mini|Schnorren zu Faslam in Mechtersen Faslam (auch: Faßlam, Faslom, Fasslom, Faßlom oder Faselabend) ist ein alter, ländlicher niederdeutscher Winterbrauch. Um die Wintersonnenwende herum zogen die Knechte und Mägde von Hof zu Hof, um mit bunten Verkleidungen und viel Lärm den Winter zu vertreiben. „Erschnorrte“ Speisen und Getränke dienten einem anschließenden Fest. Das Brauchtum lebt bis heute in ähnlicher Form fort.
Ursprung und historischer Kontext Die Bezeichnung „Faslam“ ist wahrscheinlich eine Ableitung vom Faselabend. Ein Zusammenhang mit Fastnacht (dem Abend vor Aschermittwoch) kann eher nicht hergestellt werden, denn der Faslam wird in einigen Orten bereits ab Dezember gefeiert.
Verbreitung Nach bisherigen Erkenntnissen ist das Verbreitungsgebiet des Faslams das nördliche Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, insbesondere im Landkreis Harburg.
Landkreis Celle: Bargfeld Landkreis Cuxhaven: Hollen Landkreis Gifhorn: Betzhorn, Bokel, Bokensdorf, Bottendorf, Zicherie, Hankensbüttel, Masel, Rade, Radenbeck, Schweimke, Steimke, Tülau, Weddersehl, Wentorf, Westerholz (Wesendorf), Wettendorf, Wiersdorf, Zasenbeck, Voitze Landkreis Harburg: Asendorf, Ashausen, Brackel, Dibbersen, Drage, Drennhausen und Elbstorf (Elvendiek), Evendorf, Elstorf, Fliegenberg, Garlstorf, Garstedt, Gödenstorf/Oelstorf/Lübberstedt, Holvede, Halvesbostel, Handeloh, Hanstedt, Harmstorf, Helmstorf, Hoopte, Holm, Hörsten, Hunden, Klecken, Laßrönne, Luhdorf/Roydorf, Marxen, Mienenbüttel, Nindorf am Walde, Oldershausen, Ohlendorf, Pattensen, Ramelsloh, Regesbostel, Rottorf, Quarrendorf, Schierhorn, Sahrendorf, Salzhausen, Scharmbeck, Schwiederstorf, Sottorf, Stöckte, Thieshope, Tangendorf, Tönnhausen, Toppenstedt, Vierhöfen, Undeloh, Wesel, Westerhof, Wulfsen Landkreis Ludwigslust-Parchim: Warlow, Woosmer (Fliegenberg) Landkreis Lüneburg: Boltersen, Mechtersen, Oldendorf/Luhe, Radbruch, Raven-Rolfsen, Soderstorf, Tosterglope, Südergellersen, Nahrendorf, Betzendorf, Wittorf Landkreis Nienburg: Diepenau, Essern, Lavelsloh, Nordel Landkreis Prignitz: Streesow; abweichend in Reckenzin als Ausmaien oder Eierschnorren zu Pfingsten Landkreis Rotenburg (Wümme): Bötersen, Hiddingen, Reeßum, Schwitschen, Elm, Oerel Landkreis Salzwedel: Breitenfeld, Jeggau, Nettgau Landkreis Stade: Burg, Daensen, Kranenburg, Blumenthal, Nottensdorf, Ahrensmoor, Ahrenswohlde, Sauensiek Landkreis Uelzen: Dörmte, Kroetze, Lehmke, Oetzen, Ostedt, kl. Pretzier, gr. Pretzier, Westerweyhe, Jastorf, Nettelkamp, Stadensen, Teyendorf/Göddenstedt, Wellendorf (Suhlendorf) Region Hannover: Wassel Stadt Wolfsburg: Sülfeld, Ehmen, Velstove
Lokale Ausprägungen des Faslamsfestes Der Ablauf des Faslams unterscheidet sich in den verschiedenen Gegenden mehr oder weniger.
Breitenfeld (Gardelegen) mini|Geschmücktes Ortseingangsschild zum Fasslomfest 2006 in Breitenfeld
Das Fasslomfest in Breitenfeld findet an einem Wochenende Mitte Februar statt. Die Vorbereitung obliegt dem Festkomitee, dem ein Schuldknecht und ein Schöffe angehört. Das Dorf wird mit bunten Bändern geschmückt. Schilder an den Ortseingängen verkünden die Faslomzeit. Am Vormittag des Sonnabends beginnt der so genannte Heischezug, hierbei ziehen die Fasslomstüber von Haus zu Haus. Sie verkünden das Frühjahr und die Fruchtbarkeit und erheischen Gaben. Am Abend findet dann eine Auswertung mit anschließendem gemütlichen Beisammensein im Gemeinderaum statt. Am Sonntag folgt ein gemeinsames Mittagessen. Sodann erfolgt die Übergabe einer Wurstkrone beim Bürgermeister, gefolgt von einem Umzug durch das Dorf mit Blasmusik. Die Feiern klingen danach mit Kaffee und Kuchen aus.
