mini|Claudia Rapp (2020)

Claudia Rapp (* 20. Juni 1961 in Gießen) ist eine deutsche Byzantinistin. Seit 2011 lehrt sie als Professorin an der Universität Wien im Bereich Byzantinistik und Neogräzistik. Seit 2023 ist sie zudem Direktorin des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Nach dem Studium an der FU-Berlin und Promotion an der University of Oxford wurde Rapp 1993 Professor an der Cornell University und war von 1992 bis 2011 an der University of California in Los Angeles (UCLA) in verschiedenen Funktionen tätig. Seit 2023 ist sie zudem Direktor bei dem österreichischen Exzellenzcluster EurAsian Transformations.Curriculum Vitae von Prof. Rapp auf ihrer Seite bei der Uni Wien (Stand 2024).

Leben und Laufbahn mini|Österreichische Akademie der Wissenschaften Hauptgebäude in Wien: Rapp leitet die Abteilung Byzanzforschung.

Claudia Rapp wurde 1961 in Gießen, orf.at, Memento im Internet-Archiv-Server. Artikel vom 8. Juni 2015, abgerufen am 8. Juni 2015. geboren und wuchs in West-Berlin auf. Nach ihrem Gymnasialabschluss 1979 studierte sie an der Freien Universität Berlin bis 1984 Geschichte, Alt-Griechisch, Klassische Philologie und Byzantinistik, zunächst mit dem Ziel Lehramt. Dort lernte sie unter anderem bei Paul Speck zu Hagiographie und bei Ralph-Johannes Lilie über historisches Denken. Nach der Zwischenprüfung 1984 wechselte sie an die Universität Oxford, wo sie 1988 ihren ersten wissenschaftlichen Artikel veröffentlichte. 1992 promovierte sie bei Cyril Mango mit einer Arbeit zur Vita des Bischofs und Heiligen Epiphanios von Salamis (um 315–403). Weitere wichtige Lehrer in Oxford waren James Howard-Johnston (Militärhistorie) und Michael Whitby (Historiographie).Claudia Rapp: Holy Bishops in Late Antiquity. The Nature of Christian Leadership in a Time of Transition (= The Transformation of the Classical Heritage. 37). University of California Press, Berkeley CA u. a. 2005, ISBN 0-520-24296-3, S. xi.Hartmut Leppin: Laudatio auf die Preisträgerin Prof. Dr. Claudia Rapp. In: Hartmut Leppin, Stefan Rebenich (Hrsg.): Elitekultur und christliche Religiosität in Spätantike und Byzanz. Karl-Christ-Preis für Alte Geschichte, Band 6. Verlag Antike: 2024. ISBN 978-3-911065-06-1, S. 15–27.

In der Folgezeit wechselte sie in die USA. Sie war dort von 1992 bis 1993 Visiting Lecturer an der University of California, Los Angeles, dann von 1993 bis 1994 Assistant Professor an der Cornell University, sowie von 1994 bis 2001 Assistant Professor für spätantike Geschichte, nun wieder an der UCLA, von 2001 bis 2006 ebendort Associate Professor und von 2006 bis 2011 Full Professor. 2005 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem Titel Holy Bishops in Late Antiquity, besonders inspiriert durch Ideen des Althistorikers Peter Brown.Hartmut Leppin: Laudatio auf die Preisträgerin Prof. Dr. Claudia Rapp. In: Hartmut Leppin, Stefan Rebenich (Hrsg.): Elitekultur und christliche Religiosität in Spätantike und Byzanz. Karl-Christ-Preis für Alte Geschichte, Band 6. Verlag Antike: 2024. ISBN 978-3-911065-06-1, S. 15 - 27. hier S. 20 - 21.

Seit 2011 ist sie Professorin für Byzantinistik am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien und leitet die Abteilung Byzanzforschung am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Für Rapp erschien Wien bei ihrem Wechsel dorthin wie ein „Schlaraffenland der Byzantinistik“, wegen der Vielfalt der hier vorhandenen Forschungseinrichtungen und wegen des großen byzantinischen Handschriftenbestandes in der Nationalbibliothek.Interview von Petra Schiefer mit Claudia Rapp in: Uni Wien, Medienportal, Titel: Claudia Rapp: "Der europäische Traumjob": am: 19. März 2012.(abgerufen: 12.08.2025)

Neben den Professuren in Los Angeles und an der Uni Wien hatte sie zahlreiche (Gast-)Professuren bzw. Fellowships in fünf Ländern: so war sie von 1997 bis 1998 Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton, 2002 Gastprofessorin an der Universität Utrecht, 2004 hatte sie die Belle van Zuylen-Professur an der Universität Utrecht inne, 2005 hatte sie eine Fellowship für Byzantinische Studien in Dumbarton Oaks, 2008 bis 2009 war sie Visiting Fellow am All Souls College in Oxford und 2009 Senior Visiting Scholar an der Alexander S. Onassis Public Benefit Foundation. 2010 war sie Visiting Scholar an der Hebrew University of Jerusalem, 2012 Visiting Professor an der École des hautes études en sciences sociales, Paris.

