hohlflöte 8′ Spitzgambe 8′ Oktave 4′ Spitzflöte 4′ Nasat ′ Oktave 2′ Terz ′ Mixtur ′ Trompete 8′ II Rückpositiv C–g3 Gedackt 8′ Praestant 4′ Rohrflöte 4′ Waldflöte 2′ Larigot ′ Scharff 1′ Krummhorn 8′ Pedal C–f1 Subbass 16′ Prinzipalbass 8′ Rohrgedackt 8′ Choralbass 4′ Mixtur ′ Fagott 16′ Zinke 8′ Koppeln: I–II, II–P, I–P
Liste der Pröpste und Pfarrer (ab 1257)
Quellen Mit dem Klostergut ging in der Reformation das Propsteiarchiv an die Stadt Bern über (heute Staatsarchiv des Kantons Bern). Staatsarchiv des Kantons Bern, Dokumentenbuch von Wangen, Tom. I (1313–1668). Staatsarchiv des Kantons Bern, Gotteshaus-Ordnung (1500).
Nachreformatorisch: Staatsarchiv des Kantons Bern, Urbar der Grafschaft Wangen (1529). Staatsarchiv des Kantons Bern, Kirchenbücher (1626–1875)
Literatur Urban Fink: Das kirchliche Wangen vor der Reformation. In: Neujahrsblatt Wangen an der Aare (2003), S. 4–11. Karl H. Flatt: Die Benediktiner-Propstei Wangen a.A. und ihre Pröpste, in: Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 43 (2000). Peter Eggenberger: Wangen an der Aare. Reformierte Pfarrkirche. Ehemaliges Benediktinerpriorat. Ergebnisse der Bauforschungen von 1980/81, Bern 1991. Karl H. Flatt: Die Benediktiner in der Schweiz. Wangen an der Aare BE. In: Helvetia Sacra III/1 (1986), S. 1631–1639. Susi Ulrich-Bochsler: Anthropologische Beobachtungen zu den Gräbern im ehemaligen Altarhaus der Pfarrkirche von Wangen a.A. In: Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 26 (1983), S. 115–127. Fritz Heinz Tschanz: Zur neueren Geschichte der Kirche von Wangen an der Aare In: Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 25 (1982), S. 121–158. Peter Eggenberger, Werner Stöckli: Archäologische Untersuchungen in der Pfarrkirche von Wangen an der Aare. In: Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 24 (1981), S. 169–196. Eduard von Rodt: Bernische Kirchen. Ein Beitrag zu ihrer Geschichte, Bern 1912. Franz Thormann und Wolfgang Friedrich von Mülinen: Die Glasgemälde der bernischen Kirchen, Bern 1896, S. 94.
Siehe auch Liste der Kulturgüter in Wangen an der Aare
Weblinks
Informationen zur Geschichte auf der Website der Kirchgemeinde Wangen Berner Zeitung vom 5. März 2011 Liste der Pröpste und Pfarrer von 1257 bis 1844.
Einzelnachweise
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