Hanstedt (i.d. Nordheide) Die Hanstedter Faslamszeit beginnt angelehnt an den rheinischen Karneval um den 11.11. eines Jahres. An dem naheliegendsten Samstag werden die neue Faslamseltern gewählt und anschließend eine Faslamsparty gefeiert.
Das „richtige“ Faslamsfest findet dann am vorletzten Januarwochenende statt. Am Freitag findet der „Bunte Abend“ mit Büttenprogramm und Tombola statt. Der Samstag beginnt mit dem Schnorren durchs Dorf, geht dann nachmittags mit dem Kinderfasching weiter und gipfelt in den Lumpenball am Abend. Am Sonntag folgt dann der große Faslamsumzug durch das Dorf.
Hollen (Gemeinde Hollnseth) Der Faslom (eher Faßloom) in Hollen wird traditionell am 2. Januar gefeiert. Die vollständige Bezeichnung in Hollen lautet Faßloompietschen. Das Wort Pietschen ist der plattdeutsche Begriff für peitschen. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, sich die Getränke einzupeitschen (he pietscht een Glas non’n annern wech = „er trinkt hastig ein Glas nach dem anderen“).
Am nächsten Vormittag versammelten sich die männlichen jungen Leute zu einem Gang durch das Dorf. Zum Teil kostümiert, zogen sie mit Musik von Haus zu Haus. Mit allerlei Sprüchen forderten die Faslompietscher die Bäuerin auf, von ihren Vorräten an Speck, Schinken, Würsten und Eiern einiges abzugeben, und dem Kiepenträger in seine Kiepe zu tun. Abends und als Abschluss vom Faßloom gab es ein Grünkohlessen. Jeder Einwohner des Dorfes konnte daran unentgeltlich teilnehmen. Bis in die Gegenwart hinein hat sich an diesem Ritual prinzipiell nur wenig geändert.
Die Frauen bzw. Partnerinnen der Männerschar sind beim Hollener Faßloom unentbehrlich. Nicht nur, dass sie für die Bewirtung in den Häusern zuständig sind, sondern auch, dass sie sich abends zu den Faßloompietschern gesellen. In lustigen Verkleidungen und mit viel Spaß und Humor treffen sie auf dem Saal ein, wo dann gemeinsam der große Faßloomball gefeiert wird.
Hoopte Der Hoopter Faslam wurde nach den Überlieferungen erstmals 1924 gefeiert. Den ersten der beiden Faslamstage verbrachten die Faslamsbrüder ausschließlich damit, durchs Dorf zu ziehen und zu schnorren. Am darauffolgenden Tag wurde dann die „Beute“ verzehrt und abends wurde zum Tanz aufgespielt. Am Sonnabendnachmittag findet für die kleinen Faslamsbrüder und -schwestern das Kindertanzen statt. Sonnabends abends ist für die Erwachsenen der Lumpenball mit Tombola auf dem Programm. Den Höhepunkt eines jeden Faslams stellt der Faslamsumzug am Sonntagnachmittag dar. Angeführt wird der Umzug von Faslamsvadder und -mudder in der Kutsche. Es folgen die Festwagen, Fußgruppen und Spielmannszüge bzw. Fanfarenzüge und viele lustig gekleidet und fröhliche Narren. Am Montag treffen sich die Faslamsbrüder und -schwestern zum traditionellen Schnorren. Montagabends wird dann das Zusammengeschnorrte im Festlokal von den aktiven und passiven Faslamsmitgliedern verzehrt. Gut gestärkt beginnt abends de „Danz op de Deel“ mit der Prämierung der Festwagen der Faslamstombola. Mit diesem Ball bis in den frühen Morgen endet der Faslam.
Hörsten Traditionell wird der Faslam in Hörsten am Wochenende nach Rosenmontag gefeiert, wobei wichtige Personen und Utensilien die Faslamsmudder, die Faslamsbrüder, der Faslamskerl und die Faslamsbuddel sind.
Etwa vier Wochen vor dem Faslamsfest findet das sogenannte „Faslamanbinden“ statt. Hier wird besprochen, wie viele Gruppen am Umzug teilnehmen, damit dementsprechend viele Spielmannszüge bestellt werden können. Außerdem wird verabredet, wer sich in diesem Jahr jeweils als Gastgeber für den Faslaslamskerl und für die Faslamsbuddel zur Verfügung stellt (das Suchen fällt dann etwas leichter). Mit einem Schluck Köm für alle wird der Faslam als angebunden erklärt.
Am Samstag beginnt der Faslam mit einem Umzug durch das Dorf. Eine oder zwei Spielmannszüge, etwa zehn bunt geschmückte Wagen, die Faslamsmudder und die drei Faslamsbrüder sowie die buntgeschmückten Umzugsteilnehmer begeben sich auf den Weg. Jede teilnehmende Gruppe hat sich ein Motto (das kann die große Politik, örtliche Themen oder beispielsweise auch nur ein Märchen sein) ausgesucht. Sie suchen den Faslamskerl, eine lebensgroßen Puppe, in dem sich die böse Kornmuhme (ein Geist, der die Kornernte vernichten will) versteckt und die Faslamsbuddel. Während des Umzugs wird geschnorrt. So kommen Geldspenden, Eier, Schnaps und Wurst für den Faslamsschmaus am zweiten Tag zusammen.