Forschung und Wissenschaftsorganisation

Die Forschungsschwerpunkte von Rapp im Bereich der Byzantinistik sind: Kultur- und Geistesgeschichte, Sozial- und Religionsgeschichte, Ritual und Kommunikation, Schriftkultur sowie die byzantinische Spätantike.Forschungsschwerpunkte von Rapp gelistet auf ihrer Infoseite bei der Uni Wien (abgerufen am 28.07.2025)

Rapp begann ihre wissenschaftliche Karriere mit handschriftlichen Forschungen zu hagiographischen Lebensbeschreibungen von heiligen Männern und Frauen. Seit längerem hat sie in diesem Zusammenhang ein besonderes Interesse an der "Geschichte von unten", d. h. an der Sozialgeschichte der Bevölkerung jenseits von Kaiserhof und Aristokratie. Sie lässt sich bei der Auswahl von Forschungsvorhaben von Gegenwartsthemen leiten und sieht historische Ereignisse auch als Möglichkeit, die Gegenwart besser zu verstehen.Interview von Rapp durch Birgit Dalheimer im ORF als Podcast am 5.Juni 2026 (abgerufen am 13. September 2026)Universität Wien: Text zur Forschungstätigkeit von Rapp und insbesondere zum Projekt "Mobility and Microstructures" (abgerufen am 14. September 2026)

Im Bereich der Wissenschaftsorganisation war Claudia Rapp unter anderem von 1995 bis 2003 an der Organisation des Byzantinistiksymposiums der UCLA beteiligt, 1998 bis 1999 Präsidentin der Byzantine Studies Conference und von 2009 bis 2010 Präsidentin der Byzantine Studies Association of North America. Von 1999 bis 2010 hatte sie den Vorsitz der Multicampus Research Group History and Culture of Late Antiquity, eines Projekts aller zehn kalifornischen Staatsuniversitäten zur Förderung der Forschung auf den Gebieten Spätantike und Frühbyzanz. 2001 bis 2002 war sie stellvertretender Direktor des Gustav von Grünebaum Center for Near Eastern Studies an der UCLA sowie von 2002 bis 2007 im Executive Committee des U.S. National Committee for Byzantine Studies.

Rapp war von 2021 bis 2025 Vizepräsident der Union Académique Internationale.

Claudia Rapp und ihr Team organisierten 2026 den 25. Internationalen Kongress für Byzantinistik (ICBS-2026) in Wien unter dem Motto "Byzantium beyond Byzantium", der von etwa 1500 Teilnehmern besucht wurde.Homepage der Kongressorganisation des ICBS2026

Aktuelle Forschungsprojekte mini| Katharinenkloster im Sinai: Rapp war wissenschaftlicher Leiter des Palimpsest-Projektes (2011–2017), welches die Schriften der dortigen Bibliothek untersuchte. (s. u.)

EurAsian Transformations (ab 2023): Im März 2023 gewannen Rapp und Kollegen aus weiteren Institutionen mit ihrem Vorschlag „EurAsian Transformations“ einen der für Österreich neuen Exzellenzcluster des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF).Österreichischer Wissenschaftsfond (FWF): Projekt EurAsia (Eurasian Transformations) (abgerufen am 7.12.2025) Sie leitet als „Director of Research“ zusammen mit dem „Board of Directors“ den mit 9,2 Mio. Euro geförderten Cluster, welcher das kulturelle Erbe Eurasiens erforschen soll. Beteiligt sind 31 Österreichische Wissenschaftler aus 4 Institutionen (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Universität Wien, Zentral Europäische Universität und Universität Innsbruck) in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Im Focus steht die gesamte Region von Europa bis nach Asien und ihre Entwicklung über die letzten drei Jahrtausende. Die fünf Themenfelder des Clusters sind: Imperiale Dynamiken und deren Grenzen, ökologische und wirtschaftliche Transformation, Vielfalt von Sprachen und Kulturen, Mobilität und Migration, Konstruktionen von Identitäten und Differenzen. Die nächste Generation von Forschenden soll im Rahmen des Clusters geschult werden im Umgang mit dem schriftlichen kulturellen Erbe und den Ausgangssprachen. Der Cluster soll strukturbildend sein, d. h. die Strukturen über die FWF-Förderung hinaus bestehen. Die Ergebnisse werden nach fünf Jahren evaluiert und der Cluster bei Erfolg verlängert.Uni Innsbruck: Startschuss für Exzellenzcluster „Eurasian Transformations“ (vom 21.11.2023)(abgerufen am 02.08.2025)Uni Innsbruck: "Exzellenzcluster für geisteswissenschaftliche Forschung" (vom 19.12.2023) (abgerufen am 02.08.2025) mini|links | Prof. Claudia Rapp (2022): Vortrag an der BBAW Berlin.

Moving Byzantium (2015–2021)Flyer zum Projekt Mobility von 2019 (abgerufen am 29.07.2025): Rapp erhielt im Jahre 2015 den sogenannten Wittgenstein-Preis des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF), welcher als Förderpreis mit einer Fördersumme von 1,5 Mio. Euro für ihr Forschungsprojekt verbunden war. Dieses Projekt erhielt den Namen „Mobility, Microstructures and Personal Agency“. Ziel dieses Unternehmens war es, in einer Reihe von Teilprojekten einerseits kulturelle Kontakte und Austausch in Europa und bis nach Asien zu erforschen und andererseits, die soziale Durchlässigkeit in Byzanz und die Möglichkeiten dort, sich soziale Handlungsspielräume zu schaffen, zu erkunden. Dadurch sollte eine Neuorientierung des Byzanzbildes und der Byzanzforschung erreicht werden.Österreichische Akademie der Wissenschaften: Projekt Byzanz in BewegungUni Wien zu Prof. Rapp und Wittgensteinpreis 2015 (abgerufen am 29.07.2025) Ergebnisse wurden 2021 in einer Abschlusskonferenz vorgestellt und in der Reihe Moving Byzantium in zwei umfangreichen Bänden als Open-Access publiziert.Reihe Moving Byzantium bei Verlag Vandenhoeck & Ruprecht: (1) Mobility and Migration in Byzantium. A Sourcebook: 2023 und (2) Microstructures and Mobility in the Byzantine World. 2024.

Vienna Euchologia Project (VEP) (2015–2024): Erfassung und Analyse von byzantinischen Gebetsbüchern (ab dem 8ten Jahrhundert bis in die nachbyzantinische Zeit um 1650) mit Sammlungen von Gebeten für spezielle Anlässe. Daraus lassen sich Informationen über das Alltagsleben in Byzanz gewinnen. Solche kurze Gebete gab es z. B. für Käse-Herstellung, Fischen, Kirchenbau und den ersten Schultag eines Kindes. Es wurden etwa 3000 Texte gefunden, die in einer Datenbank erfasst werden sollten. Das Projekt erfasste einerseits die diversen Quellen, andererseits wurden in Teilprojekten spezielle Themen untersucht: zB. die Beziehung zu historischen Ereignissen, regionale Gemeinschaften oder die Erlebnisse von Frauen bei Schwangerschaft und Geburt. Rapp war wissenschaftlicher Leiter (PI) des VEP.Seite des Eucologia Projekts bei der ÖAWVideo zum Eucologia-Projekt mit mehreren Beiträgen und C.Rapp als Moderator (23.11.2022)

Sinai Palimpsests Projekt (SPP) (2011–2017): In diesem Projekt wurden wiederverwendete alte Handschriften (Palimpseste) in der Bibliothek des Katharinenklosters im Sinai auf Teile der ursprünglich enthaltenen gelöschten und überschriebenen Texte hin untersucht. Die nunmehr 172 bekannten Objekte gehen bis ins 3. Jahrhundert zurück und sind in den Sprachen Kaukasisch-Albanisch, Aramäisch, Syriac sowie Alt-Griechisch und weiteren verfasst. Es kamen neue technische Verfahren wie Multi-Spektral-Fotografie und folgende Computer-Analyse zur Anwendung. Rapp war "Scholarly Director" des Projektes unter dem Projektleiter Michael B. Phelps. Claudia Rapp (Hg.), Giulia Rosetto (Hg.), Jana Gruskova (Hg.), Grigory Kessel (Hg.): New Light on Old Manuscripts. The Sinai Palimpsests and Other Advances in Palimpsest Studies. Reihe: Veröffentlichungen zur Byzanzforschung, 45, Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse, 547. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2023. (Open Access). S. 13–14.Sinai Palimpsests Projekt

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