Aufgabe der Faslamsbrüder ist es, die Faslamsbuddel zu suchen. Mit Schaufel, Harke und Besen ausgerüstet, graben sie mal hier und mal dort, bis sie die Buddel gefunden haben. Die Faslamsmudder, ein als Frau verkleideter Mann, sucht zur gleichen Zeit ihren Mann, um mit ihm durch einen Tanz das Faslamsfest zu beginnen.
Am Abend gibt es Tanzmusik zum Lumpenball. Am Sonntag gibt es dann den Faslamsschmaus für die Hörster und die Umzugsteilnehmer. Höhepunkt beim Faslamsschmaus ist das „Eierraten“, wie viele Eier gesammelt wurden. Für die drei besten Eierrater gibt es jeweils einen Preis. Der Faslamskerl wird von einigen Hexen verbrannt, um die böse Kornmuhme zu vernichten, damit es in diesem Jahr eine gute Ernte gibt.
Jeggau Das Faslom ist in Jeggau auf zwei Tage verteilt. Am Sonnabend werden die Gaben im Dorf eingesammelt, dabei geht der Wurstsammler, begleitet von den Kiepenträgern, von Haus zu Haus und spricht folgende Worte: „Wenn ihr ‘ne gute Ernte hebben wollt unn’ en schönet Fröjoar, dann gäwt us ‘nen paar Eier in uns Kiew, dann wern die heilig, und wi warn riek.“ Eier und Geld wandern in die Kiepen, die Wurst wird auf die Wurstgabel aufgespießt. Während des Rundganges durch das Dorf wird gerufen: „Wat iss hüt un morg’n?“. Zur Antwort erschallt: „Hüt unn morg’n iss Fasslom.“ Zusätzlich tragen die Fasslomsvereinsmitglieder Birkenruten und schlagen damit auf alles, was fruchtbar werden soll, insbesondere junge Mädchen, ein. Der Schultenknecht und die Schöffen überwachen das Treiben. Am Sonntagabend findet der Fasslom-Ball statt, auf dem der Schuldenkönig ernannt wird. Das ist derjenige, der die meisten Vergehen begangen hat, welche die Schöffen am Vorabend notiert haben. Auf dem Ball gibt es dann auch das große Eierbackessen. Nicht zu vergessen ist das Schleifensammeln, dabei werden von den Frauen bunte Schleifen an die beliebtesten Tänzer aus Jeggau und Eigenthum verteilt, die dann abgetanzt werden müssen. Wer die meisten Schleifen bekommen hat, wird zum Schleifenkönig ernannt. Ein weiterer Höhepunkt stellt die Abholung der Wurstkrone beim Bürgermeister dar, diese hat das Aussehen einer Richtkrone und ist aus Tannengrün gebunden. An den Ecken befinden sich die Würste und bunte Bänder. In dieser Form wird der Brauch seit 1906 ausgeführt. Nach einer Pause in den sechziger Jahren lebte er 1988 wieder auf.
Oetzen In Oetzen wird Faslam jährlich von der örtlichen Landjugend ausgerichtet. Es beginnt mit einem Umzug verkleideter Teilnehmer durch den Ort, wobei man an jedem Haus die Bewohner nach Lebensmitteln fragt. Am Ende des Umzuges werden alle gesammelten Lebensmittel im Oetzener Schützenhaus zu einem Abendessen zubereitet, an welchem die Einwohner des Ortes ebenso teilnehmen dürfen wie die Umzugsteilnehmer. Im Anschluss an das Abendessen findet im Schützenhaus eine öffentliche Feier statt. Die Feiernden sind hierbei ebenfalls verkleidet.
Ohlendorf In Ohlendorf findet der Faslam jährlich rund um den dritten Samstag im Januar statt. Den Auftakt bildet, wie bei nahezu allen Faslamsclubs in der Umgebung, das Anbinden im November. Hier werden Faslamsvadder, -mudder und zwei Kinder gewählt. Diese „Faslamsfamilie“ hilft dem Vorstand bei der Organisation des Faslam. Außerdem führt jedes Mitglied der Familie eine Gruppe beim Schnorren am Samstag an und ist verantwortlich für das Erschnorrte. Zusätzlich repräsentiert die Faslamsfamilie den Faslamsclub Ohlendorf auf fremden Faslams. Es wird zudem ein Montagsmotto gewählt, welches den Abschluss des Faslamsfestes am Montag bildet. Nebenbei werden noch zwei Faslamsclowns bestimmt, die am Samstagnachmittag den Kindertanz organisieren und betreuen.
Am Freitag findet jedes Jahr ein großer Skat-, Dart-, Knobel- und Bingoabend statt, auf dem Fleisch- und Sachpreise durch rege Teilnahme zu gewinnen sind.